Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1913)
- Date
- 1913-08-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 363 ßiitjläischcn Siedlungen liegt, wird wohl in nächster /eit ancli den Pflan/ungsl'au atifnehmen. Vorläufig alter sind wir eine Gctrcidckolomc und haben attd’1 die Leiden einer solchen durdiziimurhen, Vor zwei Jahren pachteten wir selbst den Oschor. Im voriijen Jahre gelang es jedoch den Arabern des Dorfes l.ubie, die fleillige Leser des antiseinitisehen ,,Karmel‘•!11 Haifa sind und auch sonst keine Gelegenheit vorüber• gelten lassen, ohne uns in die Quere zu kommen, die Osclter-Pacht unserer Kolonie an sieh zu blinden, Durch die Erfahrungen des vorigen Jahres ge■ witzigt, waren wir fest entschlossen, in diesem Jahre den Oschcr wieder seihst zu pachten. Die Lubier brachten es aber durch unlautere Machenschaften dahin, dall die Versteigerung des Oscliers unserer Kolonie heimlich vor sieh ging, ohne dall wir, wie das Ocsctz cs vorschrclbt, davon verständigt worden waren. Nun war es an uns, zu zeigen, dall falsches Spiel nicht geht. Wir hatten es diesmal Verhältnis• mäßig leicht, da sich auch sechs arabische Dörfer unserer Beschwerde anschlosseit. Ein weiterer Umstand kam uns zu statten: Einer der sechs Lubier Scheichs, die unseren Oschcr pachteten, ist ein Mitglied des Mcdschlis fdara (liezirksvertrctung) in Tiberias. Das Gesetz aber verbietet jedem Beamten, ja seihst den Verwandten eines Beamten, den ( )scher zu pachten, Kurz und gut: die Behörden in Akka schickten einen Untersuchungsrichter zu uns, der eine neue Versteigerung vornahm, Die Lubier halten früher S9 000 Goldpiaster für die Pacht gegeben und boten jetzt 7(1 (KM) Piaster, Wir gaben noch einige hundert Piaster dazu und behielten die Pacht. Freilich, die benachbarten arabischen Dörfer, darunter auch das mächtige Lubie mit seinen tausenden Einwohnern und zclutlausenden Dunums, zahlen bloß 10 000 bis 15 000 Piaster Oselter. Wieder ein Beitrag zur Frage der Bedeutung der jüdischen Kolonisation für den ottomanischen Fiskus. Vom Jüdischen Verlag Mail beachte das Inserat des Jüdischen lags mit interessanten Urteilen über die neuen unseres Partciverlags. Ver- Bücher Kali ski Sieger mit 5,55 in; Kugelstoßen für Jugeudmitgliedcr: Nciim.iim mit 8,'S m vor Pfeifei. .׳Der U r ei k a m p f für Akademiker, für den l)r. Zloeisti einen Lhreiiprcis gestiftet hatte, zeitigte folgende Resultate: Kugelstoßen: I. Stcmfcld (V, J. St.) mit 7,15 m; 2. Sultan (V. J. St.); 'i, k'aminski (I f,1־-moiiaea). — Hocksprung: 1. Sultan 1,111 in; 2, Abraham; 3. Kaminski; I. Roer (I lasimmac.t); 5. /.irker. 100 ־ m L a u f: 1. Abraham (V. J. St.); 2. Sultan; 3, Deutsehmann (Ifasiiumaea). 111t I foclisprting für Jugeiulinitglieder siegte Vamlsburger vor Neben/ahl mit!,•15 in. — Den Abschlult des Sportfestes bildete ein Hockey spiel gegen die I, Mannschaft der Markomaiuiia, Bar Kncliba verlor mit '2: 3 Toren, wobei die große ErmiUltmg der Bar Kochhnucr, die (je gen die frischen Mannsehaften der Markomaiuiia spielen mußten, und die lierembrechende, das Spiel behindernde Dämme• rung in Betracht zu ziehen ist. -- Der Bar Kochba hat mit diesen! schönen Sportfest die Akademische und die Jngemlabteilnng .seiner Sportabteilung er• öffnet. Wir begrüßen es als einen Fortschritt in seiner unermüdlichen Arbeit zur Ertüchtigung der jüdischen Jugend Berlins. Der auf dem Wege Vierer des Ruderclubs II i r s ch f eI d Wolf(, b a 11111, hat am Sonntag zum Kongreß befindliche ״Ivria“-Berlin, E x i n c r, S c 11 w n b c , M n 11 d c I hei prächtigem Wetter in