Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 5 (10.1.1914)
- Date
- 1914-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 44 Nr. 5 JUEDISCIIE IUJMDSC1: AU 9t von gebracht hat. So daß es sehr berechtigt ist zu sagen, Amerika habe die meisten Mittel beigesteuert. Nathan freilich nennt diese Bchauptung eine Lüge. Nathan verkündet auch im B. T., da3 das Darlchn“ des Nationalfonds der einzige Beitrag zionistischer Seite sei. Er'hat vermutlich schon vergessen, daß die russischen und amerikanischen Beiträge ausschließlich durch die Vcrmittlung oder Propagandaarbeit der zionistischen Kuratoren, vor allem Lcvins, gewonnen wurden. Endlich mutzt er uns auf, daß Jakob H. Schiff in New York nicht Mitglied des Kuratoriums ist. Wir wissen wohl, daß der die Depesche Unterzeichnende vermutlich der ein- •zige Sohn des Herrn J. H. Schiff ist, der wohl kaum andere als im Aufträge seines Vaters haudelt, welcher 420 000 Mark für das Technikum gab und nur aus persönlichen Gründen dein Kuratorium nicht angehört. Wir kennen schwer ausdrückcn, wie überaus tief es uns ekelt, solche Haarspaltereien und Knifflichkeiten üben zu müssen. Es wäre eines ״Großen in Israel“ würdiger, seine Meinung andere als dadurch zu vertreten, daß er formelle Mängel seiner Gegner vor einem absolut uniformierten Publikum als schmähliche Lügen ausposaunt. Und was hilft es ihm denn? Wir erfahren eben aus absolut sicherer Quelle, daß auch die russischen Kuratoren eingesehen haben, daß die am 26. Oktober gefällten Beschlüsse prinzipiell und taktisch unrichtig waren, und daß sie schon am 8./21. Dezember v. Js. in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Kuratoriums die Forderung aufgestcllt haben, zur R e v i s i o n jener Beschlüsse unverzüglich eine Sitzung einzuberufen. Dr. Paul Nathan wird einsehen müssen, daß es ihm nichts hilft, sielt in Ausschußsitzungen seines Hilfsvereins einhellige Zustimmungsvoten geben zu lassen. Das Judentum verlangt sein Recht und Dr. Nathan wird es ihm nicht vorcnthalten können. H. Dr. Paul Nathan ließ Broschüre, ,,P a I ״ s t i 11 a u u 1 scher Z i o n i s 11111 s“,' erst־!:. inen glieiler des 11 ilfsVereins versenden, schüre hat. sich Dr. Paul Natlu.a 15. Januar eine p n I ä 6 t i n c « s i - 1 und .׳;n Mit di ein Den die Mit- .׳:;er Broiciiiai ger rücken Molto aus Ih er Jetzt Kohdcth das Wort aliüsiiiia Gefahr im ,!dienkartipf in Pa- Folgen dar, immer dem Tone, den er Tagung des deutschen Zentralkomitees Am Sonntag, dem 25. Januar 1914, fand im Ziooistischen Zentralbureau eine Plcnarsitzungdes Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. Anwesend waren die Herren Dr. Hantkc, ßtumcnfcld, Dr. Heymann, Dr. Klee, Motzkin, Dr. Ascher, Justizrat Bodenhciincr, Dr. Becker, Dr. Friedemann, R.-A. Oroncmann, Dr. Halpem, Dr. Kalmus, Dr. Köllenscher, Leopold Landau, Rosenbaum, Dr. Sandler, Arnold Wiener, Max Wollstciner und Redakteur Dr. Herrmann. Die Herren Lichtheim, Dr. Julius Moses, Dr. Pelz, Zahnarzt Schachtel, Julius Simon, Fritz Sondheimer, Dr, Elias Straus hatten zu den zur Beratung stehenden Fragen zum Teil sehr ausführlich schrittlieh Stellung genommen. Nach einem Bericht des Vorsitzenden Dr. Hantkc über die Aktion für das hebräische Schulwerk ent* spann sich eine sehr lebhafte Aussprache. Auf Antrag von Herrn Justizrat Bod e n he im er gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: ״Das Zentralkomitee billigt uneingeschränkt den Kampf des Actions-Comitßs für das hebräische Schulwerk in Palästina und hofft, daß es unserer Leitung gelingt, dieses Werk allen Hindernissen zum Trotz als ein glänzendes Donkma) der Wiederbelcbung des jüdischen Volkes und seiner alten nationalen Sprache in Palästina für alle Zeiten zu sichern.