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Jüdische Rundschau · 1913-12-25 · Heft 52 (25.12.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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—s r I ' Abonnements «u( di• wüdwitUidi •m Freitag er. | •«*einend• ״JUdliche Rundschau" | koaten bei der Expedition und bei | •llen Pottämlern vierteljalirlidi l.SOM,,! nu&etbaib DeutacblamU und Oeater- * raicb-Ungarn• J,— M.! (ür Mitglieder I jüdiaeher Vereine im Sammelbeiug ( dur<* den Verein 1,— M. | JtldUch• RmuUtthra, C. m. b. II, I BERLIN W. 15, Siicbaiacbe Straße 8. I Telephon 1 Amt Uhlnml 845, 846, 868, 1 PoatadietkWontot Berlin Nr. 17 392. c ר־ ״x /*% A A) p 3״ w v סי . J i» *\ r% w׳ Lj %.J V.,״.) Nummer 52 <j דיוו׳•, C'■־ , r׳* ( . ^׳*־r!«t r!* ד־‘׳?־״ , ä 14 I׳1.1.' - if. ׳•.- i J kz D ׳״*! Anzeigen kosten für di« »*־c!i«igc»p*1tef»« Petit- *etle o<!er deren Raum 40 PI.j Stellen- An״‘cf1i־U1 tmd -Ceauth« sowie Verein»* Mutcil jti^ra und «KU 'me Ameigen* O O O O nur 30 Pfennig. O O O O Munuskriptf werden, wenn l’onio beiliegt, •teU zurüikgeiiandt RedaktionasdiiuS> MiUwtxJ» voraiitUga. I Bc<!aktlon JÜ3׳!«d;• Raadidb•■ ■ J UI.RUN W. IS, Siichbl.che Straß« Ä.! י TelepUnn: Amt VUmui &45, IU6, SO, J PosUihedckoato* Berlin Nr, 17392. er ךן ר"/ ל ü l < ג f\q t . 4. ] XVII!.Jahrgang Gesang der Werkleute (Nehemla, Kapitel 4) Von Arthur?ltger. ״Als aber die Heiden vernahmen von fern, Daß neu wir erbauten den Tempel des Herrn, Da drängten sie an mit verderblicher macht, Und die Stätte des Baus ward zur Statte der Schlacht; Cinks schleppten wir Balken, links wälzten wir Cast, Die Cinfee hielt Hammer und Relle gefaßt; Doch hoch in der Rechten erblitzte die Wehr, Das geschliffene Schwert und der eschene Speer. Und wir fügten die Steine, wir mauerten gut, Und wir mischten den (Dörtel mit purpurnem Blut. Wir erhüben der Säule gemeißelten Rnauf mit Sterbegeröchel statt frohem ,Glück auf!‘ Und wir wölbten der Ruppel gewaltiges Rund, ins innerste Ceben ־getroffen und wund. Umschwirrt uns, ihr Heiden, umdring uns, Gezücht, Du tötest uns, doch überwältigst uns nicht.', So sangen in Zion mit trotzigem Caut Die (Dänner, derweil sie den Tempel gebaut, Den Tempel des Höchsten, das heilige Haus, Wann endet das Cied, wann klingt es aus? Jahrhunderte kamen, Jahrhunderte flohn, Wie die Väter gefallen, fallt heute der Sohn; Wir bauen, wir fechten von feinden umdräut, Und mischen mit Blute den (Hörtel noch heut. Sprüche und Widersprüche des Antizionistischen Komitees ״Erkläret mir, Graf Oerind 11 r, diese n Zwiespalt der Natur!“ So ist man versucht, die Urheber der zweiten vom Antizionistischen Komitee herausgegebenen Broschüre zu fragen. Auf Seite 43 versichern sie: ״Der Zionisten sind nur wenige, im Vergleich zu der Masse der deutsehen Juden verschwindend wenige“ und weiter: ״Der ganze Zionismus wird von ein paar Dutzend berufsmäßiger Schreier ,gemacht'.“ Auf Seite 30 aber lesen wir, daß die Zionisten ״über eine unendliche Menge von redegewandten Agitatoren verfügen,“ und auf Seite 23, daß der Ziouis-• mus große Geldmittel aufgehäuft hat: ״Mehr als sieben Millionen Mark nennt er sein eigen, sieben Millionen, die zum Teile aus den!׳leimigen der Armen und Aermsten im Osten gesammelt sind.“ Jeder seiner fünf Sinne mächtige Leser des I'amphlctcs wird sich fragen, wie di« verschwindend wenigen Zionisten, die paar Dutzend berufsmäßiger Schreier, ja wie auch nur eine unendliche Menge redegewandter Agitatoren, hinter denen nicmruid steht, solche Summen aufbringen konnten, zum Teil aus den Pfennigen der Aermsten. Erkläret mir, Graf Oerin־ dur . , , Daß die Zionisten sieben Millionen haben - vielleicht sind’s auch mehr — tut den Urhebern des Produktes leid. Noch tiefer jedoch schmerzt sie der Gebrauch des Oeldes. ״Selbst in den Zeiten der •entsetzlichsten Verfolgungen hat sich der Zionismus nicht veranlaßt