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Jüdische Rundschau · 1913-10-10 · Heft 41 (10.10.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. .41 ja in München hatte abgehalten werden sollen, in den Weg gelegt worden waren. Herr Davis Tri et sch he/eiehnet den Kongreß t>ci aller Unfruchtbarkeit auf dem eigentlichsten Cie* biet Ue,r zionistischen Bestrebungen, — dem der.will» sehaftli'chcn Arbeit in Palästina — doch als einen Fortschritt auch in dieser Hinsicht. Denn den Willen der Organisation auf Fortsetzung der Palästina-Arbeit habe er zweifelsfrei dargetan. Die Palästina-Richtung sei also wesentlich befestigt worden, und Dr. Tschlcnows Berufung nacii Berlin sei ebenfalls im Sinne einer außerordentlichen Stärkung• der Palästina-Interessen in der engeren Leitung auf/ufassett. Be/.üglieh der Universitätsfrage unterstützt er die Auffassung Heymanns von den wirtschaftlichen Nebenwirkungen dieser kulturellen Gründung. Lieber hätte er es freilieh gesehen, wenn direkt wirtschaftliche Zwecke die Sympathie des Kongresses und die Organisation gefunden hätten, aber hieran fehle cs eben bedenklieh. Das so notwendige Emigrntionsamt z. B. hätte ijiit einem kleinen Bruchteil der auf dem Kongrd fl bereits gezeichneten Beträge gesichert werden können. 'Heber jenes Hauptbedenken gegen den Universitatsplan, daß er ein geistiges Proletariat züchte, für das im Lande keine Möglichkeiten existieren, führte er aus, daß die Universität nicht nur für das jüdische Palästina, oder für Palästina iut allgenteineu eine Ausbildung gebe, sondern in manchen Fächern für die ganze jüdische Welt und in anderen für die ganze Türkei und sogar für den Gesamthereich der Welt des Islam, die sich die Vermittlung europäischer Kultur aus tausend Gründen lieber von den Juden bringen lassen werde, als von irgendwelcher anderen Seite. Dr. Sehe mar ja Lewin hatte uns Schluß• wort. Er wies einige Bedenklichkeiten der Vorredner zurück, die geeignet seien, dem Hörer «las Gruseln bei/ubringen. (״Sogar Salamander-Stiefel gäbe cs in Palästina, und zwar zum gleichen Preise wie in Berlin“). Die Fortschritte, die Palästina in den letzten Jahren gemacht habe, seien enorm. Andererseits brauchten wir sic aber erst als einen schwachen Anfang dessen aufzufassen, was die eben erst einsetzende Richtung der praktischen Arbeit schon für die allernächste Zeit verspricht. Russische Studentenkonferenz Zu der Wiener Versammlung Zionistischer Studenten aus Rußland Anläßlich der Tagung des XL Zionistenkongresses in Wien hat atn 1. und 2, September eine allgemeine Konferenz der an europäischen Hochschulen Studierenden zionistischen Studenten aus Rußland stattgefunden. An der Konferenz nahmen teil Vertreter I von 22 Vereinen aus Deutschland, der Schweiz, Belg'icn, Frankreich und Oesterreich. Der Vorsitzende, Herr W e i n sch a l, gab einen kurzen Ueberblick über den Lauf der bisherigen Arbeiten, die unter überaus schwierigen Verhältnissen vor siel! gingen. Zum *Schlüsse wies der Vorsitzende auf die Bestrebungen der Konferenz hin, die nötige Form zu schaffen, um die Massen der im Auslände Studierenden unter der zionistischen Falme zu organisiercti, als auf eine der größten Aufgaben der jüdischcn Jugend. Herr l')r. Bernstein, Berlin, überbrachtc die Grüße des E, A. C. und betonte, daß die zionistische Leitung auf die jüdisch-russische Jugend große HoffnUngen setze. Das E, A. C. spricht die Erwartung aus, daß die jüdisch-nationale Jugend Rußlands, die ja immer