Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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J WM,. *1Mr Lj[ XVIII. Jahrgang Ausweis Schekel für 1913/11: Mannheim 100,—. Landesorga11l*ationsbeifr||gc: י ׳י י t *י י m ץ ין v 11. 1*־-,200 . י, Briese n (Wpr.)!1, 2. Einzelpersonen: 1 >r. Ilulilscliiner, Hamhiirß, 10, . IV. Ernst Fink, Hamburg, ft,—, L. firiinthal, Breslau, 20,-, Rechtsanwalt Gronc-mann, Berlin, 100,־. Eingang vom 4. bi» 10. Dezember 1913: S c hekcl: *Ol), . La 11 d e sor ga n i sa t i o n s be i - trage: 452,—. Gesamteingang: Schekel (1913/11): 113,- M. landesorganisat ionsbeit l äge: 13 190,27, Berichtigung:. Hie in Nr. •15 ausgcwicscncn 21,— aus Wronke waren nicht für den Laitdcsorgau isationsfoiuts, sondem für den Nationalfonds bestimmt. Hie Addition ändert sich dementsprechend, Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co.» Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Das höchste Gust Die national fühlende jüdische Bevölkerung von Palästina und mit ihr das national fühlende Judentum der ganzen Welt ist in den letzten Wodien in einen Kampf gezwungen worden, dessen Objekt nicht nielfr und nicht weniger ist als die Zukunft Palästinas, das ist aber die Zukuoftsinöglichkcit eines freien Judentums überhaupt. Kein Wunder, daß der Kampf tun dies unser höchstes Out mit der Entschiedenheit geführt wird, die das Bewußtsein seines Wertes uns aufcrlcgt. Wir wollen cs beim Protestieren und Boykotticrcn nicht bewenden lassen. Das tirziehungswerk, r.as in Palästina von Händen aufgelichtet wurde, die nicht der rechte (ieist lenkt, ist darum nicht minder eine Notwendigkeit für das Land. Daß cs sw ist, beweist die tiefe Er* rcgiuig, die jetzt die palästinensische Judenheit durchschüttert, da der seit einigen Jahren bereits eingeschlagenc Kurs des größten Teils der dortigen Schulen zum dauernden, offiziellen, definitiven gemacht werden soll. Der Beschluß des Kuratoriums ist ja keine plötzliche, unvorherge* seltene Verirrung gewesen, sondern die Bcstütigung der vom Hilfsverein seit einiger Zeit befolgten Schulpolitik. Und diese Schulpolitik steht unter der Maxime der Assimilation: ״Wir nehmen Rücksicht und üben Vorsicht, wir richten uns nach anderen." Diese Maxime aber ist todfeind unserer nationalen Zukunft. Unsere Zukunft, unsere Elite erfordert es, daß wir das Schul werk Palästinas retten, im materiellem und im ideellen Sinne; denn dies heißt, unsere Jugend, die Jugend Palästinas, den Keim aller unserer Hoffnungen und Wünsche retten. Wie 111 der Entrüstung und im Protest, so ist uns Palästina auch hierin voran ge gangen; es bat־ uns den Weg gezeigt, den wir gehen müssen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Schule in Palästina hebräisch ist, wir ״hissen dafür sorgen, daß sie frei ist und unabhängig von assimilatorischen Einflüssen. Allzulange glaubten wir, die Schule unseres Landes Leuten überlassen zu dürfen, die der nationalen Idee fremd waren und sind. Wir glaubten genug zu tun, wenn wir die politische und materielle Grundlage des neuen Jiscivub sicherten. Wir haben für den Leib gesorgt und die Sceic dürsten lassen. Wir haben unser hochstes Out, die neue Generation, denen in die Hände gegeben, die sie fremden Göttern opfern wollten. Aber zum Glück ist unser Fehler nicht unsühnbar. Der Genius unseres Volkes, der Genius unseres Landes wacljt, und sobald ernstliche Gefahr drollte, hat er uns treulich gewarnt. Wir wollen uns seiner Stimme nicht verschließen; wir werden das teure Pfand, das wir in unbeiiige Hände gelegt haben, zurücknelunen und doppelt sorgsam hegen. Nicht ohne Schmerz entziehen wir unser Vertrauen denen, die es so lange besessen haben. Denn wir waren nicht leichtsinnig und unbedacht, als wir es ihnen schenkten. Der Manu, der jetzt der Führer ist,, gegen den unsere schärfsten!heile fliegen müssen, hat eine Vergangenheit, die man alles, mir nicht klein nennen darf. Im allgemein politischen wie im jüdischen Leben hat er sich immer von der Idee der Freiheit, des Freisinns, des Fortschritts leiten lassen; er selbst hat, unzufrieden mit kleinlicher Philanthropie, zutiefst unbefriedigt von der rückständigen, mittelalteriidien, beschämenden und entwürdigenden Art, wie manche Organisationen für das Judentum zu arbeiten glauben, den Plan zu einer neuen Arbeitsweise entworfen, der nicht auf Bevormundüng, sondern auf Erziehung freier Menschen gerichtet war. So war es begreiflich, daß wir ihm vertrauten; und er verdankt nicht wenig unserer Mitarbeit. ׳ Jetzt aber, da er sich in einen Irrweg verrannt hat, und da alles Freie, im besten und eclitesten Sinne Fortschrittliche in Palästina, da die Träger der Idee eines freien, neuen Judentums gegen