Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 536 JUED1SCH E RUMPSCHAU Nr. 50 ihr sein, denn ihr seid die Nachkommen jener Männer! — oder ist es die stereotype Frage: Welche l eine credit sich aus dieser Erzählung? -- , So unsinnig es uns erscheint, die r e i i g i ö s e u Fakta der jüdischen Geschichte en bagntellc zu behandeln oder als Znfallsfrurfit am Haume nationalen Wndistums anzuselicn, so müssen wir doch fordern, dill schon in der Schule unsere Kinder nicht nur in den religiösen, sondern auch in den n a t i o 11 a I e n Zusammenhang mit ihren Almen gebracht werden. Viele Schüler dürften trotz vorzüglichen Rcligions- Unterrichtes als Erwachsene in rein religiösen I ragen einen skeptischen, wenn nicht negativen Standpunkt cinnetiinen. Was soll sie dann an das Judentum fesseln, was soll dem Abfall einen Daimn entgegensetzen, wenn sie sich nicht das Gefüllt bewahren, das von religiösen ״Standpunkten“ unabhängig ist: ״Der Väter Wut ist’s, das in meinen Adern rollt.“ — Führet die Kinder in den Blütengarten, statt sic an vertrockneten Blumen riechen zu lassen. Das Leben sollen sie kennen lernen; dann ergibt sieh die Lehre von seihst. Ben Mordcchai. Duisburg und der Zentralverein Der Vorstand des Zentralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ersucht.uns um Aufnahme folgender Berichtigung: ״Die in Nr. •18 enthaltene Notiz über zwei Veranstaltungcn des Zentralvercins in Dortmund enthalt folgende unwahre Angaben: a) In der Delegierten Versammlung fanden keinerlei Beratungen darüber statt, ,wie man die durch die öffentliche Erörterung der Duisburger AHare dem Zcntralvercin erwachsene Schädigung beheben könne‘. Eine solche Schädigung hat auch in keiner Weise stattgefunden, zumal die Duisburger Affäre mit den Aufgaben des Zentralvercins nicht« zt. tun hat. b) Justizrat Fuchs hat sich nicht gegen den Zi״- nisnius gewandt.“ Zu dieser ״Berichtigung" ist zu bemerken: a) Wenn der Zcntralvercin sich aufs Leugnen verlegt, zwingt er uns, deutlicher zu werden und, wider uusern Wunsch, Namen zu neunen. Wir eriiniern also den vergeßlichen Zcntralvercin daran, daß in der am Id. November d. I,, nachmittags, zu Dortmtmd stattgehabten rheinisch-westfälischen Delegiertcnversammiuiig, der der zweite Vorsitzende des Zentralvcreins, Geh. Justizrat ür. Eugen Fuchs, Berlin, und der Syndikus des Zentralvercins, Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Berlin, beiwohnten, eingehend über die Duisburger Affäre beraten wurde, daß der Rechtsanwalt Dr. Müuchha tsen, Oberhausen, scharfe Anklagen wegen der fraglichen Vorgänge erhob, daß das Mitglied des Vorstandes der Duisburger Zentral- Vereins-Ortsgruppe und Verfasser des bekannten Wahlprotcstes, Rechtsanwalt Saul, Duisburg, den Versuch machte, das Vorgehen der Duisburger Zentralvereinter zu rechtfertigen, daß das Mitglied des Ge- Samtvorstandes des Zentralvercins, Dr. 1 lerzfeld, Essen, Verteidiger in den Duisburger lU'lcidigimgsprozesseu, zwar die Duisburger ein wenig weiter verteidigte, aber das Kompromittierende der Angelegenheit deutlieb zugab. So deutlich, daß seine Ausführungen an beteiligter Stelle sehr verschnupft haben, weil mau der Ansicht ist, dali Dr. I lerzfeld am allerwenigsten das Recht habe, in dieser Sache den Richter zu spielen, Wenn ״die Duisburger Affäre mit den A u I gab e n des Zentralvercins