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Jüdische Rundschau · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 382 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 3ל sere Zentrale auf diesem Gebiet ihrer Tätigkeit vielseitige Arbeit geleistet hat. (Beifall.) Gerade unsere Arbeit in Palästina erfolgt nur zum Heineren Teil unter der Firma des Actions- Comites. Zum überwiegenden Teil tritt sic als Leistung des Nntionalfonds, der Anglo-Palestine Company, der Palestinc Land Development Company, der jüdischen Kolonialbank zutage. Auel» von unserer Organisation unabhängige (icscllschaften, wie die immobilicngcsellscliaft Palästina, der Bezalel und an• dere müssen hier genannt werden. Es ist dies die Folge der Tatsache, dall es sich im wesentlichen um wirtschaftliche Aufgaben handelt. Und diese erfordern wirtschaftliche Formen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir uns selbst diese Fon neu geschaffen haben, nicht um ihrer selbst willen, sondern aus Zweckmäßigkeitsgründen, um unsertwillen, daß die Arbeit dieser Formen unsere Arbeit ist, daß ihre Ergebnisse nur die Folge der Existenz unserer Organisation, der lebendigen. Kraft des zionistischen Ideals sind. Wir geben daher unserer Organisation nur das ihr Gebührende, wenn wir die Arbeiten aller unserer palästinensischen Institutionen unter den Arbeiten der Organisation verbuchen. Anderseits übernehmen wir damit die Verantwortung für die Art der Tätigkeit dieser Institutionen. Wir tun dies gern und freudigen Herzens — selbstverständlich nur insoweit, als uns von Ihnen, geehrter Kongreß, auch die Macht gegeben worden ist, unsere Kontrollpfiieht auszuübcn. (Beifall.) Es sind nun innerhalb unserer Organisation deswegen gegen unsere Institutionen in Palästina und gegen uns selbst sehr heftige Angriffe erhoben und von der antizionistisehen Presse mit Schadenfreude aufgegriffen und wcitergetrageii worden. Wir konstatieren, daß diese Angriffe sachlich unbegründet sind (Stürmischer Beifall) und sind bereit, in der Diskussion auf jeden einzelnen Rede und Antwort zu stehen. (Stürmischer Beifall.) ln diesem uns wahr- Bch unangenehmen Kampf stärkt uns vor allem eine Tatsache, die neu und vielen überraschend auf diesem Kongreß zum ersten Male in die Erscheinung tritt: Die offizielle Zustimmung des palästinensischen Judentums. (Beifall.) Ist es doch in diesem Jahre zum ersten Male unseren näheren Freunden gelungen, eine Schekelsammlung größeren Stils in Palästina zu veranstalten, die Zahl der Schekel in Palästina von cinigen Hundert auf 2000 zu steigern. (Beifall.) Ist doch das jüdische Palästina auf diesem Kongreß durch nicht weniger als 30 in Palästina dauernd ansässige Delegierte (Stürmischer Beifall) und ebenso viele Gäste vertreten. Die offizielle Anerkennung des Kongreß- Zionismus durch Palästina gerade in einem Jahre, in dem man die Palästina-Arbeit des Actions-Comites auf das schärfste angegriffen hat, mag Ihnen ein Beweis sein, daß die Männer der Tat und die Fachleute diesen Angriffen nicht glauben. (Beifall,) , Die Voraussetzung für alle Arbeiten auf dem bisher behandelten Tätigkeitsgebiet unserer Zentrale ist das Gedeihen unserer Organisation, als der Quelle unserer Kraft, unserer Propaganda, die ihr ständig neue Elemente zuführt. Wir haben der Propaganda besonders große Aufmerksamkeit zugewandt und vorsucht, ihr allmählich die Stellung wiederzugeben, die sie in den ersten Jahren unserer Bewegung gehabt hat und die ihr zukommt. ln allen Kreisen unserer Bewegung ist der Gedanke fest verwurzelt, daß die Zukunft unseres Volkes von der Entwicklung der jüdischen Siedlung in Palästina abhängt. Mit dieser Uebcrzcugung muß aber die Einsicht kommen, daß das Judentum in der Diaspora einen jährlich steigenden Kreis von Ein- Wanderern für Palästina stellen muß. Diesen Zustrom von