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Jüdische Rundschau · 1914-01-16 · Heft 3 (16.1.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 24 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 3 die Größeren waren nicht ins Waisenhaus /.u bringen. Obgleich nur ein kleiner Teil von Schülern «ml Eltern verständigt werden konnte, waren am midisten Morgen 11 her 100 Mädchen mul 150 Huben in der provisorischen neuen Schule. So haben denn diese Tage uns endlich eigene Schulen gebracht, liir deren Erhaltung aber erst gesorgt werden muß. Aber sie haben gezeigt, und das ist auch sehr viel wert, was eigentlich der Hills• verein ist und was er hier eigentlich will. Dr. Paul Nathan war eine Illusion. Es ist schmerzlich zu sehen, wie einer, der als Großer in Israel galt, sich Init Schmutz besudelt. Als er hierher kam, haben alle Kreise gehofft, er werde eine anständige und vernünftige Lösung finden, und nun zieht er ab, mit Schmach bedeckt, als einer, der Unehre ge• bracht hat über Israel. Es ist notwendig, da» man das in Europa weiß.“ Cj> Wir geben im folgenden eine Ucbcrsicht der Har• Eingänge für den Zcntralfonds des zionistischen Actions-Comites seit Eröffnung der Sammlungen für das hebräische Sclutlwcrk in Palästina. Dem Zentralfonds ist eine Abteilung für dieses Scliulwerk angegliedert worden. Der Ausweis aller Beiträge erfolgt in der ״W e 11“. Aus Dcutscl ״Einige Agitatoren und Aufwiegler“ Am 26. September IUI 3 brachte die ״Welt" eilten Bericht über die Generalversammlung der Gesell• scli.ifl der jüdischen Lehrer Palästinas, die Lude August, zwei Monate vor der denkwürdigen Sitzung des Kuratoriums, stattgcfundeii hatte, Die ״Welt“ schrieb damals: ״Ucbcr hundert Lclircf aus allen Gegenden Pa* liistinas fanden sieh zu der Versammlung ein. Es fehlten jedoch viel c der führe 11 d e 11 Lehrer, wie J e 11 i n, M o s s i 11 s o h 11. Schiller, Hogratschow und andere, die nach Wien zum Kongreß und zu den Beratungen der Organisation für hebräische Sprache und Kultur geeilt waren." Also eben die Hiinptcr der Organisation, die nach den Angaben des Hilfsvercius die sonst so friedfertigen Lehrer in Palästina aufhetzten, fehl• t e n damals. Es wäre also aiizmiehmen, daß die Anwesenden sich in der Frage der Unterrichtssprache sehr maßvoll ausgesprochen hätten. Horen wir den Bericht weiter: ״Mit besonderer Aufmerksamkeit folgte die Ver- Sammlung der Verlesung dos Memorandums, das der Vorstand bezüglich der hebräischen Unterrichtsspräche am Technikum in Haifa .111 dessen _ Kura• toriuni gerichtet hat. Man merkte es diesem Schrittstuck, dieser bedeutsamen Kundgebung der;tilge־ scheusten palästinensischen Organisation an, daß seine Verfasser jedes Wort zehnmal gewogen uml überlegt haben, bevor es endgültig niedergescltnc•• ben W'iirdc. Kein Wunder, wenn es wegen seiner besonnenen, gemäßigten form die jüngc׳• ren, radikaleren Kreise nicht befriedigen konnte, die die liebräiselie Untcniiiitsspniclu׳ als Selbst verstand• liclikcit aiisehcii und jede Begründung dieser Enr• derung in Palästina als der jüdischen Renai-saiiee׳• Bewegung unwürdig erklären.