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Jüdische Rundschau · 1914-01-23 · Heft 4 (23.1.1914) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 4 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 4 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seit« 11 ׳ 1 l*r Ird »er {kb *kf ־! im ter Ile ei• rt en le )er im ei te- ־1! ine eit fit- Ich srt vei da »ci err aß :a, te. Ch, li׳.' ZU :ht ־# nt- Jege ten f ן ich ¥ei;t■ te; >Uen• iie ab te, *u- 5rt *ro th• |ea I 11 Hilfsvereins in Gefahr, requirierte Militär und eilt zur Lacnicl- Schule. Hier fand er Knaben, die mit Gesang frohlockend die Schule vcrlicGcn. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß vor dem detitgehen Konsulatsgeblude, wie man hier .glauben machen wollte, eine Demonstration nicht stattgefunden hat. Dann begab sich Herr Cohn, begleitet von dem Generalsekretär des Hilfs- Vereins, Dr. Bernhard Kahn, dem deutschen Generalkonsul und Militär, ferner einer Anzahl Lehrer, in die Mädchenschule, wo die Suspension etwas dramatischer vonstatten gehen sollte. Herr Cohn betrat zuerst mit seinem Gefolge nebst Konsul und Polizei die zu ebener Erde gelegene Klasse des Lehrers für Hebräisch, Herrn Guttmann. Dieser hörte sofort beim Erscheinen dieser Herren mit dem Unterrichte auf und richtete nun einige Abschiedsworte an die Kinder. Darauf bezieht sich jedenfalls das Wort ״Hetzreden“, welche die Lehrer an die Kinder gerichtet haben sollen. H err Cohn erfaßte darauf Herrn Guttmann beim Rockkragen und versuchte, ihn mit Gcwaltaus der Klasse zu entfernen. Der Konsul trat dazwischen, um Tätlichkeiten zu verhindern. Herr Guttmann vc ließ iibri* gens gleich die Klasse, nachdem diese einem neuer, Lehrer übergeben worden war. ״Kein Lehrer wurde mit Gewalt entfernt", steht im Telegramm, als wenn cs nicht schon ein Gewaltakt wäre, unterrichtende Lehrer mitten in ihrer friedlichen Beschäftigung aus der Klasse zu jagen! Später begaben sielt alle diese Herren in das obere Stockwerk, wo in allen Klassen gleichfalls der Unterricht in gewohnter Weise vor sich ging. Als die Herren, zuerst Herr Dr. Kahn, dann Herr Colin und zuletzt der Konsul, in meine Klasse, wo ich gerade Geographic unterrichtete, traten, stand ich sofort von meinem Sitz auf. Ebenso verließen auch in den anderen Klassen alle Lehrer und Lehrerinnen ihren Posten, ohne jeden Widerstand. Währenddessen war auch das Militär nach oben gekommen, und der ungewohnte Anblick der bewaffneten Macht, sowie die eben empfangenen Eindrücke von der Vertreibung der Lehrer, hatten aul die Mädchen erschütternd gewirkt. Weinen und Wehklagen erfüllten die Räume, und die Mädchen weigerten sich zuerst, die Schule zu verlassen, gelähmt vor Angst und Schrecken. Eine Panik drohte auszubrcchcn. Man wandte sich an mich mit der Bitte, die Kinder nach Hause zu schicken, was mir auch durch einige beruhigende Worte gelang. Einige Minuten später war das Schulgebäude von Lehrern und Lerneuden verlassen. Das Milltäraufgcbot wurde weder an diesem noch an den zwei folgenden Tagen entfernt. Auch fernerhin boten die ״bedrohten“ Plätze vor den Schulen mit den Soldaten zu Fuß und zu Pferde den Anblick eir.es Feldlagers dar. — Das ist der wahre Sachverhalt der Ereignisse jener Tage. Bezüglich des Erscheinens des deutschen Generalkonsuls in der Mädchenschule habe ich noch folgendes nachzutragen. Der Herr Generalkonsul hat mir in einer Unterredung, die ich mit ihm hatte, zugegeben, daß sein Erscheinen gegenüber dem friedlichen Verhalten der Lehrer in der Mädchenschule unnötig war. Er sagte mir wörtlich: ״Hätte ich vorher gewußt, was sich dort zu tragen würde, so wäre ich nicht gekommen. Hätte ich mit meinen geistigen Augen so sehen können, wie ich es später mit meinen körperlichen tat, ich wäre nicht er• schiene n.“ Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie obige Zeilen zum Abdruck bringen würden, um Ihren Lesern ein getreues Bild der Vorgänge zu geben, die uns seit Wochen in Atem halten. Mit vorzüglicher Hochachtung 'י * Vera Finezower, Leiterin der hebräischen Mädchenschule. Palästinafahrt im Frühling Wie alljährlich arrangiert auch in diesem Frühjahr das Palästina-Informationsbureau eine Gesellschaftstahrt nach Palästina. Wer sich für Ercz Israel interessiert, soll es in der Jahreszeit der vollen Blüte, zur Zeit des Frühjahrsfestes, Pessach, sehen. Durch diese alljährliche Fahrt soll der alte Ole-Regel-Brauch erneut werden. Das Programm Donnerstag, 2. April,: Bahnfahrt von Wien nach Triest, Freitag, 3. April: Einschiffung auf den Schnelldampfer des Oesterreictiischen Lloyd in Triest. Montag, 6. April: Ankunft in Alexandrien, Umschiffung auf den Syriendampfer. Donnerstag, 9. bis Dienstag, 14. April: Ankunft in Jaffa, Ausbootung, Weiterfahrt nach Jerusalem, Besichtigung der Kothel Ma’arawi, der Kunstgewcrbeschule Bczaiel, des hebräischen Gymnasiums, des israelitischen Blindeninstituts, der Nationalbibliothek, der Synagogen und anderer jüdischen Institutionen, Wagenausflug zu den Königsgräbern und auf den Oelberg, Spaziergang durch das Hinorn- und Kldrontal, zum Absaiqmsdcnkmal, Zachariasgrab und Schiloachquelle. Mittwoch, 15. April: Eisenbahnfahrt nach Ramleh, von da nach Rechobcth. Donnerstag, 16. April: Weiterfahrt über Ness-Zionah nach Rischon le-Zion, woselbst Besichtigung der großangelegten Kellereien des Weinbauersyndikates; Nachmittag weiter nach Jaffa. Freitag, 17. ul Samstag, 18. April: Aufenthalt in Jaffa, Besuch des jüdischen Stadtteils Tel-Awiw, des hebräischen Gymnasiums, der hebräischen Mädchenschule und anderer jüdischen Institutionen. Sonntag: 19. April: Wagenfahrt über die Kolonie Chederah nach Sichron Jakob, Montag: 20. April: Weiter nach Haifa. Dienstag: 21. April: Ausflug auf das Karmelgebirge, zur Eliasgrottc, Besichtigung des jüdischen Technikums. Nachmittag: Spazicrialirt um die Bucht von Akko, Mittwoch: 22. April: Mit der Hedjazbahn nach Tibcrias. Nach Besichtigung der alten Stadt zu den heißen Quellen und zum Grabe des Rabbi Mcir baal Hancss, zur Farm Kinereth und Daganiah. Donnerstag: 23. April: Ausflug zur Kolonie Poriah und von hier nach Jemmn, Abends zurück nach Tiberias. Freitag: 24. April: Mit Boot aut dem Tibcriassce nach Tapoha, von hier mit Reittieren nach Rosch Pinah. Samstag: 25. April: Spaziergang nach der alten Stadt Safed. Nachmittags zurück nach Rosch Pinah. Sonntag: 26. April: Zurück über Tibcrias nach Haifa, wo Einschiffung auf den nach Jaffa abgehenden Syriendampf rr. Montag: 27. April: Ankunft in Jaffa, Ausflug nach Pcthach- Tikvvah. Dienstag: 28. April: Ankunft in Port-Said, Eisenbahnfahrt nach Cairo. Mittwoch: 29. April: Besichtigung von Cairo und Umgebung mit den Pyramiden von Qizeh. Donnerstag: 30, April: Eisenbahnfahrt nach Alexandrien, wo Einschiffung auf'den Eildampfcr nach Triest. Sonntag: 3, Mal: Eintreffen in Triest, Weiterfahrt nach Wien. Montag: 4. Mai: Ankunft in Wien, Auflösung der Reisegeseü- ׳ Schaft. Kosten pro Person. I. Kl. II. Kl. JII. KL Kr, Kf " Kr. Schnellzug Wien-Triest und retour 122.40 85.80 55.20 Schnelldampfer Triest—Jaffa (samt Kajüte und Verpflegung). 266.34 193.92 106.83 Schnelldampfer Haifa—Triest (samt Kajüte und Verpflegung). 265.04 193.34 106.25

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