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Jüdische Rundschau · 1913-12-19 · Heft 51 (19.12.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 548 JUEÜISC II £ RUN DSCh At Nr. 51 Palästina wünscht die Hegemonie der hcbräischn» Sprache — die Schnorrer zählen nicht mit, sic stimmen allem au. nelunen wn jedem alles an, sie und ihre Zustimmung können nicht ernst genommen werden. Wir haben es liier mit der Tatsache des jiklisehen l״alästina zu tun und damit, daII dieses jüdische Palästina sieh mit aller Entschiedenheit für die hebraisehe Sprache eitisctzt. Das ist keine künstliche, wumlerlielie Zusammensetzung von lierlincr Juden, türkischen Schutzleuten und einem deutschen Konsul. Das ist eine natürliche Erscheinung, die jedes Kiste) verstellen kann. Wir Juden haben kein Parlament, das sich mit unserem Zähem befassen könnte, wie es der Deutsehe Reichtstng mit seinem Zaherii getan hat. Die Stelle des Parlaments vertritt bei uns die Presse, Ich hin sicher, dall die jüdische Odfeiitlichkcit niclit verfehlen wird, jenen llerren zu bedeuten, daß sic diesem groben Unfug möglichst rasch ein Linie machen!* Der Hilfsverein mobilisiert die deutsche Presse Das Wölfische TeU'graplionbiircait hat unter dem 13. Dezember folgende ans Berlin datierte Mitteilung verbleitet, die in einer großen Reihe eleutscher Zei• tunken abgedruckt worden ist : ״Wir werden um Veröffentlichung folgender Mel• düng aus Jerusalem ersucht: Seit Wochen ver■ suchen zionistische Agitatoren 111 det 1 Schulen des I lilfsvereius der I )emsdien Juden in Jerusalem und Jaffa den geordneten Betrieb zu stören. Die ,Mehrzahl der ansässigen jüdischen Bevölkerung; ist gegen die Agitatoren, welche vor ticwalttatigkeitcu nicht zurüeksclmien und infolgedessen den Eindruck friedlicher jüdischer Arbeit in Palästimi durch ihr Auftreten zu gefährden drohen.“ Dieser den Tatsachen Hohn sprechenden Mehlung folgte am 13. Dezember eine weitere desselben leiegraphenbiircaiis: ״Ein Teil der Lehrer in den Jerusalemer Schulen des I lilfsvereius der deutschen Juden hat einen Streik unter Hinein/ivhuiig der Schüler zur Teilnähme inszeniert, um auf diesem Wege ni erzwingen, dall ‘das Hebräische, abgesehen von der Unterweisung in den S!)rachen, ausschließliche Unterrichtssprache wird. Dieser Streik hat bereits zu Exzessen geführt. Von hier aus werden jetzt Gerüchte verbreitet über Gewalttaten der Polizei gegen die wegen ihres Streiks vom Amt suspendierten Lehrer. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Infolge der drohenden Haltung einer lärmenden Menge in der Straße, an der dl* Anstalten des Hilfsvcrcins und das Oe• bnude des deutschen Generalkonsulates liegen, und wegen Entführung von Schülern, eilte der deutsche Generalkonsul dessen Schutz sämtliche Anstalten des Hilfsvcrcins in Jerusalem unterstellen, herbei und requirierte Polizei. Kein Lehrer wurde gewaltsam entfernt, gegen keinen irgendeine polizeiliche Handlung vorgenommen, trotzdem die suspendierten Lehrer unter Verletzung des Hausfriedens Hetzreden an die Kinder hielten.‘‘ Was von der ersten Meldung zu liallen ist, ist jedem klar, der die Berichte über die spontan ausgebrochene und noch immer infolge der verblendeten Haltung des Hilfsvcrcins wachsende Protestbewegung in Palästina verfolgt hat. Was die zweite Depesche anlniigt, •so erhielt die ,,Neue jüdische Korrespondenz.'