“ Als Antwort auf die Sclirift von Dr. Nathan ״Palästina und palästinensischer Zionismus“ wird in Kürze eine Broschüre erscheinen. Das Zentralkomitee bescldoß ferner, den 14. Delegiertentag auf einen Sonntag und Montag im Juni nach Leipzig cinzubcrufcn. Für das Jahr 1914/15 soll wiederum ein J ü d isches Gemeindejahrbuch erscheinen. Die Redaktion übernimmt Herr Dr. Kollenschcr-Poscn. Der Jahresbericht für 1913 wird Anfang Marz erscheinen. Das Zentralkomitee richtet an alle Ortsgruppen und einzelnen Gesinnungsgenossen, die mit der Zahlung der Beiträge für das am 31. Dezember abgelau, e Geschäftsjahr noch im Rückstände sind, en dringenden Appell, Ihre Verpflichtungen umgehend zu erfüllen, um ein rechtzeitiges Erscheinen des Berichtes zu ermöglichen. , ־ . setzt, das wir in die richtige BeletidtUn müssen. Er setzt seiner Schrift ein . voran, das begründen soll, wenha ergreift. Fr lut es, weil für 1 Verzüge ist. Fr stellt den Spi lästina mit seinen Motiven .11111 so, wie er sie sieht. Immer in für richtig hält. Und immer /!!gestutzt für das Puhliktmi, das er gewinnen will: d!e deutschen Juden. I. Der Ton. Um dies vorweg zu nehmen: der Ton ist einheitlidi, aber wenig nobel. Bereits in dem 15 Zeilen langen Aiischreibcn, das von l)r. James Simon unterzeichnet ist, finden wir die Ausdrücke: frivol; vom Zaun gebrochene, malllose Angriffe; uiujiialifizicrbarc persönliche Beschimpfungen. Aus der Broschüre selbst seien einige wenige Kostproben aufgetischt: Ent- Stellung, Verlogenheit, demagogische Skrupellosigkeit, Vaiulaiisnius, unglaubliche Verblendung, leichtfertig, unverantwortlich, rein destruktive barbarische Tendenzeu, Einschüchterung, empörende Akte der Ciewalttätigkeit, sinnlose Fanatiker, feige Intriganten, gefälschte Telegramme, wilde Horde, Demagogen, Wühlnrbeit, törichte Fanatiker, gemeine Intriganten, cxnltierte Wühler, vcrabscheuungswiirdiger Terrorismus, Selbstsiichtlinge, palästinensische Exaltados, unerhörte Frivolität, hohles Idol exaltierten, jüdischen Chauvinismus, Politik der Unmoralität .... Dixi et salvavi nnimam meam. Im folgenden wird der Inhalt der Broschüre getreu, aber gereinigt wiedergegeben. 11. Die Häkchen. Für jenen Teil seines Publikums, das die Broschüren des Antiziouistischen Komitees kennt, läßt Nathan an geeigneten Stellen Ncbcnhemcrkungen einfließen, die ganz der Taktik jener Retter des Judentums entsprechen: ihren Lesern dm Zionismus gegenüber zugleich Mut und Angst zu machen. Der Zionismus setze an die Stelle der Religion den nationalen Chauvinismus, stoße jeden Juden von Kultur ab, raube uns die Sympathien der aufgeklärten Nichtjuden, er sei bloß ein Bundesgenosse des Antisemitismus und liefere diesem das brauchbarste Material für seinen Kampf. Die Zionisten seien ein lächerlich kleines, verschwindendes Häuflein, aber eine unermeßliche Gefahr. Gerade Na- 111 a n sollte so nicht sprechen. Er hat viel Anteil daran, daß man das Judentum mit einer bestimmten Sorte von Liberalismus identifiziert, der stets dar beste Matcrialliefcrant für