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Jüdische Rundschau · 1914-01-09 · Heft 2 (9.1.1914) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 16 J U E Dl SC II L RUNDSCHAU Nr. 2 (seit nach imtl reichte »eine Mehlung ein, Der Vorschlau seiner Aufnahme wurde von einem der IV Präsidenten und dem Vorsitzenden der Kiillusgc• nieimle emgebraeht. Nachdem alK*r die Erledigung der Bewerbung fast ein Jahr lang verzögert worden war, wurde die Aufnahme durch die Bailot,ige ab• g e 1 e h n t. Die Vorfälle sollen zu sehr heftigen Auseinander• set/ungen in der Loge geführt haben, als deren folge mehrere »ler angesehensten Mitglieder ihren Austritt erklär» haben. Ja, man spricht sogar von der (iründung einer zweiten Loge. Wie wir aus allerbester Quelle erfahren, hat ein• zig und allein die Zugehörigkeit des betreffenden Herrn zur zionistischen Organisation und seine her• vorragemle Betätigung in der Münchener zionistischen Ortsgruppe das Resultat verursacht. Das Ocschehnis hat symptomatische Bedeutung. Während früher Zionisten und Autiziouisten in einer ganzen Reihe neutraler Organisationen friedlich und ersprießlich miteinander gearbeitet haben, macht sieh infolge einer seit einiger Zeit cingclcitetcn Agitation, die mit dem moralischen und materiellen Lrstarken des Zionismus in Deutsehland zeitlich zusammen• fällt, in gewissen Kreisen die Tendenz bemerkbar, Zionisten nur wegen ihrer jiidisehnatioiialeu Oe• Riuiiung und ungeachtet ihrer persönlichen Quali• täten aus allgemein jüdischen Organisationen und von allgemein jüdischen Arbeiten auszuschliellcu. Wir werden uns nicht verleiten lassen, mit ähnlichen Mitteln zu antworten. Wir werden in zielbewuliter Arbeit unsere Ziele verfolgen, wir werden die Welt über das Wesen unserer liewegung unermüdlich auf• klären und alle unlauteren Bemühungen unserer ver• bissenen Gegner, uns Abbruch zu tun, werden vergeblich sein. eine historische Tragödie, einen lebhaften Lachcrfolg. fast eine Woche währten die Veranstaltungen und Beratungen ries K. T. Alle Delegier teil und Gäste verhelfen Ihn mit der sicheren Hoffnung, »1.11t das neue Kartelljahr dem K, Z, V, neuen Zuwachs an Macht und Größe bringen werde, XIII, Kartelltag des B. J. C. Der Bund Jüdischer Corporatloncn, der al» die Organisation der Vereine Jüdischer Studenten die Vertretung von etwa 8(10 jüdischen Akademikern darstellt, hat in der Ghnmikah-Woehe in Königsberg seinen Kill. Kartelltag »!)gehalten. Die Tagung, zu der zahlreiche V. J. St.,er aus allen Teilen Deutsch• Inuds erschienen waren, gestaltete sieh zu einer eindriicksvollcn Kundgebung der jüdisch-nationalen Stil• dcutciisehaft Deutschlands. Der festkommers und der Ball, den der V, J. St. Königsberg aus Anlaß des Kartelltages veranstaltete, zeigten, dal) der Königs* berger V. I, St. durch sein energisches Auftreten und durch die entschiedene Betonung seiner national• jüdischen Tendenz es verstanden hat, sich die Sympathien eines großen feiles der jüdischen Bürgerschalt Königsbergs zu erwerben. Von den internen Verhandlungen des Kiirtclltagcs, die liehen inneren Angelegenheiten des B, J, C. fast alle jüdische« Tiigcsfragcn berührten, sei liier nur der eine Beschluß hcrvorgelioben, daß der B, J. C. tlfm Zionistischen Actions-Gomitc für das Schul werk in Palästina einen Betrag von 10 000 M, zur Vcrfü* guug stellt. Anzeigen als Anzeichen Aus der ״Allgemeinen Zeitung de* Ju* den tu ms“ vom 2. Januar 1914: Christ oder FMromonist! Da• Krlagagoschral Kirchouml Konlr״i<1n>l״D ייו ״ viillii; ,*!•!klon! Di» ״•iektromonUtlach• Klrch•" nur 1,1 die W’11l1«n»cl1auu11(' dt•• lU«fl«״or,der Wahrhall und wird *tir Km•׳ lieidung ((ihren. Praia M. 1,S0. 