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Jüdische Rundschau · 1913-11-07 · Heft 45 (7.11.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 484 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 45 Bohrungen hei der Bahnstation El Muk ä rin der Hcdschasbahn (125 km von Haifa) vor. Nach Ansicht der Bohrmeister dürfte Erdöl erst in 350-000 m Tiefe erreicht werden. Die Syrian Exploration Co. hat /»nächst 20 000 C für die Bohrverstiche bereitgestellt, ist aber entschlossen, das Kapital hei güustigen Ergebnissen nach Bedarf /u erhöhen. Auch am Westufer des Toten Meeres sind von dem deutschen lieologen I>r. M. Blankenhorn Erdölquellen utid bituminöse Lagerungen entdeckt worden. Dieses Vorkommen dürfte in der midisten Zeit ebenfalls durch Hohrversuche geprüft werde«. Neben der genannten englischen Gesellschaft ist neuerdings eine amerikanische Gesellschaft ins Leben gerufen worden, die gleichfalls in Syrien ltnhrungen nach Erdöl unternehmen will. Auch in der Nähe von Beirut hat man vor kurzem eine Retroleummine entdeckt, für deren Ausbeutung sich der ägyptische Prinz. Jussuf Pascha Kamel interessiert, der in dieser Angelegenheit Verhandlungen mit dem türkischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten angeknüpft hat, * in diesen Tagen wenn alles gut geht ־- hekommen die Einwohner mehrerer palästinensischer Städte zum ersten Male Gelegenheit,* eine Eiligmaschinc zu sehen und noch dazu auf einem Teil der längsten Luftreise, die bisher im Aeroplan unternommen wurde. Der Flieger I) au cmirt hat es unternommen, mit einem Herrn Henri Roux als Passagier, von Paris nach Kairo zu fliegen. Er verfolgt ciabei eine Landroute, die einen grollen Teil der tiirkischcn Küstengebiete berührt. Die Reise geht wie folgt: Paris, Schaffhausen, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest, Varna, Konstantinopel, Eski Schelm, Konia, Eregli, Adana, Alcxandrettc, Aleppo, Horns, Beirut, Jaffa, Jerusalem, G a za, E1 * A r i s c h, Port-Said, Heliopolis, Kairo und Alexandrien. Die französische Regierung zeigt grobes luteresse an der Sache, und auf der Strecke Beirut-- Port-Said soll sogar ein französischer Kreuzer den Flieger begleiten. Zweifellos ist die Veranstaltung sehr dazu angetan, das französische Prestige z.u steigern, besonders auch, weil die Reise ja Punkte berührt, wo die Franzosen soeben erst bedeutende wirtschaftliche Erfolge cingcheimst haben. Deutschland Die Allgemeine jüdische K o 1 o n i s a - t i o n s - O rganisation hielt am 28. Oktober und den folgenden Tagen Versammlungen in Gassei, Gießen, Mannheim und Heidelberg ab, in denen Dr. Alfred Nossig über die Ziele mul Bestrebungen der A. J. K. O. referierte. Es wurden Lnkal-Kqmitees eingesetzt, die für die materielle Förderung des Kolonisationswerkes arbeiten sollen. * Die kgl. Akademie der bildenden Künste hat soeben den 1. Michael-Beer-Preis (R o m preis) dein Bildhauer Arnold Z ad i k ovv verliehen. lK־r Künstler, ein Sohn des Kantors in Treptow bei Kolberg, ist 2() Jahre alt, war als Maurer, Bauteclmiker und Baugewerbier tätig und kam vor fünf J,ihren nach Berlin, um sich an der Flochscliule für bildende Künstler zum Bildhauer aitszubüdeii. Dann ging er nach München und wurde dort Schüler von Professor Wadere. 