nichts zu tun hat“, so ist nicht zu verstehen, weshalb seine Delegierten Versammlung in Dortmund die Sache zum Gegenstand langer cilriger Verhandlungen gemacht hat. Am 18. November ldl'2 versprach der Zentralverein durch seinen Syndikus l)r, Holländer in Duisbtirg, die Rechte der ausländischen Juden ebenso nachdrücklich zu vertreten, wie die der Inländer. Einen Monat später hatte er in demselben Duisburg Gelegenheit, sein Versprechen wahrzuntachcn. Er hatte Gelegenheit, gegen jene seiner Mitglieder vorzugehen, die in bisher unerhörter Weise die Ehre des Judentums beleidigt hatten. Als sich aber ergab, daß, die so gehandelt hatten, Stützen des Zentral- Vereins waren, hatte die Affäre ״mit den Aufgaben des Zentralvercins nichts zu tun“. Welches sind die ,Aufgaben des Zentralvercins? ״Abwehr“ und ״Einkehr“! Wir haben in dieser Sache von ״Abwehr“ und' ״Einkehr“ nichts gemerkt. b) In der Versammlung vom W. November d. J, hat sich in Dortmund Justizrat Fuchs gegen den Zionismus gewandt, indem er am Schluß seiner Rede sagte: ״Wir sind deutschnationale Juden. Wir haben es nicht nötig, nach Palästina zu gehen, um gute Juden zu sein,“ Was das bedeuten soll, darüber wird niemand im Zweifel sein und war niemand im Zweifel. Dnisl::n* 1;::u dio Folgen I.an):sa111, langsam besinnt sieh die liberale jüdisehc Presse ihrer Pflicht, die Duisburger Vor• gange zu bedauern. Im Kölner ״Israelitischen Genieindchlatt“ schreibt ״D.ilcd“ einen Artikel, der zunächst wieder die Veraiitworlimg für die Richtigkeit unserer Darstellung ausdrücklich uns zu überlassen fiir nötig findet eine Verantwortung, die wir gern tragen. Nach einer sehr absdnväeheiisleu, sehr sanften Darstellung der Vorfälle erklärt ״Daled", dal) er ״wenn die zionistische Darstellung richtig ist, nicht anstcht, cs ruhig auszusprecheit, da 11 hier ein nur zu mißbilligendes Verfahren seitens di r Liberalen in Duisburg vorliegt.“ Er benutzt aller gleich die Gelegenheit, um die ״zügellose Entrüstung der zionistischen Kreise“ zu rügen und ein paar lächerliche Lobsprüehe auf den Liberalismus an/.ultängen. Indessen ist der ״Ruhm“ der Heldentat bereits über den Ozean gedrungen. Der ״Jewish Expoiicut“, der in Philadelphia und Baltimore erscheint, bringt am 28. November einen Artikel, worin der Duisburger Fall auf das entschiedenste verurteilt wird. Amerika, du hast es besser. Das antizionistische Komitee regt sich Wir erhalten suchen ein Exemplar einer zweiten Broschüre des antizionistisehen Komitees, die zu erweisen sucht, daß der Zionismus eine Gefahr für das Judentum sei. Beim raschen Durchsehen finden wir, daß der Zionismus abgelcluit wird, weil er etwas ganz Uiijiuiisclics, weil er eine Assimi- 1 a t i o n s c r s c h c i n u n g ist; das Nationaljudeuttim wird aber abgelehnt, weil Judentum ungefäb.r gleichbedeutend sei mit Assimilation. Wir müssen uns versagen, heute näher auf dieses neue Produkt der Unproduktivität ein/ugelien, das viele Kraftausdrückc enthält, aber keinen einzigen kräftigen Gedanken. Dal! dieses harte Urteil berechtigt ist, werden wir nächstens beweisen. Das Technikum 1, Dr, Paul Nathan in Palästina. Die Ankunft von Dr. Raul Nathan hat die Situaüun nicht geändert. Wer angenommen hatte, dall er mit der Absicht gekommen ist, um sich an Ort mul Stelle über Ursachen und Wirkungen des ״Erd- Hebens“, wie e r es nannte, zu