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Jüdische Rundschau · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37 J U E DI S CHE RUNDSCHAU Seite 391 Weizrnann sagte, ״wir nehmen das nicht ernst“, ich möchte mich nicht so ausdrücken. Ich weil), dal) es indcrzionistischcnHcwcgungkcincUl• tiniatengcbcndarf. Ein Zionist, der sich aus der Organisation zurückzicht, weil seine Ansicht nicht durcligcdrungeii ist, von dem wissen wir, er war kein Zionist. (Beifall und Händeklatschen.) Und die Männer, um die es sich hier handelt, sind Zionisten und deswegen können sie sich hier nicht zurückziehen. Aber ich bitte, daß man im Interesse der Zukunft unserer Organisation sich scheut, solche Worte auch nur zu gebrauchen. Wir stehen noch in den Anfangssladicn unserer Bewegung, noch haben wir für alle Platze, die wir besetzen müssen, sehr wenige Kandidaten. Wir erklären Ihnen ohne weiteres, es ist eine moralisclte Notwendigkeit für uns, daß Sie diesen Beschluß revidieren. Welche Form Sic finden, ist Ihre Sache. Wir sind nicht hergekommen, um jemanden zu verdrangen, wir dürfen cs nicht. Aber wir sind überzeugt, daß die zionistische Atmosphäre bei uns so zionistisch ist, daß jeder von uns die Möglichkeit hat, mit jedem von uns in ihr zu arbeiten, (Sturmi* scher Beifall.) Vizepräsident Dr. Boclcnhcimcr: Ich werde jetzt die Anträge verlesen. Der erste Antrag lautet: ״ יDer XI. Kongreß spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen und seinen tiefsten Dank für die von ihm geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt ihm die Dcchargc. Der Kongreß drückt dem Großen A. C. sein unbeschränktes Vertrauen aus und fordert, daß demselben als der höchsten Instanz der Bewegung ein entscheidender Einfluß auf die Bestimmung der Richtlinien der Tätigkeit der Finanzinstitute cingeräumt wird.“ Dieser Antrag ist gescliaflsordiumgsiniißig nicht zulässig, weil er nicht von 15 Mitgliedern unterschrieben ist. Derzweite Antrag lautet: ״Der XI, Kongreß spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen und seinen tiefsten Dank für die von ihm auf organisatorischem, politischem, kolonisatorischem und finanziellem Gebiete geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt dem E. A. C. die Dcchargc.“ Der Antrag ist gestellt von den Mitgliedern des russischen A. C. Der dritte Antrag lautet: ״Der XI. Zionistenkongreß, die politisch Volkstümlichc Grundlage des Zionismus hcrvorliebend und die eminente Wichtigkeit der kulturellen, nationalen und politischen, ökonomischen Gcgcnwarts* arbeit in Palästina betonend, spricht dem E. A. C. sein vollstes Vertrauen aus,“ Der Antrag ist unterzeichnet von Syrkin und wird genügend unterstützt. Der vierte Antrag ist gestellt von der wcstösterreichischcn Landsmannschaft und lautet: ״Der Kongreß spricht dem E. A. C, in Billigung der von diesem geleisteten erfolgreichen Tätigkeit seinen Dank und sein uneingeschränktes Vertrauen aus. Der Kongreß hält es in lieberem- Stimmung mit den Forderungen des E. A. C, für eine unerläßliche Voraussetzung der Fortcntwick- Jung der zionistischen Arbeit, daß dem Grollen A. C. über die Finanzinstitute und den Jüdischen Nationalfonds der entscheidende Einfluß cingcräumt werde.“ Der Antrag ist unterzeichnet von Dr. Emil M a rg u I i e s. Der fünfte Antrag ist von der sozialisti- «Chen Fraktion Poale Zion eingereicht: ״Wir beantragen, die Abstimmung über die Vertrauensfrage von der Resolution über die Einhcitlichkcit der Bewegung und der Banken zu trennen. Wir beantragen die Einsetzung einer Kornmission für die Bankleitungsfragc, die nach dem Referate über die Banken dem Kongreß Bericht erstatten soll." (Beifall.) Dcrscchstc A n t r a g ist von Herrn S im o n: ,,Der Kongreß gibt seiner Ucberzcugung Ausdruck, daß die oberste Leitung der zionistischen Bewegung in organisatorischer, politischer und finanzieller Hinsicht in den Händen des Großen A. C, als Vertreters des Kongresses liegen muß. Der Kongreß erwartet, dal) durch Verhandlungen zwischen den Vertretern des E. A, C. und den Vertretern der Finanzinstitute die Grundlage geschaffen wird für die Verwirklichung dieses Prinzips.