Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 JU EDI SC ME RUNDSCHAU Seite 389י trauen erwarben, dal) man uns Gelder und Depots anvertraute. Meine Damen und Herren! Es ist das erstemal, dal) icli darüber spreche und ich bin mir bewußt, daß man eigentlich darüber öffentlich nicht reden soll. Aber Sie zwingen mich dazu. Meine Herren! Wäre ich nicht überzeugt, dal) jeder es ebenso ehrlich meinte, wie wir, wie ich und die Direktoren, würde ich nicht so reden. Ich bin überzeugt, Sie meinen es gut, aber meine Herren, man dar! nicht in alle Dinge dreinreden. Schenken Sie denen ihr Vertrauen, die 12 Jahre an der Spitze gestanden und gearbeitet haben und wenn Sie noch soviel Kritik üben, sehen Sie sich die Hauptarbeit, die Resultate der Anglo-Palestinc Company in Palastina an. Meine Herren! Was glauben Sie, ich will die Banken für mich? (Rufe: Nein!) Die Antwort war selbstverständlich. Glauben Sie, dal) ich die Bank für die Direktoren will, glauben Sie, meine Herren, dal) es ein Vergnügen ist, für unsere Geld- Institute jahraus, jahrein zu arbeiten, dafür als ein• zige Tantieme, die man bekommt, alle zwei Jahre von oben bis unten herunterkritisiert zu werden. (Beifall und Händeklatschen.) Wissen Sie, meine Herren, was es heißt, für Banken arbeiten, deren Direktorium in der ganzen Welt zerstreut sein müssen. Die Leitung der Bank hat schwer gearbeitet und den Beweis erbracht, dal) die Bank, die alle Fachleute für verloren gehalten, existenz- und entwicklungsfähig ist. Wir haben die Gelder nicht nur bewahrt, sondern sogar vermehrt. Lesen Sic den Bericht des A. P. C., sprechen Sie mit Fachleuten und die werden Ihnen sagen, dal) es eine schwere Arbeit war, die wir geleistet haben. Nun, meine Herren, ich verlange keinen Lohn, keinen Dank. Was ich vcrla'ngc, ist, dal) Sie endlich begreifen, warum wir uns dagegen sträuben, unsere Banken zum Spielbaile von Partei- Interessen machen zu lassen. (Beifall.) Geehrter Kongreß! Es war im Frühjahr 1S‘)8 hier in Wien, da waren 31 Herren auf den Ruf Dr. Hcr/Is zusammengetreten. Dr. Herzl sagte: ״Wir müssen eine Bank gründen. Unter den anwesenden Herren haben nur zwei dagegen gesprochen und einer von diesen war ich. Als mir aber Herzl zurief: Solange Sie in der Bewegung sind, müssen Sie sich den Beschlüssen unterordnen, da habe ich ohne Zögern gehorcht, und ich bereue es nicht. Herzl hat auch die anderen Mitglieder der jetzigen Bankleitung heranzuzielven gewußt, und jeder muß uns das Zeugnis ־ausstellen, daß wir und besonders die Herren Dr. Katzcnclsohn, Kann und Cowen mit Hingebung und Aufopferung für die Kolonialbank und die A. P. C. gearbeitet haben. Wir wollen auch jetzt Weiterarbeiten, wenn man uns dies nicht unmöglich machen wird. Die Anhänger des E. A. C. sagen: Unsere Partei hat auf dem letzten Kongresse gesiegt und deshalb müssen wir die Banken haben. Ich will nicht streiten, oh das E. A.C, ohne unsere Unterstützung die Majorität gehabt hätte und ich stehe au( dem Standpunkte, daß wir überhaupt keine Parteien in unserer Organisation haben sollten. Das sind künstliche Gebilde. Wir sollten viel eher das betonen, was uns einigt, als das, was uns trennt. Ich versichere Sie, auch ich hätte die kleinen Anklagen gegen die Leitung liier nicht vorgebracht. Es liegt mir ferne, die Leitung bekämpfen oder gar herabsetzen zu ,wollen, denn, um ein treffliches hebräisches Wort zu zitieren; Jiplitah b’ tloroli k' Schmud'l be doroli. Jeder, der die Stelle cinnimmt, die einst unser Herzl eiligenommen hat, mul) respektiert werden. Aber cs gibt etwas, was noch höher bewertet werden muß: Das Interesse der Bewegung. Geehrter Kongreß! Wir Zionisten sind grolle Optimisten, müssen es auch sein. Wenn Herzl keiner gewesen wäre, er hätte die Sache nicht