1:1111««rllv<*rl»ur IC. 411!,ulinMi-Krlfdiritlorf, H». Dobareq ein. Die inclstcn Tiere waren arg mit* genommen, die Fulaschas von Masqcliqo brachten auf die Kunde von den! bevorstehenden Eintreffen der Karawane neue frische Tiere herbei. Eine große Eskorte von Falaseba* kam unseren Reisenden entgegen, voran «ler Kalten Abba Enbcrein. Dieser ist ein Mann von außerordentlicher Gelehrsamkeit, Was unter den Fnl.whas eine große Seltenheit bildet, die Gemeinde in Masqeliqo ist nicht mir durch ihre Seelenzalil ausgezeichnet, es kommt ihr auch eine besondere Bedeutung dadurch zu, daß in Ihr ein Geist tiefer Frömmigkeit herrscht. Sic verfügt auch über eine Anzahl Ikbteras und cs wild mehr als in anderen Gemeinden gelernt. Dort hatte I alttowitseh auch Gelegenheit, einer Hochzeit bciziiwobmn, von der er eine interessante Schilderung entwirft. Am 11. Mit/ ging es weiter nach Woibcq, wo viele Falascha* verstHut wohnen. Die Karawane aber mußte sielt' auf der Hauptroute halten, um nicht zu sehr vom Wege abzukoinmcn und die Falaschas zogen ihr wiederum entgegen, in eigenartiger Haltung mit Klageliedern und Trauerzereiiionien. Die Ealaschns begrüßten nämlich den Verwandten eines kürzlich Verstorbenen, wenn sic ihm das erste Mal begegnen, mit wehmütigen Gesängen. Getje aber, einem der׳ Begleiter f/iitlowitschs, der früher in Europa seine Ausbildung erhalten hatte, war kur/ vorher ein Onkei gestorben, und die* bildete den Anlaß zu der seltsamen Begrüßung. Das Zusammensein selbst war durchaus nicht traurig, denn bald brach die Freude und die Begeisterung über die Rückkehr der von der Gemeinde sehnlichst erwarteten Mission durch. In Tsclicrbitu befindet sich die größte Gemeinde der Provinz Wogara, die wegen der tiefen Frümmig* keit ihrer Mitglieder besonderes Ansehen genießt. Ihr Oberhaupt war bis vor einigen Jahren der greise Abba Arien Dcguraba, nach dessen im hohen Alter erfolgten Tode tra1 an seine Stelle sein jüngercrBruder Abba lintsa Melieret. Die Frommen von Tseherbitu bilden eine Art Orden, leben wie die Mönche abgesondert in eigenen Hütten und kommen mit den Laien, die nicht zu ihnen gehören, wenig• in Berührung. Sie müssen sich alles selbst zubereiten, von der Ernte bis zur Herstellung der Speise dürfen nur Brüder herange/ogeu werden. Jede Berührung mit anderen macht sie nach ihrer Anschauung unrein. Sie kehren, wenn sie mit anderen zusammengekommen sind, nicht in ihre Hütten zurück, ohne vorher ge• bade! und die Kleider gewaschen zu haben. Im Zustand der Unreinheit ist Ihnen jede warme Speise vertraten, sic trinken Wasser mir aus nichtgebrauchten Gefäßen, sie nehmen dann Honig, trockene Früchte und Getrcidekörner. Mit einem Wort, sic befolgen den Eal,tschüs gegenüber dieselben Vorsichtsmaß• regeln und Rcinigamgsgcsct/c wie diese gegenüber Andersgläubigen. Am Ende seines Briefes berichtet Dr. Eaitlowitsch ein Erlebnis, das so recht zeigt, mit wcleben Gefahren diese Reise verbunden ist, wieviel Unerschrockenheit und Geistesgegenwart sie erfordert. Am I. April wurde die Karawane in der Wüste in der Nähe des Flusses Kokotsch von der Nacht überrascht. Bald horten sie ein schreckliches Heulen, Hyänen suchten in der Dunkelheit das Lager zu überfallen mul waren den Maultieren schon hart auf den Fersen. Die ganze Nacht über mußte die Karawane auf der Lauer sein, die Ohren gespitzt, die Hand am Gewehr. Es wurde auf Leben mul Tod gekämpft, fortwährend hallte es wider von dem wüsten Geheul der w ilden Tiere und den Flinten• Schüssen der stell wehrenden Reisenden. Eine andere Karawane in der Nähe wurde schwer geschädigt, die Eaitlowilsehs kam mit dem bloßen Schrecken davon. Erst am ״Morgen wurde cs wieder ruhig, Die