Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 384 Nr. 37 trauen der Organisation. (Beifall.) Dann erst werden wir alle jene Kräfte, die sieh im Parteikampfe verzehrten, durch das Bewußtsein innerer Harmonie zur Mitarbeit freigemacht haben. Möge uns dieser Konpreß diese Gewißheit bringen. Wir fordern auf das entschiedenste die Forsetzung der Tätigkeit des Actions-( omites in der begonnenen Richtung. (Bravo! Beifall.) Wir wissen, daß diese Tätigkeit eine scltwierige gewesen ist, daß sie unter schwierigen Uinständen!begonnen hat und daß nur eine ganz kurze Spanne Zeit hinter uns liegt, die uns gestattet, über diese Tätigkeit hier zu beraten und zu beschließen. Um su dankbarer müssen wir sein, daß das Actions• Comitc uns trotz dieser kurzen Spanne Zeit schon Gelegenheit gegeben hat, die Tendenzen seiner'Riehtung klar zu erkennen. Hier auf dem Kongresse werden wir die Tätigkeit des Actions-Comites /.(!stimmend oder ablehnend beantworten, hier auf dem Kongresse. Es gibt kein anderes Forum des Zionismus als diesen Kongreß. (Sehr richtig! Beifall.) Hier sind auch die- )eiligen, die Anhänger der Bewegung sind und als treue Anhänger erkannt werden wollen, verpflichtet, wenn sic mit der Arbeit des Actions-Countes nicht übercinstimmen, ihre Stimme zu erheben, aber nur hier, nur in dieser Versammlung. (Sehr richtig! Stürmischcr Beifall.) lieber den wichtigsten Teil der Arbeit, die Palästina-Arbeit, werde ich im einzelnen jetzt nicht sprechen. Sie wissen, daß eine Spezialberatung über dieses bedeutsame Thema stattfindet, in welcher wir unsere Anträge formulieren werden. Nur eines möchte ich jetzt schon formulieren: daß es mir scheint, als oh es eine der Aufgaben dieses Kongresses sein muß, die Wichtigkeit einer Institution zu betonen, die der Entwicklung Palästinas dient, der Palcstine Land Development Company, und daß wir liier die Mittel zu finden haben, um diese Gesellschaft aktionsfähig zu machen, ln kultureller Beziehung glaube ich, daß uns vor allem die Förderung des Merkas Hamorim nottut. Ich stimme mit dem Referenten des Engeren Aetions-Comites auch in bezug auf die von ihm entwickelten Gedanken der Propagandatätigkeit überein. Die Tätigkeit des Actions-Comites nach dieser Riehtung war fruchtbringend. Die Zahlen beweisen es. Ich freue mich, mich auch darin in Uebereinstimmung mit ihm zu befinden, daß ich nicht nur eine Ausbreitung, sondern eine Festigung der Organisation und eine Vertiefung unserer Ideen in ihr konstatieren kann. Wir wünschen ebenso nachdrücklich wie das Engere Actions-Comite, die radikale Iktonung der nationalen Grundlage unserer Bewegung. (Brav׳o!) Dennoch möchte ich davor warnen, daß wir in dieser Frage uns allzusehr auf eine Theoretisicrung• des Nationalismus cinlasscu. (Sehr richtig!) Die Begründung unserer nationalen Anschauung kann nur mit der Begründung der Notwendigkeit unserer Arbeit erfolgen und die Erziehung im nationalen Sinne darf nur geschehen durch die möglichste Anlehnung an Palästina, au die palästinensische Arbeit und au die Entwicklung des palästinensischen Judentums. (Beifall.) Unsere lebendige Sorge muß es sein, die Finanzmittel der Bewegung auf eine siciiererc Grundläge zu stellen. Ich habe ~ um jedes Mißverständnis von vornherein zu vermeiden, — unter diesen Finanzmittein nur die dem Actioiis-Comitc dienenden, die Schekolim und den Zentralfonds verstanden, und ich wünsche und hoffe, daß gerade bezüglich des Zentralfonds dieser Kongreß eine feste und gesunde Basis schaffen wird, die dem Actions-Comite die Möglichkeit gibt, für die Folge ruhiger an seine Arbeit gehen zu können. Ich stimme auch darin mit Herrn Dr. Hantke überein, daß die Kouzcutration des Engeren Actions-Comites an einem Orte nicht die Fesselung