unternommen, Wir wollen cs sein, aber wir dürfen doch mir Dinge unternehmen, die wir auch durchführen können. Und noch eines: Wir dürfen die Gegensätze nicht so auf die Spitze treiben, dal) wir gute Gesinnungsgenossen von uns abstoßen. Wir haben in unserer Bewegung nach dem Tode Herzte eine solche Krisis durchlebt. Da ist eine Spaltung entstanden. Ich kann mir zwar nicht denken, daß einer, der wirklich zionistisch fühlt, von uns gehen kann, (Beifall.) Aber es war damals doch ein Schaden für uns, daß wir Männer wie Zangwill und andere verloren haben, Ich darf sagen, dal) ich mfr alle Mühe gegeben habe, um sie unserer Bewegung zu erhalten. Unsere jetzige Leitung aber hat sehr wenig getan, um es Männern wie Nordau und Marmorek möglich zu machen, zu unserem Kongrell zu kommen. Ich muß liier noch einen nennen: Herrn Kremenezky, einen unserer besten Mitarbeiter, der ebenfalls abwesend ist. Er hat einen Brief an Professor Warburg gerichtet und die Gründe seiner Abwesenheit auscinandergesctzt. Ich will auf die Gründe hier nicht naher cingehen, aber Sie werden mir glauben, daß mir Tränen in die Augen gekommen sind, als ich den Herzenserguf) und die Anklagen dieses Mannes gelesen habe. Man hat Nordau Vorwürfe gemacht, daß er vom Kongreß weggeblieben ist. Auch ich habe ihm gesagt: ״Sie haben kein Redit fernzub,leiben/* Er aber antwortete: ״Es hätte ja doch keinen Zweck. Die Zusammen- Setzung des jetzigen Kongresses wird nach Vor- Bereitungen, die die Sekretäre und die Leitung getroffen haben, eine derartige sein, daß nicht mehr abzuheifen ist.“ Darauf h.״.be ich ihm optimistisch geantwortet: ״Herr Dr. Nordau, ich kenne die Zionisten besser als Sie und ich sage ihnen, die Zionisten werden es nicht zulansen, daß man unsere Banken, die der Fonds unserer Organisation gewesen sind, aufs Spiel setze. Sie werden den titiberechtigten Forderungen des E, A. C. entgegentreten. Der Kongreß wird entscheiden, ob ich mit meinem Optimismus gegenüber Dr, Nordau recht behalten werde. Hoher K011 grell! Niemand von uns verlangt, daß das E. A. C. keinen Einfluß auf die Banken habe. In der Direktion der Banken sitzt ein Mitglied des E. A. C, Herr Dr, Jacobsohn, Im Aufsichtsr.itc sitzen .׳nicli Mitglieder des A.G. Die Herren von! E. A.C. aber behaupten,.es seien ihrer zu wenig. Sie wollen cs zum Prinzip machen, daß sämtliche Mitglieder des A. C. co ipso Mitglieder des A. R. werden, Dieses Prinzip muß man bekämpfen, da zu diesen Funktionen verschiedenartige Fälligkeiten gehören. Meine Herren! in die Bank gehören Bankleute, für die Leitung der Organisation Leute, die auf diesem Gebiete sich auszeichnen. (Rufe: Dr. Marmorek!) Sic sagen Dr. Marmorek! Wenn er auch sonst nicht geeignet ist, Mitglied des Aufsichtsrates zu sein, das eine schätze ich an ihm, daß er uns immer und immer wieder eingcschiirft hat: ״Hütet das Geld der Banken, denket an die Worte Herzls, daß diese Mündelgelder des jüdischen Volkes sind.“ Das jetzige E. A. C. läßt sich auch in dieser Hinsicht von Parteirücksicliten leiten, Herr Dr. Hantke sagte mir voriges Jahr auf der Jahreskonferenz: ״Die Bank ist für uns da und wenn die Organisation 100000 M. nötig hat, wird die Bank das Geld auch ohne Garnntien geben.“ Mein Freund Simon hat bei einer Debatte über den Bezalel gesagt: ״Wenn cs mit' dem Bezalel schlecht sieht, müssen wir 100 OOO Frcs. von der Bank geben.