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Jüdische Rundschau · 1913-08-29 · Heft 35 (29.8.1913) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 35 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 362 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 35 3 Uhr nachmittags: Sportfest auf dem Vienna- Sportplatz, Hohe Warte; 31/9 Uhr nachmittags: Beginn der Nachmittag»- Sitzung des Kongresses im Musikvereinssaal. Fortsetzung und Schluß der Debatte; 8 Uhr abends: L ic h t b i Id c r vort rag für Vertraucnsleute im Beethovensaal (Vortragender: Dr. Heinrich Lotve); 8 Uhr abends: Dreißig B ezi r ks ve rs a m m 1 u n g e n. 9 Uhr abends: Kommers der Jüdischen Turner- Schaft im Sofiensaal. Dienstag, den 9., September: 10 Uhr vormittags: Beginn der Vormiltagssitzung des Kongresses int Musikvereinssaal. Die Tätigkeit der zionistischen Bankinstitute seit dem Zehnten Kongreß: Dr. N. Katzcnclsolin- Liban; Debatte; 11 Uhr vormittags: Vortrag im Beethovensaal; 3!/s Uhr nachmittags: Beginn der Nachmittags- Sitzung des Kongresses im MusikvcrcInssaal. Etat für das Verwaltungsjnhr 1913/1‘1; Wahlen. 8 Uhr abends: Meeting im Sofiensaal (Redner: die Mitglieder des neuen E. A. C.); 8 Uhr abends: M e e 1 i n g im Bcethovensaal (Redner: die Mitglieder des neue« E. A, C.). Zu noch zu bestimmenden Stunden: Führungen durch das jüdische Museum und die Adria- Ausstellung. An sämtlichen Kongreßtagen sind ferner die Aus- Stellungen des Jüdischen National-Fonds, des Bezaiei und des Jüdischen Verlags geöffnet. Delegiertentag der Zionistischen Föderation ״Misrachi“ Tagesordnung in Wien, Restaurant Unebner, IV, Allccgassc 8, am Sonntag, den 31. August 1913 (28. Aw 5673) und Montag, den 1. September 1913 (29. Aw 5673). Sonntag, den 31. August 1913, Beginn 4 Uhr.nachm.: a) Eröffnungsrede — Dr. Franck; Begrüßungen; Wahl des Präsidiums. b) Bericht über die Tätigkeit während der Kongreßneriode — Referent: Dr. Franck. c) Finanzbericht — Referent: Rechtsanwalt David, a) Oeneraldebattc. Montag, den 1. September 1913, Beginn IC Uhr vormittags; e) Bericht über Palästina-Arbeit — Referent: Rabb. Fischmann, Jaffa. f) Bericht über Tachkemoni — Referent: S. Wolff, Antwerpen. Debatte. Nachmittags: g) Referat über Agitation und Propaganda — Referent: Redakteur Berlin. h) Organisation — Referent: Rechtsanwalt David. Debatte. i) Wahlen, k) Diverses. Ausweis Schekel: Strahlung i. E. 1,—, Bad Reiclienhall 1, -, Karlsruhe i. B. 25,-, Lissa i. P. 27,-. Berlin 60,—, Voran West-Berlin 3,—, Kailimah-Bcriin 3,-—, Elberfeld 2,—, Duisburg 5,—, Heidingsfcld 1,—, München 1, , Leipzig 70,—, Bergzabern 1,—, Saarbrücken 4,—, Mannheim 1,—, Frankfurt a. M. 7,—, einzelne Zionisten aus Obcrschlcsicn 34,—, Herzl- Club, Berlin, 4,—, Berlin 1,—, Solingen 1,—, Channitz 2,—, München 2,— M.; Schekel für 1912: Berlin 4,—, Manchen 1,— M. Landesorganisationsbeiträge: 1. Ortsgruppen: Straßburg i. E, 1,—, Bad Reichen hall 3,—, Heidingsfeld 3,—, Bergzabern 1,—, Mannheim 1,—, Berliner Zion. Vereinigung 3,— Bcuthen 159,— M. 2. Ei 1; ze Ipcrsonc n: Dr. mecl. Landau, Danzig, 2, Rate, 5,—, Rechtsanwalt Dr. S. Schwarzschild, Frarkfurt a. M., 10,—, Referendar Dr. Oskar Nathan 5,—, Julius Berger, Berlin, 10,— M. 3. Verschiedene Spenden: Nürnberg 2, —, Hamburg 5,— M. Eingang vom 21. bis 26. August 1913: Sehekel für 1912: 5,-; »13 : 266,- M. - Landes- 0 r g a n i s a t i o!1 s b e i t r ä g c: 201 — AL Gcsamteingang: Schekel: 8409,—, dazu beim Z. B, direkt eingegangen 357,—, zusammen 8766,— M. Landesorganisationsbeiträge: 11861,37 Mark. י Adresse für Geldsendungen! Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto t Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Der orthographische Hokuspokus (Wie die ״Freistatt“ jiddische Gedichte transkribiert) Das Juliheft der ״Freistatt“ ist bereits crschicneu, und noch rührt kein Maisch die Feder, um irgendwie gegen die unrechtmäßige und unsinnige '1 ranskription jiddischer (jedichte in der genannten Zeitschrift zu protestieren. Auch keiner von ihnen, die anno 1908 in Czcrnowitz mit vollem Brustton die Souveränität der jiddischen Sprache proklamierten, hat es bisher der Mühe wert gefunden, ein Sterbenswörtchen über die willkürliche Verzerrung und Verdreluing der jiddischen Schreibweise zu sagen. ״Freistatt“ locuta, causa finita. Nun ist aber die Sache zu bunt, als daß man darüber stillschweigend zur Tagesordnung übergehen könnte. Wurde doch selten der gute Geschmack des jüdischen Lesers so mißachtet, wenn nicht, geradezu verhöhnt. Als ich die ״Freistatt“ zum ersten Male in die Hand bekam, wußte ielt nicht, wo sie eigentlich hinaus will. ,Mühsam suchte ich mich diirehzuriiigeit durch krause, holprige Gcdankeiigäiige von ״Ali- Judentum“ und ״Jüdinchkcit“, um endlich bei der jüdischen Dichtung aufziiatnien. Beim besten Willen ich mußte auf die Erholung verzichten. Nun wußte ich nicht inehr, ob ich eine ״Alljüdische Revue“ oder ein ״Purimblatt“ vor Augen hatte. Man denke sich transkribierte Gedichte, wo jedes zweite Wort bald mit einem accent aigti, bald mit einem accent circonflexc versehen ist. Damit nicht genug. Jeder Buchstabe ״c“ bricht schier zusammen unter der Last zweier dicker Punkte, über deren Abstammung icii bis heute noch in Zweifel bin. Mag das hebriiisehe ״Zcjrc“ mit der griechischen Diäresis um den Vorrang streiten. Was aber der ״geistreichen“ Transkription die Krone anfsetzt, ist die unsinnig /usammeugcfliektc Orthographie, Wozu gewöhnlich schreiben: schwarze schulen! Die ״Freistatt“ kennt eine modernere Schreibweise, so z, H, s 11 w a r c c sh fi t n; statt v c r s c 11 w i n d e n schreibt sie lieber ein absichtlich entstelltes t'arshwyndn. Wozu schreiben: Ich sch - ech ze, ist ja viel diskreter. . . . Allerdings, diese Art der Transkription ist ein eklatanter Beweis dafür, daß die ״Freistatt“ gerne etwas vertuschen möchte. Es geht doch nicht, an den Westlern klar und offen zu zeigen, daß die jiddische Sprache ״ein mit Hebräisch durchwirktes und mit Polnisch, Russisch, Englisch etc. fassoniertes Deutsch“ ist, mn ja nicht *las Brandmal des Jnrgon wieder aufztidecken, Und dazu hat sich die ״Freistatt“ solch komisch wirkende Hilfsmittel ausgesucht. Lieh zing-ilüs ziiigen iz man eil Y11 jeder lid iz a gclil. Die Absicht liegt auf der Hand, Wenn die ״Freistatt“ richtig, genau nach dem jiddischen umgescliriehcn hätte: Ich sing - dus singen is' mein Ziel Un jeder ließ is;1 