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Jüdische Rundschau · 1913-10-10 · Heft 41 (10.10.1913) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 41 Seite 440 In unserer vorigen Nummer wurde über den III. Schleswig-Holsteinischen Oemcindctag berichtet, der eine Resolution an den D, I. O. B. beschloß, um diesen von seiner feindlichen Haltung gegen die jüdische Volksschule abzubringen. Der Ausschuß des D. J. O. B. hat am 28, September Stellung zu den Verhandlungen und Beschlüssen des Lehrer* * Verbandes vom 7. September und zu dem Anträge der Provinzialverbände in Rheinland und Westfalen genommen, der verlangte, die Frage der Errichtung jüdischer Volksschulen auf die Tagesordnung des bevorstehenden Gemeindetages zu setzen. Es wurde beschlossen: ״Der Ausschuß des D. I. G. B. nimmt Kenntnis von den Verhandlungen und Beschlüssen des Vorstandes ׳ des Lehrerverbandes, die glcirhbcdcutend sind mit der Loslösung vom D. l.O. B. Er erklärt, daß er.seinerseits auf Entsendung eines Dctcgierten in den Vorstand des Lehrerverbandes vorzichtct und geht zur Tagesordnung über." Der I>, I. G. B. hat damit das Tischtuch zwischen sich und den Lehrern zerschnitten. Er tritt in den Kampf gegen die jüdische Schule, und sein weiterer Beschluß, ״gemaß seiner bisherigen Tradition seine Sorge nach wie vor in unverminderter Energie den Kultus* und Gemcindebeamten zuzuwenden“, klingt wie eine leere Phrasd oder wie eine — Drohung. Wir werden in einer unserer nächsten Nummern zu dieser sehr wichtigen Frage eingehend Stellung nehmen. Es ist klar,• daß unsere Sympathien ganz und gar auf seiten der Lehrer stehen. * . * Den Oouvcyncurvo'n Odessa, Smolianow, läßt der Ruhm nicht Schlafen, den der frühere Stadt* präfekt General »Tolmatschcw erworben hat Er erklärte, wenn die Juden studieren wollten, 80 sollten sie nach Zion gehen. Auch ein Befürworter unserer Universität! Italien ' ln Tripolis fassen die italienischen Behörden alle Zuschriften an die dortigen Juden in he* b r ä i s c 11 e r Sprache ab, da die eingeborenen Juden weder mit dem Arabischen noch mit dem Italienischen genügend vertraut sind. Frankreich Wie wir erfahren, soll Professor Henri Bergs o n, der berühmte Philosoph, für den Sitz in der französischen Akademie kandidieren, der durch den Tod von Emile Ollivier frei wurde. Eine andere Be- Werbung um den Sitz ist bisher nicht bekannt gcworden. So ist es wahrscheinlich, daß Bcrgson, der noch nie als Kandidat aufgetreten ist, bei seiner ersten Bewerbung unter die ״Unsterblichen“ aufgcnommen werden wird. In diesem Falle wird Bcrgson der erste Jude in der französischen Akademie sein. 41 ln kurzer Zeit soll auf einem Pariser Platze das Denkmal der Baronin Hirsch und der Madame Boucicaut (der Besitzerin des Warenhauses Bon mnrelie und großen Wohltäterin) enthüllt werden. Der Stifter des Denkmals ist der verstorbene jüdische Philanthrop Osiris. Der ״Neue Jüdische Gemeindcverei n“ in Berlin hat eine jüdische Volksversammlung abgchalten als ״Auftakt" zu den im November bevor* stehenden Berliner Gemeindewall len. Herr R.