gesehen, seinen Nationalfonds denen und dem nuuwenderi, wofür c• notwendig war, und fZr da* Xio I» das Motiv: ,Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind', erscheint nicht mehr als eine Verirrung weitfremder, idealistischer Zulcunftßschwärmcr, sondern als ein« raffinierte, ausgeklügelte Grausamkeit." (Das Deutsch, wenn cs diesen Namen verdient, ist der nntmoiiistischc Jargon). Jeder, der über den Zionismus orientiert ist, — das sind aber die meisten antizionistisehcn Sudler nicht — weiß, daß die Zionisten nach den großen Pogromen einen l'onds, den sogenannten R c I i c f f 0 nsl s , zusammenbrachten, der die immerliiti nennenswerte Summe von einer Vierieimillion ergab. Das ״Motiv“ ״laß sie betteln gehn“ war schwerlich der Beweggrund solcher I laiidlungswcisc. Allerdings, den Nationalfonds haben wir diesem Zweck nicht zugewendet. Jeder, der über den Zionismus orientiert ist, weiß, daß uns die Gelder dieses Fonds ««vertraut sind, damit Land in Palästina zum unveräußerlichen Besitz des jüdischen Volkes angekauft werde. Wenn wir dies Geld anders verwendeten, wären wir untreuen, unredlichen Vormündern gleich, die mit anvertrauten Waisengcldern I!ör׳-,e;rce!:׳1׳׳tio1!cn durchführten, oder sogar fremde Armut zu In.ueni suchten, was genau ebenso unredlich wäre; kann mau aber sagen, das Motiv des redlichen Verwalters von anvertrautem Gut sei raffinierte, ausgeklügelt« Orausamkeit? Erkläret mir, Graf Oerindur . . . Wenn der unbedachte Schmierer aber schon zugehen muß, daß wir das Recht haben, mit dem uns für die Arbeit in Palästina anvertrauten Geld in Palästina zu arbeiten, so findet er doch, daß wir mit dieser Arbeit nichts erzielen; während Nichtzionisten dort ״emsig und geräuschlos arbeiten“ (zum Beispiel an der Zurückdrüngung der auilebenden hebräischen Sprache und an der polizeilichen Austreihuiig national gesinnter Schullehrer), begleitet die zionistische Bewegung ihre Scheinarbeit mit unendlichem Geschrei (S. 13). Wirklich kolonisiert aber wird von ״Männern, die sich dem Zionismus fernhaltcn, ja ihm sogar feindlich gegenüberstehen“. Ohne auf den Vergleich der Arbeitsleistung cinzugehen, der, trotz, des Ungeheuern Unterschiedes in den Mitteln, die etwa der ״lea“ einerseits, uns andererscits zur Verfügung stehen, noch recht günstig für uns ausfällt, sei nur fcstgcstcllt, daß wir drei große Organisationen kennen, die Bedeutendes und ■Wertvolles in Palästina geschaffen haben; die lea des Baron Rothschild, zu der wir freundschaftliche Be- Ziehungen haben (stellt sie uns doch Geld für einzclnc unserer Arbeiten zur Verfügung); das Ödessacr Komitee, das zum großen Teil aus Zionisten besteht und dessen Vorsitzender Vizepräsident des letzten Zionistenkongresses war; und den Hi If sverein der deutschen Juden, mit dem wir zusaminenarbeiteten, bis er den Frevel beging, dem aufbiühcn* den Palästina Galuthintcrcsscn aufzwingen zu wollen. Die richtigen Antizionisten aber begnügen sich mit der Versicherung, daß 1,ic Palästina lieben, ״ohne dort wohnen zu wollen“ (S, 13). Diese Ncuplatoniker werfen uns vor, wir leisteten Scheinarbeit. 0 Ocrindurl Wenn aber schon wirklich gearbeitet wird, führt der hartnäckige Verfechter der platonischen Palästinaliebe fort, so hilft dar. auch nicht. Dam das erstrebte autonome jüdische Staatswcscn Ist aus ״inneren theorctisciiai Gründen“ unmöglich. Denn: ״Es ist nur zweierlei denkbar. Entweder wird das Judeutum Sianuwüig.