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Jüdische Rundschau · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 387 haben. Durch das Verkleinern des A, C, sind vielleicht manche Verbindungen mit den entfernten Ländern loser geworden. Das E. A. C, versucht aber das niiszugleichcn durch die Reisen eiit/.elner A. €.- Mitglieder. Aber die Herren, die jetzt das A. C, bilden, haben durch ihr regelmäßiges Zusammenarbeiten wirklieh ein solches Zentralorgan ausgehildet, welches unseren Interessen entspricht. Es beteiligt sich aktiv an der Lösung aller Fragen, es hat eine dirigierende und kontrollierende Bedeutung in allen Fragen, die auf der Tagesordnung stehen. Das E.A, C, hat Ihnen einen ausführlichen Bericht vorgclegt und ich denke, dal» Daten und Ziffern die vernehmlichste Sprache reden. Es wird von mancher gegnerischen Seite gesagt: Ja, was haben denn die Herren in diesen Jahren (hedles geleistet? Nun, meine Herren, denjenigen, die rasche Erfolge erwarten, wurde schon zu Herzls Zeiten gesagt,' dalf die raschen Erfolge in unserer Sache nicht zu erwarten sind, ln einer so groben Volksbewegung sollen wir nicht nach raschen Erfolgen trachten, sondern nach gründlicher, zweckniibigcr Arbeit. Und wenn Sic dasjenige prüfen, was in dieser Richtung vom E. A.C. im Laufe dieser paar Jahre geleistet worden ist, so werden Sie unbedingt sagen müssen, daii nach allen Richtungen, in allen Teilen des zionistischen Programms die grolHinögliehen Anstrengungen gemacht worden sind, um weitere Schritte nach vorwärts zu machen und unsere Bewegung weiter zu führen (Beifall) in der politischen Tätigkeit, in der Palästina-Arbeit, in der Organisation, in der Propaganda, sogar in der Kulturarbeit, in der verhältnismäßig weniger geleistet werden konnte, aber doch auch ernste Schritte vorwärts gemacht worden sind. Meine Herren! Die Arbeit ist selbstverständlich nicht nach allen Richtungen befriedigend geleistet worden und in der Rede des verehrten Mitgliedes des A. C., Dr. Hantke, wurden Sie darauf hingewiesen, daß noch ganze Oebietc vor unseren Augen liegen, die wir nicht bearbeiten, die wir manchmal gar nicht berühren konnten. Aber es ist den Herren vollständig klar, daß cs nicht geleistet wurde, weil es nicht möglich war. Sie übernehmen cs aber, diese Gebiete künftig zu bearbeiten, selbstverständlich aber nur dann, wenn wir alle mitarbeiten helfen wollen. Auf verschiedenen Gebieten haben sich schon Früchte dieser fruchtbaren Arbeit gezeigt, und was zu verwundern ist, gerade auf einem solchen Gebiete, wo man das vielleicht am wenigsten erwarten konnte — das ist auf dem finanziellen Gebiete. Sie werden sich, meine Herren, erinnern an die Frage der Besteuerung der Bank, des Nationalfonds und unserer anderen Institutionen. Wiederholt wurde in den früheren Zeiten dringend darauf liingewicscn, daß wir unmöglich unsere Organisation anders leiten können. Es wurde immer behauptet, daß sic alles geben wird, was man braucht, wenn man genügend Arbeit leisten und in entsprechender Weise fordern wird. Diese Frage ist jetzt versebwunden. Denn ungeachtet dessen, daß der Leitung vorgeworfen wird, daß sie große Ausgaben gemacht habe, sind diese Ausgaben vollständig gedeckt, ohne Inanspruchnahme der Finanzinstitute, ohne Besteuerung. (Beifall.) Meine Herren! Wenn wir die Arbeit dieser zweijährigen Periode betrachten, so wiederhole ich, wir können, wie Dr. Klee beim II. Kongreß, jetzt sagen: mit dieser Reform sind wir, die für sic gekämpft haben, vollständig z 11 f r i 1• - den. (Bravo! Beifall.) Nun aber, wir haben auf dem letzten Kongreß nicht alles durchführen können. Nicht, weil wir nicht überzeugt waren von der Notwendigkeit desjenigen, was wir nicht durchführen konnten, sondern, weil cs uns ganz unmöglich war, und