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Jüdische Rundschau · 1913-12-25 · Heft 52 (25.12.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 558 jUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52 angeführten Stelle selbst zu, daß die Zionisten sich | als zur jüdischen Religion gehörig bezeichnen, sich zur jüdischen Religion bekennen, und da II er seine Meinung nur seiner ״Kenntnis der Verhältnisse“ verdankt, von der nach dem früher angeführten nicht allzuviel zu halten ist; aber das Furchtbare bleibt wahr: der Zionismus erklärt, daß Religion I'rivat sachc sei. Wie anders sind da doch die Anti• Zionisten! Sic retten die jüdische Religion; ״alle jüdischen Organisationen (sc. ander der zionistischen) stehen ohne weiteres auf dem Hoden gruudsatzliclier Anerkennung der jüdischen Religion als obersten und einzigen einheitlichen Faktors des jiidischcit Leben:!, und ungeschriebenes Statut ist hei ihnen allen, daß nur diejenigen Mitglieder werden können, die sich zur jüdischen Religion bekennen, wobei man sich natürlich - dem Prin* zipe der (iewissensfreiheit entsprechend — mit dem Bekenntnis begnügt, das freiwillig abgelegt wird, und 11 i c 111 11 ä h c r z u f o r s c h c n v e r m a g , zu w e I c 11 e n praktischen Folg e 11 es i 111 Leben führt“ (S. 18). Aber — o Oerindnr! Was heißt das? Oie Anti- Zionisten fordern das Bekenntnis zur jüdischen Religion; damit aber begnügen sic sich! Sie vermögen nicht näher zu forschen, zu welchen Folgen es im Lehen führt? Sie mögen auch gar nicht? Sie vermögen also am Lude auch gar nicht statistisch fcstzustcllcn, wie viele Atheisten cs unter ihnen gibt? Sie betrachten am Lude, die Feder sträubt sich, das Entsetzliche zu formen, sic betrachten ain Ende selber die Religion als Privatsache? Erkläret mir, erkläret.. Immerhin, der Zionismus zerstört die jüdische Religion. Die Antl/ionistcn aber bezeichnen sich als diejenigen, ״die weit in alle Welt zerstreut Sür des Oottcsiiaincfis Ehre wirken“ (S. 1 j), die ,,durch treues Festhalten an der universalen Weltreligion die Welt für den reinen Gottesglauben erobern“ ($. 15). Und wie tun sic dies? Indem sie Christbäume aiiziimlen, auf «IS Seiten öde!Beschimpfungen gegen den Zionismus geifern und gelegentlich ihre Kinder taufen lassen. U. Der Sprachenkampf in Palästina Die ״Vossischc Zeitung“ brachte am 19. Dezcmber eine Zuschrift des 1״ lilfsvcreins“, die von I)r. James Simon gezeichnet war und u. a. folgendes ausführte: ״Die durch die zionistischen Blätter aller Lauder verbreiteten unzutreffenden Darstellungen der Vorgänge, welche zu den Revolten auf unseren Schulen in Palästina geführt haben, notigen uns zur Richtigstellung. Bis vor wenigen Wochen haben die Zionisten an unserem Schulprograninie nichts auszusetzen gehabt. Im Oktober fand die Beratung über das Lehrprogramm für die dem jüdischen Technikurn in Haifa allgegliederte Mittelschule, welche im April n. J. cröfinct werden wird, statt. Es wurde beschlossen, die hebräischen Fächer in hebräischer, Mathematik und Natur- Wissenschaften in deutscher Sprache unterrichten zu lassen, für die übrigen Fächer, (jeschichte, Geographie, Zeichnen, Handfertigkeit*• lehre u. a. — abgesehen von den Sprachen — wurde die Entscheidung darüber, ob in deutscher «der hebräischcr Sprache unterrichtet werden solle, vertagt. Die zionistischen Kuratoriumsmitglioder erhoben die Forderung, daß Hebräisch als U 11 - t c r r i c h t s s p r a c 11 e