1111 letzten Jahre ist Zadikow mit mehreren Arbeiten auf der Münchener Sezession und auf der Münchener Internationalen Ausstellung hervorgetreten und hat durch seine Plastiken und Plaketten bereits die Aufmerksamkeit der Oeffcntlichkcit auf sich gelenkt. Besonders hervorgeliobeii zu wcrtlen verdienen zwei grolle Momunentalfigureii, ein Halbakt und eine Judith, die in München ausgestellt waren. In dem Wettbewerb, in dem Zadikow den Preis erwarb, war ein Kinderfries als Aufgabe gestellt. England Jm Verlage von Smith, Eider and Co, in London ist soeben unter dem Titel ״Common Sense in Forcign Policy“ ein aufsehenerregendes Buch von dem bekannten englischen So/ialrcformer und Völkerrechtliehen Schriftsteller Sir Harry J o 11 n s to 11 erschienen. Der Verfasser kommt im Verlaufe seiner Atisfühnmgen auch auf die zukünftige O e s t a 11 u 11 g der politischen Verhältnisse in Syrien und Palast in a zu sprechen. Sir Harry Johnston ist der Ansicht, daß die vernünftigste Lösung des ״syrisehen Problems“ ein wirtschaftliches Pro t c ktorat Frankreichs über Nordsyrien wäre, das sich über Damaskus, die Libanonprevinz, Palmyra usw, erstrecken würde, während im Süden, in Judäa und Midian, im Sinne der zionistischen Bewegung ein jüdisches Gemeinwesen geschaffen werden sollte. Die hochbegabte jüdische Rasse würde sicherlich aus Palästina ein ״Belgien des Ostens“ machen, und — führt Harry Johnston weiter aus — keine europäische Macht ist an der Bildung eines solchen ״morgenländischen Belgiens“ mehr interessiert, als Großbritannien. Russland Im Zusammenhang mit dem Beilis-Prozcfl wird in Kiew von ״patriotischer‘* Seite daran gearbeitet, einen Pogrom in grobem Umfange zu veranstalten. Nachdem die ehrenwerte״ Männer vom ,,Verbände des russischen Volkes“ und vom ״doppelköpfigen Adler“ samt den anderen organisierten Hooligans den Boden durch schriftliche und mündliche Agitation hinreichend vorbereitet habe«, erachten sie jetzt den Zeitpunkt für gekommen, an das eigentliche Werk zu geben. Dieser Tage wurde der Polizei in Kiew gemeldet, daß im Stadtteil I'odol eine geheime Ver- Sammlung von ״Verhändlem“ und l laushesitzern stattgeftimlen hat, in der über die Veranstaltung eines Pogroms beraten wurde. Es fehlte natürlich nicht an Reden über die von Juden ״zu Tode gemarterten jüuglinge“. Die allgemeine Stimmung war eine ,,gehobene". Uuerwarteterweise sprach sich aber am Schlüsse ein Redner gegen den Pogrom aus, da die Pogrome nur den ״Barfüßern“ und zugewanilerten Arbeitern zugute kamen, während die I lausbesitzer, denen häufig bloß demolierte Wohnungen und ruinierte Mieter blieben, ganz leer aus* gingen. Dieser triftige (irund blieb nicht ohne Wirkung, und die Versammlung ging auseinander, oluie einen positiven Beschluß gefaßt zu haben. Die I leiden vom ״doppelköpfigei! Adler“ lassen es sich iiiiiuerhiu nicht nehmen, in den von Juden bewohnten Stadtvierteln ab und zu kleine Stralknkrawalle ins Werk zu setzen und jüdische Passanten zu verprügeln; sie müssen sich aher mit dieser ״Kleinarbeit“ zufrieden geben, ohne ihre ״großzügigen“ Pläne einstweilen verwirklichen zu können. JUGEND-BEWEGUNG Am Montag, dem 17. November, 0 Uhr abends, findet im Logciihause, Kleiststr. 10, ein Elternabend des jüdischen Wanderbundes Bl au-Weiß statt, an den! zu der antisemitischen Strömung im Wand er- \ o g e 1 Stellung genommen wird. Felix Rosenblüth hat in seinem Artikel ״Demaskierung im Wandervogel“ das Verhalten unserer unbeirrbaren Assimilanten richtig vorhergesagt. Schon findet sich ein jüdisches Blatt, das die Ankündigung dieses Elternabends mit folgenden Worten begleitet: ״Solange die B u n d e s I e i 11111 g des Wandervogel sich nicht zu den Grundsätzen der einzelnen mtliscmitischcn Radaubrüder, für deren Treiben man sie nicht