“ Das ist eben der Unterschied, meine Herren! Dr. Marmorek versteht nichts von Uanksachen, bloß das eine, daß die Gelder unserer Banken mit peinlichster Gewissenhaftigkeit verwaltet werden müssen. Wenn das E. A. C. zur Bankleitung gekommen wäre und gesagt hätte, wir schlagen diese und diese Herren vor, die geeignet sind, die Bank mitzuvcrwalten, wir wären ihm sehr dankbar ge• wesen. Wenn das E. A.C. aber die Forderung aufstellt: ״Wir wollen l’artcimänner unserer Richtung hincinbringen, damit wir die Majorität haben“, da können wir nicht folgen. Meine Herren! Ich komme zum Schlüsse. Ich halte Herrn Dr. Tsclilenow ohne Uebcrtreibung für einen unserer Besten. Ich habe es ihm in Hamburg erklärt, als ich ihm schrieb: ״Sic sind der einzige, der geeignet ist, an die Spitze zu treten, kommen Sic nach Berlin, übernehmen Sie die Leitung und ich trete zurück.“ Aber ich will nicht verhehlen, daß es ihm, wie es scheint, an Verständnis für Bankangelegcnheiten mangelt. Ich glaube sogar, daß er ein schlechter Politiker ist. Er schloß seine Rede damit, daß er sagte: Erst hat man — d, h, das jetzige E. A. C, — die Leitung in die Hände bekommen, jetzt muß die Bank folgen. Wir müssen zu einem guten Lndc kommen, Es ist wirklich traurig, daß Herr Dr. Tsclilenow es als ein gutes Ende bezeichnet, daß man der Bankleitung, die seit der Gründung unserer Banken an der Spitze derselben gestanden hat, ihr aus den Händen nimmt, daß man cs Männern, die ihr Vermögen, ihre Gesundheit, Ihr Lehen gcopfert haben, es unmöglich macht, weiter mitzu• ‘ arbeiten. (Rufe: Warum?) Warum? Hoher Kongrell! Es gibt gewisse Grenzen, wie weil man sich selbst für eine Bewegung opfern darf, die einem teuerer ist äls das Lehen. Wenn es sieh tun fremde Gelder handelt, wenn unsere Bank einer bestimmten l'nrteirichtung ausgeiiefert wird und ich die Verantwortung nicht mehr tragen kann, dann wird mich keine Macht der Welt zwingen, ein Amt anzunehmen. Ich wiederhole, ich würde die Verantwortung nicht übernehmen können, wenn mit den Banken so verfahren werden sollte, wie man jetzt vorschlägt. Meine Damen und Herren! Ich befinde mich in einem Zustande, daß ich wahrlich nicht weiß, ob es mir vergönnt sein wird, noch einen Kongreß mitzumachen. Mein Arzt hat mich davor gewarnt, selbst zu diesem Kongreß zu gehen, aber ich sagte mir: ich will das Acußerstc tun, um unsere institutc zu schützen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ich appelliere an den Kongreß, ich appelliere an die Leitung selbst, der ich die ganzen zwei Jahre hindurch als disziplinierter Zionist treu j zur Seite gestanden habe: Machen Sic cs uns nicht I. unmöglich, mitzuarbeilen. j Hoher Kongreß! Bereits auf dem vorigen Kon- 1 grosse hat uns eine Spaltung gedroht. Gar manche, ן darunter meine engeren Freunde, wollten eine sepa- | rate Partei bilden. Man ist wiederholt an mich her- | ai,getreten, daß ich die Gründung der Partei in die Haad nehme. Ich habe mich dagegen gewehrt, ich J habe meine Freunde vor diesem Schritte zurück- * gehalten, habe sie ermahnt, treu wie Soldaten auf ihren Posten auszuharren. Wenn man e» um aber unmöglich macht zu bleiben, dann könnte erzvvungencr weise sich eine Partei bilden zum Schutte der zionistischen Finanzinstitule, Ich ncliie daher den Appell an Sic: Erschüttern Sie nicht die ürimdsäulen unserer Organisation. Wir haben vorhin gebürt, daß in bezug auf die Dcchargcerteilung ein Antrag gestellt wurde, der eigentlich aus zwei Antrügen besteht; der erste lautet dahin, der Leitung das Vertrauen auszudrücken, der zweite, daß die Leitung — Sie mögen es nennen, wie Sie es wollen, ich nenne cs — die Bank in ihre Hände bekomme. (Widerspruch.) Wenn Sie diese zwei verschiedencn Dinge verquicken, so werde ich und meine Freunde gegen den Antrag stimmen müssen, weil wir es in il unserem Gewissen nicht vereinbaren können, dal) man mit den Banken Experimente macht. Wahlen Sie welche Personen immer in die Leitung der Bank, wenn sie nur dazu geeignet sind. Aber wählen Sie nicht Parteileute, die aui eine bestimmte Richtung eingcsclnvoren sind. Meine Damen und Herren! Der vorige Kongreß wurde der Friedenskongreß