TURneh &SP0RT *Bericht über das Herbstsportfest des Berliner Bar Kochba Kurz bevor der ״Bar Kochba“ sich zum Aufbrticli nach Wien rüstete, batte er am verflossenen Sonntag Gelegenheit, sein sportliches Können mich einmal den Berlinern zu zeigen. Auf dem schönen Sportplatz des Sportclubs Cliarlottcnburg fand sich eine beträchtliche Zuschauermcnge ein. die noch verstärkt wurde durch die grolle Anzahl der Ausflügler, die höclistlich interessiert Zaungäste spielten. Sonniges Wetter begünstigte die Abwicklung des reichen Programms. Gegen 100 Sponsleute heteiligten sich an den Konkurrenzen, für die kostbare Ehrenpreise ausgesetzt waren. 1111 Mittelpunkt des Interesses standen die mannigfachen Laufkon• ׳ k 11 r r c 11 z c 11. Iin 500-tn-Mallaufen für Jugendinitglieder siegte Seymour N e b e n z a h I in 7-1,0 Sek. Den Preis, den der A. H. V. des Kartells Zionistischcr Verbindungen gestiftet hatte, gewann im 400-111-Lauf für Akademiker Hugo Deutschmann (Hasnton.ica) überlegen gegen Abraham (V. J.St.), Kaminski und Hase in 58':, Sek, Im 11()-1n-Hürde11Iauf belegte Berne nach schönem Kampf vor Langomer den 1. Platz. Dagegen siegte im IÖö-m-Lauf um die Meisterschaft unser trefflicher Langomer in ID-, Sek, 1111 KIO-m-Lauf für Anfänger wurde Samo in 12!/׳, Sek. erster, in dem Lauf für Erstlinge gelang es Mcycrhof knapp vor Rosenblüth mit 12': Sek, zu siegen. Del! 30-111- Jugendlauf gewann Neben za hl vor Rosenblüth, in Gruppe 11 siegte S c I! a r I i 1! s k i, in Gruppe C Same. Im 800-m-Laufen für Anfänger wurde Reich erster. In der KiO-m-Akadem. Meisterschaft siegte Locwcnstein vor Joachim. Das Hauptinteresse wandte sich der 4,׳ lOO-m-Stafette um den \X .1 nderpreis des Herrn Cieheimrat Landau zu. Aus eien vier Vorläufen gingen als Sieger außer den diei erstem Mannschaften des B. K, mir der I ler/l-Cluh hervor, der überlegen gegen den V. J.St. und B. K. IV gesiegt hatte. Audi die Mannschaften der Ivria und der lugeiidabteihing unterlagen in den Vorläufern Der Einlauf in der Entscheidung war folgender. Sieger: B. K. I 47':, Sek.; 2, 15. K. II: 3. I lerzl-Club; 4. B. K. III, Die Sdiwcdcnstafctto um den Preis der Z. V. f. I). kam nicht zum Austrag, da die Manuschäften zu ermüdet waren. Der 3000-m-Lauf sah Raczkowski als Sieger vor Reich und Taro. Für die Fünfkampf-Meisterschaft hatte die Grollloge für Deutschland einen wertvollen Preis gestiftet; Ls siegte im KMl-m-l.aiif Langomer vor Hi^er; im 8(Kl-m L a u f Kunpersteiu in '2 Min. H,׳l Sek.; im Speerwerfen Lger mit 37,1)I in vor Jean l.eviu; im W e i t «ji r i 11 g c n Langomer mit 5,50 nt vor Eg er; im Kugelstoßen Jean Levin mit 8,55 111 vor Euer und Berne, Als Sieger aus dem Fünfkampf ging Eg er hervor, — Die Resultate der sonstigen Konkurrenzen waren: Speerwerfen für Anfänger; 5, Caro mit 30,(»0 m erster; Diskuswerfen; H g e r Sieger mit 24,9 m; Stabliocbspringcn: Eger Sieger mit 2,70 m vor Caro mit 2,00 111; Weitspringen: Regeitshtirg die Fahrt doimualnvärts angetreten und übermittelte vor der Abfahrt unserer Redaktion freund• liehe Grüße, Unter den Sportsleuten, die Jahr für Jahr mit Hiebt ermüdender Zähigkeit den Versuch machen, den Aermelkanal sehwimmend zu durchkreuzen, zeichnet sieh seit langem ein englischer Jude Jabez Wo! ff besonder* ans. Am Dienstag dieser Woche mißlang ihm der zwanzigste Versuch. Morgens um 5 Uhr 15 Min. ging er am Kap Gristtoy bei Calais ins Wasser, Er legte etwa 38 km zurück, konnte aber, da er abgetrieben wurde, sein Ziel, das in der Luftlinie welliger entfernt war, nicht er• reichen. * Berlin. Der Jüdische W a 11 d e r b 