informieren, sah sich bald arg enttäuscht. Er w i s 8 e b e r e i t s a 11 e s und benötige keiner Information, — dies gab er zur Antwort, sobald man unter Wahrung aller üblichen und gebotenen Höflichkeit eine ehrliche Aussprache anbaluien wollte. Und wenn drei unserer Besten, M. Diseugoff, S, (rluskiu und S. Ilmifietr, die ausschließlich aus eigener initiative wegen einer solchen Aussprache nach Jerusalem kamen, schließlich sich mit Dr. Nathan über eine Stunde laug unterhalten Italien, so war doch das Resultat völlig negativ. Herr Dr. Nathan verlangte nicht mehr und nicht weniger, als daß alle Schulstreiks augenblicklich aufhören sollen, dafür verspricht er, als Mitglied des Ausschusses, sich dafür eiiizusetzeu, dal) man später einmal den einen oder anderen angeblichen Fehler des jetzigen Seluilprogr.uti ms einer Prüfung unterziehe. Herr Dr. Nathan hält sich auf Grund gewisser Belichte, die sein Vertrauensmann ihm erstattet, für vollkommen zulänglich informiert. Er kennt Palästina besser als die Einheimischen. Wie sehr er aber in vollständiger Abhängigkeit von einem anderen ist, davon nur ein kleines Beispiel. Er ist überzeugt, dal) die Streiks der Schüler in Jaffa und in Jerusalem voll Berlin aus angezettelt wurden. Wenn diese Behauptung nicht aus dem Munde eines so ehrenhaften Mannes, wie es Dr. Nathan zweifellos ist, käme, — kein Ausdruck der Entrüstung wäre - zu stark, um diese jeder leisesten Begründung entbeirrende Verleumdung zu brandmarken. 2. Sympathien und Proteste. In einem Comiminiqud berief sich das Kuratoritini auf ein Z u 8 t i m m u n g s t c l e g r a m m des Chacham llasehi Mosche Franco in Jerusalem, das derselbe angeblich auf Grund eines Berichte* über die bekannte Sitzung des Kuratoriums nach Berlin gesandt hatte. Der Herausgeber der Jeru- *.־deiner hebräischen Tageszeitung ״Hacheruth“ (selbst ein scphardischcr Jude), wandte sich an den Chacham Haseln mit der Anfrage, ob die Nachricht begründet sei, und wie es möglich wäre, daß die sepli;irdischen Rabbiner eine derart unwürdige ,Er- | klarung unterzeichnet hätten. Der Chacham Baschi erwiderte darauf, daß er keinerlei Protest mit Bezug auf die Unterrichtssprachein den |1al,1*l111i«(ht11 Schulen unterzeichnet habe, und daß er ein An- 11 ä 11 g c r d e r h e b r a 1 s e 11 e n S p r a c h e und ihrer Neubelcbung sei. Auf die weitere Frage, wie es denn komme, 1EB allgemein behauptet wird, seitens der Leitung 1|tg Hilfsvereins hätte man ihm ein Schriftstück zurUiiUrsthrift vor gelegt, antwortete der Chacham Baschi wörHielt folgendes: ״Allerdings, diese Behauptung ist richtig. Ith habe aber nichts unterzeichnet, was sieh aut die '!•'rage der Unterrichtssprache in *len Schulen des I iilEiVercins bezogen hatte, vielmehr unterschrieb ich ein mir v o rg c I e g t e s Zeugnis, demzufolge der Hilfsverein auf dem liebielc des Er/iclumgswescns in Palästina viel Gutes geleistet hat und noch leistet,“ ״I laben denn Euer F.hrwürdcn nicht erkannt, daß dieses ,Zeugnis* nur ein — taktischer Seil,ichzug seitens der Leitung des Hilfsvereins war, die das Schriftstück zu dem Zwecke brauchte, um zu ihrer Rechtfertigung eine autoritative Bescheinigung bcizubriitgen, dall sie dem jüdischen Erziehungswerk in Palästina Nutzen bringe, während sie ihm in Wirk* liehkeit jetzt nur geschadet hat?