der Schule proklamiert werden solle, demgemäß auch die Unterweisung in Mathematik und Naturwissenschaften in Hebräisch zu erfolgen habe. Da sie in der Minderheit blichen, schieden sie aus. Die Schulen des Hilfsvereins hatten damit nicht das mindeste zu tun. Es wurde nun aber das Märchen erfunden und verbreitet, der Hilfsvcreiu habe auf seinen Anstalten das Hebräische zugunsten des Deutschen zurückgcdräiigt. Demgegenüber erklären wir, daß in dem Programme des Hilfsvereins nicht das geringste ge :inde rt worden ist, noch geändert werden wird. Neben der deutschen nimmt die hebräische Sprache nach wie vor den breitesten Raum in den Lehrplanen ein; nicht eine einzige Unterrichtsstunde, die in Hebräisch erteilt wurde, ist in eine Deutsche umgewandelt worden. Die Revolte der Lehrer verfolgt den Zweck, durch Kontraktbruch Hilfsverein und Kuratorium des Technikums zu zwingen, künftig mir in liebräischer Sprache unterrichten zu lassen, und sie haben in Mißachtung der elementarsten Grundsätze der Pädagogik, urteilslose Kinder und junge Leute, die ihnen zur Ausbildung anvertraut waren, zum Streik verführt. Wir werden uns durch ihre unverautwörtliche Handlungsweise vor! eien Prinzipien, die sich in zwölfjähriger, erfolgreicher Kulturarbeit zum Wohle der palästinensischen Judcnhcit bewährt haben, nicht abdrängen lassen.“ Wir sind in der Lage, auf Grund zuverlässigster Information fcstzustellcn, daß in der Kuratoriums- Sitzung die zionistischen Mitglieder nicht Hebräisch alt Unterrichtssprache und somit auch nicht verlangten, daß ״auch die Unterweisung in Mathematik und Naturwissenschaften in Hebräisch zu erfolgen habe". Vielmehr forderten sie das Hebräische zunächst bloß für ein oder zwei Hauptfächer. Dali ihnen mit der hebräischen Unterrichtssprache für die ״hebräischen Fächer“ nicht gedient war, ist he gräflich. Daß in dem Programme des Hilfsvcreiu«! nicht tlas geringste geändert worden Ist, mag richtig sein. Die Schulpraxis aber ist geändert worden, und dies ist kein boshaft erfundenes Märchen, sondern traurige Wahrheit. Ob es angebracht ist, im Schuldienste ergrauten Männern mul über jeden Vorwurf erhabenen Charaktereil, wie David Ycllin, in der Presse Mißacli• tmig der elementarsten Grundsätze der Pädagogik und unverantwortliche Handlungsweise vorzuwerfen, :!teilt dahin. Folgende Protestresolution wurde an das Kuratorium des Technikums sowie an l>r. Lurie, den Vorsitzenden des ״Merkas I lamoriin“ , nligcsandt: ״Die Vereinigten J ü d i s e 11 - N :11 i o n a - Ich Korporationen an der Universität Hei-!1 eil! erg schließen sich dem Ausdruck der Intriistung des nationalen liiilenturiis über die beschäinende Zurücksetzung des 1 lebräisdien durch d.is Kuratorium des Haifaer Technikums an. Sie sprechen der palästinensischen ludcnheit in ihrem ruhmvollen Kampfe um die Gleichberechtigung unserer nationalen Sprache ihre lebhafteste Anteilnahme aus und hoffen zuversichtlich, daß der volle Sieg auf ihrer Seite sein wird. Der Ausschuß der Vereinigten Jüdisch-Nationalen Korporationen zu Heidelberg." Ein vom Order Ii’11:1 i Z i o n cinberufencs Masscnnu'eting in New York protestierte am 4. Dezember gegen die Gewalttat des Kuratoriums gegen die hehraisrhe Sprache. Die Versammlung beschloß, eine Resolution und eine Petition an die amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums, die mit mehreren htmdert Unterschriften bedeckt wurde. * Scharf mißbilligende Artikel gegen das Vorgelieu des Kuratoriums erschienen in folgenden Zeit- •schriften: Die jüdische Presse, Berlin; Frankfurter Israelitisches Familieiiblat!; , Israelitisches Wochenlilatt für die Schweiz, Zürich; Sclhstwchr, Prag; Jii- *lischt• Zeitung, Wien; l>r. Hloelis Oesterreichisehe Wochenschrift, Wien; De ioodsche Wächter, Amstcrdam; The Jevvisli Chronic(«.