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Jüdische Rundschau · 1913-12-05 · Heft 49 (5.12.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 528 JUED1SCHC RUNDSCHAU Nr. 49 den freien Berufen zu eröffnen; nicht selten arbeiten sie tagsüber in Werkstätten oder Handclskontorcn und gehen abends zur Evening-High-Scliool, von <1er sie dann weiter zur Universität aufstcigeii können. Jn diesen allerletzten Jahren wurden denn auch mehr unu mehr Lehrstellen der Universitäten russisch-jikhsehen Bewerbern verliehen, und scheint die weitere Entwicklung der jüdischen Bcrutsverteiluug dahin• zugehen, dab die aus Deutschland, Oesterreich find Ungarn stammenden Juden sich vorwiegend dem Handel widmen, während ein sehr wesentlicher Bruchteil der aus Rulflnnd stammenden Juden, speziell diejenigen, welche in der Heimat revolutionäre Ideen eingesogen haben, zunächst noch durch manuelle Arbeit ihr Brot erwerben, mehr und mehr jedoch auf dem Wege höherer Studien zur freien, jenseits des Handels liegenden Betätigung emporsteigen. A. Whitley.“ AUS ALLER WELT Palästina In letzter Zeit haben sich die jüdischen Ackerbaukolonieii in Judäa zu einem Verbände zusammengescfilossen. Die Zentrale des Verbundes wird in R i s c h o 11 I c - Z i o n sein. Der Verband soll die judäisciien Kolonien nach außen, namentlich den Behörden gegenüber, vertreten. Bisher haben die einzclncu Kolonien verschiedene städtische Körperschafteil mit der Wahrnehmung ihrer Interessen bei den Behörden betraut, sind aber zu der Ucbcrzeugung gelangt, daß die ländlichen Angelegenheiten nur von einem ländlichen Verbände wirksam vertreten werden können. In den Kreisen der Kolonisten setzt man große Hoffnungen in die Tätigkeit des neuen Verbandes. t Unter der Ucberschrift ״Gründet ein Mandelsyndikat" veröffentlicht der Leiter des jüdisclien Winzersyndikats in'Palästina, Herr S, Ginsk i n, einen Aufsatz, in der palästinischen Presse, in dein er 11. a. folgendes ausfülirt: Die Mandelkiiltur hat sich bei uns in den letzten Jahren ungemein stark entwickelt, und es scheint, daß ihr noch eine große Zukunft bevorsteht. Die Bodenfläche, die mit Mandeln bepflanzt ist, vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Die Maudelcriite belief sidi im abgclaufcncit Jahr auf mehr ab dOÜOÜO Kilogramm und wird wohl in nächster Zeit eine Million und mehr erreichen, zumal da die neuen Siedlimgeii ihre Pfiaimingsnrbeitcn mit dieser Kultur bcginnen. Dieser rapide Aufschwung regt zum Nachdenken an. Zwar waren die Preise in den letzten Jahren durchweg günstig und dank der Arbeit des ״Karmel Misrachi“ wickelte sich auch der Absatz glatt ab, ohne daß die Produzenten genötigt waren, sich selbst Märkte für ihre Erzeugnisse zu suchen. Indessen mul) man bedenken, daß die ungewöhnlich guten Preise, die in der! letzten Jahren erzielt wurden, auf die Mißernten in Südeuropa zurückzufiihrcu sind. Ein Sinken der Preise in den nächsten Jahren erscheint daher nicht unwahrscheinlich. Dazu kommt, dal) vorläufig die Zahl der Kaiifleutc, die sieh mit dem Export der Mandeln nach Europa befassen, gering ist und die palästinische Mandel hauptsächlich auf den ägyptischen Konsum angewiesen ist. (Nur ein kleiner Teil wird nach Marseille versandt.) Der europäisehe Markt verlangt auch meist eine Mandel mit harter Schale, während in Palästina überwiegend