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Jüdische Rundschau · 1913-10-31 · Heft 44 (31.10.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 JUEPI'SCHE RUNDSCHAU Seile‘ 471 Die Ausländerfrage an den bayerischen Universitäten Amtlich wird mitgcteilt: ״Nunmehr sind die nach <lcn neuen Univcrsitäts- Satzungen zu erwartenden Vorschriften über die Zu• lassung von Ausländern an bayerischen Universitäten Vom k. Staatsministcriuin des Innern für Kirchen• und Schulangrlcgcnhcitcn erlassen worden. Sie hedeuten in manchen Punkten eine w e s c n 11 i c 11 e Milderung gegenüber den bisher gelt c 11 d e n ,B e s t i in in u n g e n. Eine Höchstzahl für die Zulassung von Ausländern ist nur noch bei der! medizinischen Fakultäten vorgesehen, und zwar gleichmäßig für alle ausländischen Staaten. Es bc* trägt nämlich die zulässige Höchstzahl von Studieren• den aus einem ausländischen Staate für die me• dizinisclic Fakultät München 150, für die medizinischcn Fakultäten Würzhurg und Erlangen je 40. Das Kultusministerium hat sielt außerdem bc• sondere Maßnahmen für den Fall Vorbehalten, da!3 die Gesamtzahl der ausländischen Studierenden in der medizinischen Fakultät der Universität München über 400, in den medizinischen Fakultäten der Universitüten ,Würzburg und Erlangen über St) steigen sollte. Soweit gegenwärtig die für Studierende aus einem ausländischen Staat festgesetzte Höchstzahl überschritten wird, was zur Zeit nur bei der medizinischcn Fakultät der Universität München und auch hier nur bezüglich der russischen Staatsangehörigen der Fall ist, hat es tlabei sein Bewenden, Doch dürfen Neuaufnahmen von Russen erst dann wieder stattfinden, wenn durch Abgang die Zahl der in der medizinischen Fakultät der Universität München studierenden Russen unter 15t) herabgesunken ist. Die durch Ministe rialcntsc 11 ließung vom tl, April 1011 neu ein geführte Bestimmung, daß russische Staatsang eh orige,dicaneinerbaye rischen Universitätimmatrikuliert werden wollen, schon vorher auf einer russischen Hochschule studiert haben m üssen, ist außer Kraft getreten. Es können demgemäß russische Medizinstudierende wie alle anderen ausländischen Studierenden ihr Fachstudium an einer bayerischen Universität beginnen. Im Interesse der einheimischen Studierenden wurde für die Studierenden aus denjenigen Ländern, deren Angehörige im jeweils letzten Semester die Höchstzahl erreicht haben, eine spätere Frist für Einschreibung auf die Vorlesungen und Uebungen in der medizinischen Fakultät und für das Belegen der Plätze vorgesehen (5. bezw. 10. November im Wintersemester und und 5. bezw. 10. Mai im Sommer- Semester). Die medizinischen Fakultäten wurden ermächtigt, im Bedarfsfälle diese Fristen auch für Angehörige anderer ausländischer Staaten fcstzusetzen. Die über das Auskultieren und Praktizieren in «len Kliniken und Polikliniken, daun über die Zulassung zu den medizinischen Doktorprüfungen erlassenen Bestimmungen bezwecken lediglich, die Ausländer nidit günstiger zu stellen als die Inlinder. Eine Zurücksetzung der Ausländer gegenüber den Inländern enthalten sic nicht. Die betreffende Ministerialentschließung siebt endlich die Erhebung einer ScmcstergcbüJir von 50 Mark für ausländische Studierende vor. Diese Semestcrgcbühr ermäßigt sich für Angehörige von Oesterreich-Ungarn, der Schweiz und