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Jüdische Rundschau · 1914-02-13 · Heft 7 (13.2.1914) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Kr. 6!1 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 16 iß/t l, die ן allem ן scheu \ Sehen |t leater [f t , h leben I Ichei- 1 ת zu; ¬׳ו Wir f *agen; l, um reten ן rum ׳ des ‘ und Platz i : ß in | sied, 1 bens- I!11 in 1 einen I lische 1 : gibt | Wart. j di׳>c־h; miul •| , das! rache aigen f Juten kein v t di■־ : einen ■־* le an!■ haft“ || l 1- 1' htbar ■ I I das!nden •;} \ um-;;; inann! I, so i j llisti-; jene ׳■ i ,ist:; i das f!1, es Innen ־sich $ lt — ן der . I 1«י* I 1 Bis- I öl au! die Juden sind; und auch er hoffte erst, daß Deutschland werde reiten können, wenn er es zuvor in den Sattei gesetzt haben würde. Unserem Versuch, das Judentum in den Sattel zu setzen, steht Herr Kaufmann skeptisch gegenüber. Ihm ist Palästina ein kleines, fernes, gleichgültiges Land. Und ein in Palästina wohnender Mitarbeiter belehrt ihn darüber, daß dort für absehbare Zeit keine geistige Produktion, keine Kulturschöpfung zu erwarten ist, weil die palästinensische Judenlieit zu sehr durch Arbeit und Erziehung in Anspruch genommen Ist, als daß sie für ״Kultur“ Muße fände. Wir unsererseits können ja gar nicht erwarten, daß die geistige Leistung Palästinas sogleich auf die höchste Höhe schnellt; die geistige Produktion aber, die uns nottut, ist eben eine aus einem ganz schwer arbeitenden Milieu heraus und nicht die unfruchtbare Fruchtbarkeit der Muße; von dieser haben wir leider schon hier mehr als genug, sic hilft uns aber nicht weiter. So erscheint mir denn Herrn Kaufmanns Anschauung vom Galuth und von Palästina falsch. Aber ich hoffe nicht, ihm sein Unrecht so beweisen zu können, daß er es einsieht. Denn seine Auffassung entspricht einer bestimmten Art seines gesamten Denkens, die von der meinigen gänzlich geschieden ist. Er glaubt, das Leben des Volkes sei von bestimmten Gesetzen geregelt, die sich erfüllen müssen, und denen wir nicht ins Handwerk pfuschen können. Wenn er in ״tief intuitiver“ Betrachtung des ״gewaltigen, riesenhaften, urzcitlichen Örganismus“ des Ostjudentums zur Ekstase fortgerissen wird, so sieht er das Volk nicht anders an als den Sternenhirnmei, der, ewig unerreichbar, über uns schwebt. ln Wirklichkeit aber ist es unmöglich, das Volk sich selbst oder der ״Entwicklung“ zti überlassen, das Volk zu ״erhalten“, wie sich viele ausdriieken, wenn man es wahrhaft erhalten will. Denn die bloße ״Erbaltung“ ist Auflösung. Wenn wir das Volk den Kräften überlassen, die es regieren, so haben wir ihm das Todesurteil gesprochen. Wenn wir die ״Naturgesetze“ geduldig auf unsern Nacken laden, so geht die Geschichte über uns hinweg. Wir müssen wagen, die Anbetung der geheiligten Wirklichkeit den reinen Willen entgegciizustellen; wir müssen wagen, das Nnturnotwcndigc zu verneinen und an seine Stelle das uns Nötige, das U11mögliche, das Ideal zu setzen. Wir müssen lernen, daß wir geradeaus wollen dürfen, daß Durchführbarkeit und Undurchführbarkeit sinnlose Worte sind für den, der will. Das Volk ist ein Lebendiges, auf das wir wirken können trotz allen Gespenstern sozialer Gesetze. Ich wage es, den Sternenhimmel, der uns überwölbt, als etwas anzusehen, worauf wir wirken können, wenn wir wollen. Jedes Streben ist unsittlich iin höchsten Sinne, das auf die Erli altu 11 g eines gegenwärtigen unvollkommenen Zustandes gerichtet ist — und jeder gegenwärtige Zustand ist unvollkommen—-, auf!das Sichauswirkcnlasscn irgend welcher ״Gesetze“'; sittlich ist allein der Wille, das