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Jüdische Rundschau · 1914-01-10 · Heft 5 (10.1.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 5 (10.1.1914)
Date
1914-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I j Telephon: Amt Uhlsnd 845, 846, 868. - Postscheckkonto! Berlin Nr. 17393. j r\n 11 u V3 ך־ ב״/ ף.p ג"/ 1 3^,3 y.,'3 y y v Nummer Berlin, den 30. Januar 1914 — 3. Sch’bat 5674 XIX. Jahrgang Ausweis Schekel: Ratibor 70,—, Hohensalza 26,—, Uslar 1,- M. Landesorganisationsbeiträge für 1913: 1. Ortsgruppen: Kattowitz 322,— M. 2. Einzelpersonen: Adolph Joseph, Filchne, 20,- M. Landesbeiträge 1914: Ratibor 70,— M. Propagandafonds 1914: J, Frankel, München. 10,—, Siegmund Sichel, Schlüchtern, 10,—, Daniel Treu, Essen 10,—, Sally Kaufmann, Uslar, 5,—, Dr. Felscnthal, Mannheim, 10,—, Betty Demant, Piplin, 5,--, J. Nathan, Frankfurt a. O,, 5,—, R. Schick, Leipzig. 20—, M. Rothschild, Magdeburg, 5,—, Dr. Simon weil, Straßbure;, 5,—; Frankfurt a. M.: J. Hei• mann 20,—, S. H. Goldmann 10,—; Ratibor: Max Bartenstein 10?—, Fritz Guttfrcund 10,-—; Nürnberg: Zahnarzt A. Singer 10,—, Max Jacoby 5,—; Breslau: Professor Klasincr 20,—, Hugo Scliacntel 20,—; Ham• bürg: Dr. Kalmus l().--־, Dr. Tannenwald 5,—; Berlin: S. Heppner 100.—, Dr. Eliasberg 10,—, N, N. 50,—, Ph. Brand 5.—, Karl M. Baer 5,—, Dr. A. Zimmermann 5,—, Frau B, Lesser 5,—, Leo Winz 10,—, Zahnarzt Schragenheim 5,— M. Eingang vom 22. bis 28. Januar 1914: Sciiek e 1: 97,— M. Landesorgan isationsbeiträge für 1913: 342,— M. Landesbeiträge für 1914: 70,— M. Propagandafonds 1914: 400,— M. Gesamteingang: Schekel; 305,— M. L a n ־ desorganisaUousbciträgc 1913:!$100,77 Mark. Landesbeiträge 1914: 27p— M. Pro* p a g a n d a f o n d s 1914: 2838,— M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Uebersetzungskünste Das ״Berliner Tageblatt“ hat am 27. Januar einen kleinen Artikel von J. Kastan ge• bracht, der sich mit dem Sprachenstreit in Pa• lästina befaßt und in dem es heißt: ״Der bisherige Verlauf deä Spracheiistrcitcs in Palästina ist ziemlich bekannt. In Palästina unterhält der Hilfsverein der deutschen Juden eine erliebliche Anzahl von Unterrichtsanstalten, die sich als ein wahrer Segen für die dortige Bevölkerung — und nicht bloß für die israelitische — erwiesen haben. In diesen Schulen ist die Unterrichtssprache Fiebräisch, daneben wird auch Arabisch und Türkiseh gelehrt. Im großen und ganzen ist das Lehrziel ähnlich dein in unseren Volksschulen. Dann gibt es auch in Palästina Mittelschulen mit dem entsprechenden Unterrichtspensum. Hier ist gleichfalls dem Hebräischen ein breiterer Raum angcwiesen, daneben wird auch Deutsch gelehrt. Für die Beschaffung ausreichender, pädagogisch durchgebildeter Lehrkräfte sind ein Lehrerseminar und eine Präparandenanstalt vorhanden. Als vorläufiger Ab- Schluß des ganzen dortigen Schulaiifhaucs ist ein Technikum in Haifa in der Ausführung begriffen. Die Eröffnung dieser Anstalt war für den Frühling dieses Jahres in Aussicht genommen. Naturgemäß konnte in einer derartigen Anstalt nicht davon die Rede sein, das Hebräische als Unterrichtssprache einführen zu wollen. Für moderne technische Disziplinen gibt es weder brauchbare Schulbücher, noch viel weniger brauchbare Lehrer. Aber eine Anzahl jiidi* scher Nationalisten, auf ihr Dogma eingeschworen, •verlangt die Einführung des Hebräischen auch als Unterrichtssprache