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Jüdische Rundschau · 1913-09-05 · Heft 36 (5.9.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 36 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ו Nr. 36 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 373 Palästina besonderes Interesse zu widmen, um durch ihre Institutionen möglichst (ür eine Besserung der Lage des jüdischen Arbeiters zu sorgen, sowie dafür, da IS der jüdische Arbeiter im Lande und in der (leseil’ schalt die Stellung einnehme, die ihm zukommt. Ich will damit nicht sagen, dal! nun die Zionistische Organisation sich etwa in die Differenzen einzumischen liiittc, die in Palästina, wie in allen anderen Ländern, zuweilen zwischen Arbeitgebern und Arbeitneluncrn Vorkommen. Der jüdische Arbeiter in Palästina ist aber ganz allein auf sieh gestellt, mul während in allen Kulturstaatcn die Regierungen ״der die gesellschaftlicher Initiative entsprungenen Organe durch Gesetze oder durch soziale liilfsarheit für eine Besserung der Lage des Arbeiters wirken, existiert in Palästina noch keine soziale Instanz. Nun glauben manche und viele behaupten cs, daß die Forderungen der jüdischen Arbeiter zu hoch geschraubt sind und daß sie deswegen im Laude nicht festen Fuß fassen könnten. Diese Ansicht ist indessen durchaus ober• fl.ichlieh, und die Wirklichkeit rechtfertigt sie keinesfalls. Gewiß, es ist wahr, daß der jüdische Arbeiter ineist in einem gewissen Grade Kulturmensch ist, und dal! er mit dem äußersten Minimum, das dem Fellachen genügt, nicht existieren kamt. Aber das ist ja gerade sein großer Vorzug, denn dieser jüdische Arbeiter ist, wie jeder an Kulturhcdürfnissc gewöhnte Arbeiter, zu einer ganz anderen Steigerung seiner Leistungen fähig, als der bedürfnislose Fellache, Die Quautitiit des höheren Lohnes wird durch die Qualit; t der Arbeit mehr wie wettgeuiaeht, und ich werde ge vif! Gelegenheit haben, während der Debatte die Richtigkeit dieser Behauptung durch Mitteilung von Zahlen und Tatsachen zu beweisen. Menschenwürdige Wolmräinne, Leihkassen nicht für den einzelnen Arbeiter, sondern für die Arbeiter- Organisationen, Volkshäuser und Bibliotheken, kurz alles, was man unter dem Sammelnamen ,,soziale Einrichtungen“ zusammenfaßt; an allen derartigen Unternehmungen mul! die zionistische Organisation durch ihre Repräsentanten und ihre Institutionen heteiligt sein. Die jüdischen Arbeiter setzen im allgemeinen ihre Gesundheit sehr vielen Gefahren aus, Infolge des Mangels an hygienischen Wohnungen, an gesundem Wasser, gelten sie einen Boden ab für allerlei Krankheiten, und zwar in viel höherem Maße als die Kolonisten. Aber wir halten in Palästina noch einen ganz neuen Vorkämpfer und Pionier, der sich dauernd in Lebensgefahr im elementarsten Sinne befindet. Denn das Ziel, das diese Pioniere sich gestellt haben, fordert es unter Umständen, daß sic geradezu ihr l.eben aufs Spiel setzen. Das sind unsere neuen Wächter, die Schotncrim, die das jüdische Hab und Gut verteidigen und unter Umständen Leben und Gesundheit dafür cinsctzen. (Lebhafter Beifall.) Ein ganz neuer Typ ist unter ihnen entstanden, der Jude ohne Furcht und Schrecken, wo es den Jischub und seine Ehre gilt, Nicht viele kennen ihn aus eigener Anschauung, diesen neuen Judentypus, und manche, zu denen die Kunde von ihm gekommen ist, empfinden das Gerücht als eine phantasievolle Legende des glühenden Orients, Aber nein, cs ist keine Dichtung, es ist eine Tatsache, die uns als Dichtung erscheinen mag, weil ihre ungewohnte Erhabenheit uns staunen macht. Die Organisation der Schomcriin