* folgendes Telegramm aus Jerusalem: ״Die »amtlichen hiesigen Schule« des Hilfsver* eins wurden Ende dieser Woche von türkischer Polizei besetzt, man jagte die a 11 w e - senden Lehrer mit brutaler Gewalt hinaus, weil sie mit der ganzen i n t e 11 i g e n - t e n Bevölkerung für den Vorrang der h e b r ä i s clt c n Sprache e i n t r e t c 11, und versuchte, neue gefügigere Lehrer cin/.usctzeii. Das milllang allerdings, weil s ä 11111 i c h c S c 1t ü 1 e r 1. u - s a m 111 c n mit ihren mißhandelten Lebrem die Schulen verließen.“ Weitere Telegramme melden, daß einige Lehrer von den Polizisten geschlagen worden sind. Wie es zu bewerten ist, daß der Hilfsverein, um seiner Sache gegen das neue Palästina zum Siege zu verhelfen, die deutsche Presse mobilisiert, kann unseren Lesern überlassen bleiben. Daß die Nachrichten, die er verbreiten läßt, tendenziös gefärbt und zum Teil unwahr sind, ist nur eine Nuance. Zur Beachtung! Die beiden nächsten Nummern un. seres Blattes erscheinen wegen der christlichen Feiertage bereits am 25. De. zember und am 1. Januar. Redaktionsschluss am 22., bezw. 29. Dezember abends. Redaktion und Administration der ״Jüdischen Rundschau“. In eigener Sache In Nr. 12 der Zeitschrift des Zeulralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaube»* ״Im IN• titschen Reich'* wird, wie ich zufällig erfahre, Behauptet, ich halte die bck.imife niilizionislische Resolution de» Zeniraherein* gefälscht, wen« ich in einem Artikel der ״Jüdischen Rundschau" Herrn Justizr.it Hörwitz als Vorsitzendem imehsage, dall er 101)1),) detit* sehe» Juden in breitester Ocffciitliehkeit den Vorwurf inaiigeliidcr Vaterlandsliebe cnlgcgengesdilcudcrt habe. ״Wir müssen ein solches Verfahren als eine Verleumdung auf das entschiedenste itiruckweisen", heißt es zum Schluß. Ich werde midi nalürlieli durch den Ion dieser Erklärung ans leicht begreilliclicn (ininslcii nicht dazu lünreillcn lassen, de« gesetzlichen Schutz, gegen solche Beschimpfungen in Anspruch zu nehmen. Von weicher Seite diu Fälschungen und Ver- ]etmuliiiigen aiisgelicn, wird jeder gerecht Denkende entscheiden können, der den ganzen Infinit der Resolution kennt. In der Notiz des Zentralvereiitsorgans werden nur zwei Sülze zitiert, die meine ״F ii I s e 111111 g“ nach* weisen sollen, aber geflissentlich werden die lang- .innigen Sätze unterschlagen, die eine Definition des seelischen Verhältnisses der deutschen Juden z» ihrem Vaterlaude geben sollen. Gerade;ms diesen allmlings sehr verklausulierten Sätzen 111 11111 c der U11bof.111־gci1C den gegen uns Zionisten gerichteten Vorwurf der mangelnden Vaterland;liebe heraus lesen. So und nicht anders ist der Inhalt tler Resolution von der gesamten Oeffentliclikeit verstanden und entsprechend gewürdigt worden. Und das war ja auch der Zweck der Hebung. Wenn der Zentraiverein jetzt den Versuch macht, nach dem Muster des ihm gesiiiiiungsvenvaiidten Anti/ioiiisiischen Komitees durch persönliche Verunglinipfuiigen seine schlechte Sache gegen uns zu führen, so soll ihm das Vergnügen gegönnt sein. Klagen werde ich natürlich nicht, ich liahc besseres zu tun, als die jüdische Schande vor die christliche Ocffciitliehkeit zu schleppen. Dr. Gustav W i t k o w s k y. Duisburg und die Folgen Nach der neuesten Broschüre des Antizionistischen Komitees ruft der Zionismus die Meinung der Andersgläubigen gegen seine eigenen Brüder zu Hilfe uiul sucht bei inneren Streitigkeiten jene gegen seine jüdischen Gegner aufzuhetzeu. S i e 1t e Duisburg. Am 11. Dezember trat in einer Berliner Vcrsatntn* hing der deutsch-sozialen Partei, die bckamulich antisemitisch ist, ein jüdisch-liberaler Mediziner auf, der. das Ritualniordniärehen mit Entscliicdenheit zurück wies. Gegen ihn erhob sich ein Herr