ich bin jetzt überzeugt, daß wir jetzt das werden vollenden können, was uns damals nicht gelungen ist. In dieser Beziehung will ich nur von zwei Gegenständen sprechen: vom Nationalfonds und von unseren Banken. Geehrter Kongreß! In der Forderung, den Sitz des Nationalfonds nach dem Sitz der Zentrale zu verlegen, ist ein Punkt enthalten, der von sehr vielen ganz außer acht gelassen wird. Es wird behauptet, daß die Sammlungen ebenso gut von einem anderen Zentrum aus gemacht werden könnten, als von Berlin aus. Das stimmt vielleicht nicht ganz. Denn wenn die Energie des Zentralburcaus und des Nationalfonds vereinigt wird, könnte es mehr Nutzen für!»eitle Institutionen geben. Etwas ganz anderes, was von großer Bedeutung ist, wird nicht berücksichtigt. Der Nationalfonds ist unter den gegen wartigen Verhältnissen die einzige kolonisatorische Institution unserer Bewcgung, fast die ganze Palästina-Arbeit konzentriert sich im Bureau des Nationalfonds, Und da wir, die Mitglieder des Direktoriums des Nationalfonds in allen Weltteilen verstreut sind, so folgt daraus, daß ein Mitglied, der Präsident des Direktoriums, eigentlieh die ganze Palästina-Arbeit verwirklicht und leitet. Und ich glaube nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß es von großer Bedeutung wäre, daß an diesem wichtigsten Teile unserer Arbeit der Paliistina-Arbeit, das E. A. C. immer einen beständigen Anteil haben sollte. Das ist der Hauptbeweggrund, warum der Sitz des Nationalfonds mit dem Sitze des zionistischen Zentralburcaus vereinigt werden soll. Selbstverständlich wollen wir alle, daß die Person, die jetzt an der Spitze des Nationalfonds stellt, ihre Arbeit auch in Berlin fortsetzen soll. (Beifall.) Das wird doppelt Nutzen bringen. Der Nationalfonda wird in seiner Tätigkeit vielen Nutzen vom E. A. C. haben. Aber auch der Leiter des Nationalfonds ah Mitglied des A. C. wird nutzbringender für unsere allgemeinen Interessen wirken können. Etwas komplizierter ist die Frage der Beziehungen zwischen den Banken und unserer Leitung. Meine Herren! Diese Frage, die jetzt im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stellt, ist nicht neu. Diese Forderung ist nicht jetzt erst vom E. A. C, erfunden worden. Ich will Ihnen einen Passus verlesen, aus einem Artikel, der Ihnen beweisen wird, daß der Verfasser des Motivenberichtes zum Projekte des Organisationsstatuts, Herr Dr. B o d e 1111 e i in c r, von ganz, anderen Motiven ausgehend, von dem Bedürfnis der Organisation in der ״Welt“ vom 21. Juli 1911, also vor mehr als zwei Jahren, die gleiche Forderuug dargclegt hat. Herr Dr. ßodenheimer schlägt in seinem Motivcubcricht vor, das Große A.C. kleiner zu machen und dann fährt er fort: Diese Voraussetzungen sind um so wichtiger, als das Große A. C. gleichzeitig die Mitgliedschaft des Nationalfonds sowie den Aufsichtsrat des J. C. T. repräsentieren wird, da sieh die Verschiedenheit der Mitgliedschaft in diesen Institutionen als großer Uebclstaiul erwiesen hat. Es ist klar, wenn wir eine Körperschaft bilden, der wir große Pflichten und eine große Verantwort- Iichkcit auferlegen und wenn wir diese Körperschaft in zwei Teile trennen, von denen der eine von der Verantwortlichkeit und der Möglichkeit auszuarbeiteil, befreit ist, so kann dieser Teil seine Energie nicht voll entfalten, ln verschiedenen Fragen kolonisatorischer, palästinensischer Natur, hat sich die Schädlichkeit dieser Differenzierung klar gezeigt. Welche Gründe aber bewegt die andere Seite, zu fordern, daß wir bei dem jetzigen abnormalen Zustände bleiben sollen? Die Herren sagen: Wir können Geld nicht jedermann anvertraucn. Geld ist etwas, was wichtiger ist, als eine Idee, als das Prestige der Organisation, als alle Interessen der zionistischen Bewegung; diese