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Jüdische Rundschau · 1913-10-10 · Heft 41 (10.10.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Seile 437 einmal einen jüdischen Ritualmord gegeben habe. Die Versammlung verwahrte sich dagegen, daß in dem Kiewei• Mordprozeß die Blutbeschukligung sozusagen unter staatlichem Schutze in die breiten Volksmassen getragen werden solle. Bericht über den Jüdischen Nationalfonds erstattet dem XI. Zionisten-Kongreß von Justizrat Dr. M. U o d c n h c i m e r, (Schluß.) Jedenfalls habe ich die große Genugtuung bei meiner Reise durch unsere Kolonien empfunden, daß man allenthalben der Arbeit des J. N.-F. volle Auer• kenmmg zollt, und habe ich hieraus die Ueherzeugung geschöpft, daß wir uns auf dem richtigen Wege hefinden. Wenn auch hie und da bei unseren Vor• suchen ein Fehler gemacht worden sein sollte. Ich komme nun in aller Kürze zu einer Frage, welche die Ocffcntlichkcit in dett letzten Wochen beschäftigt hat. Es ist bekannt geworden, daß das Engere A. C. den Plan einer größeren Zentralisation unserer Arbeit auch dadurch zu verwirklichen strebt, daß cs dem Gedanken einer Vereinigung des Nationalfondsbureaus mit dem Zentralbureau in Berlin nähergetreten ist. Entsprechend den Wünschen des Engeren A. C., sind denn auch Beschlüsse auf den einzelnen Distriktsversammlungcn von zionistischen Vertrauensmännern gefaßt worden. Auch in Landsmannschaften hat man diese Frage bereits erörtert. Ich halte es daher für meine Pflicht, meine Stellungnahme zu dieser Frage in voller Klarheit zum Ausdruck zu bringen. Die Frage, um die es sich hier handelt, hat ihre prinzipielle und praktische Seite. Uebcr das Prinzip, das mit der Frage der!Vereinigung unserer Vcrwaltimgsinstitutc und dem A. C. zusammenhängt, will ich an dieser Stelle nicht sprechen. Hierzu wird wohl noch Gelegenheit vorhanden sein, wie ja überhaupt leider der Kongreß viel zu sehr mit Prinzipienfragen beschäftigt ist, um sich der Erörterung unserer praktischen Aufgaben mit genügender Ruhe zu widmen. Wenn man aber auch prinzipiell den Standpunkt der Zentralisation vertritt, so ist die Frage der praktischen Durchführung dieses Prinzips dennoch eine erst noch zu prüfende Frage der Zweckmäßigkeit. Was nun diese Frage der Zweckmäßigkeit betrifft, so sprechen gewiß manche gewichtige Umstände für eine Vereinigung des Nationalfondsburcaus mit den Bureaus in Berlin. Es ist einleuchtend, daß eine solche Vereinigung an einem Orte die Arbeiten erleichtern wird. Absolut zwingend erscheinen mir die Momente für eine solche Uebcrsicdluug nicht, da ich glaube, daß auch bisher die Arbeit befriedigend gefördert werden konnte, wenn auch die Teilung der Bureaus die Ucberwinduiig einiger Schwierigkeiten uml Reibungsflächcn erforderte, wie cs in größerem oder geringerem Maße immer der Fall sein wird, wenn verschiedene Vcnvaltungszweige nebeneinander arbeiten. Es ist aber auch bei den Beratungen in den Landsmannschaftssitzungcn davon die Rede gewesen, daß mit der Uebcrsicdluug eine Verbilligung der Verwaltungskosten möglich sei. Das halte ich für einen Irrtum, dem ich entgegentreten möchte. Die Arbeitskräfte aller unserer besoldeten Beamten sind zurzeit voll ausgeuutzt und sind dieselben sogar zeitweilig bis zur Erschöpfung tätig. Außerdem bilden die Ausgaben unseres Hauptbureaus nur einen kleinen Teil unserer allgemeinen Verwaltungskostcn. Sic hetragen etwa 50 000 M., was noch nicht 8"« der gc• samten Spendenerträgnisse ausmacht. Unsere bedeu• teil (len Verwalt ungsspesen