Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 390 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37 ׳eine Leitung zuvor. (Beifall.) Unsere Leitung hat es verstanden, die Organisation so gut ausztibauen, dal! sie beinahe zu einem Mechanismus gewurden ist, der von selbst funktioniert, (ranz Iresonders zufrieden müsse« wir aber mit der politischen Arbeit unserer Leitung־ sein. Unsere politische Arbeit ist jetzt besser als vor zwei Jahren. Darüber sollten wir uns alle freuen, auch die, die früher in der Leitmtg waren. Bedauern müssen wir nur, etali unsere Leitung, aber auch die frühere, Dr. Nord au für die politische Arbeit nicht stärkerlicrauge/agcii hat. Besonders wertvoll ist die geleistete Propagandaarbeit, insbesondere di« Herstellung eines engen Zus.iiniiicnselilusscs zwischen den einzelnen Lundcsverbänden und Organisationen. Line Leitung clarl sieh nicht darauf beschranken, die Bureaus zu verwalten, sondern mul! auch in der Propaganda führend vorgehen. (Beifall.) Prof. Dr. Wcizntann (Manchester) hedauert zu• nächst, dal! inan den Lindriiek gewinne« konnte, dall der ganze Zionismus auf eine Bank frage zusammengeschrumpft sei. Niemand hat das Recht, die Politik der zionistischen Bewegung zu monopolisieren. Eine nationalpolitische Bewegung hedeutet wirklich Zusammenfassung der ökonomischen und kulturellen Ideen eines Volkes. Unser« Leitung hat ein klares politisches Programm. Unsere Ciegiicr aher antworten, wenn man sic fragt, wie sic die Politik durchführen wollen, mit den Worten: Das lasse sich nicht sagen. In praktischer Hinsicht sei iienurrageudes geleistet worden, die Gegner haben dies aber nicht anerkannt, und zum Beispiel die Gründung der Kuiistgewerbcsdiiile in Palästina hekämpft. Man vergälle hierbei, dall manch mal auch die (iründung einer Schule Politik sei. Nach k :1 u fmäitnischen Prinzipien dürfe mau sich b c i der Arbeit in Palästina nicht allein richten. *Wenn hier behauptet worden sei, daß man den Zionismus zu einem Kolonisation*• und Kulturvereiu degradiert habe, so sei er der Meinung, dall die politische Bedeutung der Bewegung progressiv mit unserer Arbeit in. Palästina wachsen würde. Die Ausbildung jüdischer Arb eit c r sei mehr wert als alle ökonomischen Verluste. Wäre Dr, Nordau nicht der große Einsiedler aus Paris, so hätte er sich auch nicht vom Kongreß ausgeschlossen. Daraus könne man der Leitung keinen Vorwurf machen. Er beantragte sehlkßli :11, der Leitung Dank und Vertrauen aus/usprechen. Abraham Goldberg (New York) stellt den Antrag, über das Vertrauensvotum und die von der Leitung gestellten Anträge in rier Ban k frage g et rennt abzustimmen. Unter allgemeiner Aufmerksamkeit des Kongresses ergriff darauf Dr, H a n t k e das Wort. Schlußwort Dr. Hantkes Der Vorsitzende des E. A. C., Herr Prof. Warhur g , hatte die Absicht, jetzt hier namens des E.A,(ג, das Schlußwort zu sprechen, um dadurch auch nach aulleii zu dokumentiereil, dall sich das E. A. in seinem Berichte und seinen Ansichten vollkommen solidarisch fühlt. Nur weil Herr Prof, Warburg infolge der Ihnen bekannten Umstände gezwungen ist, auf zwei Tuge zu verreisen, bin ich wieder ausersehen worden, auch das Schlußwort namens meiner Kollegen zu sprechen. Unsere Generaldebatte hat einen ganz merkwürdigen Charakter angenommen. Ich will nicht davon sprechen, daß einige Redner wieder die alte Frage ״Politisch oder praktisch?