dieser einzelnen Mitglieder eben an diesem Orte bedeuten darf. So begrüßen wir mit besonderer Genugtuung di« Reisen unserer Mitglieder des E.A. C., die der Verbreitung unserer Idee galten, und vor allem die gewaltige Demonstration unserer Idee, die durch die Reise unseres Herrn Sokolow nach Amerika erfolgte, (Beifall.) lieber die politische Arbeit werde ich ebenfalls nicht im einzelnen sprechen. Es genügt, zu hetonen, daß das Engere Actions-Comite entschlossen ist, den politischen Charakter des Zionismus zu wahren. Wir wissen, daß die politische Arbeit unter schwierigen Umständen erfolgt. Wir zollen dem politischen Takt und der politischen Klugheit der Vertreter des politischen Ressorts im E. A. C. hohen Dank. Ein merkwürdiger Vorwurf ist bezüglich dieser politischen Arbeit von Leuten erhoben worden, die sich gewissermaßen als die einzigen Hüter des heiligen Grals, in dem alle politische Weisheit verborgen ist, betrachten. Es wird behauptet, das E. A.C. habe erst ans Ruder kommen müssen, um sich mit dem politischen Mantel zu umhüllen, um gleichsam seine Blößen zu decken. Unsere Widersacher in diesem Punkte in unseren eigenen Rethen befinden sich leider in der Situation des französischen Adels zur Zeit der Restauration: Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen. (Sehr richtig!) Wohl haben wir die praktische Palästina-Arbeit lange Jahre stürmisch JUED1SCHE RUNDSCHAU gefordert und wohl sind wir glücklich, daß diese stürmische Forderung heute nicht mehr notwendig ist. Die praktische Arbeit in Palästina freilich ist uns die Voraussetzung jeder politischen Tätigkeit (Bravo! Lebhafter Beifall.) Diese praktische Arbeit wird jetzt geleistet mit Ernst, mit Entschiedenheit, mit vollem Verständnis ihrer Bedeutung, Jetzt ist Zeit, von Politik zu reden, aber indem wir der Arbeit des E. A. C. zustimmcu, übernehmen w׳ir zugleich die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß die Entwicklung dieser Arbeit in gleicher Weise, wie bisher möglich ist. Das verpflichtet uns weiter nach meiner Meiinnig und nach der Meinung vieler meiner Freunde, die Revision eines auf dem letzten Kongresse sanktionierten Kompromisses vorzunehmen. Die geschaltliehe Leitung unserer Bank gehört einem Direktorium. Wir werden Gelegenheit halten, die Berichte dieses Direktoriums zu hören und unsere geschäftlichen Ein- Wendungen zu machen. Aber neben ilieser geschältliehen Tätigkeit geht eine andere, die über ihr steht, das ist nämlich; zu bestimmen, nach welchen Riehtliuien die Bank zu arbeiten hat, (Lebhafte Zustimmung.) Diese Bestimmung muß unserer obersten Behörde überlassen bleiben. (Starker Beifall.) Diese Bestimmung dürfen nur jene treffen, die in der ganzen Bewegung über unser Wohl und unser Welle entscheiden. Ich werde darum dafür emtreten, daß die Identität des Aufsichtsrates der Bank, der diese Einrichtung bestimmt, mit dem Actions-Comite auf diesem Kongreß hergestellt wird. Ebenso ist der Aufsichtsrat identisch mit dem Verwaltungsrat des Nationalfonds. Bedarf es in diesem Kreise noch einer Betonung, daß cs absolut erforderlich ist, eines unserer wichtigsten Institute, den Nationalfonds, in Einklang zu bringen mit dem Willen und Wünschen unserer obersten Leitung? (Beifall.) Aus den gleichen Gründen, ja aus wichtigeren noch, müssen wir fordern, daß das Große Actions-Comite zugleich Verwaltungsrat des Nationalfonds ist. Es sind bedeutsame Beschlüsse auf diesem Kongresse zu fassen. Gehen wir ihnen mit Ernst entgegen, aber beobachten wir eines: wenn wir unseren! Actions-Comite die Möglichkeit geben zu der Arbeit, dann ist es unsere Pflicht auf diesem Kongresse, die gesunde und die normale Basis, die wie Herr Dr. Hantke mit Recht hervorhob, ursprüngliche Basis