-A. Dr. Klee und Herr Lichtenstein entwickelten das Pro* grarnrn für die Wahlen. Der Verein hat den Liberalen ein Kompromiß angeboten. In der Diskussion sprachen Herr Dr. Thciihaber, Herr Gymnasialoberlehrer Baum, Herr Dr. Zwirn und der Vorsitzende des Handwerker. Vereins, Herr Wolf. Das M ii n ch ener Genie i n d e s t a t u t über die Sonntagsruhe enthält eine Ausnahmebestimmung, wonach orthodoxe Israeliten das Recht haben sollen, am Sonntag ihre Angestellten israelitischen Glaubens zwei Stunden lang zu beschäftigen. l)vts bayrische oberste Landesgericht hat nun cntschieden, daß derartige Ausnahmen zugunsten der Israe- Uten nicht zulässig sind. Der Magistrat beschloß des* halb, die Bestimmung aufzuheben. Eine jüdische Thora sch ule in Palästina soll neben anderen charakteristischen Beispielen des Orient,ilisehen Schulwesens in der Abteilung ״Die deutsche Schule im Auslände" der Sondcrausstcllung ״Deutsche Gcistcskultur und Deutschtum im Auslamic“ auf der Internationalen Ausstellung für Buchg e w e r b c und Graphik, Leipzig 1914, dargestellt werden. Mau will darauf hinweisen, welch weiten Wirkungskreis die deutsche Kulturarbeit iin nahen und fernen Orient sich noch erschließen kann, und glaubt bei der Vorführung der bereits bestellenden Kulturen das palästinensische Judentum nicht ignorieren zu dürfen. Wenn aber die geplante Sondergruppe zustande kommt, dann sollte von zionistischer Seite dafür gesorgt werden, daß auch unser modernes jüdisches Schulwesen in Palästina mit seinen beiden Gymnasien, dein in Entstehung begriffenen Technikum und der geplanten Universität, zur Darstellung gelangt als Symbol einer jungen, der mittcleuropäischcn durchaus gleichwertigen Kultur. * lm Jüdischen Jugendverein zu Le i pzig, der nach wie vor im Sinne eines richtig verstandenen Neutralitätsprinzips alle Anschauungen im modernen Judentum zu Worte kommen läßt, referierte am 18. )September 1913 der Leipziger Kongreßdtlegierte, Herr Rudolf Schick - Leipzig, über den XI. Zionistenkongreß. Dem interessanten Vortrage, der eine gute Orientierung über die bedeutsame Tagung bot, schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die bis nach Mitternacht währte. Zionisten, Liberale und Orthodoxe kamen zum Wort, wobei bcsonders die t niversitätsfrage aufs lebhafteste erörtert wurde. Alle Anwesenden empfanden es mit Genugtuung, daß "die Debatte trotz aller Schärfe von persönlichen Angriffen durchaus frei blieb. Es zeigte sich hier wieder einmal, daß eine ehrliche Aussprache nur im Interesse unserer Jugendvercine. liegt, soweit sie keine Stätte des Indifferentismus sein, sondern Juden heranziehen w׳oilcn, die auch in jüdischen Dingen ein offenes Wort und eine von der ihrigen abweichende Meinung vertragen können. Russland Das Blatt Odesski Listok wurde konfiziert, weil es die Zurücksetzung der Juden an den russischen Universitäten abfällig besprach. Einige jüd.sche Emigranten begannen bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Odessa die ״H a t i k w a h“ zu singen. Die Polizei ließ den Dampfer •ofort stqppen, arretierte den Urheber der ״Demon* stratiön“ und entzog ihm den Auslandspaß. Türkei Auf Befürwortung des türkischen Großrabbiners hat die türkische Regierung die Veranstaltung eines Blumentages in Konstäntinopel zugunsten des jüdischen Hospitals Or Ahaim bewilligt und ihre moralische und materielle Unterstützung zugesagt. Palästina Rabbi Mose Franco, der Großrabbiner von Jerusalem, hat auf seinen Posten aus Gesundheitsriicksichtcn verzichtet. Die Gemeinde hat dem Ciiadiam Haschi in Konstnntinopcl ihre Bitte ausge* drückt, er möge die Stelle