“ Darauf antwortete der Clmchain-Baschi recht naiv; ,,Woher hätte ich denn wissen sollen, daß dahinter ״Politik" steckt? Wenn Leute zu Ihnen kämen, die ein gutes Werk für die Gesamtheit Inn wollen, wurden Sie ihre guten Absichten nicht lobend anerkennen? Die Herren kautet! zu mir tuul baten mich, eine derartige Bescheinigung zu unterschreiben und ich habe es getan, ohne irgendeine Nebenabsicht. Hä 11 c 1 ch ge w 11 ß t, daß inan meine Unterschrift gegen die hebräische Unterrichtsspräche ausmit/en wird, so hätte ich sie unbedingt v e r vv c i g e r t!“ Der Herausgeber des ״ilidicrnth“ stellte auch fest, daß dein Ghacham Baschi Franco, als er den ״Führern“ (wie cs im Uommnniipte des Kuratoriums etwas unklar hciUt) ihr Wohlverhalten bescheinigte, der Beschluß des K u r a t « r i u tu s bezüglich der Unterrichtssprache am Technikum noch gar nicht l» c k;111 n t war. Wie ״Hachcruth“ weiter berichtet, (and in den letzten Tagen eine Sitzung des scphardisctien Rahbinats von Jerusalem statt, in der der Vorschlag, gegen den Beschluß' des Kuratoriums zu protestieren, mir allen gegen eine Stimme angenommen wurde, und Rabbi Persiado Surnaga, der Vorsitzende des «ephardischen Beth-Din, 1 in Namen der Mitglieder des scphnrdischen Rabbmats erklärt, dall das Rahbinat gegen den Beschluß des Kuratoriums aufs schärfste protestiert und die Kämpfer f ü r d i e 11 e i I i g e S p r a c h e h c g I ü e k w i'111 s c h t. 3. Weitere Proteste. Am 25. Marcheschwan fand zu Ri sc 11 an I e Zion eine überaus zahlreich besuchte!*rotestver- Sammlung statt, in der der Direktor des Jaflaer hebräischen Gymnasiums, l>r. Mossirrsohn, sprach. Herr Gluskiii, der Leiter des Wüi/crsyiidikat« spendete dem Komitee zur Verteidigung der Rechte der hebräischen Sprache 1000 Fres. Die jüdischen Wächter io Riselion spendeten den Lohn eines Arbeitstages. Die Lehrer und Lehrerinnen tiaheu einen Monatsheitrag von 00 Fres. gezeichnet. Eine Kommission wurde eingesetzt, die auch nt den andere» Kolonien regelmäßige Beitrage und einmalige 5pcnden sammeln soll, * Der Vorstand (Wand) der Kolonie N e s s Ziona (Wadi-Ghaiiiii), sowie den Vorstand der Ko- I o n i c B' c r - T o b i a (Kastinieh) haben in Schreiben an das Zionistische Aetions-Lömhe ihre Solidarität mit dem Kampl für die Rechte ries I Icbraischen erklärt. In einer Versammlung der Abteilung Süd-Judäa des Lehrerverbandes, die am 27. Marchcschwan in der Kolonie Rechoboth stattfamt, und an der die Lebrer der Kolonien Risch!!11-lc-Zioii, Rechoboth, Ness-Ziona (Wadi-lJunin), B'cr-Jacob. Ekron, Gedera (Katra) und B’cr-Tobia!Kastinich)) tei!nahmen, wurde gegen den Beschluß des Kuratoriums und gegen das Vorgehen des Flilfsvcreins der Deutschen Juden der schärfste Protest ausgesprochen. יי Die Schüler der landwirtschaftlichen Mittelschule in Pet h a c h - T i h w a h haben an die streikenden Zöglinge des Lehrerseminars in Jerusalem eine Zuschrift gerichtet, irr der sie die Seminaristen ihrer herzlichen Sympathie versichern. * In einer Versammlung des jüdischen Studenten- Vereins ״Hcchawer“ in Basel wurde eine Protestresolution gefaßt. Am 16. November IriFJ taud eine Sitzung des Exckutiv-Komitces der Federation ot Amer i c a n Z i o 11 i 81 s statt, bei der die folgend« Re* solution einstimmig angenommen wurde: . Da das Kuratorium des Jüdischen Institutes für Technische Erziehung m Palästina bet seiner am