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Jüdische Rundschau · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 383 di *verbänden versucht, die Einrichtung besoldeter L.iiideszcntralen ins Leben zu rufen. Unser System das ein Hand-in-Handgehcn des Actions-Comtes und der Landes-, bzw. Sonderverbändc erst ermöglicht, hat sich bereits — teilweise infolge unserer finanzivilen Beihilfe — vielfach durchgesetzt. Wir sind überzeugt, daß es allmählich überall Anerkennung finden und bald die selbstverständliche Grundlage alkr unserer Arbeiten werden wird. (Beifall.) Die Mitglieder des E. A.C. haben sich auch seihst in den dienst dieser Arbeiten gestellt und zeitweise eine ausgedehnte Propagandatätigkeit entfaltet. Auch hiergegen sind Einwendungen erhoben worden — Einwendungen, die insbesondere auf organisatorische Momente gestützt werden. Wir können sic als berichtigt nicht anerkennen. Die Propaganda ־ist ein ebenso wichtiges Arbeitsgebiet der Zentrale wie Politik, Palästina-Arbeit und kulturelle Arbeit. (Beifall.) Ja, sie ermöglicht, erst alle diese so wichtigen Aufgaben. Wir müssen daher auch ihr unsere Aufmerksumkeit zuwenden. Die organisatorischen Neuerungen, die der X. Kongreß geschaffen hat, haben sich nach unsercr Ansicht durchaus bewährt. Und wir sind die Letzten, hierin eine Aenderung zu wünschen. Es heißt aber das Prinzip des Kollegiums und der kollegialen Arbeit verkennen, wollte man cs nur dann als gewahrt sehen, wenn ständig sämtliche Mitglieder des Engeren Action-Coinitös an einem Ort sich aufhalten und sich auch vorübergehend vom Sitz der Zentrale nicht entfernen. Wegen aller Einzelheiten unserer Vcrwaltungsführung darf ich Sie auf unseren gedruckten Bericht verweisen. Das Prinzip, das uns geleitet hat, war auch hier das der straffen Zusammenfassung unsercr Organisation und ihrer lebendigen Kraft. Nur so entgeht unsere über alle Länder zerstreute Organisation, mit ihrer kulturell, sozial, sprachlich so verschiedenartigen Anhängerschaft, dem Schicksal, ausciuandcrzufaffcn. Nur so tragen wir das Unsere dazu bei, die Wiedervereinigung des jüdischen Volkes vorzubereiten. Wir haben daher, soweit es unsere Kräfte erlaubten, selbst, sonst durch unsere Sckretäre an den Delegiertentagen der Landes- und Sonderverbände, als den Brennpunkten des zionistischen Lebens der einzelnen Länder, tcilgenommcn. Wir haben ferner allmonatlich an etwa 1500 Vertrauensmänncr interne Berichte versandt und so einen ständigen Zusammenhang mit den aktivsten Genossen geschaffen, der ihnen ständig das Ocincinsamc in unserer Arbeit vor Augen hält. Unsere Korrespondenz mit dem Großen Actions• Comitd, die ständige und ausführliche Berichterstattung an dasselbe, die zahlreichen und ausgedehnten Sitzungen haben dem Großen Actions-Comite die Möglichkeit gegeben, in den wichtigen Fragen selbst die Entscheidung zu treffen. Wir glauben unser Vcrsprechen erfüllt zu haben, nur die Exekutive des Großen Actions-Comitös zu sein. Allerdings ist dieses Ergebnis nur der weisen Beschränkung des X. Kongresses zu verdanken, der das Große Actions-Comite auf die Zahl von 30 Mitgliedern hcrabgcfiihrt und diese Mitglieder nicht nach lokalen Gesichtspunkten, sondern nach den Bedürfnissen einer Zentralleitung ausgewählt hat. (Beifall.) Großes Actions-Comite und Engeres Actions-Comit4 haben in der ganzen Zeit vollkommen reibungs los miteinander gearbeitet. (Beifall.) Ich konstatiere dies an dieser Stelle gegenüber unwahren Presseäußerungen. Das Große Actions-Comite hat wiederholt und stets fast einstimmig (Hört! Hört!) die Grundlinien des von uns verfolgten politischen Systems gebilligt. Unsere Tätigkeit beruhte durchwegs auf zustimmenden Beschlüssen des Großen Actions-Comite und des Zentralkomitees, das als Vertretung des Kongresses