draußen kann aber Palästina nur aus den nationalen Kreisen des Volkes erhalten. Allein schon der Palästinagedankc zwingt uns somit zur Intensivierung unserer Propaganda. Diese aber hat zur Voraus- Setzung, daß wir diese Propaganda von einem einheitlichcn nationalen Geiste getragen sein lassen. Die Anforderungen, die wir an unsere Anhänger stellen müssen, sind große. Die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte .in Palästina kann nicht das Ergebnis einer einmaligen, wenn auch noch so kraftvollen Anstrengung der Diaspora sein. Wäre sic cs, so könnte man an der Richtigkeit der Tendenz, die unsere Propaganda beseelt, zweifeln. Ein fünfzehnjähriger Kampf hat uns aber bewiesen, daß unser Ziel nur durch eine systematische Erziehungsarbeit an der Gesamtheit unseres Volkes erreicht werden kann. Liegt doch die Hauptschwicrigkcit für uns nicht in der Zerstreuung unseres Volkes, nicht in der Enge des Gesichtskreises seiner führenden Männer, nicht einmal in den kulturellen Unterschieden in seiner Mitte oder in Unbequemlichkeiten der Sprachenfrage, sondern in der krankhaften Sucht weiter Kreise, sich ihrer Umgebung anzupassen, die eigenen Interessen bis zur Selbstverleugnung hinter den Forderungen der Außenwelt hintanzusetzen. Dieser Neigung zur Aufgabe des eigenen Wesens gilt es entgegenzutreten und der neu heranwachsenden Generation den Geist nationaler Selbstachtung, den Stolz auf die Vergangenheit und ihre großen Träger, die Hoffnung auf eine Zukunft unseres Stammes einzuflößen. Diese Aufgabe kann aber nur dann gelingen, wenn wir unser Ideal von inneren Kompromissen frei halten (Beifall), wenn wir es nicht selbst biegen und knicken, wenn wir ihm Vorbilder nationaler Pflichterfüllung sind, denen nadmieifcm heiliges Ideal von Geschlechtern werden kann. Bei allen Völkern und zu allen Zeiten sind ideale Bcwcguugen von der Jugend getragen worden, ln uuserer Organisation ist diese Tatsache um deswillen häufig übersehen worden, weil der politische Zionis-!uns bei seinem Auftreten in den I laiiptiäiidcrn schon national gerüstete Bestrebungen vorfand, die ihm also bereits eine national erzogene Jugend zur Verfügung stellen konnten. Sie gilt aber auch für uns in vollem Maße. Es ergibt sich daher, folgendes: Unsere Propaganda muß den Charakter einer nationalen Erziehuiigsarbcit annehmen, Sic muß radikal in der nationalen Tendenz und abhold jedem Kompromisse in der Idee sein. Ihr Ziel kann cs daher nicht sein, möglichst viele zu überreden, in einmaliger Auf.walhing sich für die ,Palästina-Idee zu begeistern und dieser schönen Regung ein einmaliges großes oder kleines Opfer zu bringen. Für sic darf nur der Wert haben, der die nationale Tendenz, den Willen zum Lehen für alle Zukunft in sich aufnehmen will und bereit ist, sich selbst diesem Willen zu opfern. (Beifall.) Menschen, nicht Geld — gilt die Losung. (Beifall.) Und so wäre unsere Propaganda selbst dann erfolgreich, wenn es ihr nicht gelingen sollte, alle Kräfte unseres Volkes zu sammeln, wenn nur die Scharen unserer Anhänger wirklich überall die radikalsten Juden sein weiden. Aus diesem Gesichtspunkte heraus ist dann auch klar, daß uns die jetzt in assimilatorischen Kreisen so oft ostentativ geäußerte Palästinaliebe keinen Ersatz für die Ergcbnissc nationaler Propaganda bieten kann. Denn die Uebcrzcugung von der Zukunft eines jüdischen Paliistinas nützt uns nicht, wenn sie ihren Bekenner nicht zur Aufopferung seiner eigenen Person für dieses Palästina treibt. Diese Aufopferung aber kann nur die Folge einer Revolution im Denken des einzelncn, einer vollständigen Umwälzung im Empfinden des Juden, also im Aufgeber! aller assimilatorischen Tendenzen zugunsten eines nationalen Judentums sein. (Beifall.) Die Erkenntnis des Wesens zionistischer Propaganda als einer palästinazentrischen, nationalen