erwachsen dadurch, daß wir die gesamte Last des Paliistiiia-Amtcs auf unserc Schultern genommen haben, was ca. 30 000 M, ausmacht. Eine« weiteren Posten machen die Sub• veutionen aus, die der NatiouaKonds zur Entlastung des A. C. für gewisse Institute gewährt, wie z. B. das Technikum in Haifa und der Be/alei itt Jerusalem, Den größten Posten machen die Ausgaben für die Sanunelstellen in den verschiedenen Ländern mit ca, 00 000 M. aus. Die Kosten des Palästina-Amtes, die Subventionen und die Sanunelstellen werden durch die Verlegung des Bureaus überhaupt nicht berührt, Würden die Spenden, die heute zum größten Teil sich aus Hellern, Groschen, Mark und Kronen zusammensetzen, durch Zuwendung von letztwilligen Verfügungen und Stiftungen sich erhöhen, so würde sich der Prozentsatz der Ausgaben in Köln noch wesentlich ermäßigen, was ich an dieser Stelle bcsonders betonen möchte. Mit der Verlegung des Sitzes nach Berlin hat das natürlich nicht das ge* riugstc zu tun. Ich fürchte aber, daß eine Erhöhung der Burcau-Ausgahcn dadurch entstehen könnte, dall der Posten eines besoldeten Direktors geschaffen werden muß, da nicht anzunchmen ist, daß sich in Berlin eine Person findet, die einen erheblichen Teil Ihrer Kraft und Zeit ini Ehrcnaintc dieser Aufgabe widmet. Ueber die Höhe eines solchen Ausgabepostens mochte ich hier auch nicht andeutungsweise sprechen. Ich glaube nicht, daß aus diesem Grunde eine Notwendigkeit für die Verlegung gegeben sein würde. Eine Beschlußfassung in dieser Frage ist jederzeit durch die Generalversammlung des Natioualfonds möglich, die selbstverständlich die in Betracht kaminenden IJiur.tamlc auf da* sorgfältigste und gewissen* haftest!.' erwägen wird. Praktisch ist die Uebcrsicdluug ohne Schwierigkeit durclizutührcii, und wird cs möglich sein, wenn die Generalversammlung einen solchen Beschluß faßt, das Bureau in der Zeit von wenigen Wochen ohne Störung unserer Arbeit nach Berlin zu verlegen. Selbstverständlich werde ich dann zu meinem größten Bedauern die Leitung des Nationalfonds in andere Hände legen müssen, da der Leiter des Nationalfonds unter allen Umständen an dem Orte wohnen muß, wo die Verwaltung ihren Sitz hat. Es ist auch in weiten Kreisen davon gesprochen worden, daß ich geneigt sei, meinen Wohnsitz nach Berlin zu verlegen, um dem verschiedentlich geäußerten Wunsche nachzukommen, auch im Falle einer Verlegung des Burcaus die Leitung des Nationalfonds beibehalten zu können. (Lebhafter Beifall.) Wenn dies auch eine rein persönliche Sache ist, halte ich es doch für meine Pflicht, hierüber völlige Klarheit zu schaffen, ehe Sie ihre diesbezüglichen prinzipiellen Beschlüsse fassen. Verzeihen Sic, Sie müssen erst abwarten, was ich dazu zu sagen habe. Ihr Beifall ist für mich sehr wohltuend und erfreulich, kann mich aber doch nicht davon abhalten, Ihnen eine kleine Enttäuschung zu bereiten. Man hat mir angeboten, den Posten des Präsideuten des Nationalfonds zu besolden, und zwar in einer 80 weitherzigen Weise, daß mir eine lieber- Siedlung materiell möglich gemacht werden könnte. Ich habe alle Anregungen in dieser Richtung rundweg abgeschlagen. Den Grund möchte ich mit einem Worte erwähnen. Ich habe bisher meine Ehre darein gesetzt, die Arbeit für den Nationalfonds, die oft Zeit und Kraft in erheblicher Weise in Anspruch nahmen, ohne jedes Entgelt Im Ehrenamt zu verwalten. Nachdem ich diesen Standpunkt durch viele Jahre festgchalten habe, widerstrebt es meinem Empfinden, in der Stellung als gewählter Präsident des Nationalfonds auf ein Gehalt durch den Nationalfonds meine Existenz aufzubauen. Ich habe auch den Eindruck, daß dies dem Nationalfonds selbst erheblichen Schade!