Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 472 Nr. 44 JUEDISCHE RUNDSCHAU ״Möge Gott Herbert Samuel und Ruins Isaacs vergeben, daß sie zulassen, daß Frauen };cqiiiüt wer• den.“ Der Gottesdienst wurde für kurze Zeit unterbrochcn; die Störcrinnen waren Jüdinnen, aber nicht Mitglieder der Synagoge. Die englischen jüdischen Zeitungen bemerken, daß die Suffragetten durch solches Benehmen leicht die vielen Sympathien verscherzen können, die das Frauenstimmrecht in jüdisehen Kreisen hat. Spanien Spanien, das vor einem halben Jahrtausend die Juden in so grausamer Weise vertrieben hat, bemüht sich jetzt in lebhaftester Weise, die Sympathien der Judcnheit zu erwerben. Die spanische Regierung braucht die Juden von Marokko, um dort festen Fuß fassen zu können, und sie braucht die Juden Europas, um einen Aufschwung des lahmen Handels und der Industrie Spaniens zu ermöglichen. Dazu versucht sie nun verschiedene Mittel. Eins davon ist, daß sie Professor Dr. A. S. Y a h u d a, den bekannten Berliner Gelehrten, eingeladcn hat, au* der Madrider Universität die ncugegrüudetc Lehrkanzel lür hebräische und rabhinische Disziplinen zu übernehmen. Dr. Yahuda soll in Madrid offiziell empfangen werden und auf Kosten der Regierung eine Studienreise in Marokko unternehmen. Serbien Wie der ״Inddpendant“ in Saloniki erfährt, werden in das nächstjährige Budget des serbischen Kultusniinisteriums jährliche Zuschüsse für die jüdischen Gemeinden in Monastir und Uesküb eingestellt werden. Die Annahme dieser Posten durch das Kabinett und die Skuptschina ist so gut wie sicher. Die serbisdte Regierung zeigt so, daß sic wie über ihren bisherigen jüdischen Untertanen auch über jenen in den neugewonnenen Provinzen ihre schützende Hand halten will. Dieses Vorgehen erklärt und quittiert zugleich die Tapferkeit, womit sich die Juden Serbiens für ihr Land geschlagen haben. ZIONISTISCHE BEWEGUNG Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Wiener Zionistische Vereinigung hat die 1111seren ä> eren Gesinnungsgenossen gewiß noch bekannte Broschüre ,,Der Z i o n i s m u s“ von Dr. Max N 0 rd a u neu aufgelegt. Die Broschüre ist vom Verfasser vollständig umgearbeitet und bis zur Gegenwart fortgeführt worden. Wir haben eine größere Anzahl Exemplare dieser Schrift käuflich erworben, in der Annahme, dal) unsere Ortsgruppen sich der bewährten Agitationsbroschüre sehr gern bedienen werden. Wir liefern die Broschüre zum Preise von 20 Pf. für das Einzelexemplar, 100 Exemplare werden für 15 M. abgegeben. Bestellungen sind ausschließlich an die Zionistischc Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten. * Wir machen nachdrücklich auf das ״J ii d i s c h e G c m e i n d e j a h r b 11 ch“ aufmerksam; es enthält eine Reihe eingehender informierender Aufsätze über die wichtigsten Fragen des Gemeindelebens. Preis in Pappband M. 1,--, (Zusendung 21) Pf.) JUGEND-BEWEGUNG Wir erhalten folgenden Aufruf, den wir gern zur Kenntnis unserer Leser bringen: J ü dis ch c Eltern! Was Eingeweihte schon seit langem sagen, was Unkundige nie glauben wollten, ist eingetreten. Der Wandervogel ist antisemitisch geworden! Der Ausschluß der Juden aus der ältesten und größten Organisation für Schülcrwauder«! steht bevor! Schon verweigert die Z i 11 a u e r Ortsgruppe ungestraft die Aufnahme jüdischer Kinder, trotzdem das Bundesstatut den Wandervogel ausdrücklich ״politisch und religiös völlig neutral“ iiemil. E i 11 energisches Eintreten der 111111■ <1 c s I e i t u n g für die durchbrochene Satzung ist nicht zu erwarte n 1 Entschlossen stellt sich die überwiegende Mehrheit der Führerschaft auf die Seite der Rechtsbrecher. Schlimmeres als die Oktober-Nummer der W a 11 - dcrvogel-Führerzeitung kann auch das ch ä r f 81 c antisemitische Pamphlet nicht bringen. Jüdische Eltern! Selbst wenn sich die Leitung des Wandervogels zu einem leisen Tadel auf- Rdiwingt, wollt ihr‘eure Kinder Führern anvertrauen, die sic öffentlich charakterisieren als ״hinterhältig, nie harmlos, ewig lauernd,“ die von ihrer ״angeborenen Scham- und Ehrlosigkeit" sprechen? Wollt ihr eure Jungen rum ״Gegenstand der Hänseleien und des Spottes“ ihrer christlichen Kameraden werden lassen? Die Wamlervogcl-Fülirerzeituiig sagt cs: ״Hier gibt es nur eine Möglichkeit: Reinliehe Scli ei düng!" Aller wie: Soll die jüdische Jugend jetzt der körperlichen und geistigen Förderung entbehren, die das Wandern nach Wandervogelart mit sieh bringt? Gerade wir Juden, die seit Generationen den Zus;1mn1t־nha״g mit der Natur verloren haben, sind doppelt verpflichtet, unsere Kinder in Wahl und Flur liiiiauszusenden, tun sie vor den Schädigungen der Großstadt zu schützen. Jede Statistik lehrt, in wie erschreckendem Maße der Jude zu geistiger und nervöser Erkrankung neigt. Jeder Blick auf unsere heran wachsende Jugend zeigt, wie nötig sie körperliche Kräftigung braucht. Heute, wo Tausenden von jüdischen Kin* «lern die Möglichkeit dazu genommen wird, gilt es, vollwertigen Ersatz, zu schaffen! jeder Jude, der Veraiitwortlichkcitsgefülil gegenüber der herauwachseiidcn Generation besitzt, ist berufen, liier initzuarbcitcn. Jüdische Eltern, mit eurer Hilfe wird das große Werk der Fürsorge für unsere Jugend gelingen! Eure Kinder werden es euch danken! Jüdischer Wanderbund ״Blau-Weiß“ i. A. der Führerschaft Karl Glaser. Berlin. Am Montag, den 17. November, (indet tun 9 Uhr, im Logenhause, Kleiststr. 10, eine Ver- Sammlung des jüdischen Wanderbundes ״Blau-Weiß“ über das Thema ״Antisemitismus int Wandervogel“ statt. Es werden sprechen im Aufträge des jüdischen Wandervercins-ßreslau Herr Referendar Markus- Breslau, im Aufträge des jüdischen Wanderbundes ,,Blau-Weiß״-Bcrli11 Herr and. jur. Karl Glaser- Berlin. Die Adresse des jüdischen Wanderbundes ״Blau- Weiß'Mkrlin lautet: Dr. Adalbert Sachs, Berlin W, Königgrätzcr Str. 89. Das in dem Aufsatz, von Felix Rosenblüth: ,,Demaskierung im Deutschen Wandet■ v o g e l“ behandelte antisemitische Oktoberheft der Waudervogel-Führcrzcitung ist soeben im Verlage von Erich Matthcs in Leipzig als besondere Flugschrift unter dem Titel: ״Deutsch oder nati 0 11 all“ Beiträge des Wandervogels zur Rassenfrage, erschienen. Der Herausgeber, Friedrich Wilheim Fulda, betont, daß noch täglich bei ihm begeisterte Zustiinmungskundgcbungcn aus den Krcisen des Wandervogels einlaufen. TURNEN und SPORT Unser lieber Gesinnungsgenosse, Herr Erich Burin- Berlin, hat sich mit Frl, Lotte Hecker aus Hamburg verlobt. Burins Verdienste um die turnerische Leitung der Jüdischen Turnerschaft sind unseren Lesern zu gut bekannt, als daß man sie bei dieser Gelegenheit ausführlicher zu würdigen brauchte. Das glanzvolle Gelingen des Wiener Jubiläunis-Schauturiiens ist in erster Linie seiner tatkräftigen Leitung zu danken. Der Hamburger Bar Kochba zählt Frl. Hecker seit seiner Gründung zu den eifrigsten Mitgliedern seiner Frauenabteilung. Wir sprechen den beiden Verlobten unseren herzliebsten Glückwunsch aus. Zur DoaGMungl Damit die Zustellung der ״Jüdischen Rundschau“ ordnungsmäßig erfolgen kann, richten wir an die Herren Ortsgruppenvorsteher sowie unsere Einzelmitglicdcr das höfliche Ersuchen, uns von Adressenänderungen umgehend Kenntnis zu geben. Bei Reklamationen über den Nichterhalt des Blattes konstatieren wir in den meisten Fällen, daß das betreffende Mitglied verzogen, ohne uns seine neueAdresse anzugeben Verlag ״Jüdische Rundschau** BERLIN W. 15, Sächsische Straße 8 Jüdischer Turnverein Bar Kochba, Sportabteilung Der vergangene Sonntag sah alle vier Mannschäften im Feuer. Die erste I fockeymannschaft hatte auf dem Sportplatz ScUul/.emlotf die 11. Mannschaff des ״Vereins für Volkssport“ zu Gaste. Sie gewann das Spiel (ein Vcrhamlsspicl um die Meisterschaft der III. Klasse) mit 10:0. Die zweite Hockeynwniiscliaft gewann gegen die III. Mannschaft desseihen Vereins auf dem Sportplatz Frohnau mit 4:2. Die erste Fußballmannschaft verlor auf dem eigenen Platz gegen die I. Mannschaft des ״Deutschen Sport Club“ mit 1:2. Die II. Fußballmannschaft trug in