Rabbi Isaak Schaki, Kanzleidirektor des Konstantinopler Großrabbinats verleihen, der vor kurzem in Jerusalem geweilt hat. Er wird der fünfte Jerusalemer Großrabbiner seit sechs Jahren sein. Amerika Am 1. September frat in den Vereinigten Staaten von Amerika das Gesetz in Kraft, durch welches den Besitzern v«n I lotcls und anderer öffentlicher, allen zugänglicher Anstalten verboten wird, einen Unterschied zwischen ihren Gästen, hzw. Besuchern nach Religion, Rasse oder Farbe zu machen und dies öffentlich kundzutun oder es die Betreffenden direkt fühlen zu lassen. Die Ucbcrtretung dieses Gesetzes wird mit einer Freiheitsstrafe von '30—90 Tagen oder mit einer Geldstrafe von 100—500 Dollar oder aber im Wiederholungsfälle oder wenn der Ucbcrtrctungsfall zu krall ist, mit beiden Strafen zusammen geahndet. Uebcrdies steht es dem auf solche Weise Gekränkten zu, einen Schadenersatz bis zur Höhe von 500 IDollar zu beanspruchen. Ein besonderer Punkt des Gesetzes verbietet bei sonstiger Verhaugung derselben Strafen auch die Plakatierung oder Annonzierungj daß eine gewisse Kategorie von Gästen wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Rasse in dem Hotel, bzw. in <f öffentliehen Lokale oder anderen Plätzen uncrw; icht sei. Dieses Gesetz wurde seinerzeit von den Juden, die von einer großen Anzahl einflußreicher nicjitjüdischer Persönlichkeiten unterstützt wurden, gefordert, weil sich die Fälle gehäuft hatten, in denen Hotelbesitzer «der Leiter von Kuranstalten, Bclustigungsetablissements usw. durch Anschläge und Zeitungsannonzcn bekannt gegeben haben, daß in ihren Etablissements jüdische Gäste nicht erwünscht seien. In New York starb Etiakom Zunser, der älteste und populärste Dichter in jüdischer Sprache, über 80 Jahre alt. Seine Dichtungen, von denen viele in Musik gesetzt wurden, gewannen außerordentliche Verbreitung; von ihm stammen wenigstens 650 Lieder, wovon er selbst einige ins Hebräische übersetzt hat. . Er stammte aus Wilna, von ganz armen Eltern. Unter grollen Opfern und Entbehrungen erwarb er sich, in den Pausen schwerer Arbeit um das tägliche Brot, eine hebräische Bildung, Er hielt sich in vielen Städten Rußlands auf, arbeitete bei Tage und studierte nachts. Als Soldat begann er, um sich die Zeit zu vertreiben, zu dichten. Nach der Militärzeit kehrte er nach Wilna zurück; jetzt begannen einige seiner Dichtungen aus Abschriften bekannt zu werden. Da wandte er sich dem Berufe des ״Badchen“ zu, des Hochzeitsdichters, und als solcher wurde er bald in ganz Rußland berühmt. Man zahlte ihm bis 200 Rubel für ein ״Engagement“, 1871 verlor er seine Frau und vier Kinder durch die Cholera und übcrsiedclte nach Minsk, 1889 nach New York. Er war ein begeisterter jiidisdier Nationalist und gab dieser seiner Gesinnung in vielen Dichtungen Ausdruck, * Zur Beachtung / ',;י־ Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau" erscheint wegen der Feier» tage am Mittwoch, den IS. Oktober. ׳ TÜRMEN und SPORT Der Jüdische Turnverein Bar Kocliba veranstaltet am Dienstag, den M. Oktober 8 V» Uhr abends ein Zusammenturnen aller Jugendabteilungen in der Tumhalle der III. Jugendabteilurig in Charlottenburg, BIcibtrcustr. 