die Vorhut der jüdischen Renaissance in der Diaspora und in Ercz-lsrael bildete, nunmehr die großen Aufgaben erkennen werde, die ihr für die Wiedergeburt unseres Volkes zufallen. Das E. A. C. verfolge die Entwicklung der Organisationsbewegung unter den russisch-jüdischen Studenten mit großem Interesse. Redner bat die Leiter der Konferenz, yersichert zu sein, daß das E. A. C. jeden Schritt zur Stärkung der jüdisch-nationalen Studcntenorganisation mit Freude begrüßen und ihren Bestrebungen das wärmste Interesse entgegenbringen werde. Herr stud. B r u d n y, Bern, erstattete Bericht über die Tätigkeit des Verbandes, der unter dem Namen ״Hechower" vor zwei Jahren gegründet wurde. Gegenwärtig umfaßt die Organisation ״Hcchowcr“ 17 Studentcnvcrcine mit einer Gesamtzahl von *100 Mitgliedern. Die Organisation begründete eigene Zeitscbrifctn: ״Heehowcr“ (hebräisch) und ״Der Jüdischc Student“ in russischer Sprache. Im letzten . Semester widmete der Verband großes Interesse dem Univcrsitätsprojckt in Palästina. Die Konferenz beschäftigte sich hauptsächlich mit Fragen organisatorischer Natur. Es wurde eine Reihe von •Beschlüssen gefaßt, die eine einheitliche und planmäßig« Reorganisierung des Verbandes bezwecken. Das Zentralkomitee des Verbandes ist von Bern nach München verjegt worden. Das Presse- und Agitationsburcau coli in Berlin unter Leitung von zwei Mit- jUEDlSCHB RUNDSCHAU gliedern des Zentralkomitees organisiert werden. Für die nächsten Monate ist eine Tagung der in Deutschlaiid studierenden russischen Zionisten in Aussicht gestellt. ■ Üldi ituzZib Hahn Nahtmi, der Großrabbiner der Türkei, hielt sich vor kurzer Zeit in Berlin auf, um den hiesigen jüdischen Organisationen, die sich an dem Hilfswerk für die türkischen Juden während der Balkankriege beteiligt haben, den Drink der ottomanischcn Judenheit abzustatten, und tun die Schaffung einer Kredit- Organisation fiir die während des Krieges ausgew,änderten und jetzt repatriierten Juden der türkisch gebliebenen Landesteile mit den hiesigen jüdischen Korporationen zu besprechen. Der Clracham Baschi — dies isf der offizielle Titel des üroßrahbiuers — hatte die Liebenswürdigkeit, einen Mitarbeiter der ״Neuen Jüd. Korr.“ zu empfangen, und ihm u. a. auch einiges über seine־ Eindrücke gelegentlich seiner letzten Reise durch Palästina init/tneilcn. Der Qroßrabbincr erklärte, er habe mit wahrer Freude die wunderbare Entwickhing der landwii (schädlichen Kolonien Palästinas gesehen, die ebenso sehr den Juden zur Ehre wie dem Staate und der .einheimischen Bevölkerung zum Nutzen gereichten. Die jüdischen Kolonien seien wirkliche Kulturstätten und Muster von gut organisierten, modernen landwirtschaftlichen Siedlungen. Auch die Ordnung des (icineindelebens in ihnen könne als vorbildlich gelten, und sie brächten dem Staate nicht nur indirekt,' sondern ganz unmittelbar durch die starke Steigerung der Einnahmen großen Vorteil. ״Was mich aber besonders erfreut und verwundert hat,“ fuhr der Großrabbiner fort, ,,das ist das merkwürdige Auflcbcn der hebräischen Sprache in Palästina, besonders in den Kolonien, wo sie schon heute zur lebendigen Umgangssprache geworden ist.