ü.i, oder Gewissensfreiheit wird proklamiert. Das erstere ist einfach undenkbar. Davon, daß inan allen Bürgern das Bekenntnis zum Judentum abnötigte, kann natürlich überhaupt keine Rede sein; aber wenn cs nur Staatsreligion in dein Sinne wäre, daß das Judentum die Rechte einer bevorzugt«( Religion hätte, so würde das angcsichts der Tatsache, daß wir im Namen der Oe* reditigkeit und Gleichberechtigung gegen den Begriff eine« christlichen Staates erbittert und nachhaltig Widerspruch erheben, eine Verleugnung unsc rer gesamten sittlichen Grundsätze bedeuten. Jeder Versuch nach dieser Richtung hin würde dieselbe sittliche Fäulnis verursachen, wie wir sic heute im Begriffe des Taufjudentums, der widerliebäien Ausdrucksform des Strebertum8 und der Heuchelei haben. Ein solche* autonomes Staatswcscn würde mit all den sittlichen Mängeln behaftet sein, die wir den anderen Staaten heute mit Entrüstung vorwerfen, und ein ״Verein jüdischer Staatsbürger nicht jüdischen Glaubens“ müßte mit größter Berechtigung in seiner EntstehimgssUmde gegründet werden. Was aber, wenn die autonome Gemeinschaft Ge- Wissensfreiheit proklamiert? Dann brauchte man nicht jüdischer EDigion zu sein. Wir wollen die Evcntualitut christlicher oder buddhistischer Juden weniger in den Kreis der Erörterungen ziehen, aber Atheisten gäbe es sicherlich! Denen müßte doch unbedingt der Zugang zu leitenden Steilen gewährleistet werden! Und was hätte die große Masse der Juden, die jahrtausendelang wegen ihres Glaubens gelitten haben, für ein Interesse daran, als Kristallisation{• punkt ihrer gesamten Freiheitsbewegung ein Gemeinwesen zu haben, in dem sich die Religionsfeindschaft breit machen darf, in dem man ohne Scheu sich zu jenen Religionen bekennen darf, die das Judentum so entsetzlich gequält, verfolgt und geiiaßt haben, und trotzdem von Rechts wegen die Geschicke einer jüdischen Gemeinschaft mitbestimmt. Ein jüdischer Staat also, in welchem vielleicht Atheisten das große Wort führen, ein jüdischer Staat als Grab der jüdischen Religion! Diesem Ideal auch nur einen Pfennig an Geld, eine Atembewegung an Kraft zu opfern, würde für die Judenhcit fast Selbstmordversuch bedeuten. Ein religiöses, autonomes Staatswesen ist nacli den heutigen staatsrecht• liehen Anschauungen undenkbar" (S. 25; die Sper• rungen sind zum Teil von mir). Ich will der höchst geistvollen Argumentation nicht nachgchcn, die die beiden denkbaren Fälle als undenkbar ״beweist“. Sic erinnert mich an die Ucberlegung von Christian Morgensterns Palmström, der, von einem Wagen überfahren, im Krankenhaus liegend, auf Grund der Polizeivorschrift schließt, daß sein Erlebnis bloß ein Traum war: ״weil, beweist er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein dar f.“ Aber wenn sogar dies alles lächerliche Hirngespinste wären (bei Gott, sic sind es!), so müßte man, sagt das Antizionistische Komitee, den Zionismus doch verdammen. Denn er zerstört die jüdische Religion! Ich spiele nicht auf manche beweisios hervorgestoßene Ungereimtheiten in der Broschüre an, wie: der Zionismus sei unvereinbar mit dem Glauben an den einen Gott (S. 17), sondern ich denke an die tiefe Beweisführung folgender Steife: ״Der Zionismus erklärt, daß Religion Privatsachc sei, daß jeder sich sein Verhältnis zur Religion gestalten könne, wie cs ihm passe, und daß eine positive Stcllung zur Religion für den Begriff ,Jude‘ nicht erforderlich sei. Statistische Feststellungen über die Anzahl der religionslosen Zionisten lassen sich nun nicht machen, weil der Staat als ,Juden' nur den betrachtet, der sich zur jüdischen Religion gehörig bezeichnet, aber jeder Kenner der Verhältnisse weiß, wie gleichgültig man in führen• den zionistischen Kreisen innerlich der Religion gegen• Übersicht. Wie könnte es auch anders in einer Bewegung sein, nach deren Grundsätzen man zu gleicher Zeit ein ׳Atheist und ein guter Jude sein kann, In deren Kreisen man dem Zentralverein es als Makel anheltct und ihn meidet, well er sich eine Verein!• gung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nennt 1 (S. 18.) Zwar weiß jeder ״Kenner der Verhältnisse“, daß wir den ״Zcntralvercin“ meiden, weil er uns den Fehdehandschuh hin warf, und keineswegs, wegen seine« Namens; zwar gibt der Pamphictist in der

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