hin aufstelicn müssen, im Namen eben der Ideen, zu denen er sich lange bekannt hat: jetzt muß er sich mit den ewig Unmündigen verbfmden, kiniß die aufsticlicn, die nicht frei sein wollen, muß namenlose ״Periisebim und Chassklim" ziticren, Hände drücken, die vom Chaiukanchmen zittern, und ein paar schäbige Sympathien vielleicht durch Chaluka erkaufen. Weist ihn nicht der Rhythmus seines ganzen Wesens nach der anderen Seite, zu den Jcllin, Ben Jebuda, Lurie, MossiiiKohn? Aber cs scheidet sie die Maxime,• die er ehren zu וווtiRr.cn glaubt: ״Vorsicht und Rücksicht, Ikducktiiüliinen auf die anderen." Und diese seine Maxime macht, daß er selber ein Unmündiger und Namenloser, ein Zitternder und Unfreier wird. Schmerz und Trauer emp» finden wir, wenn wir sehen, wie der Wurm der Assimilation auch solch echte, schöne Frucht vom Baume des Judentums zernagt. Dies aber geht vorüber. Und die Zukunft steht vor uns; für sie wollen wir Sorge tragen. H. H. Zum biblischen Geschichtsunterricht Eine jüdisch-pädagogische Betrachtung. Hie Problemstellung, ob inan den biblischen Oeachiehtsuntcrricht unserer Jugend mehr national oder mehr religiös gestalten müsse, erscheint im ersten Augenblick recht überflüssig. Wie das Judentum überhaupt eine Gußmischung nationaler und religiöser Werte darstcllt und als Zweieinigkeit betrachtet werden muß, so läßt sich auch beim Unterridit keine reinliche Scheidung der Elemente erziele*. Die jüdische Historie hat von vornherein eine religiösethische Orientierung erhalten. Auch wider Wille« muß unsere Religionsgesdiiditc zur Stammcsgesdiichtc werden — und umgekehrt. — Aber bei der praktisdien Pädagogik ergeben sich einige widitige methodische Fragen. ln der vergangenen assimilatorischen Periode, welche den nationalen Charakter 'des Judentums vollständig ableugncte, mußte sich beim Jugcndunterricht mit logischer Notwendigkeit eine gewisse Einseitigkeit geltend machen: die Einseitigkeit, die ethischreligiösen Lehren und Wahrheiten der Bibel ausschließlich in den Vordergrund zu stellen und die geschichtlichen Ereignisse nur als Folie und Untergrund gelten zu l.swm. Unsere bibh. Öen Lehrbücher sind nach dem Prinzip der moralischen Auslese geschrieben; auch h;stori‘;d! bedeutsame Geschehnisse «erden übergaugen, wenn sich aus ihnen keine ethischen Betrachtuiigcn gewinnen lassen, Das mag für die unreifere Jugend seine Bereditigung haben. Unsere reifende Generation hat ober ein Recht darauf, die israelitische Stninmesgcseliichtc als ein lebendiges {tanze in sich aufzunchnien, mit allem was ״gut“ und ״böse“, ״schön“ und ״häßlich“ erscheint, ohne die Strcidumgeii der pädagogischen Zensur, welche aus einem spannenden und erschütternden Roman eine Art moralischen Lesebuchs macht. — > Für die assimilatorische Periode ist das Vorbild der christlichen Pädagogik maßgebend gewesen. — im christlichen Religionsunterricht erregt die jüdische Stammcsgeschichte als solche absolut kein Interesse, Was kann es die arische Jugend intcrcssiercn, wie vor einigen Jahrtausenden weit hinten in Palästina einige semitische Clans gerauft und gestritten haben! Ausschließlich religiöse Gesichtspunkte bestimmen in den Schuten den Unterricht im ״alten Testament“. Hie stammesfremden Hebräer Interessieren nur, weil sie nun einmal aus der Religionsgeschiehtc nicht auszuschalten sind, weil die christliche Religion ohne sic und ihre Literatur unverstündlich bliche. Es ist einleuchtend, daß im Christliehen Religionsunterricht die israelitische Geschichte nicht um ihrer selbst willen gelehrt wird, sondern ab ״Mittel zum, Zweck“, ais ״vorbereitende Epodie“ des Christentums. — Unsere Kinder sind in der glücklichen Lage, zu den biblischen Erzählungen in einem weit innigeren Verhältnis zu stellen als ihre christlichen Mitsdiüler. — Was da erzählt wird von Sieg und Niederlage, da» betrifft unser eigen Fleisch und Blut, es ist die Geschichte unseres Volkes. Und unser Volksbcwußtseln ist wieder auferstanden; cs hat sich als sieghafter und mächtiger erwiesen zur Erhaltung des Judentums als die abstrakten Moral- und Konfcssiomdchrcn der Assimilaiiteii. Gerade im Interesse der Frlialtung der jüdischen Religion müssen beim Jugeudunterricht die nationalen Werte beute entschieden kräftiger betont werden ala es in der Vergangenheit der Fall war. — Harum kein trockenes Moralisieren, ihr jüdischen Lehrer! — Warmes Blut, frisches impulsives Leben müßt ihr in euren Unterricht einströmen lassen! — Der Anschauung wegen ein kleines Beispiel. Ihr habt erzählt, wie Gideon mit 300 Mann die Midianitcr schlug. Was wird nun eure Zöglinge mehr begeistern? Ist es der Ruf: Seht ihr, so waren eure Vater, gottvertrauend, tapfer und mutig; und also müßt and!