“ Der ־Chacham Baschi erwähnte sodann, daß. der türkische Thronfolger wahrscheinlich demnächst nach Palästina reisen werde, und erklärte, daß er Gelegenheit nehmen werde, dem Thronfolger die eingehende Besichtigung der jüdischen Kolonien zu empfehlen. lieber die Verhandlungen des XI. Zionistcnkongresses, der Anfang September in Wien tagte, zeigte sieh der Großrabbiner sehr informiert. Er hat den Verlauf des Kongresses nach den ausführlichen Depesehen der türkischen Zeitungen verfolgt und erklärte, er freue sich, sagen' zu können, daß die Kongreßberichte nirgends, wie früher oft, übelwollende Kommentare hervorgerufen hätten. Ueberhaupt sei die Stellung der türkischen Regierung und der türkisehen Bevölkerung den Juden gegenüber äußerst freundlich, und cs sei ja bekannt, daß die Juden in der Türkei niemals unter ähnlichen Bedrückungen oder Verfolgungen zu leiden gehabt hatten, wie in den meisten anderen Ländern. ״Gerade di« letzte Krise,“ fuhr der Chacham Baschi fort, ״hat aufs neue bewiesen, daß Volk und Regierung keine ver* läßlicheren Freunde als die ottoinanischen Juden haben. Dieser Uebcr/.eugung ist auch S. M. der Sultan, der mich vor meiner Abreise in einer halbständigen Audienz empfing, und im Gespräch diesen Gedanken und Gefühlen in freundlicher Weise Ausdruck gab.“ Wahrend, seines kurzen Aufenthaltes in Berlin hat der Chacham Baschi übrigens auch dem Zionistischen Zentralbureau in der Sächsischen Straße einen Besuch abgestattet, wo er im Gespräch mit mehreren Mitgliedern des Zionistischen Actions- Comitds längere Zeit verweilte.!6 In der jüdischen Presse sind Meldungen verbreitet, daß der Zionistenkongreß eine merkliche Gärung unter den Arabern hervorgerufen hat, die in der zionistischen Bewegung eine große Gefahr für den Bestand des arabischen Volkes sehen. Ihre Presse sei voll von Vorschlägen zur Bekämpfung der Gefahr; darunter sei vor allem der, einen großen arabischen Kongreß in Nablus abzuhaften, Nach Informationen aus erster Quelle haben wir diesen Meldungen folgendes hinzuzufugen; In der arabischen Publizistik sind sehr verschiedene Strömungen vertreten, darunter auch eine zionistcnfcindliche. Es ist bekannt, daß in den letzten Zeiten gewisse Besprechungen mit den Führern der verschiedenen arabischen Parteien cingclcitct wurden, und cs Ul zu hoffen, dal unter den Arabern, die ein große* Interesse an der jüdischen Kolonisation in Palastin;1 Laben müßten, die vernünftige Strömung die Oberhand behäit, die für diese Tatsache das richtige Verständnis hat. Kein Zweifel, daß die freundschnftlichc Auseinandersetzung und die Verständigung mit den Arabern eine der wichtigsten Aufgaben unserer Organisation ist. Hoffentlich haben die dahin zielenden Bemühungen dei Aktionskomitees Erfolg. Seite 439 Jaffaer Orangen-Exportes Mit den Preisen der Jaffa-Orangen in England geht cs bergab. So schlecht wie die jetzige Saison war noch keine vorher, und wenn es so weiter gehen sollte, müßten sich unsere jüdischen Kolonisten,, für die der Orangenexport bekanntlich die wichtigste Existcnzqucllc bildet, auf schlimme Tage gefaßt machen. ־ Schon früher wurde über die von der Gesellschaft ״Pardcß“ nach Rußland entsandten Vertreter berichtet, die dort eine neue Kundschaft werben, sollen. Auf einer breiteren Grundlage haben rum die beiden Banken, die zionistische Anglo-Palestinc Company und die Deutsche Palästina-Bank, die im Orangengcschäft interessiert sind, eine Aktion für die Er- Schließung neuer Absatzmärkte unternommen. Sie entsandten einen der Jaflaer Vizedirektoren der Anglo- Palestinc Company, Herrn M. J. A r w a 8, nach Europa. Herr Arwas hat 1m Laufe einer zweimonat-, liehen Studienreise nicht nur den gegenwärtigen Ifauptmarkt Liverpool, sondern auch die 8011stigen in Betracht kommenden westeuropäischen. Märkte