Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 17 Eine Wächter-Siedelung In Ausführung einer Resolution der Palästina• Kommission des XI, Kongresses hat das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Bestrebungen der Wächter, sich in einer geschlossenen Kolonie nnzusiedcln, durch die Beteiligung des Nationalfomls zu unterstützen. Die geplante Siedlung soll den Wächtern die Gründüng von Familien ermöglichen, indem I rau und Kinder durch Haus- und Gartenwirtschaft, Gemüse• und Obstbau ein Nebeueiiikoinmeu erlangen, während der Mann seinen schweren Dienst zum Schutze jiidischen Bodens und Besitzes versieht. Die Siedlung soll ferner den Wächtern nach einigen Jahren sch wo• rer Arbeit die Möglichkeit bieten, für eine gewisse Zeit zur Erdarbeit z.uiiick/ukohmi und in Verbindüng mit der Scholle neue Kräfte zu finden. So wird diese Siedlung, auf getrennter Haus- und Gartenwirtschaft und gemeinsamer Feldwirt- Schaft beruhend, zur Konsolidierung der Schomrim beitragen. IXr Nationalfonds hat sielt bereit erklärt, den Grund und Boden für diese Kolonie, die für 30 Familien berechnet ist, den Wächtern in Erbpacht zu überlassen. Die sonst noch erforderlichen Mittel für Gebäude, totes und lebendes Inventar sollen andere Kolonisationsgcsellschaften zur Verfügung stellen, die bereits diese Sache ihrer Sympathien versichert haben. N. F. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Das Zentralbureau der Histadruth Ibritli sendet uns folgende Mitteilungen: In den Monaten Oktober-Dezember wurden gegen 30 neue Ortsgruppen der ,,Histadruth Ihrith“ gegründet: manche in den (irolistädten Westeuropas (Berlin, Wien, Baris, Sofia ir. i. a.) und die meisten in Rußland (12) und in Galizien (7), In Berlin ist ein hebräischer Kindergarten eröffnet worden. Hebräische Airendkurse \ erden veranstaltct durch das Zentralbure,m, Verein ״Ihrinli“, ״Hcrzl-Club“, ״Herzliah“, Verein jüdischer Studciitinnen u. a. ״ Es konstituierte sicli ein Landeskomitce für Deutschland, bestehend aus folgenden ,Mitgliedern: Dr. Heinrich I <. c• w e (Berlin), Dr. J. Kt atz kill (Köln), Rechtsanwalt S. Grone• nt ann, Dr. G e r s o n , Dr. A. Wolf, I >r. U o s c n ■ feld (Berlin). Dieses Landeskomitee heschloll mit Zustimmung des Zentralkomitees, für die Propaganda in Deutschland einen besonderen Lamlcshcitrug, in gleicher Höhe mit der ״Thrumah“, einzuliihreii. Die Werbetätigkeit üben zurzeit im Aufträge des Z. K. aus: in Deutschland, besonders in der Umebung Berlins, Herr J. Z. Klötzel; in R u IS 1 a 11 d, esonders in Bcssarabieu, Herr Rabbiner Abraham J. Hnibri aus Novvosielize. Dar. Zentralkomitee weist auf die heilige Pflicht hin, die üeldsainnilmigen für das hebräische Schulwerk in Palästina, das jetzt seinen Daseinskampf auszufechten hat, mit aller Energie zu betreiben. Diese Gelder sollen nicht nur den momentanen Bedürfnissen genügen, sondern mich eine dauernde materielle Grundlage für das hebräische Erzieluiiigswesen schaffen tmd dessen Seihständigkeil sichern. Unsere Ortsgruppen und Genossen müssen die ersten sein bei der Erfüllung dieser Nationalpflicht! Leipzig. Am 1. Januar verstarb plötzlich Herr Julius Wiener, der Mitbegründer der Leipziger Ortsgruppe. Als deren trüberer langjähriger Vorsitzender und jederzeit eifriger Förderer hat er sich um den Zionismus und seine Ausbreitung in Leipzig unvergängliche Verdienste erworben. Tief erschüttert standen am Sonntag die Leipziger Zionisten am Sarge des dahingeschiedenen treuen Freundes, und Herr R.