ohne weiteres verantwortlich machen kann, bekennt oder sie d 11 r c 11 Untätigkeit gev ä I1 r e n I n II t, was erst noch a b zmvart e n bleibt, wird man den prinzipiellen Austritt aller Juden :ms allen Wandervogel-Gruppen, auch aus solchen, in denen sie keinen Belästigungen ausgesetzt sind und als gleichwertige Mitglieder behandelt werden, nicht propagieren dürfen. Vielmehr wird cs Aufgabe der jüdischen Wandervögel sein, die Bimdesleitung zunächst zu eine r klaren Stellungnahme zu den antisemitischen Einzelgruppcn zu nötigen und erst davon ihre endgültige Stellungnahme abhängig . zu mnelien." Da die antisemitische Nummer der Führerzeitung wohl von allen Wandervögeln als die Aetißcnmg der überwältigenden Mehrheit der Führerschaft betrachtet wird, da die Bundeslcitung der Verbreitung dieses Heftes und seiner Neuauflage als Flugschrift zugesellen hat, ohne einen Finger zu rühren, muß man schon sehr verblendet sein, um die Parole auszugebeii: ״Man muß abwarten!“ Erfreulicherweise wächst indessen das Interesse an dem jüdischen Wanderbund Blau-Weiß in allen Kreisen, und wie wir hören, ist die Gründung einer ganzen Anzahl neuer Wandergruppen eingeleitet. TURNEN und SPORT Der Jüdische Frauenbund für Turnen ti n d Sp o rt eröffnet am Dienstag, den 11. November, seihe 3. Turnabteihmg für Damen in der Halle der DorotheensHiiilc, NW., Willtelmshavencr Str. (Ecke der Turmstr.). Anmeldungen nimmt die Schriftfülireriii der Abteilung, F'rl. Alice Schragenlieiin, Flensburger Str, V, entgegen. Berlin. Am 18. Oktober fand in der neuen Wohnung des Jüdischen Frauenbünde» für Turnen und Sport — Bülowstralk 19 — seine ordentliche Hauptversammlung statt. Es wurde berichtet, daß das Sommcrscmcstcr ein erfolgreiches war. Die Mitglieder/,•1111, die sonst im Sommer abziinehmeu pflegt, hat sich während de» ganzen S0111uicrs aut der Höhe gehalten; am Schluß des Semesters setzte eine merkliche Steigerung ein. Die Mitgliederzahl betrug am 1. April 177, am 30. Septernher 181. Die Turnfrequenz war eine normal gute (außer in den Ferienmonaten »/נ des Mitgliederbestände»). Als besonderes turnerisches Ereignis ist das Turnfest in Wien zu nennen, das vom Ifftus mit 22 Damen beschickt wurde, AUS DEN GEMEINDEN An der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden in Hamburg werden nach den bishcrigcii Meldungen in dir als 100 Delegierte aus allen Teilen des Reichs teilnehmen. Nicht nur die Deutsch-Israelitische Gemeinde zu Hamburg nimmt die Hauptversammlung zum Anlall besonderer Veranstaitiingeii, sondern .1 fielt andere Organisationen. So veranstaltet bereits am I reüag, den 7. November, abends 8'r> Uhr, die Gabriel Rie Iler- Vere i n i g 11 11 g zur Forderung der Wissenschaft des Judentums im Curio-Ilaus, Rothenhamncliaussee 9/13, einen Vortragsabend. Herr Rabbiner Dr. Leimd ö r f e r spricht über ״Die Erziehung zur Einheit“. Am Sonnabend, mittags 1 Uhr, wird in der Gesellschaft für jüdische Volkskünde zu Hamburg im llörsaal des Siaatsmuscums für Völkerkunde, Rotheubaumchaiissee, Ecke Binder- Straße, ein Vortrag über a 11 j ü d i s c 11 e M ü n - a׳t1 und Medaillen gehalten, au «len sich eine Besichtigung der Sammlungen anschlicllcn wird. — F e s t g ot t c s ü i e n s t e finden sowohl am Freitag Abend wie am Sonnabend statt. Die Deutsch- Israelitische Gemeinde zu Hamburg selber hat außer dem üblichen Festmahl der Delegierten, das Sonntag abend im Hamburger Hof stattfindet, die I lauptvcrsuiiimluitgstcilntlniier und die mit ihnen in Hamburg erscheinenden Damen