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Jüdische Rundschau · 1914-01-09 · Heft 2 (9.1.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite IS es sich niemals um Religionslehrer, auch dann nicht, wenn diese als Elcmentarlchrcr aus^cbildct sind. Sehr bcsscrungsbcdürftig ist auch das Kiindigimgsrccht.“ Marx (Gießen): ״In Hessen ist es fiir die Lehrer schwer, eine definitive Anstellung zu erlangen; die Entscheidung über die Vorbedingungen dazu liegt in den i landen der Kultusgenicinden. Soweit die Lehrer definitiv angestellt sind! werden sie mit Arbeit übermäßig belastet. — Palliatmuittcl sind wirkungs- Jos; durchgreifende Hilfe tut not; vor allem muß der Willkürlierrschaft der Vorstände der Kultusgenicinden ein Ende gemacht werden.“ Spatz (Rexingcn): ״Hie württemberfi s c 11 c Volksschule ist in allen Instanzen nach oiifessioiien getrennt. Sehnlmnlageu gibt es in Württemberg nicht; die Ausgaben für Unterrichts• zwecke werden aus allgemeinen Mitteln bestritten. Die Volksschule ist Sache des Staates, mit der die Kultusgemeinden nichts zu schaffen haben. Die Konfession der Mehrheit der Schüler entscheidet über die Konfession der anzustellenden Lehrer; es hesteht keine Verpflichtung für die Schule, für den Religionsunterricht der sie besuchenden religiösen Minderheiten zu sorgen. Daher gibt es keine ehristliehe Minderheit, die nicht ihre konfessionelle Schule auf Staatskosten hätte; nur die Israeliten besitzen in den meisten Städten keine Volksschulen! Auf diese Weise erwachsen den jüdischen Kultusgemeinden beträchtliche Kosten, wenn sie die Erteilung von Religionsunterricht veranlassen wollen. Soll Hebräisch unterrichtet werden, dann ist eine besondere Genehmigung erforderlich. Es muh koustatiert werden, daß die Unwissenheit auf religiösem Gebiete eine ganz, erschreckende ist. Der jüdische Lehrer ist mittelbarer Staatsbeamter; seine Anstellung, seine Versetzung usvv. hängt von der Köuigl. Oberkirchenbehörde ab. Der Lehrer führt den Vorsitz in der Kultusgemeinde. Die Gchaltsverhältnisse sind befriedigend.“ Die Mitglieder-Versammlung nahm zu dieser Frage folgende Resolution an: ״Der 6. Verbandstag fordert im Interesse des Staates, des Judentums und der israelitischen Lehrer- Schaft: 1. Die rechtliche Gleichstellung des jüdischen Religionsunterrichtes mit dem der christlichen Be• kcnutnissc; 2. die Gleichstellung der jüdischen Rcligionslehrer nach Pflichten und Rechten mit den Volks- Schullehrern ihrer Ortsgemeinde. Der Verbandstag beauftragt den geschäftsführen־ den Ausschuß, geeignete Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles zu ergreifen.“ H i I I c I. Ausweis Schekel für 1912/13: Nauen 1 -; 1913/M: Stalin- Pöncn 1,—, Posen, Zionistische Jugendgruppc, 25,—, rankfurt a. M. 6,—, Idar t,— M. Landesorganisationsbeiträge für 1913: 1. Ortsgruppen: Köln 151,—, Ecstcnberg (Einzelbeitrag) 3,—, Frankfurt a. M. 72,—, Berliner Zion. Vereinigung 12,—, Rybnik 20,—, Nauen (Einzelbeitrag) 3,—, Wiesbaden 5(),— M. 2. Einzelpersonen: Salomon üoldsduuidt, Hamburg, 5,—, N. N., Nürnberg (2. Rate). 5.—. Erl. B. Peisacn, Charlottcnburg, 5,—, Isak Sommer, Freibürg, 6,—, Dr. Alfred Oradenwitz, Berlin, 10,—, Referendar Edgar Weiß, Mölsheim, 8,-—, Erl. Else Schlesinger, Ratibor, 12,—, Referendar Herzberg, Herlin, 5,—, Leon Friedman», Nürnberg, 5,—, l Rechtsanwalt Löwe, Düsseldorf, 10,—, Dr. Georg naliiern, Lemberg, 10,—, Rechtsanwalt Max Stern, Nürnberg, 5,—, R. Reichmann, Straßburg, 5,—, Rechtsanwalt Dr. Pfälzer, Weinheim, 15,—, Karl Scherk, Berlin, 5,—, Dr. Gustav Krojanker, Berlin, 5,—, Dr. Fritz Müllerheim, Stolp i. Pom., 5,—, Dr. E. Chainizer, Leipzig, 5,—, Arno Schenker (2. Rate), Dresden, 5,—, Kurt Rosenthal, Berlin, 5,—, Dr. E. Löbl, Leipzig, 5,—, A. L. Fürst, Berlin, 10,—, Isidor Cohn, Berlin, 30,—, Bernhard Schragcnheim, Berlin, 5,— M. Propagandafonds für 191•»: J. H. Wagner, Berlin, 5—, Dr. W. Jacobsohn, Hamburg, 10,—, Hermann Salomon, Löcknitz, 5,—, Dr. A. Rosenthai (1. Rate), Homburg v. d. H., 5,—, Nathan Baer, Idar, 19,—, Dr. E. Chamizer, Leipzig, 5,—t Dr. H. G, Heyinarm, Berlin, 200,—, H. Postawclsky, Stallupönen, 5,—, Edmund Lcvy (H. C.), Berlin, 10,— M. Eingang vom 30. Dezember 1913 bis 7. Januar 1914.- Schekel für 1913: 1 M.; 1914: 33 M. - Landesorganisationsbeiträge für 1913: J>00 M. — Propagandafonds für 1914: 264 M. Gesamtcfngang: Schekel für 1913: 896! A4.; 1914: 175 M, — La n d cso rgan i sa t io n s bc iträge für 1913: 16 925,27 M. — Landcsbeiträge 1914: 200 M. — Propaganda fo nds 1914: 481 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8, Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H, Heymann & Co., Berlin W 56, Hinter der Katholischen Kirche 1. V. Zionistischer Gruppenverbandstag Poscn-Wcstprcußen Zu dem zum 25. Dezember nach Posen cinbcrufeuen Verbandstag hatten sich zahlreiche Gesimumgsgenossen aus Posen, Gollub, Briesen, Sainter Sehönlanke Rawitsch, Schwerscnz, Stralkowo, Jarotselun, ilorck, Granden/, ilohensalza und Krotoschii: eiiigefunden. Vom Zentralkomitee war Herr Dr. Bi min delegiert worden. Nach Eröffnung und Begrüßung der Erschienenen durch Herrn Dr. K olle lisch er erstattete Herr Moritz Krause (Posen) den Tätigkeitsbericht. Leider müsse eine wenn auch geringe Abnahme der Sehekel/.ahler konstatiert werden. Line Erschciinnig, die mit der Zusninineiisdmimpfung der meisten Gemeinden und den schweren wirtschaftlichen Kämpfen der letzten laiire im Zusammenhang steht. Diesem Rückgang stehe jedoch eine erfreuliche Steigcrung der pekuniären Leistungen gegenüber. Wenn somit die Organisationsmögiielikcit im Osten eine eng begrenzte ist, so kann dieses durch die Verhältnisse bedingte Manko durch Begeisterung und Opferwilligkeit der Mitglieder zum Teil ausgeglichen werden. Das Distriktsbureau stand mit allen Vertraueiismäunern in ständigem Kontakt und versuchte, in zahlreichen Ortsgruppen Vorträge zu veranstalten. Um jedoch eine erfolgreiche Propaganda zu entfalten, sei cs unbedingt erforderlich daß die einzelnen Ortsgruppen einen Beitrag zu den Unkosten entrichten. I lerr Krause beantragt deshalb, von den Ortsgruppen eine Kopfsteuer von 30 Pf. zu dem Orup|>cnvcrhamf zu erheben. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Nach der Diskussion, in der u. a. Herr Mannheim ((iraudenz), Herr Neumark (Posen) R.-A. Notlimanu (Kroloschin), Erl. Landsberger (Posen), R.-A. Ascher (Sehönlanke), Dr. Kollenscher und Herr Krause sprachen, erhielt llcrr Redakteur llaus Goslar (Berlin) das Wort zu einem Referat über: Der Wirtschaftsverband der deutschen Jude 11. Im : llgemelnen und besonders m Posen, wo die wirtschaftlichen Gegensätze schärfer hervortreten, macht sich trotz äußeren Wohlstandes cm beginnender wirtschaftlicher Niedergang bei den Juden bcmerkbar. Diese Tatsache ist durch Rückdrängung der Juden aus den leitenden Stellungen in großen Aktiengesellschaften und Konzernen und die Abnahme der selbständigen Existenzen zu erklären. Es macht sich eine gewisse Annäherung an die Gesamtstruktur der Bevölkerung bemerkbar: die Vermehrung der Angestellten auf Kosten der Selbständigen. Die intensive wirtschaftliche Eulwickhmg hat eine starke Ver- Schiebung der Bevölkertingsgruppeip gezeitigt, die eine zunehmende Ausschaltung des Zwischenhandels mul eine erhebliche Einengung des Mittelstandes hewirkte. Das riesengroße