gefild würde »loch das Ganze gar keinen Witz haben, vielmein• würde jedermann über den ״Jichus von Jiddisch“ sehr bald im klaren sein. Und das eben möchten die Herren von der ״Freistatt“ nicht. Ihr Organ soll ja ent Bollwerk der Jüdischkeit im Westen sein, und der einmal in alle Welt hinausposaunten Origi"• mdität der jiddischen Sprache dar! keineswegs durch ״unvernünftiges“ Transkribieren ein Schnippchen ge* schlagen werden. Also wird die Unvertrauilieit des Westjuden mit der jiildisdien Sprache nusgenut/t, und jeder ״Bluff“ als ein Stück Jüdischkeit iingepriesen. Sei cs ich bin zu weit gegangen. Alles früher Gesagte wäre eine kühne Vermutung, ein voreilig abgegebenes Urteil, die ״Freistatt" wäre In ihrem I landein von den ernstest«» und idealsten Absichten geleitet - wo wäre dann ihr Radikalismus! Warum legt sie nicht die Axt ,ווו die Wurzel? Warum beginnt sie nicht das Werk der Jüdischkeit ah ovo? Was für idealen Zweck verfolgt eigentlich die ״Freistatt“ mit ihren komischen Transkriptionen und den — sagen wir — in poetischer Prosa gemachten Kommentaren zu ebendenselben Transkriptionen? Welch' ästhetischen Genult ,und welche höhere Anregung kann ein intelligenter Mensch beim Lesen solcher Monstrositäten davon)ragen? Eins muß gesagt werden. Will die ״Freistatt“ in die Massen der westlichen Juden jüdische Kultur tragen, will sie ihr in Wirklichkeit Perlen jüdischer Dichtung darreichen — dann soll sie j i d d i s ch nicht als Sport betreiben, dann fort mit aller Madie und Unechtheit. Fort mit den lateinischen Lettern, fort mit dem gestohlenen Aufputz! Zurück zur altchaldäischen, pittoresken Quadratschrift״, zurück zum hebräischen Alfabet. Die jüdische Jugend muß jiddisch und hebräisch lesen, wenn sic ihren B i a I i k und R o s e 11 f c I d iliren M e 11 de I e und Pcrez kennen lernen will. Jener Leserkreis, der dieses ״Opfer“ nicht zu bringen vermag, kann auch fernerhin der jüdischen Literatur fern bleiben. Aut — aut. Den ersten erfolgreichen Schritt zur ״Jüdischkeit“ wird die ״Freistatt“ dann gemacht haben, wenn sie der Jugend des Westens an Stelle verkrüppelter und vermummter Umschriften echte jiddische Originale (versehen mit den notwendigen Anmerkungen) vorlcgen wird. Und wenn es die ״Freistatt“ ein Stück Selbstüberwindung kosten sollte, ein für alle Male auf den stimimingmadicndcn Bluff verzichten zu müssen. Lin älterer Ostjtide ließ sich die transkribierten Gedichte zeigen, Nachdem er über die einzelnen Worte erfolglos hin- und hergestoipert war, gab er mir die Zeitschrift achsclzuckeiid zurück. Nur ein Wort hatte er für den ganzen Kram: ״Chojsek!“ Es gibt keine treffendere Volkskritik. Denn wahrlieh, was die ״Freistatt“ jetzt mit der jiddischen Dichtung treibt, ist nichts als reiner ,Mumpitz. A. D. Brody, Steuersorgen der jüdischen Ackerbaukolonien in Palästina Aus der jüdischen Kolonie J i b n a c I in Galiläa wird berichtet: Die Scherereien, die wir in diesem Jahre mit dem Üschcr (der Getreidesteucr) hatten, sind geeignet, die Schwierigkeiten zu beleuchten, unter denen die landwirtschaftliche Kolonisation in der Türkei auch unter dem neuen Regime zu leiden hat. Da das türkische Reich fast ein reiner Agrarstaat ist, so ist