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Jüdische Rundschau · 1914-01-01 · Heft 1 (1.1.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Seite 5 itrmlcr Sympathien zu erwecken, um für beide Teile vorteilhafte kommerzielle Beziehungen sowohl in Spanien, als auch außerhalb dieses Landes herhcl/u• führen. Schon die Tatsache selbst, daß Spanien nunmehr Versuche unternimmt, um mit den Juden, die unler seinen Schutz kamen, in nähere Beziehungen zu treten, und die Abkömmlinge derer, die aus diesem Laude vertrieben wurden, an sich heranzu/ichen, bildet ein überaus bedeutendes historisches Ereignis. In einer /eit, da man in anderen Landern es unternimmt, die Besten unseres Volkes zu unterdrücken und zu ver׳.dollen mit Mitteln, deren sich unsere Feinde im Mutclaltcr bedient haben, dürfte diese Tatsache dazu beitragen, um die trüben Wolken von unserem Hirnnit'l ein wenig zu verjagen. Sevilla, den 29. Chcschwan. l)r. A. S. J a h u d a. AUS ALLER WELT Rumänien Jassy, 29. Dezember. In Jassy ist es gestern zu großen antisemitisch! n Ausschreitungen gekommen, üestem veranstalteten die Sozialdemokraten eine Versammlung zur Lrörtertmg der Judenfrage. Antisemitische Studenten suchten in das Versammlungslokal cinzudringen. Es kam zwischen ihnen einerseits und den Sozialdemo• kraten und Juden andererseits zu einer großen Schliigerei. Eine Menge von 3000 Personen wurde auf den Frcihcitsplatz gedrängt. Nach Schluß der Ver• Sammlung drangen die Studenten gegen die Versammlungstcilnchmcr vor, durchbrachen den starken Militärkordon und begannen eine wilde Prügelei, so dal) das Militär von dein Bajonett Gebrauch machen ,mußte. Die Studenten zogen hiernach in kleinen Gruppen durch die Stadt: Jeden Juden, den sic trafen, prügelten sie durch, in den jüdischen Häusern wurden die Fenster cingcschlagcn. Das Militär nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Abends um neun Uhr kam es zu neuen großen Z u sammenstößen. Die Erregung der jüdischen Bevöikcrung ist groß. Man befürchtet Schlimmes. Türkei Aus Konst a'ntinopcl wird uns berichtet: Eine Persönlichkeit, die in der türkischen Regierung einen hohen Rang einnimmt, äußerte sich über den gegenwärtig in Palästina herrschenden Kampf für die Heßraisicrung der jüdischen S c 11 u i c 11 folgendermaßen: ״Wenn die Juden in Palästina ihre nationale Sprache nicht verteidigen werden, so werden sic gezwungen sein in ihren Schuicn die türkische oder arabische Unterrichtssprache einzuführen. In keinem Failc aber ist eine Sprache am Platze, die weder die ihrige, noch die unsere ist.“ Der Sprachenkampf in Palästina erregt überhaupt in hiesigen diplomatischen Kreisen lebhaftes Interesse. Fast alle Vertreter der fremden Machte sind der Ansicht, daß niemand die Juden Palästinas hindern dürfe, die Rechte ihrer nationalen Sprache zu wahren, besonders d a d i c h c b r ä i s c h c S p r a c h e der arabischen Umgangssprache der eingeborenen nichtjüdischen Bevötkcrurig Palästinas fast so Italic steht, wie das Holländische dem Deutschen, also jedenfalls näher, als eine europäische Sprache, Die Blättermeldung, daß mohammedanische Notabcln in Haifa gegen dfc Einführung des Hcbräisehen am dortigen jüdischen Technikum protestiert hatten, weil dies angeblich die Ausschließung der Mohammedaner aus dem Technikum zur Folge hätte, ist g a n z o f f c n b a r unzutreffend, weil dieser Einwand ja in noch viel stärkerem Maße gegen die Einführung einer europäischen Unterrichtssprache § eiten müßte. Diese Meldung kann also nur dazu cstimmt sein, die öffentliche Meinung