zur Arbeit zu schaffen. (Beifall und Händeklatschen.) Adolf Böhm (Wien) sprach dann ebenfalls seine freudige Zustimmung zu der von der Leitung geleisteten Arbeit aus und betonte besonders, d1׳fl das Actions-Comite die Mitarbeit aller Anhänger zu gewinnen verstanden habe. Wenn er noch Wünsche halie, so seien es nur solche für die Hebräisicrung der Institutionen der Bewegung und die Forderung nach Schaffung einer Revue, die nach dem Zentralorgan ״Die Welt“ der Propaganda der Idee dient. Redner beantragte sodann, dem Actions-Comite das Vertrauen auszuspreehen, Präsident Wolffsohn bringt alsdann den Eingang zur Verlesung. Dr. Mas Nord au hat das folgende Schreiben an den Kongreß gerichtet: Hochgeehrter Kongreß! Obschon unabwendbare Umstände zum erstenmal seit der Entstehung der zionistischen Organisation, mich verhindert haben, für den XL Kongreß einen Vertretungsauftrag anzunehmen und mich an seinen Arbeiten zu bcteiligen, drängt cs mich doch, ihm aus der Ferne zu seiner Eröffnung meinen Gruß zu senden. Ich werde seinen Verlauf mit leidenschaftlicher Anteilnähme verfolgen und jedes Wort, das in seinen Sitzungen gesprochen wird, ist sicher, in meiner Seele einen lauten Widerhall zu wecken. Ich wünsche auf das Innigste, der Kongreß möge in der Stadt Herzls stets den ganzen lfmfang des Tierzischen Gedankens im Auge behalten und keinen Augenblick lang vergessen, daß eine Arbeit, die lediglich die Vorbereitung Palästinas zur Aufnahme möglichst zahlreicher jüdischer Einwoliner bezweckt, für die Gesamtheit des jiiilisehen Volkes ohne Nutzen bleibt, wenn nicht gleichzeitig möglichst zahlreiche Juden zu dem Best rebei! erzogen werden, in dem für sic vorbereiteten Palästina Aufnahme ־zu suchen. Möge ferner der Kongreß immer der Tatsache eingedenk bleiben, daß die mit harter Mühe geschmiedeten finanziellen Werkzeuge unserer Bewegung nicht robust genug sind, um unvorsichtiger oder rücksichtsloser Handhabung zu widerstehe n, und daß ihr Zusammenbruch, wenn auch nicht dem zionistischen Gedanken, aber doch der heutigen zionistischen Organisation tckllieh werden könnte. Möchte der Kongreß endlich nicht vergessen, daß man einer großen Sache durch theoretisch einwandfreie Beschlüsse nicht nützt, wenn die g«. wohnliche Einsicht varhcrzusclicn gestattet, daß ihre Verwirklichung zurzeit unmöglich ist. ' Ich wünsche aus tiefstem Herzen, daß der XI. Kongreß den Zionismus seinem erhabenen Ziel um eine ansehnliche Wegstrecke näherbringen möge, und bin dessen hochachtungsvoll ergebener ' Dr. M, N 0 refa u. Der Verlesung folgt lebhafter, langanhaltender Beifall lind Bravo-Rufe. Ferner ist ein Telegramm von Nathan Strauß aus Amerika eingelaufeii: Herzliche (iruße au meine Brüder im /;״- iiisten-Kongrvß. Ich bedanre außerordentlich, daß ich nicht in der Tage bin, bei Ihnen zu weilen. Mögen Ihre Verhandlungen das Resultat ergehen, jedes jüdische Herz mit Enthusiasmus für unsere Sache zu erfüllen. Der Zionismus ist der klarste Ausdruck des Lebenswillens des Juden in der Gegenwart (Bravo! Lebhafter Beifall) und die fruchtbarste Begeisterung für seine Bestrebungen in der Zukunft. Nathan Strauß. Auch die Verlesung dieses Schreibens wird stürmisch akklamiert, Jyan Fischer stellt den Antrag, an Max Nordau ein I hmktelcgramm zu senden. Dem widerspricht Dr. Halpcrrt, da es sich nicht um ein Begnißungstdcgramin, sondern um eine energische Stellungnahme zu den Problemen handle, die den Kongreß beschäftigen werden. Deshalb dürfe der Kongreß den Brief nicht beantworten, che er seihst Stellung genommen hat. Er bittet, zur Tagesordnung übcrzugdicn. Dr. Gaster kann in der Beantwortung nur einen Akt der Höflichkeit sehen und bittet daher, den Antrag F i s e h e r atizunelnneii. Dr. Pasmanik äußert