eingehend studiert. In einer Versanmilimg, die im Frühling diese« Jahres in den Räumen der Anglo-Palestinc Company stattfand und an der sich, außer den Direktoren der Banken, sämtliche im Jaffacr Orangenexportgeschah maßgebende Persönlichkeiten beteiligten, erstattete Herr Arwas einen ausführlichen Bericht über, die Ergebnisse seiner Reise. Er wies besonders auf die Wichtigkeit der Märkte von Holland (Amgtcrdam und Rotterdam), aber in allererster Reihe auf Hamburg hin. Die Versammlung führte uns einen Schritt näher zur Erfüllung eines Wunsches, der von allen, die! dr.c Gesundung des Orahgengeschäfts herbeiführen wollen, gehegt wird, nämlich zur Bildung eines allgemeinen Pflanzersyndikats. Nur ein kräftiges Syndikat kann die Eroberung neuer Absatzgebiete, die sich nicht ohne Opfer zustande bringen läßt, durchsetzen und die vielen Uebelstände, die sich in diesem wichtigsten aller Erwerbszweige Judäas allmählich eingeschlichen haben, beseitigen. Die Versammlung sprach sich nun einstimmig für die Bildung eines Syndikats aus und wählte eine Kommission, die die Gründung vorbcrcitcn soll, ln dieser Kommission sitz.cn, neben Vertretern der Anglo- Palestinc Company und 11er Deutschen Palästina- Bank, der Leiter des jüdischen Syndikats ״Pardeö“, der des deutschen Syndikats sowie eine Reihe angesehener Pflanzer. Das Komitee hat seine Arbeit unverzüglich in Angriff genommen. Bei der Zerfahrenheit, dem gegenseitigen Mißtrauen und dein mangelnden Gemeinsinn unter den arabischen Pflanzern ist, trotz dieses guten Anfangs, das Zustandekommen des Syndikats noch immer fraglieh. Ist es doch der Anglo-Palestinc Company trotz ihrer wiederholten Bemühungen, trotz Versammlungen in Pethach-Tikwah, in denen Herr Direktor Lcvontin energisch für den Gedanken des Zusammengehens eintrat, noch nicht einmal gelungen, die so viel intelligenteren jüdischen Kolonisten, die doch im Rischöner Weinbauer-Syndikat ein so lehrreiches Bei* spiel vor Augen haben, zur Syndizierung zu bewegen. Jedenfalls ist ein vielversprechender Anfang ge» macht worden, der immerhin zu den besten Hoffnungen berechtigt. Die gegenwärtige Saison, soviel stellt schon jetzt fest, wird sehr schlecht abschließen. Für die nächste kann aber noch alles getan werden. * t AUS ALLER WiflT Deutschland Aus Dresden mpldet ein Privat-Telegramm; ״Auf*! anderem Wege als in Preußen versucht das sächsische Kultusministerium die Ueberfüllung der Universitäten durch Ausländer, namentlich Russen, bintanzuhalten..־ Man hat schon seit längerer Zeit vorbereitende Maßregeln ergriffen, um den unerwünschten Zu* zug von Russen einzuschränken. So werden Besitzer von Reifezeugnissen der Realgymnasien, Oberrealschulen, Handelsschulen von vornherein zurückgewiesen. Es werden nur solche russische Stu« deuten immatrikuliert, die ein Reifezeugnis über ein humanistisches Gymnasium aufweisen und die zwei* Seinester in Rußland studierten. Diese Mat* regeln werden als ausreichend angesehen, so däß das sächsische Kultusministerium darauf verzichtet, weitere” Maßregeln zu ergreifen, wie sie jetzt in Preußen verfügt werden sollen.“ Wir fürchten auch, daß diese Maßregeln ausreichend sein werden, um jeden Zuzug russischer Juden an die sächsischen UnivcrsR taten fernzuhalten. Bayern, Preußen, Sachsen; welch* schöne Einmütigkeit in der Abwehr bildungshungriger und in ihrem Vater lande aller Biklungsmdgtidtkeiten heimtückisch beraubter Jünglinge!

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