“ Mehr als 50 Delegierte beantragen namentliche Abstimmung über den zweiten Absatz des Antrages der wcstösterreichischcn Landsmannschaft. Die nalästinensischc Landsmannschaft stellt folgenden Antrag; ״Der Kongreß spricht dem A. C. sein Vertrauen und seinen Dank aus und übergibt ihm die Aufsicht und den Einfluß über alle zionistisehen Institutionen." Die amerikanische Landsmannschaft beantragt, daß der Bericht des E. A. C. angenommen wird, mit Billigung und Anerkennung seiner Arbeit. Vizepräsident Bodenhcimcr erteilt Herrn Simon das Wort zur Geschäftsordnung. Julius Simon stellt, um einer Debatte über die Bankfrage nicht vorzugreifen, seinen Antrag zurück. Zur Geschäftsordnung sprechen noch die Delefierten Syrkin, Dr. Margulies und Blumeneld. Delegierter Kapla.iski begründet seinen Antrag, er erklirr, daß es nicht üblich ist, die Vertrauens* frage für das A. C. mit prinzipiellen Resolutionen zu verquicken, (Sehr richtig! Beifall.) Er verlange die Einsetzung einer Bankkommission, die diese un• gemein wichtige Frage, die für einen Teil des Kongrosses eine Kriegsfrage ist, eingehend studieren und nach Anhörung des Bmikrcfcratcs uns Bericht erstatten soll. (Zustimmung.) Del. Dr. Tschlcitow begründe» den Antrag der russischen Landsmannschaft. David Wolffsohn ist getreu eine Verquickung der Bankfrage mit der Dcchargc und erklärt, für das Votum nicht stimmen zu können, falls der Kongreß dieses Verfahren cinsclilägt. Es kommt schließlich der Antrag der Russischen Landsmannschaft zur ’Abstimmung, der folgender• maßen lautet: ״Der XI. Zionistenkongress drückt dem Engeren Actlonß*Comlt<5 sein vollstes Ver» treuen und seinen tiefsten Dank für die von Ihm ßtif orgnnlrntorlsehom, politischem) kolonisatorischem und finanziellem Gebiete geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt Ihm Dcchargc“. Wer für den Antrag der Russischen Landsmannseliaft ist, möge die Hand erlichen. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Geschieht.) — Der Kongreß hat dem L. A. C. einstimmig Dcchargc erteilt. (Stürmischer, langanhaltcnder Beifall.) Schluß der Sitzung. Siebente Sitzung Freitag, am Nachmittag des 5. September. Beginn der Sitzung um 3/45 Uhr. Die Sitzung, die wegen des hcrcinbrcchcndcn Sabbats nur kurze Zeit dauerte, wurde ausgcfüllt durch Erstattung des Nationalfonds-Refcrates von Dr. Bodenhcimcr, (Ächte Sitzung Sonnabend, ,am Abend des 6. September. Beginn: 8 Uhr. Infolge der Ausdehnung der Debatten wurde am Sonnabend eine N a c 111 s i t z 11 n g erforderlich. Diese begann abends um 8 Uhr mit dem Referate von Dr. Arthur Ruppi 11־Jaffa über ״Die zionistische Arbeit In Palästina“ Bei dein Beging der systematischen Palästina- Arbeit, führte der Referent aus, habe es sich darum gehandelt, an Stelle der abgewirtschafteten Methoden neue Wege zu finden, die es ermöglichten, mit relativ kleinen Mitteln Erfolge zu erzielen. Durch die Grün• düng einer Parzcllicrungsgesellschaft habe man cs kapitalkräftigen Elementen ermöglicht, aufgeschlos• sein! Güter zu erwerben; die Errichtung der G roßfarmen, Kinereth und Itcn-Schcmcn habe die Ausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter und die Erprobung aller technischen Neuerungen möglich gemacht. Die ״Tat von Kinercth" sei die Voraus- Setzung gewesen für die Entstehung blühenden jüdisehen Lebens am