gegen das Hebräische zu beeinflussen. * Der französische Flieger V c d r i 11 c s landete heute, am 28. Dezember, gegen D/a Uhr morgens auf dem Strande von Jaffa. Morgen fliegt er über Mikweh Israel nach Jerusalem. Ungarn Am 25. Dezember starb in Budapest der Rektor der Landcs-Rabbinerschule, Dr. Wilhelm Bacher, im Alter von 64 Jahren. Bacher gehörte zu den bedeutendsten semitischen Philologen der Gegenwart und war eine allseitig anerkannte Autorität auf dem Gesamtgebiete der Wissenschaft des Judentums. Sein großes Agadawcrk (״Die Agada der babylonischen Amoräcr“, 1878, ״Die Agada der Tannaitcn“, 2 Bdc. 1884—90) bildet eine wahre Fundgrube für die Erforschung dieses wichtigen Teiles des altjüdischen Schrifttums. Bacher zählte auch zu den besten Kennern der arabisch-jüdischen und der persisch-jüdischen Literatur. Auf diesen und den verwandten Gebieten schrieb er u. a.: ״Leben und Werke des Abu’l-Wahd Merwän ibn Oanafi“ (1885), ״Die Bibelexegese Mose Maimuni’s“ (1896), ״Die hebräische Sprach wissenschaft des 10. bis 16. Jahrhunderts“ ( 893), ״Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung (1899), ״Die Bibelexegese der jüdischen Rcligionsphilosopnen des Mittelalters vor Maimum (1892), - Hcbräisch-persischcs Wörterbuch aus dein14 ׳• Jaiirhundert $900), Zwei jüdisch-persische Dichter. J u L 1)1 SC II E RUN DSC H A U .17 ״״ '>״>׳׳ i"ifs •י,, 7K״!>1) r'f״»״ •H h'Ivu Hi■ lu■hräisehe und arabindu•)״ 1)1111 (/0 ,D י,1'1 '!'■״U I ocmc der Juden Jemen■,“ Do (1910). RufistanU ■ . Wie jn Petersburg verlautet, soll der Entwurf eines Schacht Verbots das vorige Woche in der Duma t'in^cbiaeht worden ist, zur IU׳kriifti!am^ der Ritual* immlbeseiiulihgimg dienen. Die Gesctzesvorlage, die wm 21 im Parlament vertretenen Priestern unterscliriebeii ist, setzt eine Strafe von 23—30 Rubel ß־,tle Ucbcrtrettuig der Vorschrift fest. Die Urheber des Geset/es rühmen sieh, daß sie durch dieses Mittel die Juden zwingen werden, aus Rußland aus• zuwandern, da es ihnen in Zukunft immöglich sein wird dort ihre religiösen Riten aux/uiiben. Um für die Gesctzesvorlage Stimmung zu machen, sind die Juden von den Antisemiten beschuldigt worden, ungesundes JTeisch an Christen verkauft zu haben. Da das Gesetz keine andere, als die von Christen ausjtei'btc Schlachtweise gestattet, werden auch Mohammedaner und Kannten davon betroffen, die lebliaft dagegen protestieren. In antisemitischen Kreisen wird bereits damit gedroht, daß das Schächtverbot der erste Vorstoß der längst gefürchteten antisemi• tischen Gesetzgebung sein soll, mittels deren die Juden sowohl aus der Armee wie aus allen Er• zichungsinstitutcn ausgeschlossen werden sollen. Der Berliner Palästina-Kurs Der Palästina-Kurs der Berliner Zionistischcn Vereinigung erfreut sich einer überaus regen Beteiligung; er wird von fast 300 Personen besucht, die mit steigendem Interesse an den Vorträgen teilnchmcn. Am ersten Abend behandelte Davis Trietsch die politischen und wirtschaftlichen Aussichten der jüdischen Einwanderung in Palästina, wobei er seinen bekannten Standpunkt vertrat, daß eine stärkere in• dustriellc Betätigung der Juden in Palästina sehr viel Erfolg versprechen würde. Als günstigste Form der Siedlung stellte er die Gartenstadt hin, die landwirtschaftliche und industrielle Betätigung glücklich vereinige und die Ansiedtuiig wesentlich verbillige. Dr. Sandler schilderte am zweiten Abend die Gesuiidheitsverlüiltiiisse und die Sanicrungsbestrcbungen in Palästina. Die verbreitetsten Krankheiten, Malaria und Trachom, sind bei weitem nicht so ge• fiihrlich