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Jüdische Rundschau · 1913-09-12 · Heft 37 (12.9.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Toiephoat Amt UhUnd 845, נ s I 1 i B I I La« * —*“־-!ע ' u kJ T7 ב..1 p*s Nummer 37 10. Elul 5673 XVIII. Jahrgang ״Der Zlonltmua erstrebt (Sr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte tn PaHl#tlna.“ Baseler Programm. Die Ve LJ״ <T. Ein Kompromiß in der Bankfrage — Wiederwahl des E. A. C. Der XI, Zioiiistenkongrcli war vor allem ein l)cii1n11st1;1tionsk<>ngrcii im besten Sinne des Wortes. Noch niemals 11,1t die Talmin des jüdischen Volksparlamentes derart intensiv auf die Oefleiitliclikeit gewirkt. Die nicht jüdischen, ja selbst die antijüdischen Organe haben der zionistischen Bewegung durchaus ernste, vielfach anerkennende Artikel gewidmet und sich cud• lieh mit unserer Idee ausciimmlergesetzt. Dali hierbei vielfach die ältesten Vorurteile aus der Rumpelkam 111er geholt wurden, beweist die allgemeine Unkenntnis des Wesens und Inhaltes der zionistischen Bewegung und muH uns zu vcrdopnellcr propagandistischer '1 ütigkeit anspornen. Ganz besonders stark hat der Kongreli auf das Wiener Judentum gewirkt, ein Erfolg, dessen Nachhaltigkeit bei der Orbbe und Bedentung dieses jüdischen Gemeinwesens überaus wünschenswert wäre. , Uebcr die noch nicht abgeschlossenen Kongrelherhatuliungen, die sich mitunter zu bedeutender Höhe erhoben und die wichtigsten Streitfragen der Partei mit Ernst und Würde bc• handelten, läßt sich zur Stunde ein zusammenfassendes Urteil noch nicht fällen. Herzerfrischend waren die zahlreichen V e ran st al tu ngen anläßlich des Kongresses, eine stolze Revue der jüdischen Renaissance. Die Aufführungen des hebräischen Theaters, die kineinatograpliisehen Vorführungen aus dem jungen Palästir.׳, die durchaus künstlerische Matinee des Czerno «itzer jüdischen Mannergesangvereins, vor allem aber das herrliche Turn* und Sportfest gaben dem Kongresse einen würdigen Rahmen. Den Höhepunkt der Veranstaltungen außer• halb der Tagung bildete der Gang zum Grabe Herzls, an dem sich an die 10000 Menschen bcteiligten. Dieser Demonstrationszug war von einer würdevollen Hoheit, die jedem Teilnehmer ein unauslöschlicher Eindruck bleiben wird. Zweite Sitzung Mittwoch, am Vormittag des 3. September Beginn: 10 Uhr vormittags. Präsident W a r b u r g eröffnet die Sitzung und erteilt das Wort Prof. Weizmann, der dem Kongreß die Vorschlage des Permanenzausschusses für die Besetzung des Präsidiums unterbreitet. Sämtliche Vorschläge werden durch Akklamation angenommen. Das Präsidium setzt sich danach wie folgt zusammen: Präsident: David W o 11 f s o h n. Vizepräsidenten: Adolf Stand, Lemberg; Dr. Gast er, London; Julius Simon, Mannheim; Dr.; Bodenhei mer, Köln und Dr. Jakob Ehrlich, Wien. Beisitzer: Friedensrichter Moser, Bradford; Liebkind, New York; Rabbiner Reines, Lida; Prof. Schechtef, New York; Rechtsanwalt Heinrieh Rosenbaum, Minsk; Ing. Temkin, Elisawetgrad; Dr. Thon, Krakau; David Yellin, Jelusalem. Schriftführer:!Prof. 1' e i 11 m a 1111, New York; Dr. Josef |< I a 11 s 11 e r , Odessa; I >r. Hoc h in a 11 n , London; I )1׳. Nacht; l>r, Ncinierinrcr, Hukarest; Dr. Isaak Straus, l'reilnirg; Ob.•Ing. Robert Stricker, Wien. (Beifall.) | Präsident IVolffsohn übernimmt, von lebhaftem Beifall begrüßt, das Präsidium, dankt, hebräisch bcginnend, für seine W.'dil und gibt dcfr Hoffnung Ausdruck, daif der Kongreß in würdiger Weise und erfolgrcieii verlaufen möge; darauf widmet der Präsident den in der Kongreßperiode verstorbenen (10• siiiiuingsgenossen Worte des Gedenkens, die vom Kongreß stellend aiigeliort werden, David YeUin-Jcrusaleiii begrüßt den Kongreß im Namen der ״Organisation für hebräische S p r a c he und K u 11 u r“. Darauf tritt D׳■. Hantkc, von lebhaftem Beifall begrüßt, an dun Rednerpult und erstattet den Rechenschaftsbericht des Äctions־Comit6s Geehrter Kongreß! In dem gedruckten Bericht, der Ihnen überreicht worden ist, haben wir Ihnen eine kurze Dar- Stellung unserer Arbeiten, gleichzeitig aber auch eine Uehersicht über den Stand' der Dinge in Palästina und über die Vorgänge innerhalb unserer Landes- und Sonderverbände gegeben. Wir sind hiermit nicht nur einem stets geübten Brauch gefolgt. Unsere Dar- Stellung wäre nicht vollständig gewesen, wenn wir uns auf die Arbeiten der Zentralinstanzen beschränkt hatten. Vielmehr sind die Arbeiten aller unserer organisatorischen Einheiten gegenseitig bedingt. Und das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit der Ürganisation stellen wir jedes zweite Jahr fest, indem wir einen wahrheitsgetreuen Bericht von dem Stand der jüdischen Arbeit in Palästina und von den Fortschritten des jüdischen Nationalgedankcns in der Diaspora geben und so sowohl der Organisation als auch ihren repräsentativen Organen den Spiegel ihrer Taten