von Luxembürg auf 30 Mark. Die vorstehenden Bestimmungen, die gerade für die jüdischen Studenten aus Rußland eine sehr bedeutsame Milderung enthalten, indem die Voraussetzun g eines vorgängigenStudiums in Rußland in Wegfall gekommen ist, stellen das Resultat der Bemühungen dar, die im Frühjahr 1013 einsetzten, um den Bestrebungen, welche sich gegen die jüdischen Studenten aus Ru8land richteten, entgegenzutreten, Die zionistische Ortsgruppe München hat damals durch einen Vertreter die verschiedenen jüdischen Studentenkorporationen an der Universität München, trotz der sonst bestehenden Unstimmigkeiten, zur Abgabe einer ge-!*einsamen Eingabe an das königliche Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelcgcnheiten veranlaßt. Dieses einige Vorgehen der beteiligten jüdischen Kreise der Studentenschaft und das persönliche Eintreten einflußreicher Persönlichkeiten, das wiederum auf zionistische Initiative mit zurückzuführen ist, scheint von Erfolgen gekrönt gewesen zu sein. Mit dieser Konstatierung wird man aber auch dem königlichen Staatsministerium den Dank zollen müssen, der ihm für die objektive und entgegenkommende Lösang dir gewiß schwierigen Frage gebührt. '.׳ ' *־ .־ <׳•! f\ . ׳ ' ־־ ׳־,,y tä V■/ l < » , *. i, .״«) * ״ *U «s sis«** « , «י ..V fe׳ «״ •*" Kongreß Wir haben jetzt zum ersten Male erreicht, - daß die gesamte öffentliche Meinung — zögernd oder entschlossen, in dieser oder jener Verbrämung — die Bedeutung der zionistischer! Bewegung anerkannt hat. — Von ganz besonderem Interesse ist für uns die Haltung der türkische» Presse. Wir können mit Genugtuung feslsleUtn, <luß diese in ihrer Gesaintheit über den Kongreß in objektiver Weise berichtet hat. Eine Au•,nähme macht allein der ״Ikdam“, der am 24 September einen längeren Artikel׳über die Schädlichkeit des Zionismus brachte. Dieser Fall blieb aber ganz vereinzelt; und am 1. Oktober brachte der ״jeutie T u r c“ einen Leitartikcl, der die Haltung des ״Ikdarq“ in׳ der Nationalitütemragc eingehend erörtert und dabei auch die Angriffe des genannten Blattes gcgeti den Zionismus widerlegt. Daraus, daß die vom ,Jcutie Turc“ charaktertsierte Politik des ״Ikdam“ auch im Widerspruch zu der Politik des ,,Komitees‘1 steht und, nach anderweitigen Meldungen, das ״Komitee“ in seiner Stetlung jetzt, nach den jüngsten Erfolgen, in seinem entscheidenden Einfluß ziemlich sicher ist, dürfen wir unserer Aufklärungsarbeit in der Türkei gute Erfolge Vorhersagen. IRIS ALLER WELT Paläsfina Trotz der regen Bautätigkeit in und um Tel- Awiw herrscht jetzt wieder W ohnungsmangel in J a f f a. Alle Wohnungen in dem neuen jüdischen Stadtviertel ,,Chcwrah Cliadaschah“, auch solche, die sich noch in! Bau befinden, sind bereits vermietet. Es macht einen geradezu beängstigenden Eindruck, wenn man zusieht, wie zahlreiche Familien tagelang aut der Suche nach einer geeigneten Wohnung sind. Meist sind cs jüdische Familien, die in den letzten Wochen nach Palästina kamen. Die letzten Schiffe brachten nämlich wieder viele jüdische Einwanderer, größtenteils junge, auch kapitalkräftige Elemente. Aber auch die jüdische Bevölkerung der alten Stadtviertel strömt nach Tel-Awiw, Nachlatli-ßenjamin und Chcwrah Chuiasdiah. Dieser ״Zug nach dem Norden“ macht sich seit der Begründung von Tel-Awiw immer stärker fühlbar. Unter diesen Umständen ist