die fcinschalige Mandel kultiviert wird. Herr Ciluskin schlägt nun vor, daß sämtliche jüdischen Kolonisten, die Mandclpflanzungen besitzen, sieh zu einer Genossenschaft vereinigen mögen. Die Hauptaufgaben einer solchen Genossenschaft wären die folgenden: Konzentrierung des Absafz.es auf Rechnung der Produzenten; Erschließung neuer Absatzgebiete; Verbesserung der Mandelkulti.r durch Anbau neuer, für den Weltmarkt geeigneter Sorten; Verbilligung der Produktion durch Anschaffung gecignetcr Maschinen; Schaffung eines günstigen Agrarkrcclitcs utw. Gluskins Vorschlag dürfte um so eher Anklang finden, als in den Kreisen der jüdischen Mandelpflanzer die angeregten Fragen schon vielfach erörtert worden sind und die Erfolge des jüdischen Winzcrsyndikats sie zu einem in gleicher Richtung liegenden Versuche anspornen werden. ♦ In einer Zuschrift, die die Jerusalemer Zeitung ״Hacheruth“ veröffentlicht, wird darauf hiugewicsen, daß in den größeren jüdischen Kolonien jüdische Maurer und sonstige Bauhandwerker dauernd Beschäftigung finden könnten, da die Bautätigkeit fast das ganze Jahr anhält, ln der Zuschrift wird auch mitgeteilt, daß in Rcchoboth drei jüdische Tischler und drei Schmiede wohnen, die immer reichlich bcschädigt sipd. 111 Pethach-Tikwah wird das ganze Jahr hindurch gebaut. Im übrigen mangelt es auch in den Städten an tüchtigen Maurern, und d<e vorhandenen jüdischen Maurer erzielen hohe Löhne. Deutschland Wie”"ausTTcm von der ״Norddeutschen, Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten deutschen Reichsetat hervorgeht, fordert die Regierung vom Reichstag die Mittel zur Umwandlung des deutschen Konsulats in Jerusalem in ein Generalkonsulat und der bisherigen Vizekonsulatc in Jaffa und Haifa in Konsulatc. <* Die Berliner ״St a a t s b ü ז g e r z c i t u 11 g" zitiert aus dem polnischen ״Lech“ folgitulc Stelle: ״Tausende von Mark tragen wir täglich zu den Juden. Wann werden wir uns endlich i>es$er:11 Möchte uns doch der Kiewer Prozeß zur Besserung wecken. Die Juden sind und bleiben unsere Feinde, meiden wir sie daher wie die Pest und unterstützen wir nur polnische Kaufleute tmd Gewerbetreibende. Befreien wir uns endlich aus der jüdischen Knechtschaft und werden wir wahre Katholiken und Polen, die ihre religiöse und nationale Würde zu schützen wissen.“ — Das wackere deutsche Blatt bemerkt dazu: ״Mau kann den Auslassungen des' polnischen Blattes die Beweiskraft gewiß nicht absprechen. Wir können nur wünschen, daß auch die Deutschen die gleiche Nutzanwendung ziehen.“ — Daß rüde Schimpfereien Beweiskraft haben, kann nur die ״Staatsbürgerzeitung“ glauben. In Nr. 1! (November B113) der Zeitschrift 1111״ Deutschen Reich“ wurde über gewisse Vorgänge im Badeort Baitrum berichtet, bei denen es sich um Beleidigung jüdischer Badegäste handelte. Auf eine Anfrage beim Gemeindevorsteher in Baitrum halte dieser in einem Schreiben geantwortet: ״Soweit ich in Erfahrung gebracht, ist dieses Vorkouimnis liervorgerufcn durch ein u n g e b ü h r c n - des Benehmen anderer Gäste gegenüber den beiden in Ihrem Schreiben erwähnten jüdischen jungen Leuten und ist die Hetzerei nicht von den Insulanern, sondern von den hier weilenden Badegästen ausgegangen.