wie die verbreitetsten Krankheiten in Europa, da die Mittel zu ihrer Bekämpfung von der Wissenschaft genau erforscht sind und die Zusammenarbeit aller Nationalitäten in dem vor kurzem gegründeten ״Internationalen Gesundheitsamt“ eine erhebliche Besserung herbeizuführen verspricht. Einen großen Ted der Arbeit leistet die ״Gesellschaft Jüdischer Acrzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina“, die bereits in Jerusalem mit zwei Abteilungen arbeitet. Das beste Mittel zur Sanierung Jerusalems wäre die Anlage von Wasserleitung und Kanalisation. Dieses technisch wohl ausführbare Projekt scheitert jedoch vorläufig an den hohen Kosten. Die beiden Hauptkrankheiten sind durch die Gründung von Kliniken, überhaupt durcli ärztliche Behandlung, und durch Erziehung zu größerer Sauberkeit bereits sehr cingedämmt und können binnen kurzem durch intensive Arbeit ganz verschwinden Die früher so gefürchtete Hundswutkrankheit hat durch die Errichtung einer Tollwutstation in Jcru• saleni, in der Ln einem halben Jahre über 90 Imp fuugcn vorgeiioinmen worden sind, ihren Schrecken fast vollständig verloren. Tuberkulose ist fast un■ bekannt, jedoclv kommen zahlreiche Orte als her■ vorragende Heilorte gegen Tuberkulose in Betracht. Am dritten Abend sprach Dr. Franz Oppenh e i m c r über das genossenschaftliche Prinzip in der palästinensischen Kolonisation. In einer kriti sehen Würdigung der bisher üblichen Kolonisationsmethoden in Palästina zeigte er, daß sie bei dein zur Verfügung stehenden Mitteln niemals dazu führen könnten, in dem verhältnismäßig kleinen Lande eine dichte Ansiedltmg von Landwirten zu ermöglichen, daß vielmehr, wie die preußische Kolonisation in Posen zeigt, Hunderte von Millionen dazu nicht ausreichen. Eine dichte und verhältnismäßig billige Besiedlung des Landes sei nur durch Sicdlungsgenosscnschaftcn möglich, d. h. durch landwirtschaftliche Großbetriebe, in denen der Arbeiter gemäß seiner Arbeits• leistung am Gewinn beteiligt ist. Hier können die ungelernten Arbeiter zu Landarbeitern und dann zu erfahrenen Bauern erzogen werden. Der in Palästina mit der Sicdlungsgenosscnschaft Merchawja gemachte Versuch habe trotz vieler Widrigkeiten schon gezeigt, daß diese Form der Ansicdlung sowohl der kapitalistischen wie der kommunistischen bei weitem vorzuziehen sei. Sobald dieser Versuch bewiesen habe — und dazu würden wohl 2—3 Jahre reichen —, daß diese Betriebe sich gut rentieren, würden auch die zur Gründung gleicher Betriebe erforderlichen Mittel leichter zu erlangen sein. Berlin. Wie im vergangenen Jahre soll von Jüdischen Turnern und Studenten Im Frühjiihr 1914 wieder eine P a 1 ä h t i n a r e i s c gemach! werden. Zu diesem Zwecke ist von der Jüdischen Turaerschaft, dem Bunde jüdischer Korporationen und dem Kartell Zionistischer Verbindungen ein Komitee für Pa- 1 ii s t i 11 a f a h r t c n , Bleibtreustr, 25, gegründet worden, das die Organisation der nächsten Reise in die Hand genommen hat. Zur Inforinatioii erscheint in der nächsten Woche eine ausführliche Broschüre, die zum Preise von 50 Pfennig in Briefmarken dort erhältlich ist. Alle, die an der Reise teilzunehmen beabsichtigen, werden gebeten, dies dem Komitee mitzutcileii. Bezalel-Tcppiche Wir machen unsere Freunde darauf aufmerksam, daß es uns durch zweckmäßige Organisation des Betriebes gelungen ist, die Herstellungskosten derart zu reduzieren, daß unsere künstlerisch hochwertigen Teppiche ~ dank der Ausschaltung des Zwischenhandels obendrein — bereits billiger sind, als gleichwertige Erzeugnisse anderer Herkunft. Die Dualität ist unübertroffen. Ein bekannter Fachmann der Branche äußerte sich hierüber neulich: ״Ihre Teppiche sind ja für Jahrhunderte berechnet, so arbeiten wir heute gar nicht mehr.