“ Also das Memorandum der ״Aufwiegler“ war besonnen und gemäßigt, aber ein großer Teil der Lehrer fand es zu maßvoll. Der Hilfsverein hat auch behauptet, vor dem Beschluß des Kuratoriums Seien die Lehrer inii den Hillsvercinssduilen durchaus zufrieden gewesen. Auch über diesen Punkt klärt uns der Bericht auf: ״In der Generaldebatte kritisierten I)r. Rosen• stein und K. 1״ Silmaiiii scharf die Schulen des ,Hilfsvercius‘, in denen das Hebräische jetzt immer mehr der deutschen Sprache weichen müsse ... In Safed wird bereits in den unterstell zwei Klassen der Volksschule des Hilfsvereines eine europäische Sprache (deutsch) gelehrt,“ Das Resultat der Versammlung waren folgende Beschlüsse: ״Mit allen Stimmen gegen vier wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Grundlagen der nationalen Er• Ziehung verlangen, daß sämtliche Unter• r i cht sgcge 11 s t ä 11 d e in der hebräischen Sj) rache unterrichtet werden. Die Versammlung verpflichtet daher die Mitglieder der Lehrcrorganisation, mit aller Krait gegen den Unterricht protaner Gegenstände in einer fremden Sprache anzukämpfcii. Die vier Gegenstimmen richteten sich bloß gegen den zweiten Passus dieser Resolution. Einstimmig wurde noch folgende Resolution gefaßt: Die Lchrcrorganisation erteilt ihre volle Zu- Stimmung zu dem Memorandum, welches der Vorstand an das Kuratorium des Technikums hezugheh der Unterrichtssprache gerichtet hat uml verpflichtet den Vorstand, fernerhin auf der Hut zu sein und mit aller Kraft für die im Memorandum ausgesprochenen Forderungen cinzutretcii.“ Jeder Kommentar ist überflüssig. Der Bericht zeigt zur Evidenz, daß die durch den Beschluß des Kuratoriums hervorgerufene Bewegung nur die AculSe• rung der schon lange in Palästina vorhandenen tiefen Unzufriedenheit mit dem neuen Kurs des Hilfsvercius war und daß diese Bewegung nicht von den Führern acr Lehrer, den ״zionistischen Agitatoren und Auf• wiegiem! inszeniert,'sondern eine spontane Aeußcrung der gesamten national gesinnten Lehrerschaft nahezu die gesamte Bevölkerung erklärte. 1. Berlin . . . . 9781,80 2. Elberfeld . . ..1621,72 3, Breslau . , .. 1006.2S 4. Zwickau , . . 800, — 5. Hamburg . . .003, - 0, Königsberg , . 583,30 7. Pose» , . , ..480,50 8. Mannheim . 370, 9. GlieiiiniU , . -,365 . . ־. 10. Benthe» , , . 303, II. Köln . , . . 300, 12. Knttowitz . 260, 13. Danzig . .183, 14. Karlsruhe . . .. . 131,00 15. Straßburg . .. HO,״ Andere Orte . . .2101,06 Zusammen: 19490,73 Aus dem Ausland: 1. Rußland . . . 37 373,07 2. Westösterreich .• . . 6001,02 3. Kanada . . . . 3337,00 4. Galizien . . .. . 2030,21 5. Türkei . . . . 2022,40 Andere Länder . 1529,41 Deutschland . ..19400,73 Zusammen: 71811,34 Dies ist das Ergebnis einer Sammelarbeit and: von etwa vier Wodien, war, mit der sich Palästinas solidarisch Eine offiziöse deutsche Stimme zum Sprachenstreit Das Organ der Bayerischen Regierung, die ,,I.tayerische Staatszeiliuig“, 'schrieb am 31 Dezember 1013: ״Wahrend bis jetzt der I lilfsverein der deutschen luden und die zionistische Weltorganisation in pa* fastiiicnsisehen Sdnilfragen friedlich ziisainmcnge.irheilet liahcn, ist iiiuimclir plötzlich ein Streit entbräunt, der für weitere Kreise von Interesse ist. Bislang sali man es als selbstverständlich an, daß die neue jüdische Generation in Palästina in der Sprache ihrer Ahnen - also hebräisch - unterrichtet wurde, Mit diesem Prinzip will nun der Hilfsverein bei einigen Anstalten in Haifa brechen und an Stelle der hebräi• scheu Sclinlsprache die deutsche Sprache eiiiführcn. Die zionistische Weltorganisation kann aus nationaljüdischen Gründen dies nicht billigen, aber sic würde I) e 111 s e 111 a n d auch gar keinen Dienst