-A. Dr. Rosen widmete ihm im Namen der Zionistischcn Vereinigung für Deutschland und der Leipziger Ortsgruppe herzliche Worte des Abschieds und des Dankes für die der zionistischen Sache bewiesene Treue und die vorbildliche Aufopferung, mit welcher er ihr stets diente. ״Die Sprachen der Juden.“ Wir möchten die Aufmerksamkeit unserer Leser auf das gleichnamige Werk von Heinrich Loewc lenken. Durch den Sprachenstreit in Palästina gewinnen die gründlichen und sachkundigen Ausführungen an besonderem Intcresse. Das Buch ist im ״Jüdischen Verlag“ erschienen. TURNEN und SPORT Berlin. Der Jüdische Turnverein Bar Kochba veranstaltet sein diesjähriges G e rä t c- Wetturnen am Sonntag, dem 11. Januar, in der Turnhalle, Gormannstr. 4, nahe Bahnhof Börse, nachmittags 3 Uhr. Dieses Wetturnen ist offen für samtliehe Turner und Sportslcutc aus Vereinen, die der Jüdischen Turnerschaft angcschlosscn sind. Zuschauer willkommen.!Die Siegerverkündung und Preis- Verteilung findet abends 8 Uhr in den Fürstenberg־ Festsälen, Rosenthaler Straffe 38,' statt. Daran anschließend geselliges Beisammensein und Tanz. Eintritt 30 Pf.. Garderobe 20 Pf. JUGEND-BEWEGUNG Berlin. Am 25. lind '2(1, Dezember fand in den Räumen des Berliner Herz.i-Qlubs der I, ordentliche Bundestag der im Herzl-Bund vereinigten Herzl-Giibs statt. Nach einer feierlichen ErolTiiunps- Sitzung, in der Dr. Sehmarja Lev in ein Referat über ״Nationales Judentum“ hielt und Dr. Ilantkc einen Bericht über die Tätigkeit des E. A. C. gab, heschäftigte sicli der Bundestag in der Hauptsache mit internen und organisatorischen Angelegenheiten der Glubs. Im «־!!)gelaufenen Arheitsjahr vermehrte sich die Zahl der Ilerzl-Cluhs von 3 auf 7. Die Zahl der Mitglieder stieg auf mehr als das Doppelte. Diese Lut Wicklung beweist uns, daß wir mit unserer Arbeit auf dem richtigen Wege sind. Im Verlaufe des Bundestages wurde folgende Resolution angenommen, die beweist, von welchem Geiste die Verhandlungen getragen wurden: ״Der 1. ordentliche 1 Icrz.l-Buiulcstag legt den schärfsten Protest gegen die Zurückdrängung^ der hebräischen Sprache in den palästiuensüsclicn Schulen von seitei) des ״Hilfsvercius der deutschen Juden“ ein und verpflichtet die Mitglieder der Hcrzl-Cluhs, die eifrigste Propaganda fiir das hebräische Sehulwerk zu entfalten.“ Bei einer eingeleiteten Sammlung wurden sofort ca. 300 M. für den Schulfoiids gezeichnet. -- 111 das Präsidium wurden wiedergewählt: Max Sternberg als Vorsitzender, Josef Roscnhliith und Alfred Frank. Die Atiresse ist: Berlin, Grolle Präsidentenstralle 2. Lübeck. Auf Veranlassung des provisorischen Ausschusses zur Begründung eines jüdischen Wandetklubs in Lübeck hielt am 11. Dezember Herr Dr. 1' u e 11 aus I lamhurg einen Vortrag über J ü - dis clicn W a n d c r s p or t. Nach den gchaltvollen Ausführungen des Referenten fand eine Ausspräche darüber statt, ob der Wanderklub auf neutrnler oder national-jüdischer Grundlage zu schaffen sei. Entsprechend dem Wunsche der überwiegenden Mehrheit wurde hierauf ein nationaljüdischcr Wunderklub begründet. Fast alle Teilnehmer der Vcrsammguug traten ihm sofort als Mitglieder bei. Emden. Der M o 111 e f i o r e - V e r ei 11 in Emden hat in seiner Generalversammlung beschlossen, mit dem 1, Januar 1011 aus dem Verbände jiidis cli er J u g e 11 d ve r c i n e Deutschlands wegen der ״neutralen“ Haltung seiner Führer aus zutrete n, AUS DEN GEMEINDEN Berlin. Die nächsten Veranstaltungen der Bezirksgruppcu des ,,Neuen Jüdischen Ge- 111 c i 11 d e v e r e i 11 s“ sind; 11. Januar: Schönhauscr Vorstadt. Herr Dr, Paul Michaelis: ״Der ewige Jude׳“. Musiker-Festsäle, Kaiser-Wilhelm- Straße IBM. Im Anschluß geselliger Teil. — 21. Ja-!war; Schönhauser ,Vorstadt. G e 11 c r a I v c r s a 111 m - 11111 g (Neuwahlen). Musiker-I'estsule, Kaiser-Wil- Udm-Str, 18M. — 27. Januar: Nordost. Propag a!1 d a V « r s a m m I u n g. Unionfestsäle, Greifsvvaltlcr Str, 222. Berlin. In den M o 111 a g svorlesu n g e 11 der Lehranstalt f ü r die w iss e 11 schult d e s 11 d en i 11 in s werden auch diesmal namhafte ()<־• ehrte und Schriftsteller zu Worte kommen, Als erster Redner spricht am 12. Januar der hiesige Professor der Theologie!