“ angeregt haben. Diese Frage ist schon so oft behandelt worden und diesmal in der Diskussion gut beleuchtet worden, daß Sie es verstehen werden, dall ich iilnr diese theoretische Frage hin weggehe. Merkwürdig ist meines Erachtens in der Debatte, daß die wichtigsten Ergebnisse der letzten Periode im Grunde genommen gar nicht berührt worden sind. Nur so konnte es kommen, dall man den Eindruck gewann, wir braudien noch einen Friedenskongreß. Wenn es je die Möglichkeit des Friedenskongresses in dem Sinne gegeben hat, dal! man auf einer weitgehend gemeinsamen Grundlage zur Beratung zusainmeugctreten ist, so ist es jetzt der' Fall, denn die wichtigsten Fragen der früheren Kongresse sind ja aus der Diskussion entschwunden. Sprechen Sie mit einem Worte darüber, wo das Actions-Comite sitzen soll, wer seine Mitglieder sein sollen, und nach welchen Prinzipien sic ausgcwahlt werden sollen? Nein, darüber sprachen Sie gar nichts! Das ist doch ein sehr großer Fortschritt gegen früher und wir haben diesen Fortschritt doch nicht erreicht, weil wir persönlich etwa die und die Verdienste uns erworben haben, sondern, weil es uns gelungen ist, diese Frage auf dem vorigen Kongreß aus dem persönlichen Kampfe auf den festen Untergrund von'Prinzipien zu bringen. Und das bitte ich Sie festzuhalten. Es steht für die Zukunft fest, daß das E. A. C. in einen! jüdischen Zentrum sein muß, daß es kollegial arbeiten muß. Es steht lerner fest außerhalb jeder (Debatte, daß im Großen A. C. alle Richtungen vertreten sein müssen, und man hätte nach der vorangegangenen Debatte vielleicht den Eindruck haben können, als ab wir hergekommen sind, um die Grundlage unserer Organisation anzugreifen. Ich muß es nochmals erklären, wir kämpfen gegen keine Personen, wir kämpfen gegen keine einzige Person, die Opposition gemacht hat. Wir kämpfen überhaupt nicht gegen Personen, sondern wir känipfen für ein System, mul dieses System ist dasjenige, auf das Sie sieh auf dem vorigen Kongreß geeinigt haben und wodurch die Arbeit der letzten zwei Jahre als richtig erwiesen worden ist. Ich greife mit Vergnügen das Wort der Oppositio« auf, daß wir eine ״inerkanfilistisclie1‘ Note in den Zionismus gebracht haben. Wie das Wort gemeint war, ist es falsch. Ich glaube, sagen zu köiincn, dall wir als Gesamtkollegiuin mehr für die ideale Seile unserer Bewegung getan haben, als Sie es vielleicht erwartet buben. Ich glaube, sagen zu können, daß, wenn wir in dieser unangenehmen Dehatte irgendeine Befriedigung empfinden, dann ist es die, daß die geistigen Potenzen der jüdisclumtionalen Bewegung den intimen Zusammenhang mit iler Organisation wicdergcfumlen haben. (Beifall und I lündeklatsclien.) Und wenn es eilten zweiten Punkt gibt, dann ist es die Tatsache, daß wär zum erstenmal wieder seit den ersten Jahren unserer großen Begeisterung auf diesem Kongresse eine neue Generation vertreten sehen, von jungen Zionisten, welche wieder, wie in den früheren Jahren, bereit ist, alles für die Idee zu opfern. Da soll mir niemand kommen mit ״iiierkantilistischeii Noten“, weil wir das Verbrechen begangen haben, mit keinem Defizit vor Sie liiii/utietcn. (Beifall, f lündeklatsclien.) Sie wissen, wie schwer es ist, bei den herrschenden unangenehmen Verhä Itnisscn den Osten zu organisieren und Sie wissen andererseits, von welcher Bedeutung die kleine Organisatiuii russischer Studenten in den üOcr Jahren des vorigen Jahrhunderts gewesen ist. Sehen Sic sich die Männer aus Rußland an, die heute an der Spitze 1111• serer Bewegung sind, sie sind das Produkt dieser kleinen Vereinigung, und wenn wir heute sagen können, daß cs uns gelungen ist, wieder solche kleine Zentren zu schaffen, so wollen Sie das anerkennen, daß wir die Garantien g e s c h a f f e 11 11;»h e 11, d a ß wir i 11 20 Jahren wieder Führer des Zionismus haben werden. Und da kommen Sie nicht mit den kleinliehen Fragen und suchen Sie nicht unsere Arbeit ziirück/tifüliren auf das Geschäftsprinzip. Das Wort ״mcrkantilistisch“ habe ich aufgegriffen. Wir sollen ciiischen, dall wir zwar Institutionen haben, daß diese Institutionen geschäftliche Einrichtungen sind, *laß wir aber nicht zu vergleichen sind mit Privatleuten, die Geschäfte machen, um ihren Lebens• unterhalt zu verdienen. Wir sind vielmehr mit öffentliehe» Korporationen