1t n d Blau-Weiß Berlin veranstaltete in den vcrflosseiien Soinmerferien eine dreiwöchige Fahrt nach Siiddeutschlaiid, an der zwölf Wanderer tcilnahmcn und die vor einigen Tagen zu allgemeiner Zufriedenheit zu Ende geführt wurde. Die Wanderung ging durch Taubcrtlial über Rothenburg 0. T. und das Dinkelbühl in die Schwäbische Alp, von dort zum Bodeiisee und in den Sehwarzwald. Die Rückreise wurde von Freibnrg i. Br. aus angetreten. Die nicht ganz unerheblichen Anstrengungen, die die Tour naturgemäß mit sich brachte, wurden auch von den jüngeren Wanderern mühelos Überständern Der Hidiscite Wänderbund Blatt-Weiß hat durch diese Fahrt bewiesen, daß seine Leistungen denen der älteren Wandervereine nicht nachstcheii. Die Arbeit, die er seit jetzt einem Jahre leistet, ist also nicht ohne Erfolg geblieben. Der große Gedanke des Jugendwauderns beginnt auch unter der jüdischen Jugend festen Full zu fassen. Schon jetzt ziehen an jedem Sonntag jüdische Schüler in großer Zahl hinaus, mit Rucksack und Kochtopf im Sommer und Winter und bei jedem Wetter. Schon jetzt entstehen überall in Deutschland Zweiggruppen, die an der Kräftigung und Gesundung unserer Jugend mit arbeiten wollen, — die unberührt von religiösen Streitigkeiten — cs auch dem Orthodoxen ermöglichen, hinauszuwaudern, ohne seinen (iruJ1t!s.:itzc11 untreu zu werden, und die dem jüdischen Schiller dem heimlichen, aber um so drückenderen Antisemitismus entziehen, der vielfach im ״Wandervogel“ und im ״Jungdeutschland-Bunde“ herrscht. — Auskunft über die Bestrebungen des Wauderbimcfcs Blau-Weiß erteilt der Vorsitzende des Berliner Vereins, Herr Dr. Adalbeft Sachs, Berlin SW, Könijtgrätzer Str. 80. Seit kurzem haben sich der Jüdische Waiulerbund Blau-Weiß, Berlin, der jüdisclic Waitdcrbumi Blau-Weiß, Wien und der Wanderverein von 1907, Breslau, in den ״Blau-Weiß- Blättern“ ein eigenes Organ geschaffen, das an Mitglieder der Vereine unentgeltlich abgegeben wird. angeklagten Mendel lieilis endgültig auf den 8. Ok• tober d. J. anberaumt worden. Es srjjfn 231 Zeugen vernommen werden, Als Verteidiger des Angeklagten Bcilis werden die bekannten russischen Rechtsan walte G r u s c n h e r g , K a r a b t s c 11 e w s k y und /. a r 11 d 11 v fungieren, von denen der erstgenannte Jude ist. Die wichtigsten Zeugen sind bereits für den ersten Verhaiidlmigstag geladen. Der frühere Verleidiger Bcilis׳, Rechtsanwalt Margolin, ist diesmal als Zeuge geladen. Unter den Zeugen befinden sich ferner die früheren Leiter der Untersuchung, Oberst Iwanow, der Richter Fcnenko, Staatsamvalt Lachkarcw, der die erste Anklageschrift verfaßt hatte, ferner der Journalist IS rasul• B r uscli k o w s ky und der Detektiv K/assowsk v, die auf Grund eingehender Forschungen zu der Uebermiguug gelangt sind, daß die Mordtat von einer Diebesbande, an deren Spitze die berüchtigte Vera Tscbcbyriak steht, verübt worden ist. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Wipper aus Peters• bürg. - Das Kiewcr Gericht hat fast alle von der Verteidigung vorgeschlageiieii Gutachter, meist unter den nichtigsten Vorwänden, abgclchnt. So z. B. wurde der Antrag, den Berliner Theologieprofessor Hermann L. Strack, einen der hervorragendsten christlichen Kenner des Talmuds und der rahhinischch Literatur, vor/uladen, mit der Begründung abgc* wiesen, die Entfernt! 