die Antisemiten war und ist; er Hut die jüngsten Vorgänge in Palästina, in für uns Juden keineswegs schmeichelhaften Tönen, in der allgemeinen Presse ausposaunt; er hat noch diese Broschüre mit begleitenden Bemerkungen an die Presse gehen lassen, die jedem Antisemiten in der Seele wohltun müssen. Bl. Die Entstehung des Kampfes. Nun zur Sache selbst. Wir werden nur solche Punkte herausgreifen, die Gelegenheit zu tatsächlieber Berichtigung geben. Auch solche Punkte bleiben unberücksichtigt, wo die Logik der Ereignisse falsch dargestellt ist. Auf das Gebiet der Pilpulistik begeben wir uns nicht. 1. Nathan führt den Beschluß des Kuratoriums vom 26. Oktober v, Js. an, der unseren Lesern bekamit ist. Dann fährt er unmittelbar fort: ״Um einen Ausgleich anzubahneu, nahm ich alsdann in der Sitzung des Kuratoriums noch einen Antrag, den die Herren Prof, Philippsou-Schiff gestellt hatten, in nachstehender Form wieder auf: ,Die Verwaltung des Kuratoriums hat als Riehtlittic zu, befolgen, daß Weltgeschichte, Heimatkunde und Geographie, Singen, Turnen, Schreiben und Zeichnen gleichfalls in hebräischer Sprache unifcrrichtet werden, insofern sieh dies ab im Interesse der Schüler als wünschenswert hcraur.stellt und in sofern die geeigneten Lehrkräfte, die hebräisch zu unterrichten imstande sind, zu beschaffen sind.‘ Dieses mein Amendement kam nicht zur Ab- Stimmung, weil die Opposition erklärte, keinen Wert auf Annahme dieses Antrages zu legen. Wie bezeichnend■ ist diese Haltung, die'besagt: Alles oder nichts, während sich auf dem Boden dieser Reso- Iution in der Praxis eine volle Verständigung hätte erzielen lassen.“ Diese Darstellung täuscht in doppelter Weise durch das, was sie anführt, sowie durch das, was sie verschweigt. Sie verschweigt, daß zuerst über den Vermittiungsantrag Philippson-Schiff abge• ■stimmt wurde, der Hebräisch'für Geschichte und Geographie verlangte. Erst als dieser'Antrag' ab1gelehnt war, brachte Nathan sem Amendement ein, das dem Aufträge, Geographie' und Geschichte in hebräischer Sprache zu unterrichten, das 0 1118״* fern“ anfügte, das dem Antrag jeden Wert nahm, warn man bedenkt, daß N a 111 a n und diejenigen über das Inwiefern zu entscheiden gehabt hätten, die eben gegen die obligatorische Einführung des Hebräischen gestimmt hatten, Daraufhin waren sich alle darüber klar, nicht nur die zionistischen Mitglieder, daß diese Abstimmung zwecklos sei. Und diese Haltung der Opposition hätte besagt: alles oder nichts? Sie verzichtete bloß darauf, daß ihr nochmals ausdrücklich bestätigt wurde, daß man ihr nichts zugesteheu wollte. Denn der Antrag Philippson-Schiff mit dem Amendement Nathan ist nichts. Wenn so die erste der ״unwiderlegbaren Tat- Sachen“ anssieht, auf die Nathan hinweist, was ist von den weiteren zu erwarten? Wenn er dies den ״tatsächlichen Untergrund der Mcinuiigsvcrschiedenheit“ nennt, wie soll das hierauf errichtete Gebäude halten? Es fällt zusammen wie ein Kartenhaus, wenn cs der Hauch der Wahrheit aubläst. 