׳, London imti in der gesamten jüdischen und hebräischen!,resse Europas und Amerikas. Die um jeden Preis antiz.ioiiistisclu־ Presse schweigt im allgemeinen, selten ein unklares Artikelcheii, das bedauert, daß die Zionisten wieder einmal die Ruhe gestört haben und daß man noch zu keiner Linigting gelangt ist. Es bleibt nicht bei blollcn Protesten; die Aktion für!las hebräische Schul werk ist in vollem Gange. Das A c t i o 11 s - Co m i t e der Zionistischen <)rgaiiisation ist mit der Bewilligung einer größeren Summe vorangegangen; seinem Beispiel folgte zuerst das Odessaer Komitee mit der Tie will!• gung einer ersten Rate in der Höhe von 250011 Frcs. Für Sonntag nachmittag hatte die Berliner Zionistische Vereinigung eine Zusammenkunft von etwa 3!) Gesinnungsgenossen einberufen, in der die energische Aufnahme der Aktion für das hebräische Schul werk in Palästina beschlossen wurde. Die Erschienenen konstituierten sich als Komitee, das die Leitung der Arbeit für Groß-Berlin iri die Hand nimmt. Der geschäftsführende Ausschuß setzt sich wie folgt zusammen: l)r, A. Goldberg (Vorsitzender), Dr. Loewenlierz (Schriftführer), I)r. Birarn, i)r. Ikiiensohn, l>r. Rosenkranz, Dr. Moses, Dr. Rosenberg, Dr. Wolf uml Direktor Loewenthal. Bereits in den nächsten Tagen finden verschiedene interne Zusammenkünfte besonders eiingcladener Freunde des hebräischen Palästinas statt, in denen Aufklärung über das Vorgehen des Hilfsvereins in Palästina gegeben und zu intensiver Teilnahme an der Aktion für das hebräische Schulwerk autgefordert werden wird. Für die nächste Zeit sind mehrere große Voiksvcrsammliingcti geplant. Die Adresse des Komitees ist die des Zionistischen Zentralburenus. immer׳!! י!1!ח.יל1 ist die letzte des Jahrgangs. Wir bitter» unsre Abonnenten das Abonnement sofort zu erneuern; vor allem aber auch, uns zum nouca «!□üurrjaiis׳ recht viele neue Freunde zuzuführen flihi! ״ , , ** 1 וו.< ״.״ ״ >״ - 1 י < י»‘ ״J,*,״״;, Der Verlag der ״Jüdischen Rundschau“ Bisher sind folgende Sammlungscrgcbnisse bekannt: Ein Berliner Herr überwies Frcs. 100().—. Die Zionistische Ortsgruppe Elberfeld brachte M. 2tHM).— zusammen. Die national gesinnte jmleiischaft Stanislaus bewilligte K. 100.— immatlich. Die Zionisten von Nadworna leisten K. 60.— monatlich. T e p I i t / - S c 11 ö 11 a 11: erste Rate K. 1100.—. Moskau: Die ,< ieneralVersammlung des (;hovvewe Sfas Fwer stiftete als erste Rate Frcs. 2000.— die sonstige Sammlung in Moskau ergab bereits über Rbl. 5000,—. C 11 a r k o w: Die Sammlung erbrachte bisher rund Rbl, ״׳,mm.- . Das Zionistische Aclioiis-Coinitc hat eine eingehende I )arstclhmg über den bisherigen Verlauf der Affäre au ca. 1500 Vereine und Vertrauensmänner in Europa lieraiisgelien lassen. Exemplare dieser Dar- Stellung stehen auf Wunsch zur Verfügung. Eine englisch«• Ausgabe gelangt in diesen Tagen zum Versand. Alle Sammlungen geschehen für den Zentral- 1(111 ds, fiel dem eine Unterabteilung für die Samin- Itmgcu für das hebräische Schulwerk in Palästina eingerichtet ist. Der erste Ausweis über die Spenden erfolgt in der ersten Januar-Niimiucr der ״Welt". Der Mindest betrag für den Zentralfotids beträgt bekanntlich M. 20.