er• weisen, wenn sie im Orient, wo man doppelt vorsichtig sein muß, sich als den freiwilligen Agenten derdeiitselien Regierung aufsnlelen wollte. Der Zionismus hat von jeher - - und iiiclit nur durch die deutschen Zionisten, die als deutsche Staatsbürger selbstveiständhdi nur Deutschlands Wohl im Auge haben können den größten Wert auf das Wohlwollen der amtlichen deutschen Kreise lind auf ersprießliche Beziehungen zu dem wirtschaftlich und politisch so starken Deutschland gelegt. Gerade die große Masse der russisch-jüdischen Auswanderer tuiiF Kolonisten verstellt deutsch (zum mindesten jüdisch-deutsch) und bringt so natürlich gegebene Berührungspunkte zu Deutschland mit. Wenn man aber diesen jüdischnational begeisterten Massen die deutsche Sprache aufzwingen will, so wird man mit diesem Zwang nicht Sympathien schaffen, sondern manche bc* stehende Sympathie vernichten. Für Deutschland ist der Orient ein wichtiges Gebiet und Palästina mit seiner — in den amtlichen deutschen Konsularberichten'gerühmten — fleißigen aufbliihcndcn Kolonistenhevölkcrung ist für Deutschlands Wirtschaft ein bedeutsamer zukünftiger Absatzfaktor. Hier kann' Uebcreifer nur schaden und er hat schon geschadet. Der übereilte Schritt des Hilfsvercins hat Frankreichs Konsuln bereits auf den Plan gerufen. Es ist ja ganz selbstverständlich, wenn die deutschen Juden die deutsche Scltulsprnclie vcrlnngen, warum sollen die englischen und französischen nicht ebenfalls ent* sprechende Wünsche haben, Darum hat die zionistisclie Organisation mit der Betonung des He• bräischen Recht gehabt. Man erwirbt Deutschland mehr Sympathien. wenn man die Dinge ruhig sich entwickeln läßt, und nicht, wie der Hilfsverein, mit gutgemeintem Draufgängertum Scheinerfolge erzielt, die in Wirklichkeit mehr Verluste als Gewinne bringen. Die palästinensische Bevölkerung ist über das ,Vorgehen des Hilfsvercins sehr erregt und will ganz natürlich am Hebräischen festhalten. Es wäre zu wünschen, daß die Aktion des Hilfsvercins durchaus private bleibt.“ eine Nochmals das Stimmrecht der Ausländer nach dem preußischen Judengesetz Von Rechtsanwalt Dr. H. Epstein, Duisburg. f. Fünfundseclizig Jahre lang war das preußische Gesetz vom 23. Juli 1817 in Kraft, ohne daß eine jüdische Gemeinde oder eine Regierung oder sonst jemand auf den Gedanken gekommen wäre, das vornehmste Recht der Gcmcindemitglieder, das W ahl* recht zur Gemeindevertretung, stehe nur den staatsnngehürigen, nicht aber den ausländischen, im Gel• tungxgcbicic des Gesetzes wohnenden Juden zu. Da veröffentlichte in Nr. 21, 22 der Allgemeinen /ei• tiuig des Judentums 1012 Rechtsanwalt Dr, Michaelis, Hamm, einen Aufsatz, in dem er mit der Ansicht hervortrnt, die konstante Praxis beruhe auf Rechts- Intimi: Die mislümliseheii Juden hätten kein Wahlrecht, sie hätten überhaupt keine Rechte in der jtiilisclien Gemeinde, di sie gar keine Gemeindemitglieder seien. Die Vertretung der SynagogeiigeiiH'inde Hoclnmi machte sich diese Auffassung zu eigen, Iw schloß eine Stat11U־n״änderung“, nach der wahlfw reelitigt mir die Mitglieder der Synagogcngemeinde sein sollen, welche die ״deutsche Staatsangehörige keit“ (ein unmöglicher Begriff) besitzen, und der Herr Oherpräsident der Provinz Westfalen erteilte schließlich die von ihm zuerst verweigerte (ienehmi- Kong. Michaelis erfuhr nirgends Zustimmung. Seme Ausführungen fanden lebhaften Widerspruch. In Nr. 