“ In keinem gut jüdischen Hause sollte ein Bezalel- Teppich fehlen. Erhältlich in allen Größen. Bei Aufträgen Unbekannter erbitten wir eine angemessene Anzahlung. Adressen: Werkstätten Bezalel O, nt. b. H., Jerusalem, oder Ver »in Bezalel (E. V.), Berlin W.15, Bleibtreustr. 34/35. Notiz Wir machen unsere Leser nachdrücklich auf den in unserem heutigen Beiblatt erscheinenden Artikel .,Zwei Epochen“ von Dr. Sc hm a r ja Levin aufmerksam. AUS DEN GEMEINDEN Rabbiner Dr. Adolf Saivendi In Karlsruhe ist am 23. Dezember Herr Rabbiner Dr. Adolf Saivendi im 77. Lebensjahre gestorben. Herr Dr. Saivendi hat sich auf verschiedenen Gebieten öffentlicher, vor allem aber jüdischer Wohltätigkeit außerordentliche Verdienste erworben; seine erste große Sammlung veranstaltete Saivendi anläßlich der Hungersnot in Persien; seither brachte er jährlich große Summen vor allem für Palästina auf. Er batte großes Interesse und Verständnis für kolonisatorische und erzieherische Arbeit in Palästina und betätigte sein Interesse durch die Organisierung dauernder Sammlungen. Sein Hinsclieidcn wird auch in Palästina als schmerzlicher Verlust empfunden werden. Berlin. In den Montagsvorlesungen, welche die Lehranstalt für die Wissenschaft des J u d c n t u m 8 alljährlich im Winter veranstaltet utid die sich in Berlin eines wachsenden angesehenen Rufes erfreuen, werden aueli diesmal namhafte Gelehrte und Schriftsteller zu Worte kommen. Als erster Redner spricht am 12. Januar der hiesige Professor der Theologie D. Dr.GroSman n, dessen Vortrag über ״Die Geschichte der messiaiiischcn Hoffnimg“ in unserer Zeit der religiösen Gärung in weitesten Kreisen Interesse finden dürfte. Gleichfalls aus dem Gebiete der Rcligionspliilosophic ist das Thema des vor kurzem nach Berlin berufenen Rabbiners Dr. Lewkowitz entnommen, der mit einem Vortrag über ״Religion und Nationalismus“-ain 2. März, den Zyklus der Montagsvorlcsungcn beschließen wird. Am 19. Januar spricht Herr Scminannusiklchrer Idelsohn aus Jerusalem über ,.Das Verhältnis der orientalischen zu den europäischen Synagogalgesängen“, Es handelt sich dabei um das Ergebnis eines fast zehnjährigen eifrigen Studiums und Saminelns. Der Vortrag dürfte besonders dadurch an Reiz gewinnen, daß der Redner seine Ausführungen durch phonographischc und gesangliche Rcproduktionen illustrieren wird. Aus dem Gebiete der Kunst hat auch Herr Dr. Kutna sein Thema gewählt, der am 9. Februar einen Lichtbildervortrag über ״Die alttestamentlichcn Gestalten in der bildenden Kunst“ in Aussicht gestellt hat. Am 26. Januar spricht Frau Dr. Meyer, die Tochter des unvergeßlichen Sanitätsrats Neumann, sie will ״Ein Kulturbild aus dem Leben der russischen Juden“ geben. Frau Dr. Meyer. ־.־ ' Verl!.. .livll■ fl S tfllfl Ly fl Ivtvj Wl die in Riga lebt, ist mit den Verhältnissen in Rußland aufs genaueste vertraut, so daß die Persönlichkeit der Rednerin wie das angekündigte Thema allgo■ meinstes Interesse erwarten lassen. Schließlich hat auch Herr Chefredakteur Fritz Engel für den 23. Februar einen Vortrag über ״Max Reinhardt“ zugesagt. Ucber den Wert diese« Vortrages braucht man wohl nicht erst Worte zu verlieren. Der Reinertrag der Montagsvorlesungen fließt in die Kasse des .Stipendienfonds der Lehranstalt, so daß neben der geistigen Anregung auch ein wohl- \

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