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Jüdische Rundschau · 1913-12-25 · Heft 52 (25.12.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52 Seite 559 machen: Chanukah oder Weihnacht! Jüdisch oder nicht! (jleichhcitsstrcbcn wollen wir ihm nicht at,. sprechen; aber Sdicinhcitsdraii-r? Kam! .xiiimlwUsdrang einen zu solch abscheulicher Sophisterei verleiten, zu solch würdelosem Suchen in der jüdischen Tradition nach Momenten, die, wenn wir noch weiter■ jachen, unser ,,Gleich he itsstreben“ sanktionieren? Und ist cs nicht ein Spott tuid Holm, solche Bcstrdnmgen mit den fettgedruckte״ Worten enden zu lassen: ״Es werde eine religiöse Erneuerung in Wahrheit und Gesinnungsreinheit, würdig des neuen, freien Judentums, ein Fest der Kraft und des Jubels"? Diese unerhörte Beleidigung des Judentums er• scheint in dem Blptte Ludwig Geigers, der noch neu• lieh erklärte, er sei ״n i r h t unbedingt für die Mischehe“, und der dem Antizionistischen Komitee angehört, dessen in eben dieser Woche erschienene Broschüre den Zionismus als Gefahr für das Judentum hinstellt, da er die jüdische Religion leugne, mit den! Glauben an den einen Gott unvereinbar’sei und dem Abfall vom Judentum Vorschub leiste! Chanukah oder Weihnacht! Mcnorali oder Tanncnbiiüinchcn! Wahrheit oder Heuchelei! Hie Erneuerung kommt nur aus der Entscheidung, _ H. Anzeigen als Anzeichen Aus dem ״Berliner Tageblatt" vom 21. Dezember l«13. Schönes Weihnachtsgeschenk. Hamen-Eckplatz, jüd. Reform verkäuflich. ״Fortuna 78“ Post. 52. Der Sprachenkanipf des Anti zionistischen Komitees im Prospekt versichert es, daß seit tausend Jahren Juden auf deutschem Boden leben. Liest man die gleichzeitig verschickte Broschüre, so möchte man au dieser Tatsache irre werden; sie ist in einem Kauderwelsch geschrieben, das mit der deutschen ׳ Sprache nur entfernte Aehnlichkoit hat. Schon aul der ersten Seite stell* der kostbare Satz: ״Demi in den geistigen Bc w,e g 1t 11 g e u , von denen das Judentum innerlich erfüllt ist, spiegelt sielt die äußere Lage ganz getreulich weder.“ Das ist beinahe noch schöner als der berühmte ״Stand der Lage“. S. 14; Enge des tiiwichts punktes (soll heißen Kreises). S. 20: ״A uswüclisc der S t c 11 u n g , die andere Richtungen im Judentum eiiinelunen.“ S. '21: ״Gift, das zwar die Nerven autpeitscht und den Schein frischen Lebens erweckt, dem aber die völlige Erschlaffung . . . folgt.“ (Nämlich dem Schein frischen Lebens, nicht dein Gift; so ist cs offenbar gemeint, gesagt ist cs umgekehrt.) S. 39: Wir schreien nicht in Heinul ersterbend Hurra. (Hier würde ״röcheln“ besser passen.) S. 25; Eine ״A t e m b c w c g u n g an K r 1» ft“, (Das klingt beinahe wie ״Jiddisch“, von dem einige Seiten weiter mit solcher Verachtung gesprochen wird.) Auf S. 20 ist der Antisemitismus der ״Zwillingsbruder“, auf S. 36 der ,Vater“ des Zionismus, Ich will in! Bilde bleiben: Ute Mutter dieser unerhörten Zeugungswunder ist wohl das Aiitizionistisehc Komitce. Auf «len *18 Seiten ist kaum ein Satz, zu finden, der nicht in dieser nachlässigen Manier, ohne das geringste Sprachgefühl, heruntergcschiniert wäre. Man atmet erleichtert auf, wenn inan^ au ein paar aus einer zionistischen Zeitung zitierte Sätze gelangt; sie sind die einzigen deutschen des ganzen Mach- Werkes. Neben den Stilungchenerlichk eiten seien noch einige ״Geistesblüten“ erwähnt. S. 17: ״Beschränkter Nationalismus und der Glauben an einen Weltengott sind unvereinbare Gegensätze.