in der Mittelschule, und bis zu einem gewissen Grade für eine Anzahl von Pflichtunterrichtsgegenständen soll sogar auch in dem Technikutn das Hebräische Unterrichtssprache sein. Da dieses Verlangen die Zustimmung des Kuratoriums ״Der Zioninmaa erstrebt für das Jüdin ehe Volk die Schaffung׳ einer vlfeab iicIi-rcdb&Uch gesicherten Heimstätte In Palästina•* Baseler Programm. nicht erhielt, so begann eine überaus heltige Hetze gegen das gesamte palästinensische Schulwcrk des Hilfsvercins der deutschen Juden. Es werden Schülerausstände veranstaltet, den Eltern der wirtschaftliche und gesellschaftliche Boykott angedroht, wenn sie ihre Kinder in den Hilfsvereinsschulen belassen, in denen die Kinder zum Abfall vom Judentum verführt würden usw. Die Leiter der Agitation scheuten sogar von Gewalttätigkeiten nicht zurück, und als Herr Dr. Paul Nathan vor kurzem eine Palästinarcise antrat, um dort nach dem Rechten zu sehen und, wenn möglich, die Erregung zu dämpfen,' wurde er in der schmählichsten Weise auf den Straßen Jerusalems insultiert und in der dortigen zionistisehen Presse schwer verunglimpft. So sehr, daß er sich zu einer Art Flucht in die Ocffentlichkcit gcnötigt sah, indem er, wie wir bereits erwähnt, in einer als Manuskript gedruckten Flugschrift ״Pa• lästina und palästinensischer Zionismus“ alle diese unliebsamen Vorgänge anschaulich und objektiv schildert.“ Die Redaktion des B. T. empfand, daß diese Information der Leser zum mindesten mangelhaft gewesen wäre, und fügte dem Kastanschen Artikel die Mitteilung hinzu, daß die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums sich gegen den Standpunkt Dr. Nathans ausgesprachen hätten; die Depesche der amerikanisehen Kuratoren wurde angeführt. So mußte es selbst uniformierten Lesern klar werden, daß unter der ״Anzahl auf ihr Dogma eiligeschworencr, jüdischer Nationalisten“ auch sehr ansehnliche und als nichts weniger denn fana* tische Nationalisten bekannte Männer seien. Mit diesem Vorgehen der Redaktion des B. T, war aber Dr. Nathan sehr unzufrieden und er sandte schleunigst einen Brief ein, der den Inhalt jener Depesche zu widerlegen sucht. Da er uns schlechte Englisch-Kcnntnisse vorwirft und einen Teil der Depesche im Original anführt, sei hier das ganze Kabelgramm nochmals englisch zitiert. Es traf am 19. Ja• nuar ein und lautet: ״The uiulcrsigned American membersof the Haifa Kuratorium, in Conference asscinbled, unanimously rcconuucnd thu adoption of the following: The official languagc of the Tcchnicutn, as fnr as schools and intercoursc within school, Palestinc and Turkey, arc conccrned, shalt be Hcbrew, Arabic and Turkish. For the intercoursc with foreign counirics the official languagc inay bc German, English, French, all or any in clioice by the Kuratorium. The languagc of instruction sliall bc left to the decision of the Kuratorium, with the understanding tliat Hcbrew, as far as practicable, shall bc predominant, and tliat after not morc than seven years the languagc of instruction bc Hcbrew in all courses cxccpt those in which can be shown tliat proper Hcbrew instruction or text books have not been dcvelopcd. The Zionist Organization should also undertakc to procure moral and material support to the Institution. It was also recammcnded tliat Mcssrs. Ginzberg, Levin, and Tschlenow be requested to rc-aitcr the Kura* torium. Adler, Kraus, Mack, Marshall, Schechter, Schiff, Straus.