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Jüdische Rundschau · 1913-12-05 · Heft 49 (5.12.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 Seite 52S I U E;.u Diesen Zahlen to(Hc kein weiterer Kommentar Imirugefiigt werde« müsse״. Diese Organisation Ar «teiltscheu Judenheit, der 216 Oemciiidcn und H VerbSude angeboren, die vor 10 Jahrcti mit 'einem nillerordcotlicli «roßen und weiten Arbeitspro״raJ1!m gegründet worden ist, veröffentlicht einen Täligkcitsbericht, der zwar über alle Teile ihres Arbeitsfeldes gewisse Mitteilungen enthalt, aber von einer inte״• *vc« und ein durchgreifendes Ergebnis versprechende״ Arbeit nicht zeugen kann. Es wurden eine Reihe von Eingaben an die verschiedenen Re״icru11|׳cn und Ministerien gerichtet, aber ein nennenswerter' Erfolg uiirde nicht erzielt. Es wurden für die schwieligsten I!!gen der jüdischen Organisation Kemmissirmen eingesetzt, aber «s ist begreiflich, da» eine Kommission, dm im Jahre eine Sitzung abhiilt, beim besten Willen und bei der vorzüglichste« Zusammensetzung eine schwierige Frage kaum formulieren, geschweige »1111•׳ lösen kann. VZir haben vordem Jiidcntag die Hoffnung nusge- ■ponlten, da» sieh diese Versammlung mit der nach- .;erade brennend gewordenen Frage ihrer Sat/ungsaiulerung beschäftigen und daß sie sich entschließen " nrde, ein anderes Wahlrecht für ihre i fauptversaimn- 11mg einzuführen ( der aiiziih.ilmeii. Auf der Versummhing selbst ist von diesem Punkte nicht die Rede gcwesen. Dem nunmehr erschienenen bericht aber ent- ״cluiien wir, da» für diese Frage eine Kommission ,mgesetzt wurde, die in ihrer einzigen Sitzung zu dem Ergebnis kam, ״da» die Einrichtung solcher Wahlen mit einem außerordentlichen Kostenaufwand umi auch mit vielfachen technischen Schwierigkeiten uwknüpft sein würde, und da» überdies .־ms den Wahlen vermutlich eine Körperschaft hervorgehen würde, «Jie lückenhafter als hei der bisherigen Orgruiisatioii die deutsche Judenheit in ihren lokalen ״der sachlich unterschiedenen Gruppierungen ver• liefen würde. Die Kommission beantragte deshalb heim Ausschuß, von einer Acndening der sat/ungsmäßigen Grundlage der Organisation abziisclieu.“ Mit diesem Ernst und mit diesem tiefgründigen Verständnis für organisatorische Probleme wird die wichtigste Frage des Verbandes gelöst. Der Verband kann nichts leisten, solange er nicht wirklich eine Vertretung der deutschen Judenheit ist, nicht nur seinem Programm nach, sondern vor allem nach der Zusamiiiciisct/iuig seines Ausschusses mul seiner I lauptversnuimluiig. Und nun behauptet diese Koni• ntissioii, die die Frage zweifellos außerordentlich gründlich studiert hat, da» die Einrichtung veruünftiger Wahlen ״mit einem außerordentlichen Kostenaufwand und auch mit vielfachen technischen fkliwicngkeiten verknüpft sein würde״. Gewi», die Eruennung von Vertretern ohne irgendwelche Hefragung der jüdischen Masse und ohne langwierige Formalitäten ist billiger und leichter als eine riehtige Wald. Man denke nur, wieviel Geld, wieviel Schwierigkeiten und wieviel unangenehme Kämpfe dem deutschen Volke erspart würden, wenn der Reirhstag etwa so rusamniengesetzt würde, da» der Reichskanzler die Abgeordneten bestimmt, Niem,111׳• dem wird es darum einfallcn, für eine solche Zusaumiensef/inig der gesetzgebenden Körperschaft einzutrefeii. Die Kommission behauptete «her auch, da» ״jiu den Waiden vermutlich eine Körperschaft herwirgelien wurde, die lückenhafter als bei der bishcrigen (;!c י!‘) 10:1; ׳׳: räic Jtn! k lieft in ihr;:,1!.}*;; ';׳«!' a׳־AA; ■ : ־:. : ch'edcn u: Gr1:p• pieriin::;™ V*; a ufe Kommission ו!.!.