im Jahre 1912 zum erstenmal zusammengetreten ist. (Beifall.) Unsere Finanzen waren geordnete. Unsere laufenden Ausgaben sind bis auf einige tausend Mark, ca. 5000 M., die noch im Laufe des Kongresses eingchcn werden, durch laufende Einnahmen gedeckt worden. Wir haben uns auch im wesentlichen in den Grenzen unseres Etats halten können. Nur die Ergebnisse der Administration unseres Zentral- Organes haben unseren Erwartungen nicht entsprachen. Wir hatten geglaubt, unseren jährlichen Zuschuß stark herabsetzen und bald ganz beseitigen zu können. Tatsächlich aber hat derselbe auch in den beiden letzten Jahren die frühere Höhe erreicht. Wir haben daher vor einigen Monaten, als die Sachläge ganz geklärt war, die Grundsätze «1er Administration, wie wir sie bei der Ucbcrnahme der Geschäfte von Köln vorgefunden hatten, einer Revision unterzogen und werden das Ergebnis des neuen Bilanz- Jahres abwarten. Wegen aller anderen Einzelheiten verweise ich auf die Ihnen übergebene Aufstellung. Von den uns von der Jüdischen Kolonialbank gewährten Vorschüssen haben wir die beiden ersten von 70000 M. und 30 0t» M. samt 4«,# Zinsen zurückgezahlt. Der noch laufende Kredit von 100 000 Mark, der für das Jahr 1912/13 bestimmt war, wird am Fälligkeitstage, d. h. am l. Oktober 1913, ebenfalls abgedeckt werden. Wir verdanken dieses Ergebnis den Fortschrittea unseres Zentralfonds, der cs uns ermöglicht hat, politische und kulturelle Ausgaben zu decken. Immerhin kann unser Finanzwesen noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Ohne jedes eigene Vermögen ist das Actions-Comite alljährlich auf Vorschüsse angewiesen. Eine Organisation, die über 10 Millionen Mark verfügt, zwingt ihre Exekutive, sich durch Garantien von Privatleuten Kredit zu schaffen, bis am Ende des Jahres und noch später die Einnahmen bei der Zentrale clnlaulen. Hier muß bald Wandel geschaffen werden. ׳ Denn dieser Zustand ist nicht nur ungesund, er ist auch unmoralisch. Es darf nicht dahin kommen, daß in unserer demokratisch aufgebauten Organisation der Geldbeutel Einfluß gewinnt. Auch der Höhe nach können die jetzigen Einnahmen für die Dauer nicht ausreichen, wenn Sie wünschen, ■daß die politischen und kulturellen Arbeiten fortgesetzt, daß die Propaganda ausgebaut wird. Und so werden wir Ihnen schon für die nächste Kongreßperiode einen Etat vorlegen, der eine Jahrcsausgabe von 226 000 M. vorsieht. Geehrter Kongreß! Wir sind uns bewußt, der ideellen Seite der Bewegung, die ihr zukommende Rolle zugewiesen zu haben. Wir dürfen sagen, daß unsere Tätigkeit nicht im Sammeln allein bestanden hat, daß unsere Korrespondenzen sich nicht in Mahnungen wegen Schekel und Zentralfonds erschöpft hat. Wir dürfen aber nicht übersehen, daß zu jeder fruchtbringenden Tätigkeit Geld gehört, ja, daß mit der doch von Ihnen allen gewünschten Verdoppclung und Verdreifachung der Arbeit auch die Ausgaben steigen müssen. Und so müssen Sic sich darüber ganz klar sein, daß auch unsere Ausgaben rapitle steigen müssen, wenn Sic Erfolge errvarten, und daß auch unser Unternehmen, wie jedes andere in der Welt, eine kapitalistische Grundlage erfordert, die unserer Organisation bisher fehlt. Die Kapitalien unseres Nationalfonds und unserer Bank sollen für die palästinensische Kolonisation unverkürzt bleiben (Beifall.) Und wir halten cs für gänzlich ausgcschlos sen, daß wieder einmal Gelder der Bank für Zwecke der Organisation verwendet werden müßten, wie dies vor uns geschehen ist. (Lebhafte Zustimmung.) Dieser Gefahr können wir nur entgehen, wenn Sic dem Zen■ tralfonds neue Jahresbeiträge zuführen und das Ac■ tlons-Comitd dauernd und ausreichend unterstützen Unsere Arbeiten sind zu wichtig und zu unaufschiebbar, als daß wir uns gestatten sollten, sie elnzu schränken, weil die wenigen