genannt und ich darf es oiinc Ueberhebung sagen, ich habe viel zu diesem Frieden beigetragen. Kein Geringerer als Ussischkin hat mir dieses Zeugnis ausgestellt. Ich bitte Sie, machen Sie diesen Kongreß nicht zu einem Kongreß des Unfriedens, zerstören Sic nicht, was wir in fünfzehnjähriger schwerer Arbeit geschaffen haben. Kommen Sic in die Generalversammlung, üben Sie Kritik, aber hüten Sie sich vor einem Schritte, der vielleicht geeignet ist — verzeihen Sie das harte Wort, das aber meinen innersten Ucberzeugungett entspricht —, unsere Banken zugrunde zu richten, das wollen wir nicht erleben. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall und Bravo-Rufe.) Auf Antrag des nächsten zum Worte gelangenden Ocncraircdncrs Motzkin, der erklärt, er fühle sich zu erschöpft, um seine Rede, die längere Zeit in Anspruch nehmen werde, zu beginnen, wird die Sitzung um 8■/* Uhr abends geschlossen. Sechste Sitzung Freitag, am Vormittag des 5. September. Beginn der Sitzung: 10 Uhr. Vizepräsident Stand erteilt Herrn Bentwich das Wort, der eine Adresse des ״O r den of Ancicnt Maccabaeans Grand Beacon“ verliest. Der Orden dankt dem E. A. C. für die mit Aufopferung geleistete Arbeit, und gelob», die gegenwärtige Leitung bei jedem ferneren Schritt, der zur Befestigung, ihrer Stellung in der Verwaltung der nationalen Institutionen notwendig werden wird, zu unterstützen. Hierauf erteilt der Vorsitzende das Wort zur Begrüßung des Kongresses namens der ägyptischen Zionisten dem Delegierten Zeror, der eine stärkere Berücksichtigung der Propaganda in Aegypten tmpfichlt. Vizepräsident Stand dankt im Namen des Kongrosses für die Begrüßung und erteilt hierauf Herrn Simon das Wort zur Antragstellung. Julius Simon! Ich habe dem Kongreß für die Verhandlungen folgenden Antrag zu unterbreiten: ״Der Kongreß gibt seiner Uebcrzcugung Ausdruck, dal) die obe.ste Leitung der zionistischen lic• wegung iri organisatorischer, politischer und finanziellcr Hinsicht in den Händen des Großen A. C. als Vertreter des Kongresses liegen muß. Der Kongreß erwartet, daß durch Verhandlungen zwischen den Vertretern des E. A, C. und den ver• treten! der I1n.nl/institutc' die Grundlagen gcschaffen werden für die Verwirklichung dieses Prlnzipes.“ (Sehr richtig!) Beil dl.) Das Wort zur AmragstclUng erhält Dr. Marguliest leb habe die Eure Urnen im Namen der westöstcrrciehischen Landsmannschaft, welche sich mit sämtlichen Stimmen gegen zwei auf den nachfolgenden Antrag geeinigt hat, folgende Resolution vorzu• schlagen: ״Der Kongreß spricht dem E. A. C. in Billigung 11er von ihm geleisteten erfolgreichen Arbeit seinen Dank und sein uneingeschränktes Vertrauen aus. (Beifall.) Der Kongreß hält es in Uebcrein- Stimmung mit den Forderungen des E. A. C. lür eine unerläßliche Voraussetzung der Fortentwicklung der zionistischen Arbeit, daß dem Großen A. C. über die Finanzinstitule und den Jüdischen Nationalfonds der entscheidende Einfluß eingeräumt werde.“ (Bravo I Lebhafter Beifall.) Schluß der Generaldebatte Leo Motzkin führte aus: Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß man sich nicht darauf beschränken darf, unsere jetzige Arbeit in Palästina als die Erreichung unseres Zieles zu bezeichnen. Wir dürfen vielmehr nie vergessen, daß wir die gesamte Judenheit für unsere Bewegung gewinnen tnüsnea. unsere Leitung hat es leider nicht verstanden, alle Elemente in der Bewegung zusammenzuhaltcn. Unsere Mahnung an die Leitung, in ihrer Amtsperiode zu ver- {!essen, daß cs zwei Parteien gibt, ist leider nicht befolgt worden. Trotzdem stehe ich auf dem Standpunkte, daß wir unserer Leitung volles Vertrauen auszusprechen haben. In erster Linie, weil sie mit einer Intensität, einer Ergebenheit gearbeitet hat, wie wohl noch niemals