es begreiflich, daß die Landwirtschaft auch die Hauptlast der Steuern zu tragen hat. Die Form der Besteuerung der Landwirtschaft bildet der Oschcr, d. h. wörtlich der Zehnte, der aber nacli den geltenden gesetzlichen Bestimmungen den achten Teil der Ernte aller landwirtschaftlichen Produkte aiisinadit. Der Oschcr wird aller nicht direkt von der Steuer- Behörde erhoben, sondern öffentlich an den Meistbietenden verpachtet, mit der Maßgabe, daß jede Dorfgemeinde, die selbst den Oschcr pachten will, bei gleichem Angebot den Vorzug vor einem fremden Bewerber hat. Die Regierung beschränkt ihre Mit- Wirkung dar,auf, daß sie einerseits dem Pächter bei der Eintreibung des Osclicrs den nötigen Sciiutz gewährt, andererseits auch die Bevölkerung gegen Uebergriffe seitens der Pächter zu schützen hat. Augenscheinlich liegt in diesem System das stille Zugeständnis der mangelnden Organisationsfähigkeit der Staatsgewalt, ein Mangel, der ja auch auf anderen Gebieten des staatlichen Lebens zutage tritt. Für die Bevölkerung scheint jedoch dieses System hei all seinen Schatten seiten noch immer besser zu sein als eine etwaige Eintreibung der Steuern durch Regieriingsorgam׳. Demi dann gäbe es vermutlich keine Grenze für die Bakscliiscli-Erpressun :cn. Für unsere Kolonien besteht der Vorteil des Paclitsvstcms auch darin, daß sic dadurch die Möglichkeit haben, selbst den ()scher zu pachten und so Herr im eigenen Hause zu bleiben In der Tat bestreben sich auch die meisten Kolonien, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Den größten Erfolg haben darin die Pflanzlingskolonial, die überhaupt in bezug auf den Oschcr gegenüber den Siedlungen, die Getreidebau treiben, im Vorteil sind. Dies ergibt sieb aus folgenden Umsiänden: 111 den Getreidebau treibenden Dörfern oder Kolonie»! wird hier/tilande die gesamte Ernte des Dorfes auf einen dazu geeigneten Platz gebracht, wo sie gegen Ende des Sommers gedroschen wird — fast durchweg nach der jahrtausendealten Methode: durch das Stampfen der Pferde oder anderer Tiere. Schon dieser Umstand gibt dem Pächter die Mogliciikeit, seine Leute zu schikanieren, denn ohne seine Erlaubnis darf nicht gedroschen werden. Gar oft kommt es vor. daß die Verhandlungen zwischen Pächter und Dorf sieh wochenlang hiuz.ichcn; inzwischen rücken die Regentage immer näher, die die Dorfbewohner, die ihr Getreide unter freiem Himmel liegen haben, mit -Angst erfüllen, so daß sie dann zu jeder Nachgiebigkeit bereit sind. Während der Zeit der Verhandlungen sind die Vertrauensleute des Pachters auf dem Dreschplatz, die sich für ihre Pferde unentgeltlich das Futter von der Ernte holen dürfen. Auch hat es der Pächter da leicht, seinen Teil der Ernte zu guten Preisen zu verkaufen. Ganz anders aber beim Pflanzungsbau! Da gibt es keinen gemeinsamen Ernteplatz, den der Pächter bewachen könnte. Auch ist der Verkauf dieser Produkte mitunter kompliziert und vom Pächter niclit immer mit Erfolg zu bewältigen. Diese Umstände verleihen den Pflanzungskolonicii einen Vorsprung gegenüber den fremden Pächtern. Unsere Kolonie Jibnael, die mit ihrem Areal I von ca. 30 0(10 Dunatn im Zentrum unserer untcP

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