Vorhalten. Unsere Tätigkeit zerfällt in zwei große Arbcitsgebiete: das eine umfaßt, um die üblichen Schlagworte zu gebrauchen, die Politik, die Palästina-Arbeit, die kulturelle Tätigkeit, die Arbeiten des Nationalfonds, unserer Banken und der uns nahestehenden Palästinagesellschaften. Das andere umfaßt die Organisation, die Propaganda, das Finanzwesen. Das erstere rechnet mit den vorhandenen Machtmitteln der Organisation und strebt sie bestmöglich anzuwenden und in dauernde Schöpfungen umzusetzen. Das zweite sucht diese Machtmittel der Organisation weiter auszudehnen und will so dem ersten Tätigkeitsgebict immer neue Möglichkeiten darbictcn, indem Organisation und Propaganda neue Menschen und neue Mittel schaffen, während das Finanzdezernat für eine möglichst günstige Verwendung der vorhandenen Mittel Sorge trägt. Auch hier wieder zeigt sich der organisatorische Zusammenhang aller unserer Arbeiten und ihre gegenseitige Bedingtheit, so daß jede einzelne Arbeit jeder anderen gleichwertig und für jede andere als Voraussetzung oder Folge gleich notwendig erscheint. Uebcr die Arbeiten des ersten unserer beiden großen Tätigkeitsgebiete kann ich mich kurz fassen. Uebcr sie liegt Ihnen nicht nur die Darstellung des gedruckten Berichtes vor, Sic haben außerdem in der Eröffnungsrede des Präsidenten des Actions-Comites Mitteilungen über unsere politische Arbeit erhalten und Sie werden über die einzelnen Zweige der Palästina-Arbeit, der kulturellen Tätigkeit, der Arbeiten des Nation,ilfoiids und der Banken Spezialberichte hören, denen ich nur insoweit vorgreifen möchte, als es die Zwecke eines Gcncralberiehts und einer Generaldiskussion unbedingt erfordern. Unsere politische* Arbeit bekam ihren Charakter durch die großen politischen Umwälzungen in Nordafrika, auf der ISalkanlialbinsel und deren Einfluß auf die Starnuilaude des türkischen Reichs. Sie kannten uns In der Erkenntnis nicht schwankend machen, daß die Entwicklung des jüdischen I lemtnls in Paliistina verknüpft ist mit dem Schicksal des türkischen Reiches, daß die jüdische Arbeit in Pa liistina lür die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des tür* kischc.1 Reiches von hohem Wert ist. Es mußte daher unsere Aufgabe sein, der türkischen Regierung und den maßgebenden gesellschaftlichen und politische 11 Kreisen des Reiches diese Ucberzcugung nahezubringen, Wir hatten auch die türkische Judenheit in dieser Richtung zu beeinflussen, denn sie ist der gegebene Förderer jüdischer Bestrebungen in ihrem Heiniatlande. Nicht weniger wichtig erwies sich die Haltung der arabischen Bevölkerung in Palästina und Syrien, als dem in diesen Provinzen überwiegenden Bcvölkcrungsclcmcnt. Wir haben nach diesen Riehtungrn nicht ohne Resultate gearbeitet. Die Angriffe von jüdischer Seite in der Türkei haben aufgehört. Die Haltung der maßgebenden arabischen Kreise beginnt freundlicher zu werden, Und bei Regierung und Gesellschaft in Konstantinopel sind die Grundlagen für ein besseres Verständnis unserer Bestrebungen bereits deutlich zutage getreten. (Lebhafter Beifall.) Nicht weniger Aufmerksamkeit als unseren intcressen im türkischen Reich haben wir den politischen Verbindungen mit anderen Mächten geschenkt Denn wir müssen berücksichtigen, daß Palästina durch seine Geschichte und seine geographische Lage mit den Interessen anderer Machtfaktoren verknüpft ist. Unsere Aufgabe war daher auch hier eine informierendc, unsere Tätigkeit Aufklärungsarbeit. Auch sie war nicht vergebens, wie Sie aus unserem Bericht ersehen haben werden. Auch die Tätigkeit unserer Zentralen in Palästina versucht Ihnen der gedruckte Bericht deutlich vor Augen zu führen. Sic erstreckte sich auf sämtliche Gebiete dieses großen Tätigkcitskomplcxes und hat naturgemäß greifbarere, deutlichere, wägbarere Ergebnisse erzielt als unsere politische Arbeit. Denn während es sich bei letzterer um die Beeinflussung von Stimmungen, also allcrinnerliclistcr Vorgänge, um Tendenzen von Männern handelt, für die unsere Be- Strebungen niemals itn Zentrum ihrer Gedankenwelt stehen können, um informative Arbeit vertraulicher Natur, sind wir in Palästina in der glücklichen Lage, ständig mit jeder neuen Anstrengung Einzelergeb־ nissc zeigen zu können: Erwerb von Land, Gründung von Farmen und Dörfern, Anlegung neuer Stadtviertel, Eröffnung von Schulen und Seminaren, Herausgabe von Lehrbüchern und Zeitschriften, Abhaitung von Lehrkursen, Eröffnung von Bankfilialen, steigende Depositen, Ausschüttung von Dividenden, Gründung von Turnvereinen, von fachwissenschaftliehen Gruppen, Organisation von Gemeinden, Wahlen zu Stadtvertretungen, Erwerb politischer Rechte für Kolonien usw. Ich kann mich auf die Aufzählung dieser Erfolge beschränken. Denn in diesem Zusammenhang liegt mir nur daran, festzustellen, daß un*

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