Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 406 Nr. 38 JUEDISCHE RUNDSCHAU Zionisten! Die Ablösung der Roschhaschaiuihwünsojic ist eine gute Gelegenheit, dein ״Jüdischen Narionalfonds“ Fernstellende zu Freunden zu gewinnen. Immer mehr wendet mau' sich in jüdischen wie nichtjüdischen Kreisen von der törichten Sitte ah, Freunde und Dekanate bei festlichen Gelegenheiten mit mehr oder minder stereotypen und geschmacklosen Karten zu überschwemmen. Die allein vernünftige Reform, sich von dieser Verpflichtung durch irgendeine Spende zu entbinden, ist überall auf dem Marsche. Da kann cs nicht schwer fallen, auch dem Gleichgültigsten klaramiachen, daß die Summen, die hier zum jüdischen Feiertage gespendet werden, in erster Linie dem jüdischen Volksschatze zugute kommen sollten. Und wer so zum ersten Male Fühlung gewonnen hat mit einer Institution unserer großen nationalen Bewegung, dessen Anteilnahme wird leicht wachzuhalten und fortzuentwickeln sein. In vielen Städten sind nach den uns zugegangenen Nachrichten die Vorbereitungen für eine zweckmäßige Propaganda der Ablösungen und die Einsammlung der Beträge in vollem Gange. Säumige Ortsgruppen und Kommissare mögen sofort das Nötige veranlassen. Wie alle unsere Sammlungen stellt auch diese eine Kraftprobe dar! Der Wettstreit der einzelnen Ortsgruppen möge das Seine tun, den Eifer anzuspornen, denn vielleicht findet sich nach Schluß der Ausweise wiederum ein Statistiker, der die Leistungen nach Maßgabe der Schekelzahler oder der jüdischen Einwohner gegeneinander abwiigt. Wir wissen, wie riesengroß die Aufgaben sind, die gerade jetzt des Nationalfonds in Palästina warten. Unserer Arbeit sind von Kennern des Landes und kolonisatorischen Autoritäten die Wege gewiesen und die Anforderungen an . unsern Fonds, damit aber auch die Möglichkeiten seiner Entwicklung, wachsen stetig. Unsere Erfolge aber werden mit in erster Linie abhängig sein von den finanziellen Opfern, die wir zu bringen imstande sind. Roschhaschanah 5674 soll uns ein Prüfstein sein für das Maß unserer Leistungsfähigkeit, Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland. Jüdischer Turnverein Bar Kochba :: Berlin Sonnabend, den 20. September im großen Saale des Tiergartenhofs öffentliche Tagesordnung: 1. Das Jubiläumsschauturnen der Jüdischen Turnerschaft und der XI. Zionistenkongreß Referenten: Rechtsanwalt Dr. Klee, Dr. Heinrieh Loewe, Erich Burin 2. Nationale Erziehung im Bar Kochba, Aufgaben und Arbeitsmethoden Referent: Rechtsanwalt Greifenhagen Zur Deckung der Unkosten werden 25 Pfennig erhoben TURHcM &.SP0RT Jüdischer Turnverein Bar Kochba, Berlin. Die Wimerarbnt im Verein verspricht sehr anregend zu werden. Besonders trifft dies für die iin Juni gegründete dritte JugciKlabtcilung zu, die in Charlottenbürg am I)ienstagabcml von 14,9—-10 Ulir in der Halle Blcibtrcustr. 43 turnt. ]in Sommer wurde das 'rinnen durch einen regen Sportbetrieb an zwei Tagen in der Woche unterstützt. Im Winter wird nicht nur der '1 tirnbetridi sieh sehr rege gestalten, sondern die Mitglieder werden auch durch gesellige Zusammenkünltc mit den andern Abteilungen, Vorträge u-w. einander näher geluncht werden. Leider ist die Mitgliederzahl noch keine so grolle, daß es lohnt, schon jetzt größere Veranstaltungen vorzuseheu. Wir hoffen jedoch, daß uns in unserer Propaganda alle Gcsinmmgsgenossc» unterstützen werden. Wir bitten, Adressen zu Einladungen (junge Leute von 14—18 Jahren) an unser Bureaif, Bleibtreustr. 