« bringen könnte. Der Vorsitzende des Nationanuiids befindet sich in dieser Hinsicht in einer exzeptionellen Lage, Ich bin durchaus nicht gegen das Prinzip der Honorierung der obersten Exekiitivbehördc, ich würde es aber für einen großen Fehler halten, den Vorsitzenden des Nationalfonds zu besolden, der auf eine Sammeltätigkeit und eine opferwillige Leistung der Juden der ganzen Welt gestellt ist, Er kann mit weit größerem Nachdruck an die Opferwilligkeit der Juden der ganzen Welt appellieren, wenn er selbst auch das Opfer bringt, seine Zeit und Arbeitskraft dem Nationalfonds in uneigennütziger Weise zur Verfügung zu stellen. Wo aber auch der Sitz der Leitung sein mag, und wer sich immer an der Spitze derselben bcfinden möge, so möchte ich, da ich nicht weiß, ob ich noch die Gelegenheit habe, an autoritativer Stelle dies zu vertreten, die folgenden Grundsätze den Verwallern des jüdischen Volksschatzcs aufs wärmste ans Herz legen. Die Popularität, die sich der Nationalfonds erworben hat, beruht vor allem auf zwei Grundlagen: Erstens auf dem Zwecke, dem der Nationalfonds grundsätzlich dient, d. h. insbesondere der praktischen Ausgestaltung seines Arbeitsgebietes in Palästina, zweitens auf dem Vertrauen, welches sich das Direktorium durch die Vorsicht seiner Geschäftsführung und das strenge Festhalten an den statutarischen Vorschriften des Fonds erworben hat. Diese Popularität ist ein Hoffnungsanker für die Zukunft. Wir sehen, daß selbst Kreise, die dem Zionismus fernstchen, anfangen, zu dem Ernst unserer Arbeit und dem Segen, der durch dieselbe gcstiftet wird, Zutrauen zu gewinnen, so daß wir die Ueherzeugung haben, daß der Fonds nicht nur ein Vermögen ist, das dem ganzen jüdischen Volke dient, sondern auch von den Juden der ganzen Welt ohne Unterschied der religiösen oder politischen Gcsinmmg gesammelt wird. So wird einmal der jüdische Nationalfonds einen Sammelpunkt der gesamten Judeiiheit, nicht nur in der Theorie, sondern in der Wirklichkeit bieten, um zukünftigen Geschlechtern den Segen unserer Arbeit zu tibermittein. Und nun nach diesen Ausführungen habe ich wohl das Recht, an ihr* weitere Mitwirkung für die Vergrößerung des Nationalfonds auf das energischeste zu appellieren. Gewaltige Aufgaben stehen uns in Palästina bevor. Die Entwicklung der Dinge läßt erwarten, daß der Nationalfonds schon in naher Zeit berufen ist, richtunggebend für die Entwiclc* lung der Kolonisation in Palästina aufzutreten. Für die größte dieser Aufgaben sind die uns jetzt zur Verfügung stehenden Summen eine unbeachtliche Bagatclle, und es ist jetzt Eure Pflicht, in allen Ländern mit der größten Energie und Opferwilligkeit die Organisation auszubaucn, die dazu dienen toll, P aiästina zu einem blühenden Garten für das jüdische Volk zu machen. (Lange anhaltender, stürmischer Beifall.) Die Frau im Zionismus Referat, gehalten von Frau Edith Lachmann• König•- 11 tattc in der zionistischen Fraucnvcrsammlung am , 11. zionistischen Kongreß, Indem ich Sie herzlich im Namen des vorbereitenden Komitees begrüße, bitte ich Sie, ehe wir in die Diskussion cintrcten, mir einige Minuten Ge• hör zu schenken, um Ihnen sagen zu können, was wir eigentlich wollen und mit welcher Berechtigung wir unsere Forderung der Gründung einer zionistischen Frauenweltorganisation aufstellen. Die Zionistlnnen sind vorläufig in derselben Lage wie einst