>. Dr. (ireßmanu: ״Die Geschichte der nicssiunischcu Hoffnung“. Gleichfalls dem Gebiete der Kcligionsphilosophie ist das Thema des vor kurzem nach Berlin berufenen Rabbiners Dr. Lewkowitz entnommen, der mit einem Vortrag ״Religion und Nationalismus“ am 2. März den Zyklus der Vorlesungen beschließen wird. Am IQ. Januar spricht Seiniiianmisikielnei׳ Idclsohn aus Jerusalem über ״Das Verhältnis der orientalischen zu den europäischen Synngogalgesäiigcn“. Dr. Kutna hält am 0. Februar einen Liciitbildervortrag über: ״Die alttestamentarischeu Gestalten in der bildenden Kunst“. Am 2t). Jan. spricht Frau Dr. Meyer, die Tochter des verstorbenen Sauitätsrats Neumaiin, über: ״Ein Kulturbild aus dem Leben der russischen Juden“, am 23. Februar Redaktcur Fritz Engel über: ״Max Reinhardt“. — Der Reinertrag der Vorlesungen fließt in die Kasse des Stipeitdicnfonds der Lehranstalt. Die Vorlesungen linden in der Aula der Lehranstalt, Artillcricstr. 14, abends 8 Uhr, statt. Einlaßkarten bei Herrn Hofjuwelier Eugen Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat der Lehranstalt und am Eingang in den Saal. Berlin. Am Mittwoch, dem 14. Januar, abends SU Uhr, veranstaltet die D c u t s c 11 - J ü d i s c h c Bühne, Biumenstr. 10, eine Aufführung zu geincinnützigcn Zwecken. Es kommt zur Darstellung die belichte Operette ״Bar Kochba“. Karten zu 1, 2, 3 M, im Vorverkauf oder an der Abendkasse. Berlin. Der bekannte Spczialarzt für Chirurgie Dr. Max Zondck ist durch den Professorstitef ausgezeichnet w orden. Dr. Zondck ist 1868 in Wronkc (Prov. Posen) geboren und stammt aus gut jüdischein Hause. Er hat sich durch eine große Anzahl von Arbeiten auf allen Gebieten der Chirurgie einen wissenschaftlichen Namen erworben. Berlin. Ain zweiten Chanukahtage veranstaltete die Jüdische Vereinigung , T e m pc 1 h of M a r i c ndorf“ eine Feier für die Kinder ihrer Religionsschule, an der die Eltern der Kinder sowie viele ן Gäste teiluahmen. Nach dem Anzünden dcrChanukahlichter wies der Lehrer der Schule, Dr. D, Weiß, in einer Ansprache die Kinder auf die Bedeutung des f estes und die Wichtigkeit der Kenntnis der jüdischen Geschichte hin. Darnu schloß sich ein gemütliches Beisammensein •an. Der Vereinsvorsitzende Dr. Pinczowcr nahm hei der Kaffeetafel das Wort; seine Ansprache bezweckte besonders, jüdisches Natioiialbcwußtseiu in den Anwesenden zu wecken. Frankfurt a. M. Die von dem verstorbenen Rabbiner Dr. Adolf Salvcndi herausgegebenen ״Spendenver/eichnisse für alle Zweige jüdischer Wohltätigkeit" werden von dessen Sohne, Dr. Hugo Salvcndi in Frankfurt a. M,, in unveränderter Form weiter herausgegeben. Hannover. Am 25. Dezember beging der Ver* ein jüdischer Lehrer in der Provinz LI a 11 וו o v e r sein fünfzigjähriges Jubiläum durch einen Fest a k t am Vormittag׳. Auf die Begrüßiingsansprache des Vorsitzenden, Lehrers Katz aus Nienburg, ergriffen nacheinander das Wort der l.andrahhincr Dr. Gronemanu für die Geistlichkeit, Rektor Feiner aus I lamhurg für den Verband der jüdischen Lehrervereine, Senator Fischer-Linden für die Synagogen-(ieiiieimle. Dann sprachen Vertreter einer Reihe auswärtiger jüdischer Lehrervereine. Leit rer Katz (Nienburg) gab in seiner Festrede