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Jüdische Rundschau · 1913-11-14 · Heft 46 (14.11.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4s)4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46 Um die jüdische Volksschule Am 7. Dezember wird der 14. ordentliche Oe• meindetag des Deutsch-Israelitischen Cietneindebumles stattfinden. Wie bereits frühere Tagungen des I). I. O. B., wird er sich mit der Frage der jüdischen Volksschule beschäftigen. Diese Frage, au sich überaus schwierig, wird zu einer fast verzweifelten, da in sie parteimäßige Gesichtspunkte hmeiiigctrageu werden, Gesichtspunkte also, die mit der Losung der Frage selbst nichts zu tun haben. Die Leitung des D. i. G. B. glaubt aus einem miliverslnndencn Liberaiismus heraus sogar jede Erörterung der Gründung jüdischer Schulen von vornherein nhweisen zu müssen. Die jüdischen Lehrer auf der anderen Seite sehen ein, daß man in der rauhen Welt der Wirklichkeit mit noch so schönen Prinzipien nicht viel ausrichtcii kann und erheben aus guten Gründen die Forderung nach der jüdischen Volksschule, oh. gleich gerade sie seit jeher die überzeugtesten Verfcchter des liberalen Gedankens sind. Es stehen sieh also hier nicht etwa Liberalismus und Reaktion, auch nicht einmal Kosmopolitismus (lies: Assimilation) und jüdischer Nationalismus gegenüber, sondern eine Partei, die ihre Handlungsweise auf rein doktrinäre theoretische Grundlagen stellt und eine, die die Forderungen des Lebens und praktisch-pädagogische Lrwägungen in erste Reihe stellt. So fechten die beiden Gegner dauernd aneinander vorbei und die Argumente beider gehen in die Luft, ohne für den Gegner irgendwelche Beweiskraft zu gewinnen. Einfacher macht es sieh der D. I. G. B. Er geht in seiner Kampagne auf die Gründe für oder wider die jüdische Volksschule gar nicht ein. Er hält siel! an das Acufierliche und versucht durch die .Wachtmittel der Organisation und des Appells an das neunmal heilige Parteipriu/ip des unentwegten Liberaiismus die Frage durch rein formale Manöver abzutun, ohne sich erst auf ihre sachliche Erörterung ein/ulassen. * So enthalten die Schriftstücke, die er an seine Getreuen versendet (und von denen wir Kenntnis | haben, da doch auch einige Ungetreue darunter waren), eigentlich gar kein Wort über die jüdische Volksschule. Er fordert zur Gründung von lokalen Komitees auf, zum Zwecke einer ,,intensiven und erfolg reichen Wahlarbeit•* zum Gemeindet,״«־e. Diese' Komitees sollen neue Freunde unter den einflußreichen Kreisen ihres Bezirkes gewinnen, sollen dahin wirken, daß das Mandat für die Vertretung auf dem Gemeindetage nur einem Ge sinn ungsge m »sseu übertragen wird und daß drittens eine intensive ״Auf. klärungsarbeit über die Schulfrage“ in den Gemeinden ihres Bezirkes vorgenoinmen wird. Wie diese Aufklärung-« arbeit über die Schul• frage und wie die intensive Wahl- oder Wühlarbeit aussielit, vermag sicli jeder unschwer vor/ustcllcii Nachdem die Komitees aber ihre Gemeinden soweit bearbeitet halten, daß sie ihnen die Mandate zum Gemeindetage• vertrauensvoll zur Verfügung stellten, ersahen die edlen Freunde des I). 1.