2. Die Zionisten, fährt Nathan fort, hätten den Gegensatz fälschlich als einen solchen politischer Tendenzen hingestellt; in Wirklichkeit seien für ihn ausschließlich pädagogische Gründe maßgebend gewesen. Dazu paßt es aber schlecht, daß der Vorsitzende der Sitzung vom 26. Oktober während der Beratung über die Unterrichtssprache erklärte, cs handle sich um eine h 0 c h p o 11 - , t i 8 c h e Angelegenheit. Allein wir können Nathan auch auf das pädagogische Gebiet folgen. Von vornherein können wir bezweifeln, daß er der kompetente Mann ist, solche Fragen zu entscheiden. Die Schulmänner in Palästina verdienen zweifellos mehr Vertrauen in pädagogischcn Streitfragen. Und welches sind denn Nathans pädagogische Gründe? Er zweifelt, ob die Lehrkräfte vorhanden sind. Nun denn, für die hebräische Mittelschule hatte er bereits die Lehrkräfte, für die deutsche hatte er sie aber nicht, da einige Lehrer, die für Haifa engagiert waren, infolge des Beschlusses vom 26. Oktober ihre Verträge lösten, und ein Ersatz nur mit großer Mühe gefunden werden konnte. Er stellt fest, daß es keine Lehrbücher gebe. Für Mittelschulen sind hebräische Lehrbücher teils vorhanden, teils in Arbeit. An Hochschulen pflegt man keine oder wenige Lehrbücher zu verwenden; wo aber Kompendien nötig sind, sind auch curopäische Studenten gezwungen, fremdsprachige Werke zu benutzen. Deutsche Studenten arbeiten mit französischcn und englischen Büchern; von denen kleiner Nationen nicht zu sprechen, die fast keine wissenschaftlichc Literatur, wohl aber eigene Hochschulen in ihrer Sprache besitzen. Der Ucbergang von einer hebräischen Mittelschule zu einem teilweise deutschen Technikum sei allzu schwierig. Aber Dr. Lcvin hatte Vorschläge zur Behebung dieser Schwierigkeit gemacht, die von Pädagogen als ausreichend erklärt wurden. Und überhaupt macht man in mehrsprachigen Ländern Immer wieder die Beobachtung, wie verblüffend leicht Schüler von Anstalten einer Sprache zu solchen der anderen übergehen. In Palästina wäre das nicht anders gewesen als anderswo. 3. Wie ideal aber erfüllten nach Nathans Auffassung die Hilfsvc re insschulen eben die zionistischen Forderungen! Er habe von seinen Schulen auf dem Lande jede europäische Sprache vollkommen ausgeschlossen, er habe auch in den städtischen Schulen ausschließlich hebräisch sprechen lassen. ״Hebräisch sprechen lassen“: er hinderte die Schüler nicht daran, im Privatverkehr hebräisch zu sprechen; im Unterricht ״ließ“ er sie teilweise und immer mehr deutsch sprechen. Denn zwar ist Nathans Behauptung richtig, die Grundlagen des Schul- Werks seien in bezug auf das Hebräische niemals verschoben worden; aber nur, weil es solche Grundlagen nicht gab, weil für die Hilfsvereinsschulen keine Unterrichtssprache festgelegt ist. Tatsächlich sind Fächer, die früher hebräisch unterrichtet worden waren, später deutsch vorgetragen wotden, und zwar von Lehrern, die das Hebräische besser beherrschen als das Deutsche; das bekunden zuverlässige Zeugen, das bekunden die bereits iin vergangenen August, also lange vor der Kuratorium- Sitzung, gefaßten Beschlüsse von hundert palästinensischen Lehrern, die in Nr. 3 der ״Jüdischen Rundschau“ abgedruckt waren. 4. Diese Wahrheiten zu entkräften, zitiert Nathan abermals die Broschüre von Dr. Tschlenow, die er als eine ״Publikation des Jahres 1913“ bezeichnet und die die Tätigkeit des Hilfsvereins rühmt. Dr. Tschlenow hat schon erklärt, daß bercits bei seiner Anwesenheit in Palästina über den Hilfsverein geklagt wurde, vor allem aber, daß die im Original im Oktober 1912 erschienene Broschüre auf Beobachtungen aus dem Frühjahr 1912 beruht. . Nathan ist stolz auf die• Jahreszahl, die er fett druckt. Gegen die Wahrheit aber hilft nicht einmal Fettdruck, ' '