tausend Mark angeblich nicht aufzutreiben sind. (Beifall.) Geehrter Kongreß 1 Ich habe versucht, Ihnen ein übersichtliches Bild unserer Arbeiten und deren systc matischcr Grundlage zu geben. Wir Mitglieder des Engeren Actions-Comites sind uns dabei vollkommen bewußt, daß diese Arbeit, so sehr wir und die Be amten des Actions-Comitds ihr unsere Kräfte gewidmet und so viel Unterstützung wir auch gefunden haben, nach den verschiedensten Richtungen kritisiert werden kann. Den positiven Leistungen stehen genug Arbeiten gegenüber, die wir nicht durchzu führen vermochten. Die Information der politisch maßgebenden Elemente müßte noclt weit ausgedehnt werden. In der kulturellen Tätigkeit befinden wir uns noch in den ersten Anfangsstadien. Die Gegen■ wartsarbeit ist noch vollständig den Landesverbänden überlassen, obwohl auch hier eine Betätigung der Zentrale erforderlich wäre. Die wirtschaftliche Arbeit in Palästina zeigt noch starke Lücken. Hat doch das jüdische Element in Palästina noch nicht einmal den seiner Zahl entsprechenden politischen und kulturellen Einfluß im Lande. Die Versuche, die öffentliche Stimmung der zivilisierten Welt, die Parlamente, die Vertreter der Wissenschaft, die Presse für uns zu interessieren, sind übt״ tastende Vcrsuche noch nicht herausgekommen ui d in der Pro pnganda beginnen wir erst die Kinderschuhe auszu׳ ziehen. Trotzdem glauben wir, nicht mit leeren Hän den vor Sie zu treten. Was berechtigt, mit dem Schluß des X. Kongresses den Beginn einer neuen Periode im Leben unserer Organisation zu setzen, ist die Tatsache, daß unsere Organisation die Zeit des Stillstandes, die Zeit der inneren Kämpfe über wunden hat, daß im Innern Friede, im Gesamtlcbcn eine Tendenz des Fortschrittes zum Durchbruch ge■ langt Ist. Nach einem kräftigen Anlauf, den wir der Neuheit der Idee, der radikalen, jedem Idec-Kompro miß abgeneigten Methode der ersten Jahre und der überragenden Persönlichkeit Dr. Herzig verdankten, brauchte die Organisation über ein Jahrzehnt, um sich in dem einmal gewonnenen Rahmen einzurichten, ihn mit nationalem Leben zu erfüllen. Hand in Hand mit der Notwendigkeit, im Innern der Organisation ausgleichend zu wirken, verfiel man vielfach auch in der Propaganda einem opportunistischen System, verlor sogar das unbedingte Selbstvertrauen, in der Vertretung unserer Ideen selbst, ohne das ein Erfolg nicht möglich ist. Diese Zeit liegt hinter uns. Innerhalb der Organisation herrscht Frieden. Nicht daß alle Differenzen in der Auffassung vom ־Zionismus von *einen Arbeitsmethoden geschwunden sind. Dasist in einem lebendigen Organismus unmöglich, der ständig neue Ideen, neue Tendenzen aus sich gebiert, und deshalb auch nicht wünschenswert. Aber die organisatorischen Differenzen, die die Arbeit in den Landes- und Sonderverbänden gestört hatten, sind mit einer einzigen Ausnahme gelöst. Die Ehrenhändei, die wir übernommen haben, sind geschlichtet. Neue sind nicht entstanden. Die Arbeit der Gruppen hat sich auf die Propaganda, auf den Kampf nach außen konzentriert. Und so sind wir denn, wenn wir von der mystischen und unzweifelhaft falschen Zahl des Jahres 1903 ahselien, zum erstenmal über den so lange fcstgehaltenen Stand von rund 100000 Schekel/.ahlcrn weit hinausgekommen und haben trotz gesteigerter Ausgaben dieselben ausschließlich durch eigene Einnahmen gedeckt. Auch die unseren Institutionen zufliclknden Einnahmen sowie die Investitionen von Gesinnungsgenossen in Palästina sind erlieblich gestiegen. Die Einheitlichkeit der Organisation wird immer merklicher, die Straffheit ihres Auftretens nach außen, die geistige Höhe der Propaganda und ihr sittlicher Ernst auch dem verbissensten Gegner immer deutlicher. Diese Tendenz zum Fortschritt und die Ergebnisse, die sie noch für die Zukunft