einen geschichtlichen Ueberblick über den Werdegang des Vereins; auch wurde eine Festschrift unter den Teilnehmern verteilt. Zu einem Festmahl vereinigten sich die Fcsttciinchmcr am Nachmittage. Fcstniifführungcn und ein sehr reichhaltiges Pro* gramm musikalischer, gesanglicher und dcklamatorischer Vorträge hielt die I estteilnchmer noch bis zum späten Abend beisammen. Rybnik. Am 21. Dezember fand die Hochz c i t s f e 1 c r unseres verehrten 1 lerrn Rabbiners Dr. B r a 11 n s e h w e i g e r in der hiesigen Synagoge statt. Die Wcilierede hielt Herr Rabbiner Dr. Feuchtwangcr aus Wien, ein Onkel des Bräutigams. VEREINS-RUNDSCHAU Berlin. Um der allgemeinen Empörung über die ungeheuerlichen Angriffe des ״Antizionistischcn Komitces“ Ausdruck zu geben, wird die Berliner Zionistische Vereinigung am Montag, dem 12. Januar 1914, zwei große öffentliche Versammlungen, in den Sophicn-Sälcn mul in den Spichcrn-Sülcn vcranstalteil, in denen gegen die Lügen des Antizionistischen Komitees öffentlich Protest erhoben werden soll. Berlin. Im Jüdischen Jugcndvcrcin C h a r I o 11 c n b u r g hält am Dienstag, dem 13. Jautinr, abends 9 Uhr, in den Vercinsräumcn, Wilmersdorfer Straße 53, Herr Dr. Georg Herlitz einen Vortrag über ״Geschichte und Wesen des Talmud“. Gäste — Damen und Herren — willkommen. Berlin. Die letzten Vorträge des Palästina-Kurses sind folgende: 5, Donnerstag, den 15. Januar 1914: Prof. Dr. O. Warburg: Jüdische Landwirtschaft in Palästina — 6. Donnerstag, den 22. Januar 1914: Dr. E. Tschlcnovv: Die moderne Entwicklung' Palästinas. — I'־• jeder Vortrag ein in sieh geschlosse׳:,... Gebiet behandelt, ist es immer noch möglich, mit dem Kurs zu beginnen. Die Vorträge finden im kleinen Saal der Spichernsäle, Spichcrnstr. 3, statt; sie beginnen pünktlich um «) Uhr. Breslau. Im ״Verein der Zionistischen Jugend“ findet der nächste Kursus am Mittwoch, dem LL, pünktlich 9>,1 Uhr, im Zimmer des Hcrzlklubs statt. Diskussionsthcmn: Jüdische Geschichte von 1760 bis 1789. Vorher, um 8 Uhr, Versammlung der Mädchcngruppc. Vortrag über Lilien. * Berlin. Die Makkabäerfeicr, die der Jüdische Turnverein ״Bar Kochba“ veranstaltete, war von I etwa 1400 Personen besucht. Der Verlaut des Festes entsprach allen Erwartungen. Glücklicher Gewinner des Hauptgewinnes in der Tombola (Fahrkarte 1. Klasse Triest-Jaffa und zurück) wurde Herr stud. Eg er (Hasinonaca). Der Reinertrag des Fesies bildet den Grundstock des Sportplatzfonds. Berlin. Ein glänzend gelungenes Chan 11 k ah- Kinderfest veranstaltete die Jüdisch-nationale Frauenvereinigung am 30. Dezember v. J. Kinder im Saale uuei mehr als 200 Erwachsene auf der Galerie erfreuten sich an dem Gebotenen. Großen Beifall erntete das jüngste Mitglied des hebräischen Kindergartens, die kleine dreijährige Mirjam Z i inme rm ann mit ihrem hebräischen Liedchen. Berlin. Die A. J. K. O. hat in der letzten Zeit Versammlungen in Beuthen, Breslau, Nürnberg, Würzbürg und Bamberg veranstaltet, die allerdings zum Teil schwach besucht waren, obgleich die ״führenden Kreise“ mancher Gemeinden sieh für diese Organisatinn einsetzen, Königsberg. In einer Versammlung der 1״ b r i j a“ hielt Herr Pinkas Cohen einen überaus intercssantcn hebräischen Vortrag über die gegenseitige Beeinflussung von Land und Sprache bei den Hebraern im Lande Israel, mit besonderer Betonung der Entwicklung des neuesten, aus den wachsenden Verhältnissen geborenen Sprachenkampfes. Daran knüpfte sich eine hebräische Diskussion und nachher ein hebräischer Unterhaltungsabcnd. In der Diskussion kam Heinrich Loewe (Berlin) auf den Sprachcnkampt zurück, legte unter Erörterung der