frank und erzählte die ganze Duisburger Affäre. Er machte Angaben über das ״Schreiben der Duisburger Juden an den Knlliisniinister, worin die Duisburger auslüiidisdiou Juden als aiigchörig der Sekte der Cliassidäcr, die dem Ritu altnord 11 u Id ig v, bezeichnet seien". Er fügte hinzu: ״Hätte der Kultusminister seinerzeit das Schreiben nicht unterdrückt, dann hätten wir in ganz Rulllaml *inen Pogrom gesellen, wie er noch nicht da war." Unsere Leser wissen aus unserer zweimaligen genauen und aus den Gerichtsakten jederzeit zu helegenden Darstellung, daß die Acufierungcn des Herrn trank u 11 richtig waren. Die Duisburger Uberaleu Juden schrieben nicht an den Kultusminister, sondern an die Regierung zu Düsseldorf, und sie bczeichneten die ausländischen Glaube nsbrüricr nicht als ״Angehörige der Sekte der Chassidäer, die dem Ritualmord huldige", sondern als ,,Angehörige der von den rechtgläubigen Israeliten als ketzerisch angesehenen Sekte der Chassidäer *. Somit hat also auch der Kultusminister das Schreiben nicht ״unterdrückt"; und auch die Regierung zu Düsseldorf tat dies nicht, sondern ordnete die Untersuchung der in jenem Schreiben enthaltenen schweren Beschuldigungc» an, die deren völlige Grundlosigkeit ergab. Daß zu einer weiteren Publi/jerung dieses einer rein dichterischen Phantasie entsprungenen Schreibens kein Anlaß war, ist deutlich. Fast aber ist zu verstehen, wie der Antisemit, Herr Frank, zu seiner Darstellung kam. Da im Kictver Prozeß so viel von der Sekte der Chassidim die Rede war, die den übrige« Juden als Ketzer gelten und dem Ritualmord huldigen, wogegen die Verteidigung und die Juden der ganzen Welt bewiesen und betonten, cs gebe keine Sekten ־im Judentum, so mochte auf den Niehtjuden die Anerkennung der einen Tatsache, dall cs eine ketzerische Seite dieses Namens gebe , so wirken, als ob damit auch die übrige« Eigentümlichkeiten, die man dieser Sekte zuschrieb, bejaht seien. Und dies hätten sich die Duisburger liberalen Juden, als sie ihre absolut unrichtige Behauptung aufstclhcn, sagen müssen. Sie 1 hätten steh sagen müssen, daß cs vom Standpunkt der jüdischen Solidarität aus, die sie so oft im Munde führen, geboten ist, bei wirklichen Anlässen zu Klagen gegen, jüdische Bruder alles zu tun, um den Streit innerhalb des Judentums auszutragen, und erst dann, wenn diese Möglichkeit gänzlich versperrt ist, an Mäeilte außerhalb des Juden!ums zu appelliefen. Aus bloßer Radis nein über eine Niederlage aber mit 11!1 b e g r ü 11 d 1 t e!1 Beschuldigungen gegen (ilauhcusgenosseu zum Kadi zu laufen, ist eine Handlungswcise, die auf das allcrschäriste verurteilt werden muß. ״Der Z i o 11 i s 11111 s ruft die Meinung der Anticrsgläiibigcii gegen seine eigenen Brüder z.u Hille lind sucht bei inneren Streitigkeiten jene gegen seine jüdischen Gegner aufziilielzeii." Stettiner Brief (Von unserem Korrespondenten) Mit einem Vorträge von Herrn l)r. Becker- Berlin begann die Zionistische Ortsgruppe ihre Wiiiteragitation; Herr I >r. Becker sprach über .,Die Juden 1111 modernen Wirtschaftsleben‘1 und tührte (len Zuhörern insbesondere die Gefahren für (las Judentum vor, die sich aus dem drohenden wirlsehattliclien Niedergang ergehen würden. Leider war der Voitrag trotz, eitriger Propaganda schlecht bc• sucht, zum Teil aus lokalen Verhältnissen; nur die 11 g e n d g ru ק p c war vollzählig erschienen; ein irfolg der in diesem Winter bisher geleisteten Innen• arbeit. Die Jiigendgruppc entwickelt sich langsam, aber l'ortschiille sind 11111׳erkennbar; durch woeheut• liebe Fiixeiistundcn