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Jüdische Rundschau · 1914-02-20 · Heft 8 (20.2.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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/ Nr. 8 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 81 Ergebnisse der Aktion für das hebräische Schulwerk Im folgenden sind alle Orte angeführt, die wenigstens 50— M. abgcliefcrt haben. Der Ausweis umfaßt alle in Nr. 1 bis 7 der ״Welt“ einzeln ausgewiesenen Beiträge für den Zentralfonds und die diesem angcglicdertc Abteilung für das hebräische Schul werk. Aus Deutschland: 1. Berlin , , , 15 333.30 2. Breslau , . . 3 163.65 3. Königsberg . 2 083.50 4. Elberfeld . . * » 1 751.72 5. Mannheim . . 1 676.- 6. Hamburg . , 1 503.25 7. Beuthen. , . 1 103.- 8. Frankfurt a. M. * 970.- 9. Zwickau . . 970.- 10. München . . 650.- 11. Posen , . . 626.50 12. Danzig . , . 580.- 13. Köln . . . 584.— 14. Chemnitz . . « 485.- 15. Essen , . . 1 420.- 16. Nürnberg . . 405.- 17. Eydtkuhnen . * 380.- 18. Lüneburg . . 360.- ■ 19. Straßburg . . * ־ 352.50 20. Hannover . . * * 33S. ~ 21. Kon starz-Gailingen 300.-- 22. Ratibor . . 290.- 23. Kattowitz . . 260.- 24. Zabrze . . . » 239.- 25. Dresden. , . * « 184.- 26. Karlsruhe . . 1S1.90 27. Gotha . . . 1 י 172.- 28. Militsch . . 150.- 29. Heidelberg 130.- 30. Esch wege . . *■ 128.- 31. Kassel . . . 125- 32. Halbcrstadt . » 120.- 33. Leipzig . . . 115.— 34. Cottbus . . . 100.- 35. Dessau . . . » 100.- 36. Floß .... t 100.- 37. Ottenburg i. B. t ' 10().- 38. Winzenheim . 100.— 39. Oollub . . . 95— 40. Bromberg . . 90— 41. Halle . . . » 90— 42. Eberswalde , * » 75— 43. Koschinin . . * 70.71 44. Kiel .... » 70— 45. Glcisvitz . . 65— 46. Wronke . . , 60— 47. Metz .... 50.10 48. Lübeck . . . « « 50— 49. Mühlhausen . 50— 50. Schlüchtern . » 50— 51. Wcinlieim a. d. B. . 50— Andere Orte . . . 2 169.66 Zusammen Mark 39632.13 us den Landesorgam sa t io nen: 1. Rußland . . * « 58023.04 2. Deutschland . * 39 632.13 3. Westösterreich * 11 725.62 4. Galizien . . * 5 396.97 5. Türkei . , . 5 035.92 6. Kanada . , . 3 357.60 7. Amerika . . ♦ » 28-11.20 8. England . . « 1 112.92 9.. China , . . * * 816— 10. Ungarn . . . 649.55 11. Südslav. Länder . ■ 6ü1.'85 12. Rumänien . . » 496.80 13. Bukowina . . 482.51 14. Holland , . 431.10 15. Belgien . , . 244— 16. Italien . . . \ 244— 17. Südafrika . . 239.95 18. Bulgarien . . 208.07 19. Schweiz . . . 172.48 20. Frankreich . . 97.60 insgesamt Mark 131 812 31 Dazu Ausweis Nr. 8; 27 912.32 Bisheriges Resultat 159 794.63 Der Ausweis der dieswöchigen Nummer stellt mit 27912,32 M, den höchsten dar, der bisher in der Aktion für das hebräische Schulwerk erschienen ist. Es hieße die Bedeutung dieser Zahl abschwächen, wenn wir die großartige Anstrengung, die aus diesen Ziffern spricht, des langen und breiten kommentierten. Die Summe von fast 150 000 M., die bisher eingegangen ist, der Betrag von fast einer Viertel Million, der bisher für das hebräische Schulwerk gezeichnet wurde, reden eine Sprache, die auch den am meisten abseits Stehenden erreichen und erschlittern muß. Zur Richtigstellung Die ״Laubhütte" brachte am 29. Januar 1914 folgende Notiz: Jüdische Waiscncrzlehung und die Zionisten in Jerusalem Aus Jerusalem, 16. Januar, schreibt man uns: Infolge des Sprachcnstrcitcs hat die zionistische Leitung in Jerusalem aus dem Waisenhause unter Leitung der Frau Cohn die Waisen, die dort auf Kosten des zionistischen Komitees erzogen werden, herausgenommen und sie im Hause des religiös radikalen Ben Jeliuda untergebracht. In diesem Hause kennt man das jüdische Speisegesetz nicht. Die Waisen stammen aus Kischinew, wo ihre Eltern beim Pogrom umkamen. Gehen den Misrach ist en bald die Augen auf? Dazu teilt uns ein genauer Kenner von Jerusalem mit, daß die Waisenkinder, die das Haus von Frau Cohn verlassen hatten, nicht im Hause von Herrn Ben jeliuda untergebracht wurden, sondern daß für sie sofort eine besondere Wohnung gemietet wurde, in der sic unter der Aufsicht derselben Schulleiter!'