Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 26 JUEP1SCHL RUNDSCHAU Nr 3 i Ausweis Schekels München 1,—, Kottbus I,—, Schmallc- ■ingken 1,—, Alf 1,— M. Landcsorganlsationsbcltrilgc für 19131 1, Ortsgruppen: Essen 78,-! Berliner Zionistische Vereinigung 637,- M. 2. Einzelpersonen: Apotheker I. Cassel, Penzig, Monatsbeitr. f. September-Dezember 20,—, L. Feldmann, Bonn, 5,-, Dr. Egon Roseuberg, Berlin, Propagandafonds 1914 s Berlin (Einzcibeitragl 3,—, München (Einzelbeitrag) 3,—. Alf (Einzclbeilrag) 1 — Frau Else Goldstein, Kottbus, 5,—, San.-Rat Dr. Lcvy 100,—, S. Rosenbliith 10,—, L. Molzkm, Berlin, 12,—, Dr. Wermuth 5,- R.-A. Jean Inichmann 10,—, Werner Lachs (l. Rate) 5,—, Dr. Edelstein 5,—, Dr. Gustav Bradt 10,-, R.-A. Dr. Simon 10,—, Dr. Pinezower 15.—, Siegm. Samuel 5,—, R.-A. Georg Schutz 15,-, J. Baer 12״, Julius Busse 100,—, Dr. Sandler 25.—, Georg Wolff 5,—, Assessor Conrad Kaiser, sämtlich Berlin, 5,—, IV Mainzer, Mannheim, 100.-, R.-A. E. Goitein, Mannheim,!0 -, Dr. William Unna, Hamburg, 15,-, Professor Dr. 0«pet״ Kiel, 30,—, Max GuUmann, Breslau, 10,—, Sally Hurwitz, Dresden, 20,-, Benno I furwitz, Dresden 15,—, Rechtsanwalt Jacobsolm, Memel, 5,—, Dr. Elias, Kassel, 25,-. Dr. W. Stein, Königsberg, 20,—, Joseph Salzmann, Königsberg, 30,—, Otto Colin, Königsberg, 15,—, Dr. NisscI, Königsberg, 20,—, Leo Dinesmann, Königsberg, 20,-, Dr. Rvicck, Kunzcnhausen, 5,—, Moritz Kristeller, Glogau, 10,—, Albert Baruch, Essen, 5,—, M. Ermann, Frankfurt a. M., 6,־ , Sail.-Rat. Dr. (loldbcrg, Frankfurt-Heddernheim, 20,—, Siegfried Baer, Posen. 5,—, Jakob Reich, München, 20,־ , Dr. Ludwig Wassermann. München, 10,—, Dr. R. Straus, München, 50,., I). Löwenberg, Halle, 5,—, Martin Kuppin, Magdeburg, 10,—, Arthur Arndtheim, Erfurt, 10,—, Max 1 lirschhcim, Allenstein, 5,—, Tierarzt Dr. Mai, Zcrkow 10,—, Gustav Schwabe, Varel, 200,—, Prof. Drcyluß, Straliburg, 40,—, M. Rosenzweig, Danzig, 10,—, Paul Koopmnmi, Bonn, 5.—, Dr. Emil Stern, Dortmund, 20,— M. Eingang vom 8. bls< 14. Januar 1914: Schekel: 1914: f, - M., La n'd esor g a n i s a t ion sh c i - trage 1913: 760,— M., Prop ag a 11 d a f on d s 1914; 1142,— M. Gesamtelngang: Schekel 19M: 179, , L,1nd e so r g a n i s a t io n s b e i t r ä ge 1913: 17685,27, Landesbeiträge 1914: 200,—, Propagandafonds 1914: 1623,- Mark. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Gegen das antizionistische Komitee Die Berliner zionistische V e r e i n i •, gung hatte für Montag, den 12. Januar, zwei große Vo 1 k s v e r s a m m I u 11 g c n cinbcrufcu, um gegen die letzte ״Tat“ des antizionistischen Komitees, ihre zweite Broschüre, Protest einzulcgcn. Entsprechend der alten Unerschrockenheit, mit der die Herren Antizionisten ihre Machwerke anonym veröffentlichen, hatten sie es auch fertig bekommen, vor unseren Ver- Sammlungen an ihre Mitglieder Schreiben zu richten, in denen cs heißt: ״Wir halten cs nicht für zweckmüßig, wenn unsere Mitglieder sich an Diskussionen beteiligen," Die Mitglieder haben diese Weisung, die wohl gar nicht nötig war. getreulich befolgt; sicherlich weniger aus soldatischer Disziplin heraus, als aus der Unfähigkeit, das taktische Gerede eines peinlichen Machwerks vor unseren Rednern, von denen jeder eine Lebenssache vertrat, zu verteidigen. Vor einer gut besuchten Versammlung referierte in den Sophiensälen in eindrucksvollen Worten als Erster Lazarus Barth, als Zweiter mit zündender Wucht R.