Tiberiasscc, für die Gründung von Mcrchnwja und Migdal und Dagnnia, für die zukimftsreiche Aefitisa-Bewegtitig und schließlich für das Entstehen der M ii d c h e n - F n r m e n zur landwirtschaftlichen Ausbildung von Kolonistinneii. Ein Erfolg der Farmen sei die Einführung der Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien und die systematische Einführung der Viehwirtschaft in den jüdisehen Kolonien in Palästina. Natürlich sei es nicht angängig gewesen, bei den kolonisatorischen Unternclimungcn den Profitstancfpunkt hervorzukehren, da sie ja zu ganz anderen Zwecken begründet worden seien. Daß aber gewerbliche Unternehmungen in Palästina gute Renten abwürfen, dafür sei ein Beispiel die hohen Dividcndcnzalilcn der Immobilien-Gcscllschaft und die gut prosperierenden Pflanzungen in den judälschcn Kolonien. Die Frage der Beschafftgung von jüdischen Arbeitern sei überhaupt keine Frage, sondern eine Notwendigkeit. Denn nur, wenn wir als Exploitatorcn der Arbeit jüdischer Hände auftreten, erlangten wir auch das moralisch« Recht, auf Besitz in Palästina. Aus eben diesem Grunde pflegten wir das beste Einvernehmen mit der eingeborenen arabischen Bevölkerung. Die Umsätze des Palästina- Amtes hätten sich in den letzten fünf Jahren verdreißigfacht. Während 1008 der Umsatz 208 000 Frcs. betrug, habe er im ersten Halbjahr 1013 bereits die Summe von 3>/ä Millionen Francs überschritten. Für die Zukunft sei die Entwicklung des Schulwesens, insbesondere die Eröffnung des Technikums in Haifa von höchster Bedeutung. Schon heute bringe das hebräische Gymnasium in Jaffa der jüdischen Bevölkerung fast eine Vicrtclmillion Francs von auswärtigen?Schülern, bezahlte»Schulgeld ein. Der Redner schloß mit einem warmen Appell zur weiteren Unter- Stützung der Palästina-Arbeit. Die Ausführungen Dr. Ru ppi ns wurden vom Kongreß wiederholt mit stürmischem Beifall begrüßt Tn der Debatte betonte Davis Trlctsch (Berlin) den ausgezeichneten Eindruck des Referates des Dr. Ruppin, wie auch des Tätigkeitsberichtes des Engeren Atiioss-ComMs. Was die jetzige Leitung heute in Palästina mache, sei einwandfrei, Lebhaft bedauert! aber müßte er, daß viel zu wenig geschehe. Das Palästinaamt habe sich ein Monopol auf die Palästiiiaarbeit verschafft, und dadurch wurden eine Unmenge der besten Projekte nicht ausgefiilirt, weil das Amt selbst für die Fülle dieser Aufgaben nicht vorbereitet sei. Redner übte scharfe Kritik an der Einrichtung der Oelbautnspende, die durch eine absolut verkehrte, auf viel zu kleine Grundlagen ztigesclmittenc Ausfiihrung, ihre 11 n g e 11 e 11 r e n C 11 a n ce n absolut nicht aiis’geiiutzt hätte. Verkehrt sei auch die einseitige Betonung des land wirtschaftlichen Charaktere unserer Kolonisations-Unternehmungen. Durch Einführung vott Industrien würde nicht nur die Entwicklung des Landes erheblich gefördert, sondern auch ein zahlenmäßig viel stärkeres jüdisches Element in das Land gebracht und dort unterhalten werden. Notwendig’ sei die Errichtung einer besonderen Palästina/cntralc innerhalb der Leitung. Der nächste Redner, Herr J. H. Kann (Haag), bekannt als der schärfste Kritiker der zionistischen Palästinaarbeit innerhalb des zionistischen Lagers, wandte sich gegen die Behaupttmg, daß er und seine Freunde Gegner der praktischen Palästiiiaarbeit seien. Sie wünschten diese Arbeit, aber sie sind mit den Methoden der jetzigen Arhcitsfuhriuig nicht einverstanden. Der Redner sieht das prinzipiell Verkehrte dieser Arbeitsweise in der Neigung zur Ueberstürzung, zum allzu schnellen Zugreifen, zur Vielgründung. Die Projekte werden seiner Meinung nach nicht genügend vorbereitet, man beginnt, ohne den ganzen Aibeitsplan lind sämtliche Konsequenzen zu überdenken, man