Weißenscc ein Gesellschaftsspiel gegen den F. C. Hellas aus, das mit dem unentschiedenen Resultat von 2: 2 endete. Am Montag findet eine Versammlung der Sportabteilung statt. Lokal: Neumanns Festsäle. Beginn 9 Uhr. Nähere Auskunft über die Sportabteilung erteilt der Geschäftsführer Herr B. Kutzinski, Charlottenburg, I terbarth-Str. 15. Berlin. Der jü 11 ist:he Frauenbund für Turnen und Sport veröffentlicht iin Inseratenteil dieser Nummer sein reichhaltiges Winterprograrniu IOI'J/11. Es umfaßt drei Frauen- und zwei Mädchciiabteilungcn, einen Vorturnerinnenkurs, eine Fecht- und eine Sportabteilung, Wanderungen und Wintersport. Stettin. 111 unserem ״J ü d. Turnverein“ fand am 18. Oktober die diesjährige Gcncralversammlung statt, die sich einer regen Beteiligung erfreute. Die Entwicklung unseres Turnvereins war in letzter Zeit wenig erfreulich, da ein Rückschritt besonders in der Mitgliederzahl konstatiert werden mußte. Es ist jedoch zu hoffen, daß unsere fernere Arbeit von Erfolg gekrönt sein wird. Der von der General- Versammlung gewählte Vorstand setzt sich aus folgenden Herren zusammen; Dr. Albert Baer, W. Rosenberg, Meyer, Pleß, Arthur Levy. Hamburg. Am 20. Oktober fand die Generalver- Sammlung des Jüdischen Turnvereins ״Bar Kochb a“ statt. Der Vorsitzende Dr. Weigert eröffnete dieselbe mit dem Bericht über die Tätigkeit des Ver* eins in den letzten neun Monaten. Der Verein hat sieh erfreulich weiter entwickelt, der Turuhcsuch war ein recht reger. Bei den Herren turnte« durehschnittlieh 01), bei den Damen Sü Mitglieder, in den beiden Knabcnahteilungeij turnen 126, in den beiden Mädeben - Abteilungen 121 Kinder. Erfreulicherweise konnten wir einen orthopädischen Kursus für schwache Knaben durchführen. Ein ebensolcher Kursus für Mädchen ist in Aussicht genommen. Unsere Ruderabteilung nahm an der jüdischen Regatta in Berlin teil, beschäftigte sich aber Hauptsächlich atif dem Gebiete des Tourenrudcrns. Unsere Fußballabteilung beginnt die Wintersaison mit drei ausgebildeten Mannschaften und fühlt sieh stark genug, um den Eintritt in den ״Norddeutschen Futt* ballklub“ vorzubereite». Eine Knaben-Fußballabteilung ist vor kurzem gegründet worden. Zu dem Turnuiul Sportfest nach Wien entsandten wir eine Daniemnusterriegc. In Gemeinschaft mit dem I lerzlklub beteiligten wir uns an dem historischen Kursus von Herrn Dr. Schicsinger. Dank den Bemühungen der Herren Rechtem und Fürstenberg gelang es uns endlich, einen eigenen Sportplatz zu beschaffen. Am Schlüsse des Sommers hatten wir leichtathletische Wettkämpfe mit verschiedenen Sport-, Turn- und Spielvereinen. Zeigen uns derartige Spiele auch, wieviel wir noch zu leisten haben, so haben wir «loch bei unseren ersten Wettkämpfen die jüdischen Farben würdig vertreten. Unsere Wamkrabtcilung führte zweimal im Monat Wanderfahrten aus. Unter Führung von Herrn Fürstenberg wurde auch eine zweitägige Pfingsttour nach den Mecklenburgischen Seen unternommen, bei der wir gemeinsam mit unseren Berliner Turnbrüdern mul Schwestern wanderten. Seit dem 1, April d. J. geben wir eigene monatliehe Mitteilungen heraus, die sich mit den internen Angelegenheiten des Bar Kochba befassen und zu einein intiliieren Zusammenhalten unter den Mitgliedern ebenso beitragen, wie die allgemein belichten zwanglosen Unterhaltungen. Bei der Vorstands»1111׳,־ wurde Herr Dr. Auerbach zum 1, Vorsitzenden gewählt. Dr. Zatlik und Herr Fürstenberg zum I. Schriftführer und Kassierer. Zu Beisitzern Fräulein llurcliard, Herr Enoclt, Fräu-!ein teilte Herker, Herr Heller, Herr Herz und Fräulein Wigdcrou itscli, Herr Dr. Tuch hatte während der Wahlen den Vorsitz. Er dankte init herzlichen Worten dem scheidenden Dr. Weigert, dem Mitbegründer des Vereins, für das was er geleistet. Ebenso spracli später Herr Dr. Auerbach den übrigen aus dein Vorstand scheidenden Mitgliedern Herrn Koch und Herrn Kareberg den Dank des Vereins aus. Vor Schluß legte Herr Dr. Auerbach unter Zu- Stimmung der Versammlung Protest gegen den Kiewcr Prozeß ein.