— jährlich. Einzclspenilen, die unter dieser Höhe bleiben, werden insgesamt ausgewiesett. Erklärung ln unserem Artikel ״Zionistcnkoller", in Nr. 4 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. Januar 1913 war der Verleger des Hamburger Iraelitisclun Familienblattcs wegen der Aufnahme eines Artikels ״Aus- Finder“ persönlich angegriffen worden. Wir haben 1111s überzeugt, daß t;!(sachlich der Verleger des Blattes keinerlei Kenntnis vom Erscheinen dieses Artikcls gehabt hat, und erklären daher gern, daß ,wir die Angriffe gegen ihn nicht gebracht haben würden, wenn uns der wahre Sachverhalt schon damals bekannt gewesen wäre. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. Chanukah oder Weihnacht? In der letzten Nummer von Professor Ludwig Geigers ״Allgemeiner Zeitung des Judentums“ veröffentlicht Rabbiner l)r. Ziegler einen Artikel, überschnellen : ״Qianiik.ih oder Weihnacht! Eni Ruf an die ,modernen' Juden“. Er erzählt die Entstellung des Chanukahfestcs und erwähnt eine Talmudstcllc: ״Die Schule Schanimais lehrte, man solle am ersten Abend alle ach Gichter anzünden, jeden folgenden Abend eins weniger; die Schule Hillels lehrte, man zünde am ersten Abend ein licht an und jeden folgenden Abend eins mehr.“ Er bedauert, daß die Juden heute Weihnachten feiern und dabei unwahr sind gegen ihre Kinder. ״Wo du doch so wahr sein könntest gegen dein Kind! Feiere nur nicht von Jahr zu Jahr den Abend des 21. Dezember, sondern des 21. Kislew■!“ Und er führt das näher aus: ,,Wenn die Schule Schammais lehrte, man solle am ersten Abend alle acht Lichter an/ümlen, warum sollten wir auf diese Sitte nicht zurückgreifen? feil gebe aber noch weiter. Nicht acht Abende verlange ich, nur einen Abend, den des 21. Kislew, aber den voll Glanz und Heiterkeit und Frohsinn. Zündet die Ker/lcin der Mcnorah an, lasset sic alle erstrahlen, und in ein Meer von Licht tauchet euer Heim, beglücket euere Kinder mit Geschenke״, mit Spiel und Reigen, Wenn heute der 21. Dezember für das Wirtschaftsleben von größter Bedeutung ist, soll es auch, wenn auch in kleinerem Maße, der 21. Kislew werden. Wie in den christlichen Familien, nach alter, von den Römern übernommener Art, Eltern und Kinder, Freunde und Verwandte sich gegenseitig erfreuen und beschenken, so werde uns. und nach gutem jüdischem Brauch auch für unsere Armen, der Abend des 24. Kislew ein Abend der Bescherung, der Freude, des häuslichen Glücks. Ja, selbst wenn ihr in eurem Schönheit*- drang uml U I e i c 1111 e i t s s t r e b e n eine Mcnorah aus schönen T a n 11 c!1 b ä 11 nt c h c n mit acht Zweigen euch verfertigt, und wenn cs nicht acht, sondern achtzig Ker/Iein sind, die ihr zu Ehren des Abends und zur Freude euerer Kinder anzünden wollet, warum nicht? ״Die Schönheit Japliets schlage ihr Zelt auf in den Wohnungen Sems“ haben schon unsere alten Weisen gesagt (B. Megilla 9 b). Nur sei es am Abend des 24. Kislew!" Also von nun an werden die Juden am 24. Kislew (in diesem Jahre somit am 23. Dezember) ihre Kinder unter dem mit 80 Kerziein besteckten Tanncnbäum- <hen beschenken; und dies werden sic Chanukah nennen. Dr. Ziegler hätte der Ucbcrschrift «eines Artikels das Fragezeichen nachsetzen »ollen; denn man weiß wahrhaftig nicht: fordert er Chanukah oder Weihnacht? Wir aber müssen uns seine Fassung 211 eigen

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