“ Die Berliner ״Deutsche Tageszeitung“ gibt unter Berufung auf die Zeitschrift ״Itn Deutsehen Reich“ folgende Darstellung desselben Vorfalles: ״Der Vater eines solchen Jünglings batte sich deswegen an den Gemeindevorsteher gewandt, der erwiderte, daß cs ihm leid tue, wenn antisemitische Hetzereien vorgekommen sein sollten; soweit er in Erfahrung gebracht habe, sei das Vorkommnis durch 11 n g e b ii 11 r c n d e s Benehmen jüdischer junger Leute anderen Gästen gegenüber hervorgerufen worden, und die angebliche Hetzerei sei nicht von den Inselbewohnern, sondern von den Badegäsetn ausgegangen.“ Das sind die Methoden der Antisemiten. Italien Nach Beendigung des zweiten Walilganges ist die italienische Deputiertenkammer endgültig konstituiert. Im ersten Wahlgange wurden neun, im zweiten noch vier Juden gewählt. Darunter ist der gewesene Ministerpräsident Luz/atti und der bekannte Politiker Barzilai. Im Senate sitzen vierzehn jüdische Mitglieder, so daß das italienische Parlament jetzt 27 Juden zählt. Rumänien Ein Mitarbeiter des ״Pcsti Naplö“ wurde dieser Tage von dem rumänischen Minister des Acußem Uranieeanu empfangen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Minister auch über die Haltung der rumänischen Regierung gegenüber den jüdischen Bewohnern des neuerworbenen früher bulgarischen Gebiets, Bekanntlich hatte die rumänische Regierung vor der Einverleibung dieses Territoriums, als von jüdischer Seite auf die drohende Entrechtung seiner jjidisehen Bevölkerung liingewicsen wurde, emphatisch erklärt, es sei selbstvcrstündlich, daß sämtliche Bewohner des zu annekticreiulen Grenzgebiets im Sinne der völkerrechtlichen Bestimmungen in dem neuen Staatsverbande die gleichen Rechte genießen würden, die sic vorher ah bulgarische Staatsbürger besaßen, daß also auch die jüdische Bevölkerung im Vollgcnussc aller Bürgerliehen und politischen Rechte bleiben sollte. Wie sehr recht man in jüdischen Kreisen hatte, diesen Versicherungen der rumänischen Regierung zu mißtrauen, geht aus den nunmehrigen Erklärungen des Ministers Graniceam! klar hervor. Der Minister sagte dem ungarischen Journalisten: ״Was die früheren jüdischen Untertanen Bulgariens betrifft, so wird die Regierung nrht nur alle die Rechte, die ihnen bisher zukanven, anerkennen, sondern sic wird ihnen die gleichen Rechte wie allen anderen rumänischen Bürgern gewähren, jedoch mit folgenden Einschränkungcn: in einer Dorfgemeinde soll nicht mehr als eine jüdische Familie wohnen dürfen und die Juden des neuen Gebietes sollen nicht mehr als zwei Vertreter ins Parlament entsenden." Ferner meinte der Minister, es werde sich wohl als nolwtiidig erweisen, den Erwerb von Grund uml Boden *enens der Juden des neuerworbenen Gebiets auf rin wisses Höchstmaß zu beschränken . . . Und «ine derartige Rechtsstellung wagt die rumänisch* Hcgicrung als Gleichberechtigung zu b**uchneu! Man darf gespannt sein, wie sieh dir *uropäischcn Kabinette zu diesem neuesten flagranten W'orthrucb der rumänischen Regierung verhallet! werden. Amerika Bei der! letzten Wahlen in New York wurde eine ganze Anzahl von Juden zu hoben und wichtigen Aemtern berufen. In Cincinnati wurde «Wr Richter Friedrich S. Spiegel zum Bürgermeister gewählt, ein aus Preußen eiiigewandcrtcr Jude. Ware er in seiner Heim.it 'geblieben, so hätte er es freilieh so weit nicht bringen können. Aegypten Als die französische Flotte unlängst vor Akxandria lag, machte Vizeadmiral Nicol! einen Besuch in der