25, zft senden. Turn- und Sport-Verein Königsberg 1. Pr. (im Verbände der Jüdischen Turncrschnft) Unser Verein, der nunmehr auf ein dreijähriges Bestehen zurückblickt, hat in diesem Sommer erfreuliehe Fortschritte gemacht. Der Versuch, das Hallenturnen den Sommer hindurch ohne Unterbrechung (ortzusetzen, ist in recht erfreulicher Weise geglückt, so daß es uns gelungen ist, eine Riege guter GerätturiKT heranzubilden und für den Winterbetrieb bestens vorzuarbeiten. Daneben ging ein lebhafter Sporlbctricb, als dessen Folge uns unser erstes Fußb a 11 m a t c h gegen einen hiesigen Verein einen Sieg mit 3:2 brachte. Beim Palästra-Fcst erwarben drei von unseren studentischen Mitgliedern (V, J.St.) Preise, davon einer einen ersten. Weitere Erfolge unseres leichtathletischen Trainings haben unsere volkstümlichen Wettkämpfe, die wir am Sonntag, den 7. er., veranstalteten, gezeigt. Neben Turn• und Sporlbctricb gingen zahlreiche Turnmärsche, u. a. eine dreitägige Turnfahrt nach Masuren mit reger Beteiligung. Wir veranstalteten zwei Versammlungen, ln der einen berichtete Herr Piczewick über den ersten Turntng des Deutschen Kreises, in der zweiten sprach Herr cand. med. Rosen bau ni vor 400 Zuhörern über die Palästinawandcrfahrt. Für das Winterhalbjnhr beabsichtigen wir neben der Durchführung eines regen, vielseitigen Vcrcinshctriebcs die Einieitung einer energischen Propaganda, um immer weitere Kreise der jüdischen Jugend Königsbergs zur aktiven Anteilnahme an unseren Bestrebungen heranzuzichcn. Der Turn- und Sportverein Königsberg (in1 Verbände der Jüdischen Turncrschnft) feierte arn 7. September sein 111. Stiftungsfest durch ein S p o r t m e c t i n g. Der Einladung des Vereins war eine zahlreiche Menge gefolgt, die in früher Morgenstunde auf den Sportplatz hinauswanderte, um den Wettkämpfen beizuwohnen. Das Gebotene lohnte die Mühe. Es war eine Freude, unsere Jungen und Jüngsten in einen! Faustballwettspiel, im Fünf- und Dreikampf und im Lauf über kurz.c wie lange Strecken ihre Kräfte messen zu sehen. Dfe Leistungen waren, speziell in den Läufen, zum Teil ganz hervorragend und verdienten den lebhaften Beifall der zahlreichen Zuschauer, mit dem auch nicht gekargt wurde. Abends vereinte dann ein fröhlicher Koni in e r s Turner, Turnerinnen und Gäste zu gemütlichem Beisammensein. Dr. Pc Iz hielt eine mit Begeisterung aufgenommene Rede, in der er auf die erhöhte Bedeutung des Turnens als vorzügliches nationales Erziehungsmittel himvics, und die er, alle Wünsche an die Turner und Turnerinnen zusammenfassend, mit den Worten schloß, die als Devise unserer Turnbewegung gelten dürfen: ״Seid stolz und stark!" Bei der Prcisvcrtcilung wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl mit der großen jüdischen Turnbewegung durcli Entsendung eines Brudergrußes an die gerade in Wien zum Tum- und Sportmeeting der Jüdischen Turnerschaft versammcltcn Turner — es nahmen auch drei Mitglieder des hiesigen Vereins teil — zum Ausdruck gebracht(־׳ « AUSFALLES WfiLT ״ Deutschland Die Gesellschaft zur Förderung des Christentums unter den Juden hat ihren 91. Jahresbericht herausgegeben. ״Es haben,“ so heißt es in dem Bericht, ״im letzten Jahre in Deutschland 9 Juden und Jüdinnen sich taufen lassen, als Frucht der besonderen Arbeit der Judenmission, welche die Taufe nur denen ermöglicht, die wirklich aus innerem Herzensbedürfnis heraus sich dem Christentum zuwenden wollen.“ Von den ׳ getauften Männern waren: 1 Schneider, 1 Kellner, 2 Kaufleute, 1 Maler, 1 Fabrikdircktor, 1 Generaldirektor, 1 Diplomingenieur, 1 Arzt; von den Frauen waren: 2 Ehefrauen, eine davon Acrztin, 2 Verkäuferinnen und 2 ohne Beruf. Das Organ der Gesellschaft, der ״Messiasbote“, ist in 12 500 Exemplaren zu ihren Freunden und Förderer!! liinaiisgcgangeii. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1912 ergibt eine Einnahme von 36391,0(» M, und die Summe der Ausgaben mit 40 192,07 M. Das Geschäftsjahr schließt also mit einem Fehlhelrag von 3301,01 M. ab. Wenn die Erfolge der Mission in Deutschland im Verhältnis zu den großen Aufwendungen erfreulicherweise noch geringe sind, so zeigt doch das Beispiel Londons und anderer Städte, daß die Herren ihr Prinzip von dem ״wirklichen Herzi-nshediirfnis“ des Proselyten mir ein wenig weitherzig atis/.iilcgcn brauchen, um zu einer ernsten Gefahr für das Judentum zu werden. Deshalb wäre nichts verkehrter, als die Methode, über die Bcstrcbilligen dieser sonderbaren Schwärmer mit einem heiteren Achselzucken himvcgzitgehcn. Wie alljährlich um die Jahreswende ist jetzt Dr. M. Poppclaucrs Berliner Volkskalender für Israeliten auf das Jahr 5674 (1913—11) erschienen, Audi diesmal, in seinem 51. Jahrgang, steht er in bezug auf seinen reichhaltigen Inhalt nicht hinter seinen Vorgängern zurück und wird nach wie vor in jedem jüdischen Hause gern gesehen und gebraucht werden. AUS HAMBURG-ALTONA Schekclzahlcr-Versammlung am Dienstag, den 23. September, abends »/19 Uhr, präz., im Logenheim, Hartungstr. 9/11. Berichterstattung der Hamburger Kongreß-Delegierten, der Herren Dr. Victor und Leopold Lan* dau, über den XL Kongreß. Anschließend Diskussion. » Jahresabonnements auf die ״Welt" nimmt das Bureau der Zionistischen Ortsgruppe, Gr. Bleichen (Tel. Gr. 4 8326) entgegen. Die Erhebung der Abonncmentsbeiträgc geschieht in Zukunft gleichfalls durch das Bureau. Das Bureau vermittelt ferner Bestellungen für den Jüdischen Verlag, N.-F.-Ausweise für die ״Jüdische Rundschau" Absendungen von N.-F.-Telegrainmeit usw. Sämtliches Propagandamaterial ist dort erhältlich. Zn Beginn der Propaganda-Arbeit für den kaminenden Winter, ersuchen wir alle Gcsinnungsgcnossen, Adressen solcher Personen, die für den Zionismus zu interessieren sind, frcundlichst an unser Bureau gelangen zu lassen. ״U n s c r Stammt isc h" hatte zum Abend des 14. September seine Freunde eingeladen, um ihnen kurzen Bericht über den Verlauf des XL Zionistenkongresscs zu erstatten. Es waren ca. 60 Damen und Herren anwesend. Herr W arisch, Mitglied der Misraclügruppe H.-A., referierte in objektiver, formvollendeter Weise hauptsächlich über denjenigen Teil der Verhandlungen, welcher seine engeren Gcsin• nungsgenossen besonders interessierte. Er zog aus der erfreulichen Tatsache, daß außer den organisierten Misrachisten noch eine große Anzahl dieser Fraktion »licht angehörender Zionisten als fXlcgiertc anwesend waren, den Schluß, daß unsere Idee auch bei den gcsctzcstrcuen Juden immer mehr Eingang finde. Diese Herren hatten sich auch zum Teil der Misrachifraktion angeschlossen. Auch habe, wie ja nicht anders zu erwarten sei, der Kongreß im ,,Falle Böhm" gezeigt, welch tiefes jüdisches Gefühl ihn beherrsche, so daß der so oft gehörte Einwurf der Unjüdischkeit seitens orthodoxer Kreise gegenüber unserer Bewegung durchaus ad absurdum geführt sei. Herr Jos. Gold schmidt schilderte mehr die allgemeinen Ereignissc und Bilder in und um den Kongreß. Er verbreitete sich besonders über die erhebende und feierliche Stimmung beim Gang zum Herzlgrab, sowie über den glänzenden Erfolg des Turnens und des Sportfestes. Auch war er der Ansicht, daß der Kongreß durch die glückliche Wahl eines großen jüdischen Zentrums in agitatorischer Hinsicht gewirkt habe. Herr Moritz Gold- Schmidt ging mehr auf die eigentlichen Verhandlungen und die Streitfragen ein, die diese Tagung beherrschten und kam zu dem Schlüsse, daß die stantinopc! erstklassig vertreten sein müßten. Die Redner konstatierten mit Genugtuung die Einigung in der Bankfragc, wodurch unserer Arbeit hervorragende Führer erhalten bleiben. Der Beschluß der Universitätsgründung, sowie die Mitteilung über die bereits gezeichneten hohen Spenden, machte auf die Anwesenden ersichtlich tiefen Eindruck. Lebhafter Beifall lohnte die Redner. Zum Schluß wurde für den N. F. gesammelt. VZeReiNS^RUNDSCHAU Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet am Dienstag, den 23. September, abends 9 Uhr, im großen Saale der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11, eine große jüdische Volksversammlung. Tagesord- Löst die Roschhaschanahwünsche durch den Nationalfonds ab!