zu vergleichen, welche das Recht!iahen, alle Gelder, die sie einnehmen können, für die Zukunftsarbeit auszugeben. (Beifall und Händeklatschen.) Ehe ich weitergehe, muH ich eine Kleinigkeit aus der Debatte ausschalten. Es ist ein Angriff auf die Zuverlässigkeit unserer Zahlen im Berichte erfolgt. Dieser Angriff beruht auf einem Irrfmne. Die Zahlen des Berichtes sind absolut riehtig, mit einer einzigen Ausnahme. Sie sind nämlich durch die Wirklichkeit noch günstiger geworden. Riehtig ist, daß die Summt* der abgclicfcrten Schekel gegen früher von ca. 55000 M. auf 85 000 M. gestiegen ist, Das macht eine Steigerung von mehr als 50 »״ aus. Richtig ist, daß die Zahl der gesammelten Schekel von 104 000 auf 127 000 gestiegen ist, Dies ist eine Steigerung von über 20»«; mehr Iiahe 11 wir nicht behauptet. Was Sie von uns verlangten, ist, daß wir uns im Rahmen desjenigen!!alten, was Sie uns bewilligen wollten, und das ist uugelälir gescli'qhcii (Rufe: Was ist mit der Presse?) Die Ausgaben, welche wir für die Presse gehabt haben, stimmen ganz genau mit den Zahlen des Etats überein. Nicht ein Pfennig mehr ist ntisgegehen worden und diejenigen von Ihnen, welche mit 1111• seren Arbeiten näher vertraut sind, wissen, wie schwer cs ist, in solchen Dinger! einen Etat einzuhalten. I tändlnngsunkosten ist ein Ausdruck, den ich Ihnen preisgeln*. Das sind die Materialien fürs Bureau, der Fernsprecher, die Postgebühren, vielleicht hätten wir das Bureau - Utensilien nennen sollen. Aber h n b e n müssen wir das doch jedenfalls. Nun gestatten Sie mir, von diesen Punkten auf die ich nur ungern eingegangen bin, auf di« Hauptsache zu kommen. Was die Abschreibung der ״Welt“ anlangt, — da ich dazu gezwungen werde, es zu sagen — so hat sich leider herausgcstellt, daß die’ von uns übernommene Grundlage der Führung der Administration der ״Welt“ sich tatsächlich als auf Unrichtigkeiten beruhend lierausgestellt hat. (Rufe; Hört!) Wir sind bereit, einem von Ihnen gewählten Finanzausschüsse die Sache genau darzulegen, ebenso wie wir es den Revisoren gegenüber getan haben. Wir glauben nicht, daß cs angebracht ist, vor dem Kongresse eine solche Frage zu behandeln, die mit unseren Ideen nichts zu tun hat. Unsere Schuld ist es n i c h t, das erkläre ich hier, wenn die ״Welt“ auch in diesen zwei Jahren soviel gekostet hat wie früher. Und wenn sie uns dasselbe gekostet hat, wie in den früheren Jahren, dann dürften Sie doch nicht Jen Männern der Kultur und den Männern der Ideen dafür Vorwürfe machen. Nun halten Sic das eine lest, billigen Sie die Richtung der Arbeit, d(c Richtigkeit unserer Arbeit, verlangen Sie von uns die Fortsei/img, verlangen Sie Acndmmg, das ist ihr Recht, aber ich glaube, Sie verlangen es umit Und was wir sagen, Ni, die Arbeit soll so fortgesetzt werden, w׳ie sie bisher geführt wurde, (Jesu egen, weil wir alle es für richtig halten, nicht deswegen’ weil wir zufrieden sind. Ls ist sehr liebenswürdig von Herrn Dr. Tschlemiw zu sagen, er ist zufrieden. Wir als Ihre Leitung, wir dürfen sagen, wir sind nicht zufrieden und wir haben es selbst in unseren Be-richten gesagt. Eine Bewegung, die auf dem Standpunkt angelang( ist, daß sie zufrieden ist, ן!;,! die Selbstkritik verloren. Wir können nie zufrieden sein. Der ganze Zionismus ist eine einzige Un/iifriedenlieit, (Beifall und Händeklatschen.) Wer ein Ziel hat, wie cs uns Dr. ilerzl gezeigt hat, kann nicht zufrieden sein. Wir haben Fehler gemacht, wie in jeder Verwaltung Fehler gemacht werden. Und wir haben vor allem viele Dinge nicht getan, weil wir keine Möglichkeit hatten, sie zu tun. Nur das können wir sagen, dal) wir uns Mühe gegeben haben und daß Sie den Eindruck bekommen haben werden, daß wir einen Schritt vorw'ärts gekommen sind. Nun sagen Sic mir: ״Warum begnügen Sie sich nicht mit der Anerkennung der Arbeit, warum bringen Sic Fragen auf den Kongreß, über die es Streitigkeiten geben kann?