Erzicluingsnrbcit läßt unsere Propaganda in allen Ländern zu einer durchaus einheitlichen, von lokalen Einflüsse« unabhängigen werden. Denn wie die As- ‘ siniilation überall dem aufmerksamen Beobachter trotz verschiedenster Masken das gleiche Gesicht zeigt, so hat die nationale Erziehungsarbeit überall dieselben Wege zu wandeln, will sic das gleiche Ergebnis zeigen. So ist die Propaganda aus einem Arbeitsgebiet der Landesverbände, ja der einzelnen Gruppen, zu einem Arbeitsgebiet geworden, das zwar allen gleichmäßig zu bearbeiten obliegt, dem aber der Kongreß und das Action s-Comite Richtung und Tendenz zu geben haben. So erst ist die Propaganda auch theoretisch als ein Arbeitsgebiet der Zentrale erkannt, sind ihre Prinzipien Gegenstand der öffentlichen Diskussion der Gesamtpartei geworden. Geehrter Kongreß! Ich habe diese allgemeinen Gesichtspunkte vorausgeschickt, obwohl ich mir bcwußt bin, Ihnen wesentlich Neues nicht geboten zu haben, ln der Führung der Propaganda sind wir ja alle Sachverständige. Wer von uns könnte sagen, daß er propagandistisch noch nie tätig gewesen. Es schien mir aber zweckentsprechend, die grundlegenden Gesichtspunkte Ihnen einmal in systematischer Zusammenfassung vorzutragen. Demi gerade unsere Propagandatätigkeit ist vielfach Gegenstand von Angriffen gewesen. Gerade hier ist das Wort von der Geldverschwendung gefallen. Es ist nun an sich schon unbegründet, bereits nach knapp zwei Jahren weitgehende Folgen einer Propaganda sichtbar vor Augen liegend, zu fordern, die sich erst im Laufe dieser Zeit allmählich entwickelt hat, die wir aus Mangel an Kräften und Mitteln auch erst in einem Teil der Diaspora zur Anwendung bringen konnten. Unsere ganze Arbeit leidet darunter, daß wir zu schnell Erfolge erwarten und daher in Gcfahr sind, nach Scheinerfolgen zu greifen. Was verhältiilsinäBig schnell geleistet werden kann, das ist die organisatorische Zusammenfassung der vorhandenen Zionisten, die Gewinnung derjenigen, bei denen cs nur noch eines leisen Anstoßes bedarf. Denn hier heißt es mir, die vorhandenen Kräfte auszunutzen, sie zur Aktivität anzustacheln. Wollen wir aber neue Kreise gewinnen und sollen diese Kreise wertvolle Elemente enthalten, die einen hohen Prozentsatz aktiver Arbeiten geben, so ' gilt es, langsam die Grundlagen zu legen, allmählich die Stirnmung, die Oedankenrichtung zu beeinflussen, bis schließlich der nationale Gedanke als der notwendige Schlußstein des Gebäudes sich selbst aufdrfingt, So sind die Besten in unserer Mitte Zionisten geworden und nur so werden wir auch in Zukunft — immer abgesehen von Ausnahmen — die besten Kräfte gewinncn. Sorgen wir nur, daß überall die Arbeit früh ansetzt, in denjenigen Jahren, in denen der Mensch am empfänglichsten für ideale Gedanken ist. (Sturmlschcr Beifall.) Bel dieser Sachlage befriedigt cs uns doppelt wenn wir schon jetzt gewisse Erfolge Ihnen zahlenmäßig vorführen. Am kräftigsten zeigen sie sich dort, wo es nur galt, die organisatorische Zusammenfassuug der Zionisten selbst straffer zu gestalten. Wie Sie wissen, haben in früheren Jahren trotz mehrfacher Beschlüsse des Kongresses und des großen Actions-Comites eine Reihe von Landes- und Sonder, verbanden hohe Prozentsätze des Schekels für sich z.uriickhcluilten. Mit diesem Mißstaud ist jetzt fast gebrochen. Es ist daher die Zahl der In har an die Zentrale ahgclicfcrtcn Schekel um 50 0״ gestiegen. Nicht ganz, so stark, aber doch nicht gering ist die Vermehrung der überhaupt gesammelten Schekel, also die Ausdehnung des Kreises der Schckclzahlcr! liier müssen wir zwischen den Kongreßjahren und den kongreßloscn Jahren unterscheiden, da für die letzteren erfahrungsgemäß weniger Schekel eingcheu. Es sind nun in den beiden früheren kongreMosen Jahren 1007/08 76 588, 1900/10 71 530, im letzten Jahre 1911/12 dagegen 87 076 M. Schekel