Falasehas der Umgegend, die von der An־ kunft benachrichtigt waren, kamen auch hier in großen Massen heran, brachten frische Maultiere und holten die Karawane im Triumph nach ihren Dörfern. Wie uns von der Leitung des Pro-Ealascha* Komitees mitgeteilt wird, ist Herr Dr. Eaittowitsch nach einjähriger Abwesenheit aus Abessynien nach Europa /urückgckclirt. Er wird über seine schwierige und anstrengende Mission bald selbst Bericht erstatten, Vor seiner Abreise hat er auf ausdrücklichen Wunsch der Falasehas und mit Autorisation des Ra* der Provinz Goiulnr In einem Falnscha־i>orfc in der Nähe von Gomlar eine kleine Schule eröffnet, die von seinem Begleiter Getje, dem früheren Schüler de* Collcglo Rabhlnico in Florenz und des Seminar• In Jerusalem, geleitet wird. Die Schule soll ein Internat bilden und ist zunächst für 10 Schüler berechnet. Es wird natürlich erforderlich sein, noch weitere ähnliche Schulen zu gründen, die Durchführung wird davon abhüngen, über wieviel Mittel das Pro-Falascha- Komitee verfügt, Der VII. Kartelltag des K. Z. V. Vom 21. bis zum 28. Dezember tagte in Berlin der VII. Kartelltag des Kartells Zionistischer V e r b i 11 d 11 n g c 11. Er verlief in jeder Weise würdig und ergebnisreich und erbrachte den sicheren Beweis, daß das K. Z. V. in eine Periode großen uml raschen Aufschwunges eilig« treten ist. Zwei neue Kor• norationcu sind im letzten Jahre in den Verband des K. Z. V. eingetreteu. Zunächst wurde die Z e - phirah in Breslau gegründet uml steht heute in׳• reits nach außen und innen gefestigt da. Vor allem aber erfüllt der Eintritt der Kndimah in Wien, der ältesten jüdischen Verbindung, die mit der Geschiehtc des neuen Judentums uml des Zionismus unlösbar verknüpft ist. die K. Z. V.'er mit Stolz mul Freude. Auch für die Partei kann das K. Z. V. gerade an dieser Stelle wert rolle Arbeit leisten, indem es endlich in der zersplitterten österreichischen Studentenschaft ein festes Zentrum schafft. Zu «lern Kartelltag hatte die Kadimall bereits eine ganze Anzahl Bumlcsbriider entsandt, die sich intensiv an den Arbeiten des K. T. beteiligten und von den hiesigen K. Z. V.'ern auf das herzlichste aufgenoinmen w urden. Die hebräische Bewegung in Palästina, die im Mittelpunkt des zionistischen Interesses sieht, fand natürlich auch auf dem Kartelltag ihren Widerhall. A. 11. Dr. llantke hielt einen Vortrag über die gegenwärtige Lage, der begeisterte Zustimmung er• weckte uml an den sich eine Sammlung für das hebräische Scbulwerk schloß. Es wurden sofort auf dem K. T. mehrere tausend Mark Jahresbeiträge gezeichnet. Natürlich wird die Sammlung eifrig fort• gesetzt, auch verpflichteten sich die K. Z. V.'er zur intensivsten systematischen Propaganda in Deulseh-!and und betrauten mit der gleichen Aufgabe in Wien die Kadimall. 1111 übrigen suchte der K. T. die finanzielle Leistungsfähigkeit zu stärken und die innere <)rganisation weiter aus/ubaiicii, um «las Kartell zu weiierer Expansion zu helähigen. Auch das Verhältnis zu anderen Organisationen kam zur Sprache. Alle Beschlüsse wurden getragen von dem Gedanken, daß korporative Rücksichten dem Gesamtiuteresse untergeordnet werden müßten, daß aller eben im Interesse des Zionismus der offiziellen Vertretung der zionistischen Studenten die ihr gebührende Siel• hing unter allen Umständen gewahrt werden müsse. In das neue Präsidium wurden gewählt die A. II. A. II. Dr. Egon Rosenherg als Vorsitzender, Parteisekretär Kurt Kusenbaum, Dr. Max Rosen• zweig, Dr. Walter Fischer, Dr. Gustav Krojauker und die i. a. B. i, a, B. Walter Riese und 1 laus Bloch. Narli außen trat der K. T. durch einen gliiu/eml verlaufenen Kommers vor die Ocffcntlirhkcit, der