׳: sielt nie'.:, A ■ V־A ■ß zu fi:.!.'cii, das eine richli: ’; .; י;;. י ‘׳יו;’ * 1 r 1 * r ׳ u ,,: i, denn ist das lucht ein Ar ׳ ׳ .!"׳r;1. *'׳■ ■ ן <: e F itztui״״;ämlctung, SOlukiU ״ i A... AA>:.4:,,i r.w. ■1, Alur f’, e* ,* r.׳'::!!״ l;:1t *} , n Autra;;c der Konimi*;:,ion 1, ,L'i.t .1) von 4ler Vv I v4;n Satzung«• iimlcruttp '.׳.׳; -V- 1 A1 ’r׳ י' ,11 rcao.'ilUKi o mit ״IR־j i ’ r.i \W:. A *י ' i. 1■■^ Er;:e f״;־!s wird sein, daß! i s!er «:!c!: fen 1 1 h^’;j|ver״r:j1 nlun!/t ein Tätigkeitsbericht vorgc!c׳׳t werben wird, der einen Etat von ä'wCJh einen /,!•:״;,auf! von P,0 Justizraten, Geh!•'1,,;•1!;! G>;;•.:;men Re;־!erungsraten, OG;׳1 . ,,..״:1:׳ m "ten, Kirche.11.den, Pro• fessoreu, Dir*.;..,.: .״־, L;׳;!Irrt und Exzellenzen, der einen Ue.:c!1..A...!.׳Jeu At .dntll von 20 Pcr.,ön• liehkciicn, :; heil j .kriit he A11:euh11»־bitz1111j;eu, sieben Komm: ־•׳;o::eu tim je einer jährlichen Sitzung und zwei Korr׳■׳ /.r.,׳i:-’v/b\uu.:t, da* eine mit apologeiiselien Vuü.'.ViKüchungcn, da* andere mit einem Aufsatz zur Widerte׳;;«;!״ der in irgendeinem Buche enthaltenen Angriffe gegen den Verband nachweisen wird. Wir achten den Verband und schätzen ihn .*18 eine׳ große;leidrdc Körperschaft, aber so lange die Idee des wirklich-״־ Liberal!;tntts und der Demokratie in ihm keine Stinte findet, so lange können wir von ihm nichts erwarten. ¥01־ Gow.dnibta® O :un Sonntag, dein 7, Dezember, wird der XIV. Ciemeiiidetag abgehrilteit. Wir h.'dten ihm mit Spannung entgc,;engesehen, denn er sollte eine folgenreiche Aussprache über die Frage der jüdischen Volksschule, bringen. Inzwischen haben sieh die Lehrer mit dem I). I.G. H. geeinigt, ,d. 11, sie haben dem D, l.G.!1. tiacligegebcn und ein recht flaues Kompromiß abgcschlossen, Sie willigen ein, daß die Volksschtilfragc auf dem Gemeindet.׳!!׳ •nicht zur Sprache kommt. Zwar ist noch der Antrag des Schleswig-!loisteinischeu Verbandes aufiecht, der die Frage aufrollt; aber wir fürchte», da» es den Herren gelingen wird, tilier den Antrag ohne I )chatte zur Tagesordnung iiher/iigeheu. lieber die Volksscluilfrage selbst werden sie nicht zur Tagesordnung übergehen. Diese Frage lebt und drängt auf eine Lösung. Vom 28. bis 30. Dezember findet in Breslau der VI. Verhamlstag des Lehrerverhaiules statt. Hoffentlich kömmt man dort weiter. Gewi», der Schlüssel der Fra;re liegt heim D. I.G. B., und der zeigt sieh vorläufig verständnislos. Für uns ist die* Stunde des Kampfes noch nicht gekomme»; wir sind noch jung und haben eben erst den Kumpf um die einzelnen Gemeindet! begonnen; aber wir fühlen in uns die Zuversicht, daß wir dereinst mich mit den Gemeindet,׳!g ringen wertien. Und *las Bewußtsein unserer Kraft sagt uns; wo wir kämpfen, werden wir mich siegen, h EdIlOEipllzkflCSte Lösung 'der Jiienfrage Es gibt in Berlin einen ״Bund der Konfession«- lo-.cn״. Dieser hat ein Organ, die Vierzehntagschrift ״leer Weg". Dessen erstes Novemberheft bringt einen Artikel ״Zur Lösung der Judenfrage״, wo»!« die besten Sätze aus der Broschüre des ״antizionistischen Komitees“ abgedruckt werden. Dann wird i׳c:..a;׳;t: , ״Wir können diesen Ausführungen durchaus beitreten. In der Tat halten auch wir die Gefahr für ('(״׳eben, die infolge der zionistischen J ‘\J 11111 a r 1) e i t von seiten des A 111 i s e m i t i s m u I wieder aufs neue droht und hClilielllidi auch bessef I tlc1!!;c111l1' Kreise gegen die Juden ein nehmen könnte. Hier /eigen sieh die Folgen nationalistischer Agi» t,rönnen, wie sie heut das l.ehen der Völker überhaupt hdi Hligen, der krankhaft übertreibenden Richtung im iH-denkliclisteii Lichte. Die grolle Mehrzahl der Juden, die sieh als Deutsche fühle» und Deutsche bleiben wollen, hat