gesammelt worden. Ebenso brachten die Kongreßjahre 1908 09 und 1910/11 an gesammelten Schekeln nur 100224 und 104 361, während in diesem Jahr schon 127 308 eingegangen sind. Da erfahrungsgemäß nach Eröffnting des Kongresses noch mehrere Tausend Schekel eingcheu, so dürfen wir den Gesamtertrag sogar auf über 130 000 schätzen. Bei all diesen Zahlen liegen also Steigerungen von 20—50 0/0 vor. Dieser Steigerung entsprechen die Zahlen unserer Sammlungen. Und diese Zahlen sind nicht weniger beweiskräftig. Denn sie sind nur der Ausdruck der gesteigerten Opferfreudigkeit und Arbeitslust unserer Gesinnungsgenossen, wie sic die gesteigerte nationale Tendenz wachgerufen hat. So sind die ncucingclaufenen Spenden für den Nationalfonds von 507612 M. im Jahre 1910/11 auf 560*155 M. im Jahre 1911/12 und 713 444 M. im Jahre 1912/13 gestiegen. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Dementsprechend ist auch das Vermögen unserer Institutionen in den letzten zwei Jahren von 8658 000 Mark auf 9 866 000 M., also auf fast 10 Millionen Mark gestiegen. Schwieriger ist die statistische Erfassung unserer Einnahmen. Nach den offiziellen Angaben unseres Bcrichtes betragen sie zurzeit etwa 1 200 000 M. jährlieh. Hierzu treten aber noch die Einnahmen der Landestind Sonderverbände und de; Ortsgruppen, die Einnahmen der beiden Gymnasien in Palästina, des Bezalel und anderer nationaler Institutionen. Hier kann vorläufig nur ein ganz ungefährer Ucberschlag gemacht werden. Doch kann man die Gesamtsumme der Einnahmen aller zionistischen Organe mindestens auf 2 Millionen Mark im Jahr schätzen. Diese Zahlen zwingen uns zu einer ernsten Ueberlcguug. Diese Summe ist für eine Bewegung von erst scchszebnjährigem Alter nicht unbedeutend, wenn man bedenkt, daß jeder einzelne von uns noch weitere Ausgaben für jüdische Zwecke, für die religiösen, sozialen und charitativen Bedürfnisse unserer Gemeinschaft hat. Und doch können wohl nur wenige von uns mit gutem Gewissen von sich sagen, daß sie auch nur mit ihrem Geldbeutel* ihre Pflichten erfüllt haben. Nur wenige haben sich bisher wehe getan. Die invis* ten haben nur einiges von ihre in Ucberftuß gegeben. Hier allmählich Wandel zu schaffen, zu zeigen, da:! eine Organisation von 130000 mehr aufbringen kam! als ein einziger sozial denkender Multimillionär, wird bald gelingen, wenn unsere Propaganda immer mehr aus dem engen Gesichtskreis der landesüblichen Vereinsarbeit zu großzügiger Volkserziehung sich emporentwickelt. Bei dieser Auffassung vom Wesen der Propaganda konnten wir uns nicht damit begnügen, den Landes- und Sondcrvcrbiindcn gute Ratsciilägc zu erteilen und alles dem Zufall zu überlassen, sondern mußten die Leitung dieser Arbeiten in unsere Hand nehmen. Wir konnten uns auch nicht mit schriftlieber Propaganda begnügen. Wii haberi auch diese nicht vernachlässigt. Wir haben Broschüren herausgegeben, das Erscheinen ,anderer durch Beihilfen ermöglicht oder angeregt. Wir haben keine Kosten gescheut, um unser Zentralorgan ״LMe Welt" und den ״Haolam" redaktionell auszugcstalten. Wir haben auch die sonstige zionistische Presse gefördert und konstatieren gern, daß die Zahl der zionistischen Prcßorgane wiederum gestiegen ist. Auch der nationalen Literatur haben wir unsere Aufmerksamkeit zugewandt, indem wir eine Reorganisation, ja fast eine Neuschaffung des Jüdischen Verlags durch Aufwendung sehr erheblicher eigener Mittel und Heranziehung von Privatkapital ermöglicht haben. Das Hauptaugenmerk aber mußten wir auf die Ausdelinung der mündlichen Propaganda richten. Denn dem Einwirken der lebendigen Persönlichkeit selbst sind die höchsten Erfolge Vorbehalten. Wir haben daher neben unserem Organlsationsburcau ein Propaganda- Sekretariat eingerichtet und gleichzeitig in allen Lw»-

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