43. Es soll dieses Zusammenarbeiten zeigen, was die Sommerarbeit des Bar-Kochba in den Jugcndabteilungen geleistet hat und den einzelnen Mitgliedern Anregungen für die Winterarbeit geben. Es wird daher um recht zahlreiches Erscheinen gebeten. Jüdischer Frauenbund für Turnen und Sport. Die Vereinswohnung ist nach Bülow- Straße 19, Gth. 11 verlegt worden. — Die Fechtabteilung, die unter der Leitung von Herrn Fechtmcistcr Ncralitseh steht, hat mit den Uebungen begonnen. Auskunft erteilt Frl. Anni Bloch, Bayrische Straße 28. ' ' ZIONISTISCHE BEWEGUNG Am 1. Oktober ist Herr Fritz Abraham, der leitende Redakteur der ״Jüdischen Rundschau“, «der unserer Redaktion seit einer Reihe von Jahren angehörte, aus der Redaktion ausgeschieden, um sich seinen sonstigen Berufsarbeiten besser widmen zu können. Wir hoffen bestimmt, daß uns die schätzbare Kraft unseres lieben Kollegen auch in Zukunft für die Mitarbeit an der ״Jüdischen Rundschau" stets zur Verfügung stehen wird. Der geschäftsführende Ausschuß der Z. V. f. D. dankt Herrn Abraham auch an dieser Stelle für seine Treue und unermüdliche Arbeit. Unsere Gesinnungsgenossen in Hamburg haben seit dem 1. Oktober ein eigenes Organ: die ״Hamburger Jüdischen Nachrichten“. Die erste Nummer dieser Wochenschrift enthält außer dem Programm des neuen Blattes, das dem Zionismus dient, verschiedene Artikel zionistischen und allgemeinjüdischen Inhaltes, Besprechungen literarischer Neuerscheinungeil, Nachrichten usw. Wir begrüßen' unser neues Brudcrblatt auf das herzlichste und wünschen ihm gutes Gedeihen. Am 7. Oktober!and in Königsberg i. Pr. ‘die Vermählung des Herrn Kurt BI u m e n f e 1 d , 'Sekretär des Zionistischen Actions-Comites, mit Fräulein Jenny Hurwitz statt. Wir gratulieren unserm bewährten Freunde hcrzlichst. VEREINS-RUNDSCHAU Berlin. Der neugegründete ״Freie zionistisehe Klub" eröffnet demnächst seine Tätigkeit mit einem Vortrage Martin B u b e r s. Wer zu den Veranstaltungen des Klubs eingeladen zu werden wünscht, wendet sich an Herrn Leo Herrmann, W. 15, Fasanenstr. 42. Berlin. In der Jüdisch-nationalen Frauenvereinigung spricht am Montag, den 13. Oktober, im großen Saale des Tiergartencafes Frau Bella Pewsner über ״Der Einfluß der jüdischen Frau auf die jüdische Zukunft.“ Berlin. Am Sonntag, den 12. Oktober, nachmittag 4 Uhr, beginnt in den Räumen der Talmud Thora, Dragonerstr. 45, der Unterricht des hebrl- Ischen Kinderklubs der Jüdisch-nationalen Frauen- Vereinigung. Der Unterricht, sowie alle Vcranstaltungen des Klubs, ebenso Bücher, als auch sonstige» Lehrmaterial sind unentgeltlich. 40 Schülerinnen im Altar von 12—15 Jahren haben sich bereits angemeldet. Der Unterricht wird von einer palästinensischcn Kindergärtnerin, Frl. Nachama Kless, erteilt. Berlin. Die Jiidisch-nationale Frauen Vereinigung errichtet Ende Oktober im Westen, zwischen Wilmersdorf und Charlottenburg einen hebräischen Kinderzirkel. Anmeldungen nimmt Frau Lina Wagner-Tauber, Uhlandstr, 116/117, entgegen. Berlin. Der Jüdische Frauenbund für Turnen und Sport teilt mit, daß sein Winterfest am 23. November stattfindet, und bittet, die befreundete» י Vereine auf die Festsetzung dieses Termines Rücksicht zu nehmen. Berlin. Am Sonnabend, den 1. November, veranstaltet der Jüdische Turnverein Bar Kochba anläßlich seines 15. Stiftungsfestes einen Ball im Kaisersaal des Zoologischen Gartens. Wir bitten die befreundeten Vereine, diesen Abend nicht anderweitig zu besetzen. 1■

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