es klar, dal) die Bestrebungen des Mietervereins, die Mietsprcisc möglichst niedrig zu halten, fruchtlos bleiben. Es ist im Gegenteil ein konstantes Steigen der Wohnungsmieten zu verzeichnen. * In den letzten Jahren waren die Aschke n as i in und Sefardim in Haifa zu einer Oenieinde vereinigt. Jetzt sind sic wieder aus nicht genügend geklärten Gründen auseinandergegangen und werden zwei separierte Gemeinden bilden. Die nschkenasischc Gemeinde hat sich jedoch verpflichtet, einen jährlichen Zuschuß an die sefardische Gemeinde zur Unterstützung ihrer Armen zu zahlen.!11 allen allgemeinen Angelegenheiten wer• den beide Gemeinden auch weiterhin zusammen• arbeiten. — Die deutsche Tempclgcmeinde in Haifa feierte dieser Tage ihr 40 jähriges Jubiläum, Etwa 200 Gäste trafen,aus diesem Anlässe aus Jaffa, Jerusalem und den deutschen Kolonien ein. — pr! Finkclstcin, der Leiter des Technikums, ist In Haifa eingetroffen. * Symptomatische Bedeutung kommt wohl einer Schulaffäre zu, die sich vor vier Wochen in Damaskus ereignete. Seit langem besteht in Danias* kns eine Art arabisch-türkische Mittelschule, ,der ein türkischer Direktor Vorstand. In letzter Zeit stellten die Schüler verschiedene national-arabische Forderungen, die der Direktor nicht bewilligen wollte, wobei er vom Vorsteher der Schulbehörde unterstützt wurde. Darüber kam es in der Schule zu einem argen Tumult, und das Ende war, dal) der Wall (ein Jungtürke) eingreifen mußte. Sowohl der Direktor wie der Vorsteher der Schulbehörde wurden ihrer Acintcr entsetzt und die nationalen Forderungen der arabischen Schüler wurden erfüllt. * Baron' Edmund Rothschild ist'cs gelungen, ein großes Gebiet in Palästina zum Zwecke archäo’ logischer Studien anzukaufen. Der Baron hofft, mehrere Gräber und Reliquien aus der'Zeit' des jüdischen Reiches ans Liclif zu bringen und die Gegenstände in einem Gebäude unterzubringen, das auf dem genannten Gebiet errichtet und zu einem j ü d'i k e). >. »•1,1 ׳ u ג c v .:1' 31;g.ltet wt;Ren ־ soll; Da die kaiserliche Erlaubnis hierzu bereits ringe• troffen ist,-soll mit den׳Forschungsarbeiten demnächst begonnen werdet», Oesterreich[ Im Kampf gegen dtn Ziorilsmui treten‘alle uhschönen Clnrnkterziigc unserer lieben׳Stammesbrüder an den Tag, die sonst sein Licht mit Recht angstlieh scheuen. Ein klassisches Beispiel antizionistischer Gesinnung ist das folgende Vorkommnis, das sich in Komotau zugetragen hat. Die israelitische Beerdigungshrüdcrschaft dieser deutsch böhmischen Stadt hielt ihre Generalversammlung ab, die das ׳zwanzigjährige Bestehen des Vereins und zugleich das zwanzigjährige Jubiläum seines greisen' Obrnanns, des Herrn Jakob Hirsch, feierte, Zur Erinncrung an diese Feier und zur Ehre des Obmanns beschloß die Versammlung — deren Mehrheit tibrtgens aus Nichtzionisten bestand —, 1000 Kronen zur Errichtung eines Y cm en itenhauses zu spenden: gcvill eine würdige, schöne Stiftung! Es stimmteil auch von den 25 anwesenden Mitgliedern 24 dafür. Das Fünfundzwanzigste, Herr Theodor Konirsch, erhob Protest und beantragte dagegen, die unentgeltliche Bestattung der Leichen elnzuführen. Die Generalversammlung bedachte aber, daß die armen Mitglieder des Vereins ohnedies unentgeltlich bestattet werden, die reichen cs aber nicht nötig haben, und sorgte lieber für die Lebenden als für die Toten. Herr