“ (Man traut seinen Augen kaum, aber dieser Blödsinn steht nun einmal schwarz auf weiß.) S. 24: ״Unter den ethischen Schöpfungen des Judentums ist die erhebendste mit der Begriff der Gewissensfreiheit.“ ״Früher“ (nämlich zur Zeit der Reformation) ״hieß es wörtlich; cuius regio eius religio! Das ist durch das Judentum anders Reworde .1.“ Diese Art von Geschichtsauffassung kann nur noch psychiatrisch bewertet werden. Aber schließlich wird ja das antiziomstische Komitee wissen, warum cs gerade einen Unzurechnungsfähigen mit der Aufgabe betraut hat, die sinnlosesten, wahnwitzigsten Beschimpfungen gegen den Z10111smus von sich zu geben. Notiz Das tfCMue Gedicht von Arthur Fitger, das wir an die Spitze dieser /.tun Makkabaet feste erscheinenden Nummer gestellt haben, erttnehmen wir der Sammlung ״Neuere deutsche Lyrik“ von Carl Busse (Leipzig, Hendel). r :: DCCK AU J, 111 er״d׳_׳r FuüFc ruft das neue, wiedererweckte P,־:l:i־׳,ti;:a die z&r&trcutcn Volksbrüder auf zur Verteidig u.ig. Was die sclu'.pfcrisd'.c Begeisterung unernuklliclicr, .״.«.;fop;;־;־u n ,׳y. vc! 1 er Arbeit im Lande ' unserer Vater an intionnler Kultur geschaffen hat, ist bedroht. Lee er: te Frucht der in den I Hcnnatsbocicn zurück verpflanzten Volkskraft, die kostbaren Keime einer Renaissance, die das heimatlose, sprachlose Volk vorn Huch der Vcrbannung erlöst, sind in Gefahr, durch den Angriff auf die ficbräisciie Sprache in Palästina zerstört zu werden. Lehrer und Kinder in Palästina haben wiedcfgegeben, was uns Jahrtausende geraubt haben. Jetzt will man unsere Kinder zwingen, dem hebräischen Geist zu entsagen. Unsere Lehrer will man Ilinder״, unserer Jugend die Kultur der Menschheit in hebräischer Sprache zu bri ngen. Die Jugend Palästinas und ihre besten Lehrer haben die Schulen verlassen, in denen die hebräische Sprache keine Heimat mehr findet. Uns — Euch rufen sie an, ihnen sichere Stätten hebräischer Er- Ziehung zu schaffen. Paläst in a selbst hat die Initiative ergriffen und die ersten Bausteine /. u in, W c r k gebrach t. Für die dringendsten Notwendigkeiten des ersten Augenblicks 1 iahen wir Mittel bewilligt. An Euch ist es nun, den Bau unseres hebräischen Schulwerks zu sichern. Macht die Bahn frei für die geistige und nationale Befreiung unseres Volkes! Im Auftrag Palästinas rufen wir Euch an um Eure Unterstützung. Lasset die vertrauensvollen Hoffnungen unserer Brüder nicht zu Schanden werden. Seid dessen eingedenk, daß Palästina, dab unsere Jugend Eure willige und starke Hilfe, braucht. Wir fordern das N a t i o 11 a 1 o p f e r für die h e b r ä i s c 11 e Schule in Palästina! Das Zionistische Zentraibureaii, der Jewish Colouiat Trust uml seine Zahlstelle», die Anglo-Palestiue Company und ihre Filialen,- sämtliche Snm* itielsfcllen des Jüdischen Natinualfoiul* und die Btt• remis der Landes- und Sonderverhäiule sind bcrechligt, Beiträge in Empfang zu nehmen. Bzs Actfona-Comlt6 der Zionistischen Organisation Warburg Tsddenov Haiilke Jacobson Leviu Sokolow Cölner Srlef (V o n unserem Berichterstatter.) Das Thema ״Her Zionismus und die Zionisten“ verliert in Köln nicht an Aktualität, in immer neuen Variationen erklingt cs bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten. Die allgemeine Stimmung ist unvermindert gegen uns, doch hat der Kampf eine andere Form angenommen, die uns nicht unlieb ist: man beginnt, 1ms in unsere Oetiaukcugäitge zu folgen uml unsere Argumente, unsere Arbeitsmethoden an* zugreifen. Die Zahl der absolut Verständnislosen hat ahgenommen, der Kampf ist nicht minder hart, aber nicht mehr