Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1913)
- Date
- 1913-08-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 342 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 wurde ein Antrag des Gcmeindcratcs S t e r 111 i e b angenommen, wonach die neu anzubringenden Straßenscliildcr in dieser Straße die Aufschrift in deutscher, rumänischer und hebräischer Sprache tragen sollen. Italien Der frühere Ministerpräsident Luzzatti hat die Begründung eines internationalen Komit ccs angeregt, das im Namen der Zivilisation Rumänien die endliche Emanzipation der Juden auf nötigt n soll. Dem Komitee sollen angeboren: Baifotir, Prof. Euckcn, Visconti Venosta, Martini und andere hervorragende Männer, unter ihnen in erster Linie Präsident Wilson. Einem derartigen morulisehen Drucke werde Rumänien schließlich nachgeben müssen. Türkei Die Regierung hat den Grollrabhincr der Türkei benachrichtigt, daß sie es gerne scheu würde, wenn die infolg e der Kriegswirren aus Thrazien geflüchteten Juden, die siel» größtenteils in Konstantinopel aufhalten, nunmehr, nachdem die Türkei die betreffenden Gebiete wieder besetzt hat, in Ihre Heimat zurückkehren wollten. Die Regierung sei bereit, das Repatriierungs verk nach Kräften zu fördern und die Familien, die durch den Krieg ihr Vermögen vorloren haben, nach Möglichkeit zu entschädigen. Das Großrabbinat wurde vom Ministerium des Innern aufgefordert, Vertrauensmänner in die Heimat der jiidi• schei» Kru.gsflüchtlingc zu entsenden, um ihnen bei der Repat iierung zur Seite zu stehen und die Höhe des materiellen Schadens, den die einzelnen Famitien erlitten haben, genau festzustellen. guuiisriscKC Ba23ur!3 Unser geschätzter Freund und Mitarbeiter Herr Oberlehrer Moses Cal Vary wurde durch den Tod seiner Mutter, Frau Esther Calvary geh. Hildesheimer, in Trauer versetzt. Wir sprechen dem ergebenen Zionisten unser herzlichstes Beileid aus. Der Schekelaiisvveis in Nr. 33 der ״Welt“ zeigt den bisherigen Gesamteingang für das Jahr 5073 mit 95 133,09 M. an gegen 87 4-6,71 M. im Jahre 5072. Der Beschluß des X. Kongresses, die Zuweisung der Delegierten auch von der Schekclzahl des kongreßlosen Jahres abhängig zu machen, erweist sich insofern als äußerst segensreich, als noch jetzt fortlaufend größere Summen für das Jahr 5672 abgeführt werden. Der Zcntralfonds 1913 hat einen Stand von 76 110,04 M. erreicht gegen 53951,91 M. im Jahre 1912. Die große Zahl zionistischer Parteischriften ist neuerdings um eine weitere publizistische Erschcinung vermehrt worden. Die schwedischen Zionisten, die im Laufe des letzten Jahres eine anerkennen*• werte Rührigkeit entfalteten, geben seit dem Juli unter dem Titel ״Zionisten“ eine Monatsschrift heraus, die der Sache des Zionismus auf der skaisdinavischcn Halbinsel gewiß gute Dienste Kisten wiril. Im Inseratenteil dieser und der vorigen Nummer erscheinen die gesetzlich vorgeschriebenen Bekanntmachungen über die Auflösung der ״Vcrlag Jüdische Rundschau E. G. m. b. H.“ Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, «laß es sich dabei um eine Transaktion lediglich formaler Natur hnndelt, da der Auflösung der Genossenschaft unmittelbar die Begründung einer Gesellschaft mit bcschränkter Haftpflicht gefolgt ist, die dem gleichen Gcschäftszwcck dient. Gemeldete Wahlresultate II. Liste. Nürnberg. Delegierter: Zahnarzt Alexander Singer, Nürnberg. — Ersatz de legierter: Dr. Martin Levin, Nürnberg. Stadt Posen. Delegierter: Dr. Max Kollcnscher, Posen. — Ersatzdelcgierter: Gustav Mamlock, Posen. AUS HAMBURG-ALTONA Die Zionistische Ortsgruppe H am• bürg-Alto na hat ciri eigenes Bureau, Große Bleichen 67 1, links, eröffnet, an welches von nun an alle Korrespondenzen, Bestellungen auf N. F.