ist noch jung und verlangt noch viele Kräfte, utn ihre Existenz und ihre Entwicklung zu sichern. Geld, Boden und Menschen brauchen wir zu unserer Arbeit. Aber für unser Ziel brauchen wir sic in umgekehrter Reihenfolge: Vor allem haben wir Menschen nötig, für die Menschen Hoden und zur Erwerbung des Bodens brauchen wir Geld. Das sind die drei Pfeiler, die den jüdischen Jischub stützen müssen. Seine Krönung aber wird die jüdische Kultur sein, die lebendig, vielseitig und fruchtbar aus diesem Boden erwachsen wird. Wenn wir uns jetzt alles vergegenwärtigen, was im Laufe der letzten dreißig Jahre im Lande unserer Zukunft geschaffen worden ist, so empfinden wir jene große seelische Befriedigung, die nur aus einer gewissen Vollendung einer großen Arbeit kommt, Wir fühlen jene Genugtuung über unser Werk, weil wir nun wissen, daß wir aus dem Stadium des Anlanges heraus sind und uns mitten im Aufbau eines neuen Lebens befinden. (Tosender, anhaltender Beifall.) Prof. Dr. Warburgt Geehrter Kongreß I Wir sind am Ende unserer heutigen Beratungen. Sie haben ein Bild von uuseren Zielen und Bestrebungen im allgemeinen er* halten. Morgen werden wir mit der eigentlichen Arbeit begingen. Ich schließe hiermit die Eröffmmgs- Sitzung unseres Kongresses. (Stürmischer Beifall. Die Versammlung erhebt sich und singt die Hatikwah.) 0k W *•ח Ulk; %ivi rf€%4* SS Ain Montag, den 1, September, nachmittags 4 Uhr, trat die Deut sehe Landsmannschaft im Beethovensnal zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Vorsitzende, I Ierr Dr. H a 111 k e, eröffnete die Sitzung, begrüßte die erschienenen Delegierten und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Zioiiisiischo Vereinigung für Deutschland in diesem Jahre /.um ersten Male <)000 Schekel aufgebracht habe, zu denen noch über 1000 Schekel der deutscheu Mitglieder des Misruchi hiiizukiiincn, so daß die Zahl der deutschen organisierten Zionisten nunmehr 10000 überschritten habe. Diese Tatsache sei um so erfreulicher, uls die' Vereinigung zum ersten Male einer organisierten Assimilation gegenübergestanden habe. Den einzigen Punkt der Tagesordnung bildete die Wald der deutschen Mitglieder für den Permanenzausschuß. Die Landsmannschaft hat fünf Delegierte zu entsenden. Julius Simon (Mannheim): Ich glaube nicht, daß der Permancn/aussehuß in diesem Jahre eine so schwierige Aufgabe zu leisten haben wird, wie auf dem X. Kongreß, Der einzige schwerwiegende Be- Schluß, über den der Permanenzausschul! zu beraten haben wird, scheint mir die Herbeiführung eines vernunftgemäßen Verhältnisses •des Actions-Comites zu den finanziellen Instituten unserer Organisation zu sein. Sie’ wissen, daß auf dem X. Kongreß um des Friedens willen ein Kompromiß geschlossen wurde, durch das die zusammengehörigen Faktoren unserer Organisation künstlich auseinandergerissen worden sind. Dadurch ist dem Actions-Comite eine Verantworlung genommen, die eine Leitung, der wir das Wold und Wehe der ganzen Bewegung für zwei Jahre anvertrauen, unbedingt übernehmen muß. Das künftige Actions-Comite muß unbedingt mit dieser natürlichen Verantwortung belastet werden. Je nach der Stellungnahme zu dieser Frage muß die Wahl unserer Vertreter in den!