“ Diese Worte übersetzt Nathan so: ״Die amerikanischen Kuratoren empfehlen, daß die Unterrichtssprache gemäß den Beschlüssen des Direktoriums gewählt werden solle mit der Maßgäbe, daß Hebräisch, soweit sich das als praktisch erweist, vorherrschend sei, und daß nach weitcren sieben Jahren die Unterrichtssprache des Instituts alsdann ausschließlich Hebräisch sein soll außer in den Disziplinen, in denen nachweisbar hebräische Lehrer und hebräische Lehrbücher nicht vorhanden sind.“ Zwei wesentliche Punkte sind hiefalsch übersetzt. Die amerikanischen Kuratoren empfehlen nicht, daß die Unterrichtssprache gemaß den Beschlüssen des Direktoriums gewählt werde, sondern daß das Direktorium darüber noch entscheiden solle. Denn die Beschlüsse, die das Kuratorium bereits gefaßt hat, bedeuten trotz aller platonischen Liebeserklärungen an das Hebräische dessen Aus■ Schaltung aus den Schulen, die Amerikaner aber wollen die hebräische Unterrichtssprache. Deswegen beschränken sie das Entschcidungsrecht des Kuratoriums durch die Maßgabe, daß Hebräisch vorherrschend sein soll, nicht, wie Nathan übersetzt, soweit sich dies als praktisch erweist, sondern soweit dies durchführ bar ist. Im Telegramm heißt es nicht ״practical“, sondern ״practicable;“ das ist aber etwas ganz anderes. Dieser ״Uebcrsetzangsfehler“ beleuchtet Nathans ganze Stellung in der Frage: Alle Kenner des Hebräischen, alle mit den wirklichen Verhältnissen Palästinas Vertrauten und alle Freunde jüdischer Kultur wissen, daß die Einführung des Hebräischen ״practicable“, durchführbar und sogar unbedingt notwendig ist. Dr. Nathan aber vertritt die Ansicht, daß diese Hebraisierung nicht ״praktisch“ ist. Die amerikanischen Kuratoren stellen sich aber auf die Seite der ersteren. Darum ist es eine Finte, die ihren Zweck verfehlt, wenn Nathan im B. T. auf den Be- Schluß des Kuratoriums verweist, der dem Hebritischen gleichfalls eine hervorragende Stellung einräume. Die in Betracht kommen, wissen, was cs mit dieser hervorragenden Stellung für eine Bewandtnis hat; daß der erste Punkt jener Beschlüsse dem Hebräischen Komplimente macht, die folgenden Sätze aber der aufblühenden Sprache des nationalen Palästina alles Recht rauben. Das wollen aber die amerikanischen Kuratoren nicht. ׳ Vielmehr wollen sie, was Nathans Zuschrift weislich verschweigt, die entschiedenste Zusammenarbeit mit der zionistisehen Organisation, ja, sie wollen Dr. Tschlcnovv, Acliad Haam und Dr. Levin bitten, wieder in das Kuratorium einzutreten. Der Vorschlag der amerikanischen Herren war ein Ko in pro m i ß Vorschlag. Wenn Dr. Nathan durch Uebersctzcr- und Auslegerkünste seinen Sinn verdreht, wird er sich die Syinpathien der Herren drüben bald verscherzt haben. Dr. Nathan behauptet, die Mittel für das Technikum seien zu gleichen Teilen in Amerika, Rußland und Deutschland aufgebracht worden. Er zählt auf: 105000 Dollars, 200 000 Rubel und 400000 Mark. Endlich 100000 Francs vom Nationalfonds. Genauer genommen, stammen 440 000 Mark aus Rußland, ebensoviel aus Arnerika und 400 000 Mark aus Deutschland; von 300000 Mark dieser letzteren aber gehören dem Technikum nur die Zinsen, das Kapital darf nicht angetastet werden. Außerdem vergißt aber Dr. Nathan, daß Amerika 42 Stipendien zu 1000 Mark jährlich, Deutschland nur 12 auf-

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