-Wert- Zeichen, Reklamationen wegen unpünktlicher Zu- Stellung der ״Jüdischen Rundschau“, Bestellungen'.auf Bücher des Jüdischen Verlages usw, zu richten sind. Das Bureau vermittelt ferner den Ausweis von Spcnden in der ״Jüdischen Rundschau4*, wenn dieselben eine Woche vor Erscheinen der betr. Nummer angemeldet sind. Das Bureau ist geöffnet von 9—3 und von 5—>/»8 Uhr. Telephon: Gruppe 4, 8326. VgRSir-JS-RUMDSCHAU Berlin. Die Zionistischen Orgauisaii (iih'ii <i r <1 ß- II e r I i 11 s veranstalten zmn Beschluß der Sehekelsnmmlung am M o n tag, den 23. August, nbcmls 9 Uhr, im großen Saale der Pracht sälc des Westens (Spiclnrnsäle), Spiehernstralk 3־ (zwischen Nürnberger l'lntz und Kaiser-Allee), einen Sphekcltng. verbunden mit einer Begrüßung des XI. Zionisten-Kongresses in Wien. Die K o n g r c ß -1> e I e g i e r t c 11 Groß-Berlins sowie die in Berlin anwesenden Mit gl jeder des A c t i o n s-C o m i t es werden über: ״Die Fortschritte der zionistischen W c 11 0 rg a 11 i - s a t i o 11“ Ansprachen halten. Um zahlreiches un I pünktliches Erscheinen wird gebeten. Gäste, Herren nml Panicn, willkommen. Zur Deckung 1h׳r Unkosten werden 2(1 Pf. Eintrittsgeld erhoben. Berlin. Eine interne zionistische Vcrs a nt in 111 n g veranstaltet der ״Zionistische Verein West-Berlin“ am Montag, den 18. August, abetids 9 Uhr, in den Auguste V i k t o r i a - S ä 1 c n, Luthcrstraßc 3132־ (gegenüber dem Eispalast), ln dieser Versammlung soll über einige •Probleme der zionistischen Theorie und Taktik diskutiert werden, die neuerdings in den Vordergrund getreten sind, und zwar wohl infolge von Angriffen unserer Gegner als auch infolge von Kritik aus unseren eigenen Reihen. Das einleitende Referat wird Herr Kurt Blumenfeld halten, der wegen der Art seiner Propaganda, die er als Sekretär des Actions- Gomitvs entfaltet, vielfach angegriffen worden ist. 111 tler Absicht des Vereins West-Berlin liegt cs nicht, irgendeine Stellungnahme lierbeiziiführcn — die Ver- Sammlung soll auch keinerlei Beschlüsse fassen —, sondern der Verein wünscht lediglich eine ruhige Erörterung tler augcileuteten Probleme in einem Kreise von Zionisten verschiedener Richtung. Getreu seinem Programm, führt der Zionistische Verein West-Berlin mit dieser Versammlung die Reihe jener Sitzungen fort, an denen in einer von allen propagandistischen Rücksichten freien Diskussion allgetncüijüdischc timl 7ionistisehc Fragen verschiedener Art besprochen wnrden. Mit dem Anwachsen der zionistischen Bewegung ist es immer mehr notwendig geworden, gerade in Berlin einen Mittelpunkt für die Besprechung solcher Dinge zu haben, die sich der Erörterung in öffentliehen Versammlungen entziehen, die aber doch viele Zionisten lebhaft interessieren. Diese Aufgabe sucht der ״Zionistische Verein West-Berlin“ zu erfüllen. Für das Winterhalbjahr 1913/14 hat der ״Zionistische Verein West-Berlin“ bereits ein größeres Programm entworfen, über das demnächst Näheres niitgctcilt werden wird. — Zu der Versammlung am Montag, den 18. August, ergehen besondere Einladung e n. Gesuche um Einladungen, die zum Eintritt legitimieren, sind .an den Vorsitzenden des Zionistisehen Vereins West-Berlin, Herrn Julius Berger, Sächsische Str. 8, zu richten. Charlottenburg. Der Jüdische Jugendvcrein Charlottcnburg veranstaltet am Sonntag, den 17. August, eine Dampferpartie nach Rauchfangswerder. Abfahrt von Schülingsbrückc (Schics. Bahnhof) präz. 1 Uhr, Wir bitten unsere Freunde, sich diesen Tag freizuhaltcn. Billetts sind zum Vorverkaufspreise von 1,50 M. (für Hin- und Rückfahrt inkl. Kaffee) gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) bei Herrn Georg Hoch, Charlottjmbürg, Schillerstr, 51, zu haben. Berlin. Am Sonntag, den 17. August 1913, findet im Restaurant ״Bürgerheim“, Alte Schönhauser Straße '23-2f, um 2 Uhr nachmittags, ein Empfang des amerikanischen Poalc-Zion-Dclegicrten zum XI. Zionistcil-Kongrcß und zur IV. Welt-Konferenz der Poale-Zion-Pnrtei, der Herren Ehrenrcich (Ocneralsekrctär des amerikanischen Zentralkomitees) tind Professor Fein m a n n statt. H. L. Chasanowitsch und andere hervorragende Mitglieder werden an der Feier teilnehnicn. 