11 g z w i sehen Berlin u 11 d K i c w s e i z 11 g r o 11! Dabei beherrscht Strack auch die russische Sprache, so daß seiner Ver* iiehmung wirklich nichts im Wege stellt. Wie halt* los der gerichtliche Hinweis auf die ״Entfernung״ lierliiis ist, geht schon daraus hervor, daß der katho* lisclu׳ Geistliche Justin Pranaitis, dessen Gut• achten die Hauptgrundlage für die ״Ritualmord“- llesclmldigimg bildet, in Taschkent wohnt, also zur Reise nach Kiew •mehr als eine Woche brauchen wird. t Rußland Amerika Zmn Botschafter der Vereinigten Staaten ln Konstantinopel ist Mr. Henry Morganthau er- 11 an nt worden. Damit ist die diplomatische Vertretung Amerikas bei der Pforte zum zweitenmal einem Juden anvertraut worden. Bekanntlich gehört auch Mr. Oscar Straus, der vor einigen Jahren das gleiche Amt bekleidete, dem Judentum an. Mr. Morganthau ist 1857 in Deutschland geboren und wanderte in seiner Kindheit nach Amerika aus, wo er später an der City and Columbia Univcrsity zum Dr. Jur. promovierte. Nach Beendigung seiner Studien wandte er sich dem kaufmännischen Berufe zu« Er war zuerst Mitinhaber der bekannten Firma Fachmann, Morganthau and Goldsinid, sodann Direktor eines großen Bankinstituts in New York. Mr. Morganthau, der auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens hervorragend tätig ist, bekundete auch für jüdische Dinge stets warmherziges Interesse. Er ist Präsident der New Yorker Free Synagogue und gehört dem Direktorium des jüdischen Mount Sinai* Hospitals an. Am l, August d, J, vollendet« der Redakteur des ״Jewish Clironicle“ Mr, Morris Dupare das 40. Jahr seiner ununterbrochenen journalistischen Tätigkeit heim ״Jewisli Chronicle". Dupare gehört heute zu den besten Kennern nicht nur des britischen, sondern des gesamten Judentums, Als er im Jahre 1873 in die Redaktion des ״Jewish Chronide״ eintrat, war «kr. Blatt bereits sehr angesehen und im Besitze von Michael Henry, Dupare heiratete die Schwester eines seiner .späteren Chefs Asltcr J. Mycrs, AU die Aktiengesellschaft, welche die Besitzerin det ״Jewixli Chrunicle" ist, vor einigen Monaten auch den ״Jewish World" erwarb, wurtje Dupare die Leitung dieses Blattes anvertraut, Russland Wie bereits gemeldet, ist die Verhandlung gegen den des ״Ritualmordes" an dem Knaben Justschinsky *1 bl Eine Konferenz des Kartells zi 0 n i■ t i* scher Studenten ״LI aclio vv c r“ findet am I. September im Bcethove11sa.de in Wien statt. Vor kurzem wurde in Rangoon (Britiseh-Birma) eine zionistische Vereinigung ins Leben gerufen, die über eine stattliche Mitglicderzahl verfügt und eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Es gibt in Rangoon eine zur Hälfte aus englisch sprechenden Juden bestehende jüdische Gemeinde von mehreren hundert Personen. Der Gründer der zionistischen Vereinigung von Rangoon, Herr J. Sternberg, weilt gegenwärtig in Kalkutta, .*vo er gleichfalls mit gutem Erfolg für die zionistische Sache tätig ist. Auch in anderen Städten Indiens wird die Gründung zionistischer Orts• gruppen vorbereitet. Gemeldete Wahlresultate Abgeschlossen am Mittwoch, 27, August. Berlins Delegierte: Dr. Theodor Zlocisti, Dr, Heinrich Lnewe, Rechtsanwalt Sarnniy Groncmann, Richard Lichthcim, Kurt Blumenfeld, Dr, H, G. Hey* mann, sämtlich Berlin. — Ersat/delegierte: Rechtsanwalt Willy Greifenhagen, Davis Trictsch, Dt. Julius Becker, Dr. Siegfried Moses, Dr. Erich Rosen• krauz, Dr. Felix Theilhabcr, «ärmlich in Berlin. Breslau 1 Delegierte; Rechtsanwalt Dr, Kurt Weis», Dr. Walter Steimtz. Breslau, — Ersatzdelegierte: Referendar Joseph Marcus, Dr. Her* mann fiadt, Breslau. Hamburg 1 Delegierte: Leopold Landau, R.«A, Dr. Victor. — Ersatzdelegierte: Jo». Goldschmklt, Dr. med. Zadik. Nürnberg. Delegierter: Zahnarzt Alexander Singer, Nürnberg. — Eraatzdelegierter: Dr. Martin Lcvin, Nürnberg.