Unmögliche wahr zu machen; die Verneinung des Gegebenen; das Streben nach Vollkommenheit. Mag ein gelegentlicher Mitarbeiter der ״Freistatt“ dies als ״Verstiegenheiten“ bezeichnen und beantragen, daß man zwischen der Bejahung des Galuth, die Herr Kaufmann, und der Verneinung, die ich verlange, eine Mittellinie ziehe. Es bleibt mir doch sicher, daß es zwischen Ja und Nein keine Mittellinie gibt, außer der Grenzlinie, die wir in aller Schärfe wahren wollen. Die Landarbeiterfrage Palästinas Von Leo Rosenberg 1 Unsere palästinensische Landarbeiterfragc Ist weniger eine (Frage der Erhaltung eines bestehenden, in ökonomischer und |gesellschaftlicher Sonderstellung befindlichen Landarbcitcrstandes durch Aufbesserung seiner sozialen und wirtschaftlichen Lebensverhältnisse, als vielmehr der Notwendigkeit und Möglichkeit einer systematischen Heranbildung leistungsfähiger festwurzelnder jüdischer Lohnarbeiter in unseren palästinensischen Kolonien. Von einer jüdischen Landarbeiterfrage, wie sie gegenwärtig in fast allen curopäischen Kulturländern besteht und alle sozialpolitisch in theoretischer oder praktischer Hinsicht interessierten Kreise fortwährend in ihrem Bann hält, kann bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina kaum die Rede sein. Denn einerseits ist die Zahl der in den Kolonien beschäftigten jüdisehen Lohnarbeiter vorläufig zu gering und unbedeutend — sie dürfte 500—600 nicht überschreiten1) — um ein Gegenstand ernster Besorgnisse und Erwägungen sein zu können. Andererseits aber sind auch diese wenigen Lohnarbeiter gegenwärtig weit davon entfernt, sich zu einem einheitlichen, fest- J) Das bezieht sich selbstverständlich aut die aus Europa cingewanderten jüdischen Arbeiter und zwar nach einer aus dem Jahre 5672 (1912) datierenden Statistik."Inzwischen weru W°M üic Zahlcnvcrhältnisse um ein geringes verschoben haben. — Das erheblich zahlreichere Element der is< von einem so völlig verschiedenartigen wirtsenanhehen und kulturellen Charakter, daß es durchaus ein Problem für sieb daxstellt. Vgl. übrigens unten. gefügten sozialen Soliderorganismus zu kristallisieren. Die jüdische Lolmarbeitcrinasse in Palästina ist bis heute ein fluktuierendes Element geblieben, das eher einen Zustand als einen Stand dartstdlt. Daß nun die Schaffung eines jüdischen Landarbeitcrstaiidcs in unseren Kolonien eine wirtschaftliche und nationale Notwendigkeit sei — das braucht wohl nicht mehr erörtert zu werden. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in einem Agrarstaat lebt nicht vom Land besitz, sondern von der Landarbeit. Zielen nun alle unsere Bestrebungen dahin, in Palästina eine jüdische Landbevölkerung zu schaffen, so wird eine solche nicht durch das jüdi,ehe Kapital, sondern durch die jüdische Arbeit gesell dien werden. Es ist dies eine Erkenntnis, die in den letzten Jahren in unseren Reihen mehr und mehr an Raum gewinnt, und zu einer allmählichen Verschiebung des Schwerpunktes in unserer nationalen Agrarpolitik vom Gebiete rein kapitalistischer Unternchinungen nach dem bislang ganz vernachlässigten Felde jüdischer Arbeit führte. Es ist in der letzten Zeit viel zur Schaffung günstiger Verhältnisse für jüdische Landarbeiter getan worden, wenn auch das Geleistete natürlich in gar keinem Verhältnis zu dem noch Erforderlichen steht. Wie gesagt, einen jüdischen Landarbeiterstand gibt es in unseren palästinensichcn Kolonien bis jetzt nicht; die bereits im Lande lebenden jüdischen Lohnarbeiter verdienen diesen Namen weder in rein zahlenmäßiger, noch in qualitativer

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