so langweilig wie früher. fin Vordergrund des Interesses steht der Spradien st reit a in Technikum, Die׳ keine jüdische Zeitung lesen, erfahren davon durch die ״Kölnische Zeitung“. Sic betreibt seit liingertr Zeit eine entschiedene deutsche Palästina-Politik. Mindestens alle 14 Tage bringt sic unter irgendeinem Gesichtswinkel einen Aufsatz über das Deutschtum in Syrien und Palästina, letzthin sogar eine zusanirncnhaiigciulc Artikelserie. Im Rahmen dieser Politik hat sie bisher unter prinzipieller Ablehnung nationaljüdisdier Bestrebungen als saldier die jüdische und vor allem die zionistische Arbeit in Palästina oft eingehend gewürdigt und sich gut informiert gczeigt. Leider ist das in der ffilfsvereins-Affärc nicht der Fall. Es ist dem Hilfsverein durch seine guten Beziehungen zu den! Blatt gelungen, die bekannten Depeschen der Wölfischen Agentur sowie, eine Reihe gegen uns gerichteter gehässiger Erklärungen und Zuschriften 111 die ״IC Ztg.“ zu bringen. Dagegen hat das Blatt liFfier erst eine kurze zionistische krwiderung imieiistüekweise aufgenommen. So wird die Ocli'emlicl.kUt natürlich gegen den Zionismus sehr eiiigeiiomiae«. Die antizioiiMischcn Artikel der ״K. Ztg.“ sind für uns viel geäilirllcher als die Machwerke, welche sich das ״Cölner israelitische Gemeindeblati“ von seinem Berliner Mitarbeiter liefern läßt und welche glücklicherweise nicht mehr von vielen Leuten ernst genommen werden. Zum Mittelpunkt aller antizionistischen Bestre* bimgen Kölns aber ist der ״neutrale“ Rießcr* Verein geworden, der seit dem Frühjahr von der Genugtuung; lebt, seine Zionisten ״hinausgeworfen“ /u haben. Unter der Leitung seines Vorsitzenden, über dessen Fulirenjiialitäteil Dr. Apfel jüngst die letzten Zweifel hinweggeräumt worden sind, ergeht er sich seither in immer wüsteren Hetzreden gegen den Zionismus und die Zionisten. Indes gibt inan sich im ״Ricllcr“ der Illusion hin, daß die jungen Kaufleute unter den Zionisten weniger gesmiiuugsfest seien als die Akademiker; jedenfalls sucht man sie mit allen Mitteln wieder in den Verein hereinzuziehen, während die alten Hetzreden unter dem Deckmäntelehe» eines lediglich gegen die zionistischen Akadenüker gerichteten Hamrdes weiter gehalten werden. Es sind ganz witzige Mittel, mit denen der Vorstand sein Ziel zu errcicnen sucht. So hat er seit einiger Zeit krampfhafte Bemühungen unternommen, für seine Veranstaltungen zionistische Redner zu gewinneti, die dann 1,11er irgendein harmloses Thema sprechen sollen, und andererseits über zionistische Fragen Leute sprechen zu lassen, von denen bekannt ist, daß sie aus der zionistischen Organisation ausgetreten sind. Diese Vortragsabende sind dazu hestimmt, nach außen hin als leuchtende Beweise für die enorme Neutralität des Vereins ausgeschlachtet zu werde». Besonders gern hat mau sich an auswiirtigc Zionisten heraugcmacht, von denen man aunahm, daß sie über die hiesigen Verhältnisse nicht so genau orientiert seien. Glücklicherweise ist es bisher in verschiedenen Fällen gelungen, die betreffenden Gesinnungsgenossen noch rechtzeitig aufzuklären und zur Absage zu veranlassen. Da aber zu befürchten ist, daß der Trick in Zukunft wiederholt wird, so ergeht hiermit an alle Gesinnungsgenossen die W a r 11 u 1» g , sich gegebenenfalls auf nichts einzulassen und die zionistische Vereinigung Köln von solchen Zumutungen u n v e r z ü g I i c 11 in Kenntni8 zu setzen. Es ist eine Tatsache, die heute selbst von füllrciulen Mitgliedern des Ricßcr-Vcreins offen zugegeben wird, daß