die Zionisten in ihrem Anfangsstadium, bevor sic organisiert wurden. Hier eine, da eine, jede möchte gern ihrem Volke etwas Großes leisten, muß sich aber leider nur auf kleine Arbeit beschränken, weil ihr eben diese Organisation fehlt, die ihr Bedingungen für Arbeiten im großen Stil verschafft. Es hat sich gestern bei der Kulturvcreinsversammlung bei einigen Zionistinnen mit Recht ihr zionistisches Empfinden geltend gemacht. Ganz instinktiv haben sie gemerkt, dafi ihnen eine Stätte fehlt, wo sie ihre rein zionistischen Fraucnangclcgcnhciten besprechen können. Der Kulturverein muß selbstverständlich existieren, aber unbedingt nur als neutrale Organisation und wir müssen ihn nach Kräften unterstützen; ich selbst habe ja auch schon eine ganze Menge für den Kulturverein gearbeitet und werde cs auch weiter tun; doch trotzdem muß es natürlich auch neben dem Kulturvereine eine zionistische Frauenorganisation geben, die nicht kulturelle Dinge in Palästina, sondern zionistischc nationale Arbeit hier in der Diaspora leisten muß. Nun werden Sie mir vielleicht einwenden, daß jede Frau ja in der zionistischen Organisation arbeiten kann, wenn sie will. Dem steht erstens die Tatsaclie gegenüber, daß bis jetzt sehr wenig geschehen ist, zweitens können natürlich nur die Organisierten in ihren eigenen Reihen gut und richtig arbeiten, wie Sie ja dasselbe bei Turnern, Studenten, Handlung*- gchiifen usw. finden. Die organisierte Frau kann natürlich auf die Frau einen viel besseren Einfluß nehmen, als eine allgemeine Ortsgruppe, die ja die Frau viel zu wenig kennt. Drittens verlieren die Frauen die Scheu vor dem Eingreifen in eine Diskussion, wenn sic unter sich sind und schließlich gibt es eine große Anzahl spezieller Aufgaben, die nur die Frau leisten kann. Doch darauf komme ich noch zurück. Welche Zwecke und Ziele sollen nun diese zionistischen Frauenorganisationen und die zionistischen Frauen vereine haben? Die Frauenorganisation soll vor allen Dingen die Frauen der ganzen Welt in Gruppen oder Vereine natürlich zur zionistischen Arbeit organisieren. Demi darüber sind wir uns im Zionismus schon langst klar geworden, daß nur die richtig Organisierten etwa» Ganzes leisten. Ich will zugeben, daß hic und da auch die Frauen etwas für den Zionismus tun: Nationalfondbiichscn leeren, Schekel sammeln und solche Handgriffe, aber das ist keine richtige zionistischc Frauenarbeit, die liegt schon noch etwas tiefer und auch Hcrzl hat sich wohl unter der zionistischen Frauenarbeit etwas ganz anderes gedacht, als er mit Stolz auf Dcborah zurückblickend, ausrief: ״Alles könnte die jüdische Frau dem jüdischen Volke sein,“ Doch um dieses große Alles leisten zu können, müssen wir organisiert sein, sonst wird weiter so wenig erreicht wie früher. Doch schwere Aufgaben harren unser, meine Damen, denn wir müssen ja, bevor wir die jüdische Frau für den Zionismus gewinnen, ihr erst die alte jüdische Frauenwürde wieder geben, die ja so viele Jüdinnen verloren haben. Sehen Sie sich einmal einen großen Teil der jüdischen Frauen, die Mütter unserer Kinder an, wenn sie nur elegante Dame sein wollen, nur Interesse habend für Toilette und Tand, flirten auf den Promenaden von Marienbad und St. Moritz. Ich empfinde für keine Geschöpfe größere Verachtung, als für solche pflichtvergessene Frauen, und diese sollen unsere nächste Generation erziehen, von der wir. so viel erhoffen? Bedenken Sie, wie verantwortungslos wir in den Tag hineinleben, wenn

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