(1. B. eine Anzahl zuverlässiger Männer, denen sie diese Mandate anvertrauen wollten, und verlangten von diesen — um Lebens und Sterbens willen •- die Erklärung, daß sic auf dem Boden des bekannten Ausschußbestiilusscs stellen, der die Befürwortung der jüdischen Schulen durch den 1), 1. G. B. ablehnt. Dies ist die Vorarbeit des D. I, ü. B. für den Verbandstag; daß die Lehrer ihm nicht aut diesen Boden folgen konnten und mochten, ist verständlich; ihnen handelt es sich um mehr als um die Durch- Setzung einer blutleeren Parteimaximc. Sie haben als Antwort auf die Angriffe ein Flugblatt versandt, das im knappen Rahmen alle die Grunde zusauimeufaßt, die für die jüdische Volksschule sprechen. Es wird ausgeführt, daß das Volksschul-Gexetz, von 1906 den konfessionellen Charakter der Volks, schule absolut fest ge legt hat. Diese ״Lrrungeiischaft“ findet ihre Stütze bei der einflußreichsten politischen Partei und erhält damit Dauer für viuabsehbare Zeiten. Die viclgerülimte Simultanschule stellt sich als eine solche dar, an der gleichzeitig evangelische und k a t h o I i s c h t: Lehrer angestellt werden. Allerdings kann, wenn solche Schulen auch von jüdischen Kindern besucht werden und die Kosten für die Erteilung von jüdischem Religionsunterricht aufgebracht sind, auch ein j ü d i - scher Lehrer angestellt werden, der nebenher mit solchem Unterricht betraut werden darf, ״dessen Lrteilung an christliche Kinder kein Bedenke» 11ervorruft“. Dieser Satz wird in der Praxis so verwirklicht, daß jüdische Lehrer kein Klassen-Ordinariat erhalten und cs ihnen verwehrt ist, sogenannten ״Gesinnungsuntcrricht“ zu erteilen, d. h. im Deutschen und in der Geschichte zu unterrichten. Der jüdisch.׳ Lehrer ist also ein Lehrer zweiten Ranges auch an den hochgelobtcn Simultanscltulen, Aber es ist nicht allein die Stellung der Lehrer, welche unter den gegenwärtigen Verhältnissen durchaus nicht befriedigen kann, sondern auch das Interesse des jüdischen Schülers und der jüdischen Gemeinschaft ist schlecht gewahrt. Nicht einmal der jüdische Religionsunterricht kann so erteilt werden, wie es nötig wäre: cs ist z. B. trotz allen Bemühungen noch fast nirgends gelungen, die Uebcrsetzung der Gebete mul des Fünfbuches in den behördlich geuelimigten Lehrplan aufztmehiiteii. Niemand wird aber die Erteilung des Religionsunterrichtes an eigenen jüdischen Religionsschulen für eine wünschenswerte Lösung halten. Lin solcher Unterricht, der den Kindern als ״Ucberstumlcii“ zur Last fällt und der den Lehrer an jeder Verknüpfung mit dem Gesamtunterricht utitl der Gesauiter/ieiumg hindert, kann überhaupt nicht als vollgültiger Unterricht angescheu werden. Demgegenüber bietet die jüdische Volksschule sehr große Vorteile, Vorteile materieller mul Vorteile ideeller Natur. Die Lasten der Gemeinden werden verringert, Staat und Kommune müssen zur Erhaltung der Schulen beitragen; der Etat der öffentlichen Schule stellt sich für die Gemeinde güttstiger als der der Religiousschulc, obgleich die Lehrer sehr viel besser besoldet werden. Den Ausschlag aber sollte die Erwägung geben, daß nur in der jüdischen Schule eine Beziehung des Unterrichtes auf das Leben, Stärkung des Selbstgefühls, Aus. rüstung mit Wissen zum Zweck der Verteidigung des Judentums möglich ist, daß die jüdische Sehule in erster Linie geeignet ist, Charaktere zu bilden, die alle Angriffe auf das Vätcrerbe und auf die eigene Persönlichkeit nhwehren und allen Vcrsuclnmgen zum Abfall und zur Untreue Widerstand entgegensetzen können. Wir haben unsere Stellung in der Streitfrage bereits ausführlich erörtert und wir brauchen nicht zu wiederholen, daß wir die Forderungen der Lehrer billigen und vertreten, daß wir von unserem