-A. Orcifcnhagcn. Der Vorsitzende, Dr. Egon Rosenberg, richtete wiederholt an die Gegner die Aufforderung, das Wort zu ergreifen. Aber der schlichte Gehorsam siegte — und so blieb nichts weiter übrig, als die nachstehende Resolution einstimmig anzuneluncn: ״Die am 12. Januar in den Sophiensälen stattgefundene, von mehreren hundert Personen besuchte öffentliche Volksversammlung protestiert gegen die verleumderischen Angriffe, die ein vom aiitizionistisehen Komitee veranlaßtes anonymes Machwerk gegen den Zionismus richtet. Sic protestiert dagegen, daO gerade jene Juden, die allen jüdischen Interessen — auch den religiösen — gleichgültig gcgenüberstchen versuchen, durch Fälschung geschichtlicher Tat Sachen und Entstellung der zionistischen Ideen da! jüdische Volk von dem Wege abzubringen, der ollcii zu einer der jüdischen Vergangenheit würdige! Lösung der Judenfrage führt “ ן °c ,:‘,i11* gut besuchten Vcrsammlum in den Spichernsälcn sprach als Erster R.-A. Grone lu־ n״1״ann ״ Hm,e " f eId, der aufwics, dal Ami^״״]cC״,.’.’p01!‘1yc, Judentum unserer Gegner in bc,s,teh?> und Lazarus Barth. Hici ״lu '״der Vorsitzende Dr. Moses eine Rc «irh /eßcn dc,_ Direktor L i c h t e n 81 e i mädm \rJ,u"<?icht ״ach Art der Antizioniste rieh Tu? VL?sK* operieren solle. Da aber erho .?u.«11,״'*'1"!״stcn clnc höchst traurige 01 atalt, •ie erwies ihren Freunden gewiß keine Dienst, als sie mit erhobener Stimme dreimal be-, liauptetc, daß die Zionisten ״ebenfalls“ mit Lügen und Schmähungen arbeiteten. (Auf eine sacht (che Diskussion verzichtete der Herr, seiner Weisung gemäß, blutenden Herzens.) Nun konnte Herr Direktor Liclitensteiii seinen Protest getrost zurückziehen, nachdem gleichsam offiziell bestätigt war, daß die gegnerische Broschüre voll Lügen stecke. Die gegen eine Stimme angenommene Resolution lautet: ״Die am 12. Januar in den Spichernsälcn tagende jüdische Volksversammlung weist die Anwürfe gegen den Zionismus zurück, die das niiti/ianistische Komitee in einer anonymen Schmähschrift verbreitet Imt. Sie erhebt den schärfsten Protest gegen die Unwahrheiten über den Zionismus, für die das auti/iouistisclic Komitee durch die skrupellose Verbreitung jener Schrift die Verantwortung übernommen hat. Die Versammlung konstatiert, daß trotz persönlicher Einladung kein einziger dieser Herren es gewagt hat, sich in eine öffentliche Diskussion über den Zionismus einzujassen. Die Ver- Sammlung fordert schließlich alle Juden, denen an der Erhaltung des Judentums gelegen ist, auf, sich nicht durch anonyme Pamphlete, sondern in sachlieber Weise über den Zionismus und seine Bcstrcbungen zu orientieren.“ K. Der Fanatiker war der Brief Elicser Ben Jehudas an l>r. Nathan abgedruckt, Bcu Jehudas, des bekannten Gelehrten und hochverdienten Lexikographen, eines Mannes, der so ungefähr das gerade Gegenteil eines Fanatikers ist. Er schreibt an Dr. Nathan im Tone höchsten persönlichen Respektes und größter Bestürzung über die Beschlüsse des Kuratorium*. Er schildert die Situation im Lande: ״Die durch Ihren Beschluß hcrvorgcrufcnc Verwirrung ist groß und tief; man fühlt sich liier verletzt und des einzigen Heiligtums beraubt, auf dessen baldigen Besitz man gehofft hatte, und im ganzen Lande herrscht eine gewaltige Aufregung, die zu beruhigen absolut unmöglich erscheint. Man ist zum Aeußerstcn, zu allem und jedem entschlossen, und keine maischliehe Kraft würde das verhindern können. Die Er- Öffnung des Technikums wird nicht ohne Vergießen jüdischen Blutes abgehen, nicht ohne daß Dutzende junger Leute ins Gefängnis wandern werden.