können wir allen anvertraucn, die der Kongreß wählt, aber Geldfragen können wir nicht jedermann anvertrauen. Meine Herren! Ich überlasse Ihnen, zu beurteilen, inwieferne das begründet ist. Ich will nur bemerken: cs war früher bei uns Brauch, daß wir in den Aufsichtsrat nur Persönlichkeiten wählten, die zum zweiten Mal in das Große A. C, cntsar.Jt worden waren. Wenn die I lerren verlangen sollten, daß wir auch zur Beleihgung an den Angelegenheiten der Finanzinstitutionen, des Nationafoniis und der Bank nur diejenigen zulassen, die sozusagen in dieser Welse Fälligkeiten bewiesen haben, so könnten wir diese Konzession machen, daß wir die gleiche Vorschrift für den Aufsichtsrat und die Generalversammlungen des Nationalfonds normieren. Weiter aber dürfen wir meiner Meinung nach auf keinen Fall gehen. Und nun, geehrter KongrcHt Was den Nationalfouds anbelangt, so glaube ich das Recht zu haben, als Mitglied des Direktoriums zu sagen, daß wir, das Direktorium des Nation;!Ifonds, keineswegs Hindernisse sehen, die dagegen sprechen könnten, daß die Geiieralversainmlung des Nationalfonds mit dem Großen A.C. zusammenfallcn soll. (Beifall,) Ich denke, wenn die Herren vom Direktorium der Bank auch die Kautele, von welcher ich sprach, in Betracht ziehen, werden sic zu dem Schlüsse kommen, daß wir anders nicht handeln können und dürfen. Denn, vergessen Sie nicht, meine Herren, was aus der jetzigen Ordnung folgt; Wir haben in unserem A.C. Mitglieder ersten und zweiten Ranges. Wir Juden wissen, was das heißt, Bürger zweiten Ranges zu sein, und da müssen Sic auch wissen, was cs heißt, ein Mitglied des A. C. zweiten Ranges zu sein. Wenn ein solches Mitglied an einer Sitzung teilnimmt, in der Fragen der Bank zur Verhandlung kommen, dann hat er ein Gefühl wie der russische Jude, wenn er vom Ansiedlungsrayon zu der ürenze kommt, die er, nicht überschreiten darf. Meine Herren! DieseOrenz« können wir nicht zulassenl Diejenigen Herren, denen wir alle Aufgaben des Zionismus anvertraucn, denen wir die Ehre der Bewegung und unserer Organisation überantwortet haben, diesen können wir auch die Sorge für unsere Finanzen übertragen. Wir müssen diese Vollendung־ durchführen, damit wir endlich ein- "mal mit den organisatorischen Problemen ein Ende machen; viel wichtigere Probleme stehen vor uns, und um sic zu verwirklichen, um fruchtbringend arbeiten zu können, müssen wir von diesen aufreiben• den Verhältnissen befreit werden. Neun Jahre sind vorüber, seit wir in unserer Richtung in Palästina arbeiten. Vor neun Jahren ist etwas geschehen, was den Eindruck erwecken könnte, als ob unsere Bewegung eine sehr schwere Krise durchinachcn müsse. Der unermüdliche Führer, der unsere Organisation in so raschem Tempo immer naeli vorwärts geführt hat, hat vor seinen Augen plötzlich eine Wand gesehen, die er nicht durchdringen konnte. Als er nach rückwärts blickte und das Volk sah, welches voll Vertrauen auf ihn schaute, dachte er, daß er nicht warten und stehen bleiben könne und so hat er dann den fatalen Versuch gemacht, selbstverständlich in der Hoffnung, durch diese Ablenkung doch wieder zum ersten und großen Ziel zu gelangen; aber er hat sich bald überzeugt, daß ' der Weg kein richtiger war und da der direkte Weg vor ihm durch eine Wand versperrt schien und er keinen anderen Weg sah, den er das Volk hätte führen können, ist er in bittere Verzweiflung geraten, die einen Zusammenbruch herbei führte. Und nun, meine Damen und Herren, seit damals haben wir einen anderen Versuch gemacht, um diese Wand zu umgehen, nicht durch Ablenkung, sondern auf Umweg, um zum Ziele zu gelangen. Und darin liegt der Zweck und der Sinn unsc?fer ganzen Arbeit in Palästina im Laufe der letzten Jahre. Es wird von gegnerischer Seite behauptet, daß