“ Gestatten Sie, daß ich einen einzigen Satz aus dem Berichte vorlesc: ״Wir haben verlangt, daß Sie dem Großen A.C. die Machtmittel der Organisation zur Verfügung stellen.“ Dem A. C., aber nicht dem E. A.C., Sie dürfen überzeugt sein, daß auch unter den Freunden der Richtung des E. A. C. im A. C. nur Männer sind, die ihre eigene. Meinung haben und das E. A. C. weil! genau, daß cs auch einmal in der Minorität bleiben kann, wenn die Mitglieder des A. C. sämtlich Mitglieder des Aufsicbtsrates der Bank und Mitglieder des Nationalfonds sind. Es handelt sich uns nicht darum, Manie• lukengeliorsam zu finden für ein Kollegium von lünf Personen. Es handelt sich nicht darum, daß wir die Machtmittel der Organisation für eine Partei haben wollen. I lerr Motzkiu hat die politische Bedeutung des Aufsichtsrates auseiiiaudergcsetzt. Der Aufsichts• r;1t ist dazu da, um den politischen Einfluß der Or• gauisatinn auf die Institutionen zu wahren, Solange das Grolle A.C, ans sehr vielen Mitgliedern bestand, mußte natürlich ein Ausschuß desselben einen Auf• siclitsrat bilden. Dieser Ausschuß war nie nach Parfeien zusa in inengesetzt, sondern aus Männern, die im wesentlichen den Stamm des A. C. bilden. Erst auf dem vorigen Kongreß ist der Fehler begangen worden, daß man uns gezwungen hat, uns damit ein• verstanden zu erklären, daß der Aufsiehtsrat zu einer Parteisache wird, und wir verlangen, daß dieser Be- Schluß des vorigen Kongresses wieder aus der Or• ganisation entfernt werde, daß der Aufsiehtsrat nicht eine Parteisachc ist, sondern daß die Organisation den Einfluß bekommt, der ihr zustellt. Ls tut mir sehr leid, daß ein Diskussionsredner von der (11•• fälirduug der Depots der Banken gesprochen hat. Ihr Weisen, seid vorsichtig ndt Euren Worten! Das E. A. C. wird nie solche Ausdrücke gebrauchen Die Depots sind sicher, oh Herr Fischer oder Herr Mar• inorek oder Herr Ussischkin sich im A11fsicl1ls1.it der Bank Befinden, und wir werden nie unsere Hand dazu bieten, dall die Bankgelder wirklich für Zwecke, mit denen die Bank nichts zu tun hat, genommen werden. Wir haben nicht Geld gefordert für einen Zweck, der noch nicht praktisch geworden ist. L* handelte sich einmal um einen Zweck des National fonds und wir haben das Cield vom Nationalfoud* gefordert und bekommen, weil es eine sehr wichtige Aufgabe des Nationalfonds gewesen ist. Es ist ein Irrtum, dall wir das Geld von der Bank gefordert haben. Wir haben von der Bank mit Ausnahme einer ganz kleinen Summe von '25 WM» M. nichts ohne Garautie gefordert. Die Garantien aher waren immer derart, daß sic uns auch eine andere Bank diskontiert hätte. Es klingt doch merkwürdig, daß man immer uns gegenüber sagt, wir könnten die Banke« gefälirden und die Leute, die das sagen, sind doch einmal in der Zwangslage gewesen, von der Bank Gelder für die zionistischen Zwecke zu nehmen und haben es ohne Garantie genommen und nicht wiedergegeben. (Beifall und Händeklatschen.) Die Frage, um die cs sich handelt, ist eine moralische. Und diesig E. A. C. trägt das Mal an der Stirne, «laß es von Ihnen seihst in Wirtschaft liehen Dingen nicht für zuverlässig gehalten wird. Sie wissen alle, daß es sich um wich• tige Verhandlungen gehandelt hat, und daß wir gewisse Erfolge erreicht haben, die für die Zukunft wichtig sind, dall wir zum ersten Male für unsere zionistischen Institutionen Kredite von außerhalb bc• kommen haben. Und wenn diese Geschäfte einen großen Umfang annehmen sollen, dann müssen Sic nach außen hin auch die Situation schaffen, daß man mit uns verhandelt und nicht mit jemandem, dem Sie offiziell selbst bestätigen, daß er in kaufmann Ischen Dingen unzuverlässig ist. (Beifall und Händeklatschen.) Es is* von einigen Herren von einem ״Ultima• | tum" gesprochen worden. Herr Motzkin öder Herr