*!:rmaiienzuusschuß erfolgen. Ich scldage Ihnen folgende Herren hierfür vor: Berthold 1־ e i vv c I, Dr. Fi ey mann, Kurt Bluinen f cid, Dr. Klee oder einen anderen Herrn, der der gleichen Richtung, wie Herr Dr. Klee, angehört, und mich selbst. . Dr. Klee bedauert es, daß i Ierr Simon noch von zwei verschiedenen Richtungen gesprochen habe. Er ist der Ansicht, daß eine zwingende Notwendigkeit nicht bestehe, die F'riedensbeschlüsse des letzten Kongresses zu ändern, daß sich vielmehr nach Ablauf von wiederum zwei Jahren eine befriedigende Lösung von selbst ergehen würde. Deshalb sei eine Zusammensetzung der deutschen Vertreter nach anderen Gesichtspunkten, als sie Herr Simon hervorgehoben, im Interesse des Friedens der Bewegung geboten. Dr. H a n t k e gab zur Orientierung der Delegierten eine kurze Darstellung des organisatorischen Aufbaues der jüdischen Kolonialbank. Hechtsnnwalt lsa cltma n n sieht nicht ein, warum die auf dem letzten Friedenskongreß gefaßten Bc- Schlüsse nicht weiter maßgebend sein sollen, Es läge gar kein Grund zu einer Aeiiderung vor, zumal selbst der A. C.•Bericht wertvolle Leistungen der Bank in Palästina anerkannt habe. Er warne davor, wertvollen Kräften Arheitsmögliehkeilen zu nehmen. Er schlägt vor, die I lerren Simon, I kyinann, Klee, Victor und Grone man n zu delegieren. Herr Motzkin betonte, daß er sachlich mit Herrn Simon vollkommen übereinstimme,' wenn er iitich nicht der Meinung sei, daß der Permanenzausschuß die richtige Stelle zur Entscheidung dieser Frage sei. Es sei unbedingt notwendig, die auf dem letzten Kongreß geschaffene Anomalie zu beseitigen. Es bestellen in der Deutschen Landsmannschaft keine verschiedene״ Parteien und es sei höchste Zeit, die künstlichen Gegensätze aus der Welt zu schaffen. I Ierr Licht heim schließt sich den Ausfallrangen von Herrn Motzkin voll an, Es sei eine Notwendigkeit, dem Actions-Comite5 ■ den verlangten Einfiull auf die Bank zu verschaffen, schon deshalb, weil sieh in der vergangene^ Periode aus dem jetzigen Zustande erhebliche Schwierigkeiten ergeben hätten. Die Verlegung des Jüdischen Nationalfonds nach Berlin sei, abgesehen davon, dal) sieh die Spesen verringern würden, um deswillen zweckmäßig, weil der Nationalfonds etwa ÖS) Prozent unserer gesamten Pulästinaarbeit erledige und das Actions-Comite wieder, wie früher, filier ein auch örtlich ihm attgegliederte Pulü.xiinaburenu verfügen müßte. . Jusil/rut I Ir0!1 ״ d e tt h clincr- Köln bedauert, dail hier wieder von Partcigcgcnsiit/cn gesprochen werde, seiner Meinung nach gäbe ca mir Mehtungs* Verschiedenheiten über die Methoden der Arbeit. I Ierr Lichtheit« Irre sielt, wenn er glaube, daß «teil die Spesen des Nationalfonds durch eine Verlegung nach Berlin verringern würden, denn cs müßte dann ein besoldeter Direktorposten geschaffen werden. Trotzdem er sonst für eint Besoldung der Exekutivbchörde cintrete, halte er es nicht für richtig, den Präsidenten des Nationalfonds, der an die Opferwillig־ keit aller Juden appelliere, zu besolden. I)r. Zlocisti-Berlin betont, daß das Actions- Cornite die Machtmittel der Bewegung erhalten muß. Er halte es jedoch nicht für richtig, solche Persönlichkeiten in den Permancnzattssdiull zu wählen, die in den Streitigkeiten vergangener Jahre an zu exponier- (er Stelle gestanden hätten. R.-A, G r o 11 c nt anii- Berlin ist der Meinung, dab die aufgerolltcn Fragen technischer Natur seien, und daß über deren Beantwortung ohne Anhörung der Fachmänner nicht entschieden werden könne, und daß schon aus diesem Grunde diese Fragen nicht die Grundlage bilden könnten für die Wahl der Pcrmanenzausscluißmitglicder. Kurt 111 u m e n fe ld-Berlin wendet sieh gegen die Auffassung von Herrn Gronemann, daß es sid» liier um rein fachmännische Fragen handle, vielmehr seien es allgemeine Fragen der Bewegung, über die sielt jeder Delegierte selbständig ein Urteil bilden müsse. Im Gegensatz zu Zlocisti ist er der Ansicht, daß gerade die Leute, die der. Kampf