sich im gleichen Sinne. M. Ussischkin schlägt die Wahl einer Kammission vor, die den Text des Telegramms festsetzen soll. Syrkin bittet um Annahme des Antrages Fische r. Nachdem noch Dr. Rosen f cid sich in demselben Sinne geäußert hat, werden die Anträge H a If. . , , , * 1 Dritte Sitzung Mittwoch, am Nachmittag des i. September. Beginn: 1 Uhr 20 Min. Zu Beginn der Naehmittagssitzung erstattete der L c g i t i in a t i o n s a u s s c 11 ti ß Bericht über die Prüfung der Mandate, die init wenigen Ausnahmen anerkannt werden. Insgesamt sind 5M) Delegierte aus 2i Ländern erschienen. Zum Rechenschaftsbericht des Actions-Comites erhält weiter das Wort Dr. Katzenclsohn: Ich glaubte nicht, daß ich heute das Wort würde ergreifen müssen, unser Bankreferat ist erst am nächsten Dienstag, und ich glaubte, mir meine Ausführungen bis dahin aufspara! zu können. Aber Herr Dr. I i^a n t k e hat bereits heute einige Andeutungen über die Hank gemacht, und das zwingt mich dazu, bereits heute aufzutreten. Den ersten Worten des Herrn Dr. Hantke habe auch ich selbst stark applaudiert, daß die Leitung niemals die Banken für die Zwecke der Leitung beanspruchen werde. Das ist ein schöner Entschluß, dem wir zustimmen können. Vor zwei Jahren stand unser Freund Dr. Hantke auf einem anderen Standpunkt: cf saute, die Bank müsse Geld!)ergeben, damit die Leitung sieh halten könne. Dieselbe Forderung ist voriges Jahr bei der Jalireskonlerenz erhoben worden. Um so mehr (reut es mich mm, daß er jetzt mit uns allen zur Uebcrzcugung kommt, daß dieser Standpunkt ganz richtig ist, daß jene Institute für andere Zwecke da sind, als für diese momentanen Bedtirfnisse. Dr. Hantke denkt, wie ein Mitglied des Engeren Actions-Comites einer Bewegung denken muß, die sich an die Verhältnisse anpassen muß. Ganz, anders aber ist es hei uns, bei den Direktoren einer Bank oder einem Aufsichtsrat. Setzei! Sie sich in die Lage, wenn wir vor einem Jahre so gedacht und auf einmal unsere Anschauung׳ geändert hatten. Herr Dr. Hantke meint, daß das Actions-Coiuite der Bewegung׳ und der Aufsichtsrat identifiziert werden müssen, und hier möchte ich Sic vor dieser Ansicht warnen. Meiner Ansicht m»1'h wäre dies das größte Unglück nicht nur für die Hank, sondern and) für das Actions-Couiitc. Man vergleicht uns oft mit einer Regierung und sagt, daß die Fman/iiistiiute der Regierung in die!lande der Rcgierimg kommen müßten. Ich halte es für gewagt, einen derartigen Vergleich zu ziehen, aber gerade dieser Vergleich zeigt, daß die Rcichsbank nie in den 'Händen der Regierung ist und niemals sein darf. Es ist eine ganz besondere Leitung*. Als man im vorigen Jahrhundert in Frankreich versucht hat, die Rcichsbank mit der Regierung zu vermengen, da hat die französische Reichsbattk - es ist allerdings ein Beispiel, das uns ferne liegt, aber cs zeigt, wie man nicht die Begriffe vermengen darf — bankerottiert. Bei uns liegt die Sache viel einfacher: Das Actions-Comite ist Kunde der Bank, wir machen Geschäfte, wir haben für sie Aufträge zu erledigen. Ist es richtig, daß die Kundin und die Leitung dieselbe sei? leb glaube, daß ein jeder zugeben wird, daß das kein richtiges Verhältnis ist. Für das Actions-Comite wäre es auch sehr schädlich, wenn sich Leute an sie mit der Bitte um Unterstützung wenden und abg'cwicscn werden. Wenn die Direktoren kein Geld geben, dann ist die Sache eine andere. Es ist vorteilhaft, wenn man auf die an■ deren die Schuld schieben kann. Das Actions-Comite könne dadurch die Popularität verlieren. Und noch eine wichtige Sache: Wir wollen alle, daß man sich bestrebe, die Bank zu einem kommerziellen Unternehmen zu machen, darin sind wir alle einig. Nun, meine Herren, ich müßte Privates erzählen, aber ich