erwarten läßt, — das ist der wahre Beweis dafür, daß die Berliner Periode sich nicht nur äußer■ lieh von der früheren Zeit unterscheidet. (Beifall.) Für die neue Kongreßperiode wird cs unseres Erachtens im Interesse unserer Arbeit liegen, wenn sie auf Grund der Tendenzen der letzten zwei Jahre fortgesetzt wird. Nur eine Aenderung erscheint uns nowendig. Wenn das Große Actions-Comitd in die Lage kommen soll, bei wichtigen Ereignissen namens der Organisation cingrcifen zu können — und solche Ereignisse werden nicht ausblciben — so müssen dem Großen Actions-Comite die Machtm ttel der Organisation zur Verfügung stehen. (Beifall., Wenn Sie vom Großen Actions - Gomite Vcrantwortungsüber* nähme fordern, so müssen Sie ihm auch die Möglichkeit geben, in verantwortungsvollen Momenten zu handeln. Dies ist heute nicht der Fall, wo eine der Majorität des Großen Actions-Comites entgegengesetzte Richtung unumschränkt über den Jüdischen Nationalfonds, die Jüdische Kolonialbank und die Anglo-Palestinc Company verfügt. Ich will nicht davon sprechen, wie unwürdig es war, Männern, denen man die höchsten Interessen nicht nur der Organ!- sation, sondern der zionistischen Idee selbst, über* antwortete, nicht auch das Vermögen und den weitaus größten Teil der Einnahmen der Organisation anzuvertrauen. Auch sachlich sind durdt den Jetztgen Zustand Schwierigkeiten entstanden, denen die Leitung der Organisation nicht dauernd ausgesetzt werden darf. Wir müssen daher fordern, daß diese Anomalie wieder beseitigt wird. (Stürmische Zu- Stimmung.) Wenn Sie dieser Forderung, die uns als eine un* umgängliche Notwendigkeit erscheint, Rechnung tragen, so werden Sie nichts weiter getan haben, als . dem System des X. Kongresses zu folgen, das eine Rückkehr zu den organisatorischen Grundsätzen bedeutete, auf denen Hcrzl die Organisation aufgebaut hat. (Sehr richtig!) Geehrter Kongreß! Wir haben Ihnen das System unserer Arbeit unterbreitet. Sie ist Ihnen nicht fremd. Denn es ist nicht weniger Ihre Arbeit als unsere, es ist die Arbeit unseres Gesamtorganismus, dessen Organe wir alle sind. Deswegen ist auch Ihre Kritik wie die unscrigc Selbstkritik. Und so wird sie nicht zur Verbitterung, sondern zur Besserung führen, nicht als ein Tadel der persönlichen Ansichten des Gegnern, sondern als ein Beitrag zur Erhöhung der zionistisehen Gesinnung, zur Verfeinerung der zionistischen Methoden erscheinen und damit auch ihrerseits ein positives Element unserer Arbeit sein. Unser Ehrgeiz ist es nur, dieser Kritik eine sachliche Unterläge geliefert zu haben. (Stürmischer lang anhaltender Beifall.) Nach dieser Rede kam es Im Kongreß zu einer überaus herzlichen Kundgebung für Mcnacttera Ussischkin, den altbewährten Vorkämpfer de« Zionismus, der am Tage, wo die Geschäftssitzungen des Kongresses eröffnet wurden, seinen 50. Geburt*- tag leiern konnte. Dr. Bogratschoff überreichte dem Jubilar im Namen der palästinensischen Zionisten eine Blumenspende. Der Präsident brachte die Glückwünsche des Kongresses zum 'Ausdruck und die Versammlung, die sich von ihren Sitzen erhoben hat, bricht in begeisterte Ovationen aus. Als erster Diskussionsredner spricht zum Rechenschaftsbericht Julius Slmon-Heldclbcrg (mit lebhaftem Beifall begrüßt): Geehrter Kongreß! Im Namen einer großen Zahl von Parteifreunden, freue ich mich, hier erklären zu können, daß wir den Leitsätzen, die der Referent des Engeren Actions-Comitds vorgetragen hat, zustimmen. (Bravo 1) Ich freue mich, so rückhaltslos dies tun zu können, und ich hoffe, daß diese Zustimmung Im Kongreß einen starken Widerhall finden wird (Beifall), denn es ist notwendig, daß wir zu jenen glückhaften Zeiten zurückkehren, dt die Leitung der Bewegung getragen war von dem Vcr•

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