der Verein seit dem Austritt der Zionisten sehr stark‘ lienmtcrgegaiigen ist. Der Verein, der, einem unionnigcu Schwamme gleich, junge Leute der heterogensten Er/ielumg und Bildung aus allen mögliche» Schichten der jüdischen Bevölkerung in sich aufgesi!gen hat, ist heute• auf einem unbeschrciblich tieieii Niveau angclaugt. Jüdisch leistet er effektiv nichts mehr, eine verschwindend kleine Anzahl (keine l()1:״) seiner Mitglieder wandert oder turnt .wenigstens, der Rest erscheint nur, dann aber auch vollzählig, zu den überaus häufigen Tanzabvnden, die zu einem Tummelplatz, für die vergnügungssüchtige Jugend beiderlei Geschlechts geworden sind. In erfreulichstem Gegensatz zu diesen traurigen Verhältnissen steht die Tatsache, daß das zionistische׳ Leben m Köln im letzten halben Jahre wieder einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Ik'r im Frühjahr gegründete Herz. 1-Club hat sich in der erwarteten günstigen Weise entwickelt. Das verdankt er in erster Linie dem l!instand, daß alle Mitglieder regelmäßig an seinen Veranstaltungen tciluchmcn. In diesem Winter hat Cr außer seiner sonstigen Tätigkeit (Referate, Vortrage) vor allem die Erlernung der hebräischen Sprache in sein Programm aufgenominell. Ebenso wie der Ilerzl-Cliib widmet der zionistische J u g e n d v e r e i n Haschichar den größten Teil seiner Arbeitskraft dem Hebräischen. Die Mitglieder sind in ihren hebräischen Studien bereits so weit fortgeschritten, daß etwa 30—40 von ihnen regelmäßige I )iskutierahendc veranstalten, auf denen lediglich Hebräisch gesprochen wird. Der zionistische F r a u e n - D i s k u t i e r - C 111 b hat sich reorganisiert und mit etwa ■10 Mitgliedern seine Wrutciarbeit aufgenommen. Auch der Jüdische Turnverein arbeitet zufriedenstellend. Er hat den Verlust der (ienuinilesiibvcntion gut Überständern und Zahl und Leistungen seiner Mitglieder gehoben. E* ist erklärlich, daß hinter dieser Kräftigen Arbeit der verschiedenen Jugendorganisationen die Arbeit der eigentlichen Ortsgruppe ein wenig zurücktrilt. Die Ortsgruppe war immci »1er wundeste Punkt der zionistischen Arbeit in Köln, da die Zahl der interessierten, älteren Zionisten nie groß war. Ihre weseutlichste Aufgabe besteht in der Zusammenfassung der gesamten zionistischen Arbeit Kölns und in der Versa in mlungsagitalion. Der erstcren Aufgabe ist sie in diesem Jahre dadurch gerecht geworden, daß unter ihrer Leitung ein Arbeitsausschuß sämtlicher Kölner nationaljiidisch'cr und zionistischer Organisationen gegründet worden ist. Mit außergewöhnlichem Erfolg hat die Ortsgruppe zwei imposante Reilis-Protest- Versammlungen veranstaltet, nachdem alle in Betracht kommenden jüdischen Vereine Kölns die Beteiligung an einer solcticn Veranstaltung abgclchnt hatten. Von nachhaltigem Eindruck war auch eine Versammlung, in der Dr. Scfimarja Levin über zionistische Arbeit im neuen Orient sprach. Zum Schlüsse noch eine erfreuliche Nachricht. Der hier seit 1894 bestehende Verein zur Förilerung jüdischer Ackerbau koloniet» in Syrien und Palästina hat in seiner letzten Generalversammlung von seinem Vermögen 8000 M. der David und Fanny Wolffsohn-Stiftung zur Errichtimg von Arbciterheimstätlen zugewiesen. Groß ist die Arbeit, die Mühe uml die Zelt, die wir aufwenden müssen, um auch nur bescheidene Erfolge zu erzielen. Groß ist das Maß an Bosheit und Dummheit, gegen das wir anzukämpfen haben. Aber es geht vorwärts, langsam zwar, aber stetig. Rafael be n Mcnachem.

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