sowie eine große Anzahl von Flamburger Persönlichkeiten auf Sonnabend Abend zu einer F e s t v o r s t e 11 u n g im I) e u t s c h c 11 S c h a u s p i e 111 a u s eingeladen. U. a. kommt Grillparzers ״Esther“ zur Aufführung. - Ihr an den! Festmahl der Delegierten Damen - außer den stimmberechtigten Teilnehmerinnen an der Hauptversammlung, wie z. B. die Vertreterinnen des jüdischen Frauenbundes nicht teilnehmen, sind die Damen, welelie in Begleitung von Delegierten aus anderen Orten nach Hamburg kommen, zu einem besonderen Souper im Jüdischen Logenbeim eingcladen worden. Zu der Hauptversammlung gelangt als Festschritt ein Sammclbuch ״Soziale Ethik im J 11 d e n t u m“ zur Ausgabe, das der Verband der deutschen Juden bei J. Kauffmann in Frankfurt a. M. verlegt. Es enthält Arbeiten von Dr. Leo Bacck, Dr. Simon Bernfeld. Justizrat Bernhard Breslauer, Dr. Juda Bergmann, l)r. Max Eschclbacher, Dr. Moriz Güdcniaiui, Dr. Philip[! Bloch, l)r, N. A, Nobel, Dr. Hermann Cohen. Der Umfang wird etwa 8 Bogen, der Ladenpreis 1,5(1 M. betragen. Betlin- Die Be/irksgrtippe Schönhauser Vorstadt des Neuen Jüdischen (i e rn e i 11 d e v e r e i n s veranstaltete am 27. Oktober ihren ersten Vortragsabend. Herr Rechtsanwalt Dr. Loch sprach über ״I) i e Rechte der- Juden Pr e 11 ß c n s" und berührte auch manche andere Probleim־ im modernen Judentum, z. B. die Notwendigkeit einer jüdische n Volksschule. Der Vorstand der Be/irksgrunpe teilt mit, daß die Wintenirbeit in den nächsten War neu beginnen wird. Neben wissenschaftlichen Abenden werden gesellige Veranstaltungen stattfinden. Im Vordergründe des Interesses werden Diskussionen und Vortragsabende über jüdische Gemeinde- Politik stehen. Leipzig. Die Errichtung der Leipziger Israc 111 i s c h c n Höheren Schule bedeutete ein kühnes Wagnis, dessen t iclingcn nur der erstaunlichen Tatkraft des Direktors Rabbiner Dr. E. Carleba ch 11ml seiner Getreuen, wie dem überraschenden Verständnis der jüdischen Eltern zu danken ist. Idealismus und das Wohlwollen der Behörden allein genügen aber noch nicht zur Erhaltung eines derart großzügigen Instituts, vielmehr sind, um die Anstalt dauernd finanziell sicher zu stellen, große Geldmittel erforderlich. Ihn solche regelmäßig zu bcschaffen, hat sich jetzt 111 Leipzig eine ״Gesellscliaft z 11 r F ö r d e r u n g der Höheren I s * racliti sehen Schul e“ konstituiert, deren Geschäftsführiuig zunächst ein provisorisches Komitee in die Hand genommen hat. Da die Konsolidierung der finanziellen Verhältnisse der Schule im Interesse der Juden ganz Deutschlands liegt, wird bestimmt auf die Mittätigkeit aller jüdischen Kreise zu rechnen sein. Anmeldungen mit beliebigem Jahresbeitrag nimmt Max Rosen fehler, Leipzig, Brülil 7—9, entgegen. Das Hamburger Frenidenblatt berichtete am 21. Oktober: ״Im Israelitischen Tempel (Pooktr) wurde der Festgottesdienst zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht eingelötet durch die vom Tcutpelehor vorgetragene Hymne ״Die Mintnie! rühmen de» Ewige» Ehre". Herr Prediger Dr. Leimdörfer betonte in seiner Festrede, *laß es nicht darauf ankamineu könne, die blutigen Schlachten, die so zahlreiche Opfer an Menschenleben gefordert, zu verherrlichen, sondern vor allen Dingen die Erfolge der Völkerschlacht, die den Völkern die endgültige Befreiung von der Fremdherrschaft gebracht habe Der gemeinsame Gesang des Liedes ״Deutschland, Deutschland über alles“ bildete den Schluß des Festgottesdienates,"

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