Konirseh brachte eine Besch wer <1 e bei der politischen Behörde ein, weil die Beerdigungsbrüderschaft angeblich ihre Befugnisse überschritten habe, und richtete, als diese abgclehnt wurde, eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft! Herr Konirscti hat sich bereits früher ausgezeichnet; Als die jüdische Kultusgemcindc dem Jüdischen Nationalfonds eine Spende von 50 Kronen zugewiesen hatte, ging er mit Rekursen und Beschwerden bis zum Mln'sterlum; fre.lic',1 vergebens. Nun versucht er, einen verdienten alten Mann auf die Anklagebank zu bringen. Wahrlich eine traurige Blüte des bösen Gefstcs der Volksentfrcmdung. ׳ Wie wir gemeldet hatten, sollte am 20. Oktober um 7 Uhr abends in einem Saale der Wiener technischen Hochschule die vom Rektor genehmigte konstituierendc Versammlung des jüdischen Techn i k e r v erb a n d es stattfinden. Schon um 3 Uhr nachmittags besetzten die deutsch-nationalen Techniker in der Stärke von fast 2000 Mann das ganze Stiegenhaus der Technischen Hochschule und ließen die jüdischen Hörer nicht zum Versammlungslokal gelangen. Es kam zu kleineren Zusammen-. Stößen. Der Rektor wollte bei den deutschnationalen Studenten intervenieren, wurde jedoch ausgepfiffen und ausgezischt. Die jüdischen Hörer protestierten beim Rektor gegen das Verhalten der Deutschnaiionaleii und entfernten sich hierauf ruhig aus der Technik, um die Konstituierung in einem anderen Saale vorzunchmen. Galizien Bei den letzten Wahlen ins österreichische Abgcordnctenliaus haben die galizischen Assimilanten und ihre Freunde in der Wiener Presse lebhafte Propaganda für Herrn Rudolf Gal gemacht, der in Tarnopol auf das Programm der allpolnischcn Partei gegen einen zionistischen Bewerber kandidierte und gewählt wurde. Er bczcichncte sich damals als ״gernäIIigten Israeliten“. Nunmehr hat die allpolnische Partei erklärt, sie wolle keine aktiven jü* dischen Mitglieder mehr dulden; und so zieht der Abgeordnete Gal die Konsequenzen und — läßt sich taufen, Der Ucbcrtritt wird sich unter der Patronanz des Parteioherhauptes Dr, Glombinski und seines Gehilfen Grafen Skarbek vollziehen; auch die polnischen Aristokratinnen, vor allem die Fürstin Czar* toryski, seilen sich für die neugewonnene Seele sehr interessieren. Man muß sagen: dieser Vertreter eines Wahlbezirks, in dem die Juden die Majorität haben, hat sein Judentum sehr gemäßigt, England Am letzten Sonntag land in London ein Blumentag zugunsten des jüdischen Nationallonds statt, dessen Ergebnis alle Erwartungen übertraf, Man hatte auf die Beteiligung von etwa 100 jungen Damen gerechnet und nur 12 000 Blumen vorbereitet. Aber am Sonnabend meldeten sich 250 Damen zur Teilnähme. Um 0 Uhr morgens waren bereits alle Blumen verteilt und nur mit Mühe konnte man noch neue auftreiben. Als keine einzige Blume mehr zu erhalten war, wurde der Verkauf beendet; über 25 000 Blumen wurden ahgesetzt und 140 Pfd. Sterl. 2800) ׳ M.) eingenommen. Das ausgezeichnete Ergebnis ״des Blumcntages hat die Nationalfonds-Verwaltung veranlaßt, für den folgenden Sonntag, deti 26. Oktober, einen Blumentag in ganz England zu veN anstalten. ׳ 1 ׳׳•׳ ' ׳ ׳■ * Während des N achm ittagsgott esdienstes am'Ver-' söhnungstage in der neuen Westend-Synagoge in London riefen drei Damen von der Galerie laut: t

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