« stehen, die bereits früher die Leitung hatte und gleichfalls das Haus von Herrn Cohn verließ. Einige von den Waisen hielten sich allerdings einige Stunden in dem dem alten Waisenhause gegenüberliegenden Hause Ben Jchudas auf, bis sie in die neue Wohnung gebracht wurden. Persönliches Vor wenigen Tagen wurde der 50. Geburtstag von Israel Za ng will gefeiert. Es ist überflüssig, in unserem Blatte darauf hinzuweisen, welche Bedeutung dieser Mann für das Judentum unserer Zeit hat. Einer der bedeutendsten jetzt lebenden Dichter englischer Zunge, eine kraftvolle, von edler Romantik getragene Persönlichkeit, hat er sich in den ersten Anfängen des Zionismus bereits an Theodor Herzt .־)!!geschlossen und war ein Führer der zionistischen Bewegung in jenen Jahren, Durch die Uganda-Angclegeniieit ist Zangwill dem Zionismus entfremdet worden. Er hat den Standpunkt der zionistischen Mehrheit, daß ilie Erlösung des Volkes nur von Erez Israel kommen könne, nicht geteilt. Er hat nach seinem und seiner Freunde Auszug aus dem Kongreß eine neue Bewegung, den Territorialismus, einzuleiten versucht und eine neue Organisation, die lto, begründet. Die Geschichte hat gegen Zangwill entschieden; seine Organisation ist über das mifruchtbare Suchen nach einem ״Territorium“, worauf man die Juden ansiedeln könnte, nicht liinausgekommen. Die bleibende Bedeutung dieses Mannes liegt int seinen dichterischen Werke», die zum großen Teil jüdische Stoffe behandeln und mit großer stilistischer Meisterschalt die verschiedensten Epochen der jüdischen Geschichte vor uns lebendig werden lassen Vielleicht darf an dieser Stelle auch erwähnt werden, daß in diesen Tagen Deutschland das Fest des 80. Geburtstages'von Ernst Hacek el gefeiert hat. Das Wirken dieses Mannes hat ja keine unmittelbaren Beziehungen zum Judentum, aber es ist kein Zweifel, daß der Siegeszug seiner Philosophie, der Weltanschauung des Monismus, durch ganz. Deutschland nicht möglich gewesen wäre, wenn er nicht eine außerordentlich starke Anhängerschaft unter den deutschen Juden gefunden hätte. Seine Ideen eines modernen Materialismus haben hei der kosmopolitisch gerichteten und materialistisch gestimmten Oberschiebt der deutschen Juden großen Anklang gefunden. Wir stehen nicht an, zu behaupten, daß der Sieg des Monismus in einen) gewissen Zusammenhang mit der Assimilation stellt, und daß das deutsche Judentum, wenn cs die Assimilation überwinden wird, auch den Monismus dorthin verweisen wird, wohin er gehört: zu den iinfrtielvlbaren Weltanschauungen. Wir haben bereits vor einiger Zeit gemeldet, daß der Philosoph Henri Berg so n für die französisclie Akademie kandidierte. Gegen seine Kandklatur hatte sich in Frankreich eine ziemlich starke Gegenbewegung bemerkbar gemacht, die hauptsächlieh von den Antisemiten ausging. Diese konnten es sich nicht vorstellen, daß ein Jude nunmehr zum ersten Male in die vornehmste wissenschaftliche Körperschaft aufgenommen werden sollte, die Frankreich besitzt, in die Akademie der 40 Unsterblichen. Trotz dieser Gegenagitation ist in der vergangenen Woche Henri Bcrgson, dessen Bewerbung auch von Herrn Poincare, dein Präsidenten der Republik, unterstützt wurde, in die Akademie aufgenommen worden. Wir haben keinen Anlaß, hierüber zu triumphieren, denn Bergsons Beziehungen zum Judentum sind sehr wenig intensiv, aber er ist doch ein Jude, und in seiner Philosophie sprechen die besten Kräfte des Judentums. Es ist ein Sieg des jüdischen Geistes, daß Bergsons Philosophie der Intuition fast allgemein als die Lehre anerkannt wird, die geeignet ist, den unheilvollen Materialismus unserer Zeit zu brechen. Ueber die Landarbeiterfrage Palästinas Wir veröffentlichen in dem Beiblatt dieser Nummer den Schluß eines Artikels von Leo Ros e n b e r g über die Landarbeilerfragc Palästinas. Wir müssen zu diesem Aufsatz, die Bemerkung machen, daß manche seiner Ausführungen in der pessirnistisehen Beurteilung mancher palästinensischen Verhältnissc zu weit gehen. Wir glaubten den Artikel, den die ״Welt“ brachte, unverändert abdrucken zu sollen, weil er eine wertvolle Kritik darstellt. Aber es soll nicht unterlassen werden, ihn in den Punkten zu berichtigen, die in der Kritik übertreiben. So wird es vor allem von Palästinensern, die wir befragt haben und die die Verhältnisse genau kennen, auf das entschiedenste bestritten, daß die arabische Sprache bei den palästinensischen Juden die Rolle spielt, die Rosenberg ihr zuweist. Der Berliner Palästina-Kurs