vollkommen recht, gegen diese Erscheinung Front zu machen. Sollten die Juden wirklich am modernen StaaUlebcn der Völker, denen sie nuiüiu'lir als Vollbürgtr angeboren, keinen Anteil haben, sollte die Einbürgerung nur eine scheinbare und äußerliche gewesen, sollte die Jahrtausend lange Aihcit, das Streiten na eh Emanzipation und Gleichberechtigung vergeblich und umsonst gewesen sein? Nein, und tausendmal nein, möge auch noch vieles zu wünschen übrig bleiben. Hier heißt cs Geduld üben, den realen Verhältnissen, wie sie historisch und rein menschlich wohlztt begreifen sind, mit kühler Vernunft und gerechtem Erwägen gegenül>er stehen und Schulter an Schulter mit dem frei, human und gerecht denkenden Teil de• deutschen Volkes den Kampf um die volle, innere Gleichberechtigung, wie überhaupt um die bürgerliche Freiheit und Gleichheit weiter zu führen, daneben alles zu tun, was für die volle und wirki i cli c Anpassung n oc 11 nötig sein sollte. Gewifi ist cs zu verstehen, wenn gegen manche U11- »ercchtigkciten, gegen gesellschaftliche Unbill und ieiiachtciliguiig, gegen unhumauc Gesinnung eine* Teils des Volkes der beleidigte Sinn und die gekränkte Ehre au (begehren. Das möge zu den eiltsprechenden tapferen Maßnahmen im Rahmen de* Volksganzca (?) aiisporiien. Aber der Weg des Zionismiis, der für Rußland gewiß der gegebene ist. muß für Deutschland abgeleimt werden, Ls ist nicht zu billigen, eine national-jüdische Propaganda liier zu treiben und die deutschen Juden, die davon nicht• wissen wollen, neuen Schäden und Gefahren auszusetzen. Wer sielt niciit als Deutscher fühlt, wer (utopischen) jüdisch-nationalen Zielen zustrebt, möge außer Landes gehen — nach dem Gelohten Land oder einem Surrogat. Wir leben nicht int österreichischen Volker-Konglomerat und Mischmasch-Staat und haben an der polnischen wie elsaß-lothringischen Frago ganz genug. In Oesterreich möge neben den vielen Natiönchen auch noch eine jüdische «ich auftun, für Deutschland ist das gänzlich unangebracht. Wir können es billigen, wenn z i o 11 i s 1 1 s e 11 e flestre- Illingen, auch liier in Deiifsclilaml, einset/.cn, um f ii r (I i e Verfolgt e 11!11 R u ß I a n «I und anderen h«rl>,■irischen Staaten cute neue Heimstätte schaffen zu helfen. Aber mit einem künstlich geschaffene» (nicht einem durch freiwillige Zuwanderung in ein in Betracht kommendes Land spontan und allmählich entstehenden und schließlich zur eigenen Verwaltung und Selbständigkeit führeiulcn) jüdischen Staat bleibe nun uns vom Leihe, am meisten mit einer ״״,,,.-.«י —I I — — Was er über die Assimilation sagt, ist tausendmal gesigt worden und wird beim tausendunderstennial mein richtig. Er beginnt mit einer, wie Simon sagt, a!vKhktischcn Grandiosität: ״Alles Sein ist Assunilatton. Ein Sich verändern mit der veränderten Umweit. Der Fisch, der silbergrau wurde, bat sich dem Meer assimiliert, der Sträfling, der im Zuchthaus dick und zufrieden lebt, hat »ein Nervensystem dem Strafhaus angepaßt.״ Das Gegenteil, ״alles Sein ist Differenzierung“, wäre ebenso richtig -- unrichtig. ״Der Fisch im Meere wird silbergrau,״ Offenbares Fischidcal: alle Fische haben silbergrau zu werden. Offenbares Mensclibeits- und Kultur- Ideal: alte Rassen haben sich zu einer einheitliehen Mulatten - Mestizzcn ■ Rasse zu assimilieren. Allerdings, wenn cs um Nichtjudeu geht, ist Großmann mit einem Male ein Art-Erhalter und Rassen- Idealist. Oie Rückwanderungsstatistik der Schweden, die «ach wenigen Jahren der Fremde wieder heimkehren, ist ihm ״eines der herzbewegendsten Kapitef " Es gibt wirklich Sträflinge, die empört sind, wenn inan ihnen statt der dicke«, zufriedenen Assimilation «ine fröhliche, aber etwas anstrengende Freiheit zumutet. Groftinanns Aufsatz, ist die typische Kundgebung des in seiner Sträflingsbeliaglichkdl gcstörten Assimilantcn, Sie wirkt besonders kläglich, da «ic sich an einem Buch entfaltet, das, fern aller Literatur «und!