werden, die Mitglieder mit den Problemen des Zionismus bekannt gemacht; durch gesellige Veranstaltungen kommen sie sich treundscliaftlicli näher, Die Fuxenstumlen erteilt jetzt cand. jur. Oelsner; Vorsitzender ist cand. jnr. Kallmann. Die 11 i c h t z i o n i s t i s c 11 c J u g 111 ־ d Stettins ist noch indifferenter als die Lrwacliseuen. Der Jngcudbiiiid lag so völlig danieder, dal) die Generalversnmmlnng wegen mangelnder Beteiligung erst nach Aufnahme einiger ״zionistischer Studenten" und telephonischem Anruf einiger Mitglieder abgelebten werden konnte. Allmählich erholt er sich etwas. Zwei Vorträge wurden bisher von (iesinmmgsgegenossen dort gehalten: Flitz jacobsolm (../lorustischer Student"): Paulus-Cassel; Lcvy: Prcßrefcrat. Ferner spraelt Dr. Lnniisbcrg-Stettin über den XI. Kongreß. Da der Redner, wie er selbst zu:;,1b, die ״Welt" nicht gelesen hatte, sondern nur die lur Zionisten bestimmten Berichte in der ״Rundschau" und die allgemeine Presse, brachte er manches l '11• richtige vor, was auch in der Diskussion au! di« mangelnde Lektüre der ״Welt“ zurückgeführt wurde. Sei« Vortrag brachte als Resultat: der Zionismus ist eine Kokmisationsbewtgung geworden; der letzte Kongreß habe sich gar nicht mit ״Zionismus“ hefaßt (!!); das Univcrsitätsprnjckt sei eine Utopie und huclist schädlich, In der Diskussion erwiderten ihm Rcf. Lclevcr und Dr. Baer. Da sehr viel'zu berichtigen war, mußten sie sehr lange sprechen und um 12 Uhr zogen sich di* alteren Nichtzionisten, die noch sprechen wollten, zurück. Der Turnverein turnt regelmäßig Montag und Donnerstag־ von «1•! II Uhr; monatlich findet eine Versammlung statt; bisher sprach cand. Uclsncr: Die Beik'Utimg des jüdischen Nationalismus. Die Vorträge des I. i t e r a t ti r v e r e i n s sind ciniijeriiialleii!;111 besucht, dort sprachen : Gesinnung*• genösse Dr. Weil ,,Strömungen in der neuliebraiselicn Literatur" und Prof, Goldstciu-I )armstadt über ״Naturerkeiintiüs und religiösen Sinn“. Das Publikum war höchst erstaunt, hierbei zu vernehmen, dall der Monisimis von der modernsten Philosophie überholt sei, denn der ״gebildete Jude" ist natürlich Monist; noch erstau!tter war es, daß der liberale Goldstein davon ahnet, in allen Dingen unbedingt dem ״Berliner Tageblatt" zu folgen. Es gibt noch einen Verein, der clas Stettiner jüdische Leben beherrscht, den ״Br üde r v c r c i n“; nach ihm .müssen sich, der Not gehorchend, alle jüdischen Vereine richten, denn zu den Vcranstaltungeti des Bruclervereins (meist Konzerte und Vorträge allgemeinen niemals jüdischen Inhalts) geht alles. Es wird übrigens heftig bestritten, dal) der Verein jüdisch sei, weil er neben Hunderten von jüdisehvn Mitgliedern auch ein IXitzcnd Christen als Mitglieder hat. Die aktuellen ziotiisiischen Fragen werden an den beim Ortsgruppen Vorsitzenden, Herrn Jakob, regelmäßig stattfindenden Freitagabenden besprochen. Wir sind Herrn l)r. Becker besonders dankbar, dab er uns über wichtige Fragen Aufschub gegeben hat. L> r a b. Anzeigen als Anzeichen Aus den .Münchener Neuesten Nachrieh t e n* vom 2. Dezember; Deutscher Arzt» Christ, niöz'wbst Protestant, der etwas gelernt hat und es ver* siem, mit guter Clientele, zusammen mit den 1!oicl er* im tnieresse des Ortes zu arbeiten, f ud«t in N«rvl (Gen 11») vorzügliche Existenz. Da sin. ihr he auslimdsche Aerzte mosaisch, ist demselben die Unter* stütz 11 »1g aller Hoteliers und Einwohner gewiß Sicheres Einkorn men 20 250U0 Lire. Italienisches Examen er* forderlich

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