Schule der Alliance Israelit* Universelle. Die Schtilkapelle spielte die ״Marseillaise“, eine Schülerin hielt eine Begrüßungsansprache und der Admiral antwortete mit Lobsprüchen auf die ״Alliance“. Die Reise der französischen Flotte diente zweifellos dem Gedanken des französischen ״ Protektorats" int Orient. Tunis ln Tunis bestellt eine Art von Landtag, der aus zwei Kammern, einer französischen und einer eingeborenen, zusammengesetzt ist. Ein Herr Fi• toussi vertritt in der letzteren das jüdische Ekmeiit. Bei der unlängst erfolgten SessioriscröHnung wurde er zum Sekretär ernannt, uml zwar wegen seiner Verdienste um die Verteidigung der Interessen der Muselmanen. Hoffentlich bemüht sieh der Vertretcr der Muselmanen in gleich erfolgreicher Weise um die jüdischen Interessen. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland In der letzten Zeit wird das ״Jüdische Gcmcindcjahrbuch" auch aus uns fernstehenden Kreisen lebhaft verlangt. Das beweist, daß es für intsere Kämpfe innerhalb der Gemeinden, um die Schulfrage, die Ausländerfrage, das Wahlrecht usw. ein unentbehrliches Informationswerk ist. Jeder Zionist muß cs lesen, um in allen Gemeindeange- Icgenhciten klar zu sehen. Bestellungen an unser Bureau, W 15, Sächsische Str. 0; Preis mit freier Zusendung 1,21) M. Die Wiener Zionistische Vereinigung hat die Broschüre ״Der Z 1 o n i s rn u s“ von Dr. Max Nord,111־ neu aufgelegt. Die Broschüre ist vom Verfasser vollständig unigearbeitet und bis zur Gegenwart fortgefufirt worden. M ir haben eine größere Anzahl Exemplare dieser Schrift käuflich erworben, in der Annahme, daß unsere Ortsgruppen sich der bewährten Agitationsbroschüre sehr gern bedienen werden. Wir liefen! die Broschüre zum Preise von 20 Pf. für das Einzelexemplar, 100 Exeinplare werden für 15 M. abgegeben. Bestellungen ausschließlich an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße f. Palästina-Gesellschaftsreisen Für den Besuch Palästinas im nächsten Frühjahr haben sieb bereits in Oesterreich, Rußland und Eng-!arid verschiedene Gruppen von Reisender! gebildet. Diese Gruppen werden von der Zentralstelle des Palastiiiainiunnationsbureaus des zionistischen Aktions- Komitees in Wien organisiert und zu einer großen Gesellschaft zusaininengef.ilit. Die Preise werden durch die zu erwartende große Teilnahme außerordentlieh ermäßigt sein. Ausführlicher Prospekt, der alle notwendigen Einzelheiten enthalten wird, erscheint demnächst. Interessenten wollen sich bereits jetzt an das I* a 1 ä s t i n a i n i o r m a t i o n s b u r e a 11 des Zionistischen Aktions-Komitees in Wien II, Karm c 1 i t e r p 1 a t z 1, wenden. Berlin. Wie im vergangenen Jahre soll von Jüdischen Turnern und Studenten itn Frühjahr 1dl 1 wieder eine Palästinarcisc gemacht werden. Zu diesem Zwecke ist von der Jüdischen Turnerschaft, dem Kunde jüdischer Korporationen und dem Kartell Zionistischer Verbindungen ein Komitee für Palästinaf ährten, Bleibtreustr. 25, gegründet worden, das die Organisation der nächsten Reise in die Hand genommen hat. Zur Information erscheint üt der nächsten Woche eine ausführliche Broschüre, die zum Preise von 50 Pfennig in Briefmarken dort erhältlich ist, Alle, die an der Reise teilzunehmen beabsichtigen, werden gebeten, dies dem Komitee mitzuteilen. ׳ \

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