wartet nicht, bis die Mittel und die zur Ausführung erforderlichen Kräfte in genügender Anzahl vorhanden sind. So müssen mit Notwendigkeit Fehlschlage entstellen, die denn auch nicht ausgcblicbcn sind. Er verlangt keineswegs daß alle kolonisatorisehen Unternehmungen rentabel sein müßten, aber etwas müsse doch dabei herauskommen. Tatsächlieh seien aber auch die Farmen nicht einmal gut geführt. Die Gelder des Nationalfonds seien über die zulässige Grenze hinaus in Palästina investiert, so daß, wenn wirklich einmal eine große Gelegenheit zum Boden kauf sich ergebe, der Nationalfonds nicht dazu schreiten könne. Die Leitung versuche das Unerfreuliche dieses Zustandes zu verschleiern, und das sei unrecht. Nur die allergrößte Klarheit und Offenheit könne die Palästiiiaarbeit zu einer gedeihlichen Entwicklung bringen. Herrn Kann antwortet in temperamentvoller Weise Dr. Schmarja Lcvin (Haifa), Mitglied der engeren Le.tung, Er sieht uen prinzipiellen Unterschied in der Auffassung Kanus und der der Mehrheit oer Zionisten und des Kongresses in dem Quantum der Begeisterung, das man für die Palästinaarbeit, aber nur innerhalb einer eng umzogenen Gicnze. Damit aber komme man zu nichts, wenn das jüdische Volk in Palästina Einfluß gewinnen, wolle, so müsse es rückhaltlos, 11 ml ohne erst in allzu lange Bereciimingen einzutreteii, alle sieh bieten* den Gelegenheit.. ergreifen. Es sei absolut unrichtig, daß die zionistischen Kolonisations-Unter* nclimungcn schlecht geleitet würden. Herrn Kann« Meinung stütze sich lediglich auf Berichte, die ihm zugingen. Er, der Redner, kenne diese Einrichtungen aus wiederholten Besuchen, auch in der letzten Zeit, und er, sowie die überwiegende Mehrzahl der im Lande ansässigen Sachverständigen seien ganz anderer Meinung, als Herr Kann. Mit der Kannschen Methode wäre auch das verhältnismäßig Wenige, das jetzt schon in Palästina existiere, und das ganz zweifellos den Wert und die Stoßkraft der zionistisehen Bewegung bedinge, niemals geschehen. Dieser Hinweis allem genüge, um das Unrichtige der Kannsehen Anschauung darzulcgcn. Kann betrachte diese ganze Angelegenheit unter dem kleinen, erkältenden Gesichtswinkel des Rechenmeisters. Eine große Volksbewegung müsse ganz anders anc sch aut werden, und cs sei das Glück und je Bedeutung der zionistischen Bewegung, daß sie sich von jener Rechenmethode freigemacht und sich ohne lange Ucberlcgung mit der ganzen Fülle ihres Empfindens und der ganzen Kraft ihres Vermögens auf die Arbeit in Palästina geworfen. Jede kolonisatorische Arbeit erforderte Opfer in größtem Maße. Opfer an Geld und Blut. (Stürmischer Beifall.) Hierauf schritt der Kongreß zur Wahl der Palästinakommission, die aus etwa 40 Mitgliedern besteht. Schluß der' Sitzung 12»/> Uhr nachts. Fort- Setzung der Palästinadebatte Montag vormittags. Neunte Sitzung Montag, am Vormittag des S. September. ln der Fortsetzung der Palästinadebatte ent» wickelt David Yellin (Jerusalem) in längeren Auslührungen die Forderungen und Erwartungen der palästincnsischcn Judcnhcit, die etwa darin gipfeln, die durch den ßalkankricg cingctretcnc Auswandererbewegung nach Syrien hinzulenken und die Verbesserung des Verhältnisses zur arabischen Bevölkerung und Schaffung einer Filiale des Palästinaamtes in Jerusalem, die vorbereitende Schritte zur Schaffung einer allgemeinen Organisation der palästinensischen Judcnheitcn erstreben. Nahum Sokolow verbreitete sich sodann über die Bedeutung der Gewinnung der amerikanischen Juden für den Zionismus, insbesondere der in der letzten Zeit gewonnenen Persönlichkeiten der Herren Nathan Strauß und Jakob Brandeis. Dr. Stand, der Präsident des Qalizischen Zentral» e >

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