“ Und Ben Jehuda fährt fort: ״Das Werk des Hilfsvercins fst mir zu teuer, und ich bin Ihnen persönlich zu dankbar, als daß ich der Situation gleichgültig gegenüberstehen und Ihnen verschweigen dürfte, wie ernst sic ist. — Ich schreibe Ihnen diese Zeilen unter blutigen Tränen . . . .“ So spricht ja wohl ein blutgieriger Fanatiker. ln der von Friedrich Naumann (der sich schon wiederholt sehr freundlich über den Zionismus ausgesprochen hat) licrausgcgcbcncn Zeitschrift ״Die Hilfe“ veröffentlicht am 8. Januar Eugen Katz einen Aufsatz über den ״Zionismus und die deutsehen Juden“. Für das tiefe Verständnis und die glänzende Sachkenntnis, womit hier das Thema behandelt wird, mögen folgende Proben zeugen: ״Sic schwärmen für den Gedanken, neben einem jüdischen Staat auch eine neue jüdische ״Kultur“ zu begründen, und sie wähnen, die hebräische Sprache zu neuem Leben in der ganzen Welt erwecken zu können. Tatsächlich arbeiten sic auf die Gründung geistiger Ghettos hin, welche die Erlösung von Jerusalem aus erwarten sollen. Daher predigen sie den gesellschaftlichen Abschluß der Juden von der übrigen Bevölkerung der Länder, in denen sie Staatsbürger sind. Jeden Ausfluß antisemitischer Gesimumg blichen sie befriedigt und übertreiben ihn möglichst, weil sie hierin eine Bestätigung ihrer Lehre erblicken.“ — ״Im Sinne der rituellen Religionsgcsctzc sind ihre Führer zumeist unfromm. Dennoch unterstützen sic in Deutschland gerne die Orthodoxie, z. B. bei Gcmeimlcwahlcn - weil ihnen jeder Graben, der die Juden von ihrer Umwelt trennt, willkommen ist, — wohl ans ähnlichen Gründen sincl sic auch Gegner der Simultanschule.“ — ״Die Zionisten zielen, trotz aller Lcugnungsversuche, darauf, den deutschen Juden das frciidige Mitscliaffcn am Bau deutscher Kultur und deutschen Volkstums zu vergiften.“ — Wenn Herr Katz von dem Universitätsplan spricht, zitiert er einen Artikel von Mclamed, den er bald einen angesehenen, bald einen abseits stehenden Zionisten nennt, im Hamburger Familienblatt, woraus er folgende Kapitalteile holt: ״Von den zweihundert russisch - jüdischen Studenten an den schweizerischen Universitäten, die mit mir zugleich studiert haben, sind 150 vor oder nach ihrem Examen körperlich oder geistig so verkommen, daß sie für ein Armcnasyl reif waren, und von den anderen 50 sind 30 zu anderen, nichtakademischen Berufen übergegangen. Nur 20 ist es gelungen, ihre Studien im Lehen zu verwerten und sich eine menschenwürdige Existenz zu verschaffen.“ Es ist Herrn Katz nicht eingefallen zu (ragen, woher Herr Mclamed diese Statistik nimmt. Jeder weiß, wie rasch man seine Mitschüler aus den Augen verliert; ich wüßte von den dreißig Klassciigcnosscn, die ich ain Gymnasium hatte, nicht zu sagen, was aus ihnen geworden; und von hunderten von Studenten, die man, ein Semester lang an dieser, ein Semester an jener Universität gesehen, sollte man das so genau wissen? Das mag Herr Katz glauben, nicht ich. Er glaubt noch anderes. Er glaubt, daß Stlpendien dasselbe erzielen können wie eine gewaltige Anstrengung, ein machtvoller Aufschwung der Volkskraft. ״Gewiß mag ja nicht ausgeschlossen sein, daß einzelne nach Jerusalem ziehende Dozenten höchst achtbare wissenschaftliche Leistungen, vielleicht auf dem Gebiet der Medizin oder Archäologie, vollbringen mögen. Der gleiche Erfolg würde aber billiger und zweckmäßiger durch einige Stipendien erreicht.“ Herr Katz spricht auch von dem Streit um das Haifocr Technikum (der vielleicht den ganzen Artikel veranlaßt hat). Seine trefflichen Ausführungen gipfeln in dem empörten Satze: ״Das Zentralblatt der Zionisten hetzt durch Abdruck der Ausführungen eines Fanatikers dazu auf, die Eröffnung des Technikums eventuell mit ״Blutvergießen“ zu verhindern.