geführt haben, mit allen einschlägigen Fragen vertraut seien, in den PcrmancnzaiBscluiii gehörten. Es sei unrichtig, daß die persönlichen Gegensätze in der letzten Zeit stärker hervorgetreten seien, die sachlichen Mcinungsvcrschicdeiiheiten seien klarer zutage getreten. Es handle sielt hauptsächlich darum, ob man die Palästinaarbeit, wie es die eine Richtung tue, als reines Geschäft betrachte, auf das die Methode der Rentabilität Anwendung finde, oder ob man, wie es der jetzt herrschenden Richtung gemäß sei, Kolonisationspolitik treibe, zum Zwecke der Vergrößerung unseres Ein- Busses in Palästina. Es beteiligten sich ferner an der Debatte die Herren Dr. Isak Straus, Davis Trietsch, Dr. Victor und 1. L. Goilcin. Man trat darauf in die Wahlen ein, die in geheimer Abstimmung erfolgten. Als gewählt gingen hervor die Herren Julius Simon, Dr. Heymann, Berthold Fciwcl und Dr. Klee. Zwischen den Herren Motzkin und Blumcnfcld ist eine Stichwahl erforderlich. Die hebräische Weltkonferenz (Ein Epilog.) Dein ״Flebräerkongrcß“, der in der Zeit vom Abend des 25. August bis zur späten Nachmittagsstunde des 28. August im schönen Beethovensaal in Wien tagte, wird in der Geschichte der hebräisehen Sprache in der Diaspora ein dauerndes, ehrendes Gedenken bewahrt werden. Hundert Delegierte, ein vielhundertköpfiges hebräisches Auditorium, glänzende Referate, erregte Debatten, brausende Beifallsstürme, das alles gestaltete die Tagung für jeden einzelnen der Teilnchmer zu einem starken jüdischen Erlebnis. Das herzliche Interesse, das der Konferenz von seiten der Wiener jüdischen Bevölkerung entgegengebracht wurde, fand seinen Ausdruck in einer Reihe von Begrüßungsansprachen. Der beschränkte Raum verbietet, diese teilweise hochbedeutsamen Reden an dieser Stelle zu würdigen oder" auch nur über ihren Inhalt zu referieren. Wir beschränken uns daher auf eine kurze Aufzählung: hn Namen der Wiener Judengemeinde begrüßten Herr Rabbiner Dr, Vogel und der Kultuspräsident Herr Dr. Alfred Stern die Konferenz. Den liritdcrgruß der österreichischen Zionisten überbrachte Herr B a t 5 und als Vertreter der Wiener jüdischen Studentenschaft endlich sprach cand. jur. Max Schlamm (Kndimah). Diese Konferenz war die erste allwcltliche, nach organisatorischen Grundsätzen beschickte Vertretung der hebräischen Kultur, und war, wie jede derartige Zusammenkunft, vor allein dazu berufen, unser geistiges Soll und Haben zu konstatieren. Sie hat um — im positiven wie auch im negativen Sinne — 80 manche Kulturmomentc vor Augen geführt und manchen lehrreichen Aufschluß gegeben. Was hat die Konferenz eigentlich konstatiert? Das erste und wichtigste: Sie konstatierte, daß die hebräische Kultur an «ich selbst glaubt. Aus jeder Rede und einer Reihe der gefaßten Beschlüsse sprach das unbegrenzte Vertrauen, das die Hebräer in ihre Sache setzen und der zuversichtliche Glaube an den endlichen Sieg. Sic als die berufenen Hüter eines kosihnren Volksgutes, hielten •ich auch für berechtigt, ihre Forderungen mit rück* Haltloser Entschiedenheit zu erheben. (Antrag Motzkift, daß die neu ins engere Actions-Comiti der zionistischen Bewegung ciiitrctenden Mitglieder die hebräische Sprache beherrschen müssen.) Bemerkenswert war die musterhafte Ürdnuttg, in der die Ver* handlangen abgewickelt wurden. Sic zeigten, daß der Genius unsere• Volkes seine Kraft kennt und an •le glaubt. Die Tagung bewies uns aber auch, daß die Außen* stehenden begonnen haben, an unsere Kraft zu glauben. Die starke Beteiligung der Wiener Juden• t iSV**

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