Standpunkte aus die jüdische Volksschule als ein wichtiges Postulat für die jüdische Erziehungsarbeit in Deutsch- )and anseben. Wir freuen uns, daß die Lehrer so kräftige und mannhafte Worin finden, um ihren erhitlerteu Gegnern entgegenziitreten. Wir wissen nicht, ob ihr Kampf jetzt schon Aussielit auf Erfolg hat, aber wir wissen, Numi niemand vielleicht weiß es so gut wie wir, daß mau auch einen zunächst atissichtslosen Kampf, wenn man mir seinen Gegenstand als notwendig erkennt, unternehmen muß; der Erfolg ist schließlich doch auf der Seite, auf der Vermuht und Recht ist. H. H. Nachschrift, Wie wir erfahren, hat am vergangenen Montag, im Anschluß an den Judentag in Hamburg, eine Besprechung von Anssclnißmitgiiedern des 1). I. G. B.'mit leitenden Personen des Lehrerverbandes stattgefunden, die eine friedliche Vereinbarung herbcifülirte. Man kam überein, von der Erörterung der Seluilfrage auf dem Gemeindetage ah- /»sehen, imheschadet der späteren Stellung- II, ■rinne der beiden Organisationen. Herr Steinhardt, der Führer der Lehrer, ihr erster Rufer im Streit, hat versprochen, jegliche Angriffe auf den D, L G, B, cin/ustcllcn, wogegen der 1), I. Ci. B. versprach, das Komitee seiner .Freunde zur Eiustel- Hing seiner Agitation veranlassen z.u wollen. Dies ist bloß das Ende einer Etappe; freilich ein klägliches Ende, Persönliches Am 18. November feiern Herr Rabbiner B. M. Auerbach und Frau in Oher-Sit/.ko das Fest ihrer goldenen Hochzeit in verhältnismäßig jugendliebem Alter: Herr Rabbiner Auerbach ist noch nicht 7(1, seine Frau noch nicht (17 Jahre alt. Dieses Fest wird in zionistischen Kreisen lebhafte und freudige Teilnahme finden. Die Namen der Söhne des Jubelpaares, Dr. Israel Auerbach in Konstantinopel und Dr. Elias Auerbach in Haifa, sowie der des Schwiegersoluis, Dr. Heinrich Loewc in Berlin, sind ja allen wohl bekannt. — Auch wir entbieten dem würdigen Paare unsere herzlichsten Glückwünsche, Unser treuer und stets bewährter Gcsinnungsgenösse, Herr Siegfried Heilborn, erster Vor- Steher der jüdischen Gemeinde zu Cosel, feiert am P). November seinen siebzigsten Geburtstag. Seine fromme Wohltätigkeit, sein lebhaftes Interesse für alles Jüdische und seine gutzionistische Gesinnung sichern ihm die herzlichen Glückwünsche aller jüdisch Empfindenden. Möge er noch viele Jahre gegen!- reichen Wirken« erleben י Fräulein Dr. Rattel Hirsch, selbständige Leiterin der gesamten Poliklinik der 11. medizinischen Klinik in Berlin, hat den Professortitel erhalten. Diese Auszeichnung wurde schon vorher der Gräfin Linden in Bonn und Frau Dr. Lydia Rabinowitsch-Kempner zuteil. *. % * Ausweis Schekel! Erlangen 1,—, Fraustadt 1,— M. Landesorganisationsbeiträge! L Ortsgruppen: Erlangen 3,—, Leipzig (Einzelheitrag) I, , l estenberg i, ~, Werben i. Sprcew. 3,~ Berliner Zionistische Vereinigung 3,-■ M. 2. Einzelpersonen׳, i Ke Kornmattn-Gumper/,, 1 iildcsheim 5,—, Dr. ■Emil Levy, Berlin 5,—, Zahnarzt Louis Hausmann, Straßburg i, E. 5,-—, Dr. Henryk Colin, Berlin 5,—, Conrad Kaiser, Berlin 5,־ , Leo Barth, Berlin 5 —, Professor Dr. Opet, Kiel 20,—. Rechtsanwalt lir. Westfeld, Essen 5,—, Lucien Drevfus, Straßburg i. E. 5,—, Dr, Kalmus, Hamburg 10,-— M. Eingang vom 6, bis 12. November 1913: Sehek c 1: 2,- M. L a n d e s o r g a 11 i s a t i 0 11 s b c i - t r ii g e: 86, — M. Gesamteingang: Schekel: 8006,— M. Lane s o r g a n i s a t i o n s b e i t r ä g e: 13 251,37 M. JUGEND-BEWEGUNG In einigen Wochen erscheint im Jüdischen Verlag ein Jüdisches Wandcrliedcrbuch des Jüdischen Wandcrhundes Blau-Wciß. Dies Buch, das neben sorgfältig ausgew ähltetr deutschen Volks- und Wanderliedern «ine größere Anzahl jüdischer Volkslieder bringt, will kein Kommersbuch, sondern im Sinne des ״Zupfgeigenhansl“ ein Wanderbuch für jüdische Vereine sein. Wir machen schon jetzt auf das Büchlein, das zu ganz billigem Preise in guter Ausstattung erscheinen wird, aufmerksam. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Es werden uns folgende gute Niederlassung*, möghehkeiten bekannt gegeben: , L Spezialarz.1 iiir Hals-, Nasen- und Ohrenkrank• beiten in einer größeren Stadl Nordwest-Deutschlands 2. Frauenarzt, der gleichzeitig Operateur sein muß, in einer größeren Stadt Pommerns. 3. Praktischer Arzt in Ballenstedt atn Harz. I. Rechtsanwalt wird als So/r,, in einer!Mittelstadt Oherschlesiens aufgeiiommcu. 5 (iroßbrauerei in Vorort Berlins sucht Assessor mit Aiifaiigsrnoiiatsgehalt von 300 M, Nähere Auskünfte erteilt in allen Fällen die Zionistische Vereinigung für Deutschlarnl, Sächsische Str. 8. Agitationsreisen des Parteisekretärs Glogau. Am Mittwoch, dem 21. Oktober, sprach hier I lerr Parteisekretär Kurt R o s e n h a u m über den ״XL Kongreß“. Herr Rechtsanwalt Dr. Schrcuer, der die gutbesuclitc Versa nun hing leitete, wies in seinen Begrüßungsworte״ auf den Ritualnrordpro/cß in Kiew hin und betonte die Notwendigkeit der Starkling des jüdischen SelbstbewtißKeins. Der Rcfereilt des Abends knüpfte daran an und zeigte, wie der Zionismus dein indischen Volke in den! Kongrell die einzig wirkliche Vertretung des jüdischen Volkes geschaffen habe. Er führte weiter aus, wie der Zionismus sieh durch seine Leistungen hei der Türkei immer mehr' Anerkennung und Achtung erworben habe. Reicher Beifall lohnte dem Redner seine vortrefflichen Darlegungen. In der angeregt verlaufenen Diskussion gelang es Herrn Rosenbauin noch manches Bedenke״ zu zerstreuen, Wir danken Herrn Rosenbamn nochmals an dieser Stelle und hoffen, ihn recht bald wieder in unserer Mitte be- ,grüßen zu können. Auf den Namen des Redners wurde ein Oeibnuin gestiftet. Grünberg 1, Schl. Heber den XL Zionistenkongteß sprach Herr Parteisekretär R o s e n b a U in in einer gut besuchten Versammlung. An den mit vielem Beifall anfgenomnieiieii Vortrag schloß sieh eine lebhafte Debatte. Die Versammlung stiftete auf den Namen des Redners zwei ()eibäume. Der Zionismus hat hier festen Fuß gefaßt. * Der Zionistische G r u p p e n v e r b an d Bayerns hat anläßlich der Thronbesteigung König Ludwigs III, an diesen eine Hukligtmg'sdepeschc ge* richtet. Der Vorsitzende des Gruppen verbarides, Jakob Frankel, erhielt hierauf folgende Antwort* depeschcr ״Besten Dank für den Huldigungsgruß zu meiner Thronbesteigung. Lvdwig.“ Am 9. d. M. fand in Prag der Distriktatag der böhmischen Zionisten statt, der in der Geschichte des Zionismus in Böhmen einen Wendepunkt bedeutet. Der Distriktstag hat in einmütiger und nachdrucksvoller Weise seinen Willen zu einer radikal-nationalen Erziehung kundgegeben, an dessen Ernst nicht zu zweifeln ist. Der nationale Schwung der Beratungen wurde noch befeuert durch die An- Wesenheit des Mitgliedes des E.A.C., Herrn Dr. Schrnarja 1 e v i n. Etas wichtigste Moment der Ver- Handlungen war die Kulturdebatte, die!ich

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