Anwachsen der Warenhäuser hat nicht nur Existenzen des christlichen Mittelstandes ruiniert, sondern in verhältnismäßig vielleicht noch höherem Maße jüdische Detailhämller vernichtet. Die Konzentration im Bankwesen verdrängte die Einzelbanken, dazu kommen noch Liquidationen und Konkursc, so daß seit 50 Jahren hunderte jüdischer Bankiustitutc verschwunden sind und mit ihnen der Einfluß auf das Kreditwesen. Nach polnischen Vorbildern, die durch genossenschaftliche Bewegung ein starkes Rückgrat erlangt haben, durch Gründung von Parzellierungs-Darlehnskassen, von Ein- und Verkaiifsgenossenschaften wirtschaftlich außerordentlich erstarkt sind, müßte auch' von jüdischer Seite eine ausreichende Fürsorge für kleine Mittelstandsexistenzeit ciiisetzen. In Berlin wird eine Sttidiciigcscllschaft ziisammentreten und von dem Ergebnis dieser Wirtschaftsforschtmg wird die Gründung einer Genossenschaftsbank abhäugen. Auch auf die Angestelltenpolitik besonders der Großbanken läßt sich ein entscheidender Einfluß gewinnen. Solche Bestrebungen sollten nicht bloß zionistische Kreise, sondern auch alle anderen Vereinigungen Deutschlands unterstützen. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine längere Debatte. Nach zweistündiger Mittagspause wurden die Verliandlungcn um 3 Unr nachmittags wieder aufgenommen mit einem Referat des Herrn Apotheker Ricscnfcld (Gollub) über den Zionismus nach dem XI. Kongreß, dessen ausführliche Darlegungen großen Beifall fanden. In der Debatte wird von den Herren Rechtsanwalt Ascher (Schönlankc), Rechtsanwalt Nothmann (Krotoschin), Dr. Salomon und Zahnarzt Läufer (Posen) folgende Resolution eingebracht und von der Versammlung angenommen: ״Der Zionistische Distriktstag Posen stellt mit lebhaftem Bedauern fest, daß die Zionistische Vercinigung für Deutschland noch keine Beschlüsse darüber gelallt hat, wie am wirksamsten der verheizenden Agitation des Antizionistischen Komitees entgegengetreten werden soll. Der Distriktstag erwartet angcsichts der zwingenden Notwendigkeit, dieser unsere Propaganda und Palästinaarbeit, sowie unser Prestige in den Augen der deutschen Judcnhcit stark gefährdenden Agitation aufklärend zu begegnen, daß die Z. V. f. D. unverzüglich Schritte ergreifen wird, um die weitesten Kreise der deutschen Judcnhcit über den wirklichen Charakter und die wahren Ziele unserer Bewegung zu informieren. Eventuell muß zu diesem Zweck eine besondere Umlage unter den deutschen Zionisten veranstaltet werden.“ Herr Dr. Blram (Berlin) sprach nunmehr über den Sprachenstreit in Palästina. Die hebräische Sprache sei in Palästina, insbesondere bei der jüngeren Generation, zur Umgangsspräche geworden. Während sich die Schulen der Alliance gegen eine stärkere Berücksichtigung des Hebräischen sträubten, hatten die Schulen des Hilfs- Vereins der Deutschen Juden der hebräischen Unterrichtsspraclic weitgehende Berücksichtigung geschenkt. Eine Revision des Schulplans vor ungefähr 2 Jahren schaltete diese Sprache für Mathematik, Physik und Naturkunde aus, und vor wenigen Wochen zeitigte ein Beschluß des Kuratoriums des technischen Instituts in Haifa große Erbitterung, weil die hebritische Sprache mit ein Minimum reduziert wurde, in der Mittelschule lediglich auf Singen, Zeichne» und Turnen. Das Kuratorium hat einen deutschsprachlichen Schulplan aufgestellt, obwohl die große Mehrheit der Spenden für das Technikum von amerikanischen und russischen luden gegeben ist. Der Lehrerverband hat in energischer Weise die Organisierung des Kampfes gegen die Tendenzen des Technikums in Angriff genommen. Schüler bleiben dem Unterricht lern, so »laß die Gründung einer rein hebräischen