“ Worauf bezieht sich das? Ich habe lange nac gedacht, wer dieser Fanatiker sein könne? Endli! kam mir eine Erleuchtung: In Nr. 50 der ״Wel AUS ALLER WELT Ein jüdischer Gouverneur in Palästina In gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet, daß der Minister des Innern, Talaat Bcy, demnächst einen Juden zum Gouverneur einer palästincnsischcn Stadt ernennen wird. Es soll sich um eine Stadt in Galiläa mit vorwiegend jüdischer Be* wohncrschaft handeln. Das jungtürkische Kabinett will damit der jüdischen Bevölkerung des Reiches seine Anerkennung für ihr musterhaft patriotisches Verhalten während des Balkankrieges bekunden. Gegen den Boykott in Polen Wie bekannt, führen die Nationalpolcu und deren Presse den Boykott unter der Devise: ״Swuy do Swego" (Jeder zum Seinen) nicht nur gegen die Deutschen, ״׳ondcm auch gegen die jüdischen Gewerbetreibenden. Im Gegensatz zu den Nationalpolen haben die polnischen Sozialdemokraten Preußens auf ihrem Parteitag am 25. und 26. Dezember 1913 in Oswieczim (Galizien) folgende Protestresolution angenommen: ״Der außerordentliche Parteitag der P. P. S. (Polnische sozialistische Partei) protestiert gegen den Boykott und alte Schikanen, die von den Ailpolen gegen die Juden unternommen werden. Der Parteitag stellt auf dem unverrückbaren Standpunkte, daß jeder, der ein menschliches Antlitz trägt, gleiche Bürgerrechte besitzen soll. Unser Kampf wird um die Befreiung der ganzen Menschheit aus den Fesseln der heutigen Politik und des Kapitalismus geführt.“ Der Fortschritt des Zionismus in Amerika In einer kürzlich abgehobenen Sitzung des Couneil der amerikanischen Z i o n i s t e n f e d e r ation wurde fcstgestcllt, daß der Zionismus in den Vereinigten Staaten in jüngster Zeit bedeutende Fortschritte macht. Besonders erfreulich entwickeln sich die Achusa-Gcsellschaften, das sind Genossenschaften von Juden, die nach Palästina auswandern wollen und inzwischen dort für sich Land erwerben und bebauen lassen. Man rechnet bereits damit, daß man demnächst eine große Zentra Ist eile für alle Achusa-Gcscllschaftcn wird schaffen können, damit ein einheitliches System eingeführt wird und die einzelnen Gesellschaften angemessene Förderung erhalten können. Auch der Frauenvcrciti ״Daughtcrs of Zion“ beginnt, sich zu einer zionistischen Macht zu entwickeln; der New Yorker Zweig Hadassah Chaptcr hat bereits über 300 Mitglieder, und in anderen Städten, wie P h i 1 a - delphia, Baltimore und Cincinnati, wurden Zweigvereine gegründet. Im Laufe der letzten sechs Monate haben sich der Federation sechs neue große Geseliscliaften angcschlossen. «.lunismu» in rortugai Seit einigen Monaten besteht in der Lissa b o n c r Gemeinde ein zionistischer Verein, der voi dem Oberkantor Mucznik begründet wurde um eine stattliche Mitgliederzahl aufweist. Ain Sonntag «cm 28. Dezember, veranstaltete der Verein aus An laß des Clianukahfestes eine Makkabäerfeier großei Stils, die unter reger Teilnahme der ganzen jüdischei Gesellschaft Lissabons stattfand und überaus stim mungsvoll verlief. Die Festrede hielt Professor Joscpl Benotie! vom städtischen Gymnasium. Pro! Benoiiel hat aus diesem Anlasst auch die zk nistische Volkshymne ״Hatikwah“ (Ehe Hoffnung ins Portugiesische übersetzt. Schriftsteller Moses Ben sabath1 Alma za lag hielt einen glänzenden Voi trag über die Bedeutung des Zionismus. Herr Di Tn_r, ® fdhrtc, Lichtbilder aus Palästina vor un würdigte im Anschluß daran die zionistische Theodor Herzt«. \