viele Hunderte von Gästen mul Freunden des K. Z. V. vereinigte. Alle zionistischen 11ml nalinnaljüdiseheii Organisationen mul die zionistischen Behörden waren vertreten. Den Kommers leitete Dr. Egon Rosenberg; Hang Bloch (I lasmonacac) hielt die Tendenzrede, carnl, med, Felix Mandl sprach für die Kadimah, Prof, Warburg betonte, daß er es als Präsident der Bewegung für seine Pflicht gehalten habe, aut dem Kommerse der K. Z. V.'er zu erscheinen dessen Bedeutung für den Zionismus er nachdrücklich hervor• 110b. Dr, Scltinarja Lcvin *pratlt ergreifende Worte von dem, Kampfe um d'e licbriiische Sprache, Die Fuxenredc hielt Nahunt Becrmann, ein Abiturient des hebräischen Gymnasiums, auf hebräisch, ihm crwKicrte ebenso A. H. Dr, Grünfelder. In der Fidulitat hatte dann ״Saul* Ende“ von Hans Bloch, Christ oder Elelitromonist! Da• Krlegsgaschral »wi««h«n Kirchouml Konfc»si״n.l1 11 >»״-t viillii; »woililo»! Di» ״•iektromonlstlach• Klrcha" nur i>t diu W1!l11tn»cl1au111!|: dt•• lU«1l»ior,der Wahrholl und wird *ur l'.rii•׳ licidung Kil1r«n. Praia M. 1,S0. 1:1111««rllv**rl»ur 1■1)4 ״ ÜsUBlti-grlodiridorr, H», Neues von den Falasehas tu einem Schreiben, das am 15. April 1913 in Gomlar, an der imbKch-abessyiiischen Grenze autgegeben ist, berichtet «ler bekannte Falascha-Forscher Dr. F a i t Io w i t s c 11 über seine bisherigen Erleb• nisse. Wir gehen ans dem sehr ausführlichen und inhaltsreichen Schreiben einige wichtige Stellen wieder, für die. wir bei ׳mscrcii Lesern besonderes Interesse voraiisset/eu dürfen. Dr. Eaitlowitsch begab sieh Donners ag, den 20. Februar, von Asmarn mit «einer Karawane auf den Weg und traf nach einer Reise von etwa einer Woche, nachdem er unterwegs in Aildi Alm als Gast des Erzbischofs von Abima Petros empfangen worden svar, in Atlua, dem Silz, des Gcneralgouvcriicurft des Nordens, ein; da er von den italienischen Be• bürden mit Empfehlungen an den Negus und die Regierung von Abessynien ausgesfattet war, fand er freundlichen Empfang. Daun ging es über Axum zu den Fulaschas und mau machte zuerst zu Maitcwarn Halt, Bel Heiner Ankunft fand er alle Fiilaschns der Gemeinde und viele aus der Umgebung ver• einigt. Sie feierten gerade das Monnlsfest, Arfi• Assert, das sie sehr streng begehen, bei dem sie sich wie bei den biblischen Festen in den Synagogen zum Gebet versammeln. Sie bereiteten ihrem alten Freunde einen negelsteilen Empfang, er verlebte den Feiertag und den folgenden Sabbat mit ihnen. Nach einigen lagen traf er in Addisdiolia ein, wo sich infolge ständigen Zuzugs aus der Umgegend jetzt die zahlreichste Gemeinde der Provinz Tigrc befindet. Die Falasdias besitzen dort ein großes Mesgid (Synagoge), einen Kalien (Rabbiner) und mehrere Debteras (Lehrer). Dann ging es nach der Provinz Ainhara. Von dort aus vorwärts zu kommen, ist überaus schwierig, die Straßen sind fast unwegsam und die Wüste bildet ein schweres Hindernis. Der Ucbergnng auf den Pfaden der steilen Berge, in dem dichten Gestrüpp, hei brennender Sonne und erstickender Glut machen die Reise unerträglich mul bereiten den Karawanen sdiwere Gefahren, In dieser Gegend kann man nur 3 I Stunden täglich marschieren; um aber schneller vorwärts zu kommen und das!,(;suchtest in der Provinz Dcmhcn verleben zu können, nahmen unsere Reisenden die kühlen Stunden der Nacht zu Hilfe, lieber den Gebirgszug I.cniwalmon drangen sie nach der Provinz Wogrn vor. Um zurückzugelangcn und über den gefährlichen Berg hjnwcgzukontmcn, der den Schrecken der Karawanen und das Verhängnis der Lasttiere bildet, mußte aut Nachmittag obgorcist werden und bei Eintritt der Nacht traf man in II

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