Am 22. Januar hielt Herr Prof. Warburg im Rahmen des von der B. Z. V. veranstalteten Palästina-Kurses einen Vortrag über die E n t w 1 c k - lung der jüdischen Landwirtschaft in Palästina. Er verwies einleitend darauf, daß der Verfall der Landwirtschaft und die damit zusammenhängende Entvölkerung Palästinas seit dem klassischen Attertum einerseits auf die häufigen Einfälle der Beduinen und die dadurch hervorgerufenen zerrütteten politisehen Verhältnisse, andererseits auf die Konzentricrung des Bodens im Großgrundbesitz zurückzuführen seien, der kein Interesse an einer rationellen Bewirtschaftung des Landes zeigte; keineswegs könne matj aber annchmcii, das Land sei seit dem geschiehtliehen Alter ausgedörrt, denn dein würden die statistischen Angaben widersprechen, die uns zeigen, daß viele Landstriche Palästinas an durchschnittlicher Regenmenge den regenreichsten Gegenden Deutschlaiuls glciclikommcii. Palästina und das angrenzende Syrien könnten daher bei intensiver Bewirtschaftung des Bodens zumindestens eine Vcrfünffachung ihrer jetzigen lkvölkeruiigszahl vertragen. Der Redner kam sodann auf die nhysikalische Gcographie und die klimatischen Verhältnisse des Landes zu sprechen und hob hervor, daß Palästina, weil es außerhalb der Frostgrenze liege, für gewisse Nutzpflanzen (Mandel- und Oelbäutne) ein Vorzugsgcbiet darsMIe. Im übrigen gebe die geologische Zusammen- Setzung des Landes (Mergelstein) einen sehr fruchtbaren, insbesondere für Baumkulturen geeigneten Boden ab. ׳Die moderne Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina, die seit 1878 datiert, erfuhr zuerst durch die russische Hilubcwcgiiiig, eine Vorläuferin des politischen Zionismus, mächtigen Impuls, geriet dann in Schwierigkeiten und wurde ,.׳iihrenu der achtziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrlumderts von Baron Edmund Rothschild stark gefördert. Aber dieses rein philanthropische System konnte sich auf die Dauer nicht bewähren, aa es nicht geeignet war, Arbeitsfreude bei den Kolonisten zu wecken. ’ Neuerdings hat die zionistische Organisation in der jüdischen Kolonisation Palästinas die Initiative ergriffen, wobei sie von dem Bestreben geleitet ist, auf den bisherigen Erfahrungen fußend im Sinne ihrer Tendenz eine bodenständige, freie jüdische Bauernbevölkerung zu schaffen. Die Ausführungen Professor Warburgs, die, von strenger Sachlichkeit getragen, eine Fülle interessanter Einzelheiten boten, wurden von den Anwesenden mit Aufmerksamkeit verfolgt und hinterließen den Eindruck, daß unsere Bewegung aus dem Stadium des Experimentieiens herausgekommen ist. Den letzten Vortrag im Palästina-Kurse hielt Herr Dr. E. W. Tschlenow, enthusiastisch vom Auditorium begrüßt. Er sprach von der jüdischen A r b e i t i n [י a l ä s t i u a. ' Drei Arbeitsgebiete seien in Betracht zu ziehen: die Landwirtschaft, die Städte und die Kultur. Der erste Versuch einer landwirtschaftlichen Ko- Ionisation ging von sieben Jerusalemer Juden aus, die im Jahre 1878 800 Duimm in der Nähe von Jaffa kauften und damit die Kolonie Petliach-Tikwah gründeten. Im Jahre 1882 wurden die Kolonien Rosch Pinah, Sichron Jakob, Risclton le-Zion von russischen Juden gegründet, andere folgten; es seien •noch die itn Jahre 1805 gegründeten, Mctullah und Kastinic, erwähnt. Jetzt gibt es in Palästina 77 Kolonien, die 500000 Dunani Land umfassen. Eine große Rolle spielt der Weinbau, der einen starken Export erreicht hat. Die Orangcnkultur nimmt ungefähr 2 ״/״ des Bodens in Anspruch. Im ganzen beträgt die Zahl der Juden in Palästina jetzt ungefähr 100000, wovon in den größeren Städten gegen 80 000 wohnen. Der größere Teil dieser letzteren sind die sogenannten Cnaluka-Juden, die in Jerusalem, Safed, Tiberias und Hebron wohnen. Sie sind von strengster Orthodoxie, schicken ihre Kinder nicht in die modernen Schulen, leisten aber selbst im jüdischen Schul- und Wissenschaftsbetrieb so wenig, daß sie sich ihre Rabbinen von anderen Gemeinden kommen lassen müssen. Die Städter des neuen Jischub wohnen zum größten Teil in Jaffa (10 000) und Haifa (2000). Die Leistungen dieser Juden sind bekannt und anerkannt, ‘ 80 das jüdische Villenviertel Tel-Awiw, das hebräische

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