10 mul litt der Allgemeinen Zeitung des Judentums 1013 macht er den Versuch, seine Ansicht zu halten, indem er einige Argumente des Bonner Kirchen* rcchtslclircrs Prof. Dr. Heimberger bekämpft, der ihm im Jüdischen Volksfrennd Nr. 7, 1013, entgegengetreten war. Die Ausführungen von Michaelis sollen hier geprüft werden. Ich setze dabei die Kenntnis meines Aufsatzes in Nr. 31 dieser Zeitung, in dein ich die Rechtslage behandelt habe, voraus. Wie dort, werde ich auch hier meiner Untersuchung lediglich das geltende Recht zugrunde legen, unsachliehe Bemerkungen meines Gegners aber unbeachtet lassen. II. Als Erkcimtiiisquelle gilt uns vor allem das Gesetz. Da ihm das Gesetz nicht Recht gibt, schürft Michaelis in den Vorarbeiten, die nach einem berühmte״ Wort am besten am Tage des Inkrafttretens des Gesetzes verbrannt würden. Nach dem Gesetz sind wahlberechtigt sämtliche männliche, volljährige, unbescholtene Mitglieder der Synagogengemeinde, welche sich selbständig ernähren und mit Entrichtung der Abgaben lur die Synagogengemeinde während der letzten drei Jahre nicht in Rückstand geblieben sind. Mitglieder der Synagogcngememde aber sind nach dem liesetz alle innerhalb eines Synagogenbe/irks wohnenden Juden. Wer als• erstens Jude ist und zweitens hier wohnt, ist Mitglied der hiesigen Synagogcngctiieiiidc. Andere Voraussetzungen kennt das Gesetz nicht. Wer Jude Ist und hier wohnt, ist uml bleibt Mitglied der hiesigen Synagogeiigeuteiiule so lange, bis er entweder nicht mehr Jude ist, z. B. aus dem Judentum austritt oder nicht mehr hier woluit, z. B. indem er (freiwillig) weg/icht oder (unfreiwillig) ausgewiesen wird. Nur in einem Aiisnahmefalle, den erst ein im Jahre 1876 geschaffenes Gesetz ermöglicht hat, kann er als Jude hier wohnen, ohne Mitglied der Synagogcngemeinde zu sein, wenn er nämlich wegen religiöser Bedenken aus der Gemeinde ausgetreten ist. Die Gesetzesbestimmungen sind klar und unzweideutig. Michaelis meint nun: Ausländer halten und haben kein Wohnrecht in Preußen. Die Regierung braucht sie nicht zu dulden, kann sie vielmehr atiswciscn. Zur Zeit des Erlasses des Judengesctzes duldete man die Niederlassung von Ausländem nicht. Als der ״Gesetzgeber“ bestimmte, daß alle in einem Synagogenbezirk wohnenden Juden Ucmcindcinitglicder seien, dachte er deshalb gar nicht an ausländische Juden. Also sind nur inländische Juden Gemeindemitgiieder. Nehmen wir einmal an, die Prämissen seien richtig, so ist die von Michaelis gezogene Schlußfolgerung falsch. Wenn auch im Jahre >817 kein ausländischer Jude in Preußen gewesen wäre, und deshalb der ״Gesetzgeher“, als er den Begriff der Gemeinde- Mitgliedschaft umschrieb, nicht daran gedacht hätte, daß einmal ein ausländischer Jude in Preußen wohnen und also vom Gesetz mitumfaßt werden würde (viele der zahlreichen Herren ״Gesetzgeber“ denken überhaupt nichts, sondern stimmen nur ab; viele denken etwas anderes als Ihre Mitgesetzgeber denken; wir können nicht feststcllcn, was jedes Mitglied der Kurie der drei Stände, der Hertenkurie des Ver* einigten Landtags, die den Entwurf berieten, und was der König, der alleinige Gesetzgeber, sich gedacht hat, als man den § 35 des Gesetzes schuf): jetzt wohnen jedenfalls Juden in Preußen, die keine In- Binder sind, und wenn das Gesetz (nur das Oesets gilt) bestimmt, daß alle Juden, die im Gemeinde-

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