Schule in Haifa in Angriff genommen ist. Gymnasiasten veranstalten unter sich Sammlungen, uni die streikenden Seininaristen zu unterstützen. Der Kampf ist in ein entscheidendes Stadium getreten, da die Tendenz der intellektuellen Elemente Palästinas dahin gerichtet ist, die hebräische Sprache zur Unterrichts- und Umgangssprachc zu machen. Mit einem warmen Appell an die Anwesenden, den Kampf zu unterstützen, schloß der mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag. Eine sofort veranstaltete Sammlung ergab ca. 700 M. jährliche Beiträge. Nunmehr erfolgte als letzter Punkt der Tagesordnung ein Vortrag des Herrn Gustav Mamfok (Posen) über das Thema: Der Kampf um die jüdische Volksschule. In dem Streit um die jüdische Volksschule müssen unsere Sympathien und unsere Mitarbeit stets mit »lenen sein die die allgemeine jüdische Schule erstreben. Beide streitenden Parteien, die liberalen Juden wie die Lehrer, huldigen assimilatorischen Anschaumigen und erblicken in der Simultauschulc das Ideal einer Schule. Aber der jüdische Lehrer kann um »1er Erhaltung des Standes willen nicht bis zur Erfüllung dieser Forderung warten, so daß er notgedrungen für die jüdische Schule emtreten muß. Zuguusten der Simultauschulc wird behauptet, daß sic sittlich religiöse Erziehung befördere, indem sic ihre Schüler zur Achtung gegenüber fremden lieber- Zeugungen erziehe. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß das Gegenteil erreicht wird. Die jüdische Schule muß mehr als jede andere ein Erzielumgsinstitut sein, das die Schüler zum Kampf für ihren Glauben mit den nötigen Waffen versehen müsse. Auch Sabbath und Feiertage kommen zu ihrem Recht. Auch dieser Vortrag wurde durch reichen Beifall belohnt. In der Diskussion vertrat Lehrer Outmann den Standpunkt des Lehrerverb,׳indes, während Lehrer Mannheim (Graudeuz), Lehrer Auerbach (Posen) und Rechtsanwalt Dr. Kollenscher dem Referenten beipflichteten. Folgende Resolution des Referenten wurde angenommen: .,Der Gruppenverbandstag fordert die Aufrechterhammg der bestellenden jüdischen Schulen und Neugründung namentlich in großen und mittleren Gemeinden.“ Mit einer wirkungsvollen Ansprache wurde der Verbandstag von Herrn Dr. Kollenscher geschlossen. Den Beschluß des Tages bildete die von der Poscncr Ortsgruppe in den Kcichshallcn veranstaltete Makkabiierfcicr, die sehr gut besucht war. Nach einem von Frl. Lubinski vorgetragenen Prolog hielt Dr. Biram die Festrede. Herr Leo Go 11a■ nin (Berlin) brachte eine Reihe jüdischer Volkslieder zu Gehör, während Frl. Lubinski durch einige wirkungsvolle Deklamationen erfreute. Ein von acht Damen graziös getanzter Winzertanz beendigte den offiziellen Teil des Abends, worauf der Tanz begann. Ein Münchner Stückchen. Der Hauptvorwurf, den die Antizionisten uns machen, ist, daß wir eine unsachliche Kampfes* weise haben, daß wir persönliche Dinge in den politischen Kampf hincinbringen. Ein zweiter Hauptvarwurf ist, daß wir an den großen jüdischen Organisationen nicht mitarbeiten wollen oder sie sogar unmotiviert bekämpfen. Was von diesen Vorwürfen zu halten Ist, zeigt deutlich ein merkwürdiger Vorgang, der sich in München abgespielt hat. Ein hervorragendes Mitglied der zionistischen Organisation, einer der besten Männer der jüdischen Gemeinschaft, dessen Namen sich weit über die Stadt- und Landesgrenze hinaus der größten Hoch- Schätzung erfreut, wurde seit Jahren von den maßgebenden Personen der München-Loge des U. O. B. B. gebeten, sich zur Aufnahme zu melden. Dem fortwährenden Drängen des Präsidenten der Loge, sowie mehrerer Expräsidenten, gab er schließ•

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