*olemik, einfach die Tatsache eines durch den Zionismus und im Zionismus erneuerten jüdischen Lebens festgestellt. Ojnoßmann schließt mit einem ״Tröste“ für die Juden, der in der Möglichkeit der Mischehe liege, ״Laßt uni, indem wir diese Grabrede auf de« deutsehen Zionismus schließen, an die Wiege jene« neuen Wesens treten, das ein Stück hoher als wir selber wachsen soll l״ Laßt uns unsere Kinder, Herr Grollmann, nicht loben, che wir sie haben! fl »־• ß * r*. *. . .?#1 $ ־ י״j C4»kL *Uj Wl# km C4 interessante Angaben über die neuesten Ausgrabungen in Palästina nie. chtc vor einigen Tagen der bekannte Archäologe Prof. Sellin im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin. Vor einigen Jahren stieß in der Nähe von Nabulusein Araber anläßlich einer Ncuanlngc auf einen überaus reichen Go Hilf und, wie er bisher in Palästina zu den größten Seltenheiten gehört hat. Ein goldenes Szepter und andere Goldsaehcn, wahrscheinlich ägyptischer Hcrkutut, wurde« geiunden, Daß unter der Erde an dieser Stelle eine antike Stadt verborgen war, bewies such eine Mauer, die noch aus dem Schutt hervorragte, die »111־״־ aber bisher für eine Gartenmauer grtialteu und nie! 1t weiter beachtet hatte. Dein Plane, liier Aurgr.tbungen vorzunchmcn, stellten sielt geradezu ungeheure Schwierigkeiten entgegen. Die Bewohner von Nabulus — wo sich bekanntlich and! die letzten Reste der Samaritaner itufiialten —. gehöre» zu den Linatkehrtai Mtmlitnen in Palästina, es wird wohl kr um ein EitmnW wagen, Beispiels* weise in eine Mo •־cD^e der r;!;önca Stellt cinzutretcn. Nun kam 11.־zeit hinzu, d 11 ־ du» in der Nähe der Stelle, an der CU /.«;.;;linügcn staUfimlcti sollten, das von den At.ibcrn hcchf■;: •cUrlc angebliche Grab des ״Propheten Joseph״ bciir.clct, und die beschränkten Einwohner bclürehteten, daß die Europäer nur gekommen seien, um die Gebeine des Propheten zu stehlen. Die gesetzwidrigen Ausgrabungen, die vor zwei Jahren ein Engländer Mr. Parker unter der Omarmoschec in Jerusalem gemacht hatte, trugen das ihrige dazu bei, um die Stimmung der Bevölkerung gegen den europäischen Forscher cinztmchmen. Nach mühsamen, viele Wochen langen ,Verhandlungen gelang es Sellin, der Schwierigkeiten Herr zu werden, und im letzte» Sommer wurde der erste Spatenstich getan. Die hervorstehende ״Gartenmauer“ erwies sich als ein Teil einer alten Stadtmauer, die man bis «1 ihrem Abschluß an ein Tor verfolgte. Eine Ueberraschung bot es, daß unmittelbar daneben parallel mit ihr eine zweite Mauer «!!!gedeckt wurde, gena^ wie das in Jericho zum ersten Male gefunden war. Man kann sich jetzt einen Begriff davon machen, wie uneinnehmbar diese von einem doppelten Mauerring umfaßten kanaanäicchcn Städte den eindringenden israelitischen Nomaden Vorkommen mußten. Außer diesen Mauern wurden bei der bisherigen kurzen Probcgrahung noch reichhaltige Bronze- Funde zutage gefördert, und bereits jetzt ist so viel sicher, daß der Schutthügcl eine nicht unbedeutende kana.mäisch-israclitischc Stadt in siel! birgt. Sellin vermutet hier mit großer Wahrscheinlichkeit die bcrühmte Stadt Sichern, die in der israelitischen Geschichte eine so wichtige Rolle gespielt hat, Hoffen wir, daß der Fortgang der Ausgrabungen den Erwartungen entspricht, die der Verheißung•- volle Anfang hervorgerufen hat Rudolf Leuynsky,

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