wir die großen Ideale vergessen, bagatellisiert in Kleinigkeiten umgemünzt haben. Solche Bchauptungen situ! auch von den Herren Vorrednern vorgebracht worden. Meine Herren! Diejenigen, die solche Bchauptungen aufstcllcn, verstehen nicht den Zweck und den Sinn unserer jetzigen Richtung und Arbeit. Ich will jetzt nicht von den effektiven Erfolgen und Tat- Sachen unserer Palästina-Arbeit und der allgemeinen Richtung, der wir jetzt folgen, sprechen, ich will nur eine Seite erörtern: Die politische Bed c u t u n g dieser Arbeit. Der politische Zweck dieser unserer jetzigen Arbeit in Palästina ist folgender: Wir wollen und müssen durch Arbeit und Tatsachen dem jüdischen Volke, der Türkei und der ganzen Welt demonstrativ beweisen, was wir Zionisten in Palästina leisten wollen und auf welche Weise wir in Palästina arbeiten wollen. (Beifall.) Diese Arbeit, die wir dort leisten, wird aus kleinen Stücken zusammengesetzt, und wenn jemand nur diese kleinen Etappen beachtet und sich nicht den allgemeinen Plan vor Augen hält, so sagt er: Ja, die Herren haben sich ganz in Kleinigkeiten verloren. Aber auch das größte Gebäude ist nur aus kleinen Ziegeln und Steinen gemacht, und die kleinen Steine, die wir jetzt in Palästina aufeinander fegen, sind die Bausteine für das künftige Wohnhaus des jüdisehen Volkes! Nicht viele , .׳ihre sind vergangen, seit wir in dieser Richtung arbeiten, und wir können schon sehr ansehnliche Resultate konstatieren. Für das gesamte jüdische Volk ist jetzt Palästina ein 80 naheliegende* Objekt, sein Interesse ist so rege geworden, seine Liebe so sehr erwacht, und der Wunsch, an de*־ Arbeit teilzunehmcn, nicht nur in zionistischen, sondern manchmal auch in ganz ferne stehenden Kreisen so lebhaft, daß wir von dieser agitatorischen Wirkung unbedingt sehr befriedigt sein können. Wir sehen Institutionen und einzelne Personen, die sich von uns abzugrciizen suchen, die behaupten, keine Zionisten zu sein, die aber das tun, was unser Ideal von Ihnen fordert und was unser Ideal ihnen eingeflößt hat. Die ganze Kulturwelt, von deren Sympatliien man in unserer Bewegung doch viel ge- Sprüchen hat, die zu erreichen man immer gesucht hat, die Sympathien und das Interesse von wichtigen Kreisen der Kulturwelt werden durch unsere Arbeit in viel größerem Maße gewonnen. Wenn Sie die ernsten Preßorgane von Westeuropa verfolgen, werden Sie sehen, mit welchem Interesse man unseren Arbeiten folgt. Ja, daß man sogar oft Neigung zeigt, unsere Arbeit sieli selbst zuzuschrcibcn, mit der Wirtesamkeit der anderen Natio .cn zu verknüpfen. Und mm, was von besonderer Wichtigkeit ist: Die Türkei. Wir denken, daß die Machtfaktoren der Türkei jetzt viel besser cinsehen, was für eine Kulturkraft wir in das Land bringen, welchen Nutzen wir dem verwahrlosten Lande bringen können und werden. Wir denken, daß die Türkei jetzt auch vielmehr eingesehen hat, daß wir nicht Vorposten irgendwelcher Nation sind, sondern nur die Verwirklichung unserer eigenen Bestrebungen und Ideale in dem Lande wollen (Beifall), und ich denke, die Türkei hatte auch die Möglichkeit, einzusehen, daß wir Treue und Dank dem Volke zu bewahren wissen, welche* sich niemals irgendeines Angriffes gegen die Juden schuldig gemacht hat. Wir können nur von Vermutungen sprechen, aber ich denke, wir dürfen der Vermutung Ausdruck geben, daß auf der anderen Seite von der Wand jetzt die Frage auftaucht, ob cs nötig war, eine solche Wand überhaupt aufzustellen und ob es nicht Zeit wäre, diese Wand wegzuschaffen. (Beifall.) Das war, meine Herren, der politische Sinn dieser kleinen Palästina-Arbeit, die wir mit solcher Mühe und Liebe in den letzten Jahren geleistet haben. Und wir denken, daß, wenn wir

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