2־ TRiBvene Die 48fache Gelegenheit In der letzten Nummer der ״Jüd. Rundschau“ beschäftigt sieh Herr M. Treu mit einem Artikel von Herrn Dr. Landau. Ich habe diesen Artikel nicht gelesen und kann ihn daher nicht beurteilen. Keinesfalls aber darf deshalb das ״Eingesandt“ des Herrn Treu ohne Entgegniing bleiben. Herr Treu übersieht zunächst Ursadte und Wirkung. Ursache des Entstehens der jüdischen Jugcndvereine war oder sollte die Erkenntms sein, daß zur Erhaltung und Pflege des Judentums eine Vereinigung geschaffen werden mußte, die der kommenden Generation, ״der Jugend“ Gelegenheit geben sollte, frei von allen Partetirogen den Gedanken des Judentums so in sich erstarken zu lassen, daß jeder einzeln« sich als Träger dieses Gedankens auch in der Lage fühlen sollte, ihn zu erhalten und wciter/iiptlan/cn. Dies war der 50. ziak Gedanke“ innerhalb des Judentums. Sozial 'Jc$. halb, weil er tatsächlich gegenüber dem allgemeinen Niedergang innerhalb des Judentums, namentlich unter der Jugend, einen Fortschritt bedeutete. Daß dieser Gedanke in seiner ursächlichsten Bedciitiuig eigentlich «len Beginn eines erwachenden ״Natiunalgcfiibls“ bedeutet, wird ja von allen traliiiilsverkiimlern bestritten werden, kamt aber an seiner historischen Wahrheit nichts ändern. Das Prinzip der Neutralität wurde nun murrhalb der Jtigciulvercinc aulgestellt, weil alk Parteien, alle Richtungen, einen gemeinsamen Hoden für die Klärung ihrer Anschauungen gewinnen sollten. Bedurfte es aber dazu wirklich erst der JnguiT vereine? Konnten sieh die Meinungen der vcr.Vbie• denen Gruppen nicht schon vorher frei jeder Gelegenheit, hei der sie /iisaniinentrafen, klären? Zwufdlos! Denn schon lange, bevor die Jugcndvereine h«. standen, waren derartige Gelegenheiten gegeben mul wurden Benützt. I )er Neutralität wegen brauchte es aber nicht der Jiigcmlv,ereine. Im übrigen gehe ich einen Teil des Programms, wie ihn Herr Freu ent• wickelt, zu, wenn tatsächlich das erreicht weiden würde, was so schön in der 1 Iteorie festgelegt ist. In der Tat sieht es doch ganz anders aus und war auch nicht anders zu erwarten. Wer neutral bleibt, bleibt passiv und wer passiv ist, ist untätig. Das Programm aber lautete: Aus Degeneration zur Regeneration. Oder mit anderen Worten: Arbeiten an der jüdischen Jugend, «lall aus indifferenten Juden positive werden. Wenn es aber galt, gegen positive Gedanken, hielten sic ,,Nationaljudentuin oder Zionismus“, denn rein jüdisch genommen, sind mir diese positiv, Front zu machen, daun standen die Jugcndvrrimc an erster Stelle. Beweis: Die letzte Jugemlvereinstagung. Oder glaubt I lerr 1 reu, daß die Freitagaheud-Tccs oder I kituahcitde mit anschließendem Kränzchen, denn nur solche finden stärkeres Interesse bei den Neutralitatsanhängern, «lein vorhin angeführten Gedanken eutsnrieht V Und nun zur eigentlichen Veranlassung meiner Erwiderung. Wir sollten uns freuen, so schreibt Herr Treu, daß der Jugend eine 48״ fache“ < kiegenheit zur körpcrltcheit Erstarkung usw. geboten wird. Herr 1 reu, von dem ich annahm, daß er als Nationaljude weit eher für die Sadte der jüdischen Turnerschaft eintreten würde, fällt mit einer «Serartigen Bemerkung seiner eigenen Partei in den Rücken. Herr Treu wird vielleicht behaupten, ich reihe diese Bemerkung aus dem Zusammenhang, i» dem sie gebracht wird, weil sie auf den mir nicht bckannten Artikel des Herrn 1 >r. Landau Bezug nimmt. Keineswegs. Auch ich denke von den betreuenden Vereinigungen nicht verächtlich, oder betrachte sie als Gegenstand des Spottes. Durchaus nicht. Aber nimmermehr können sie die Billigung eines gerecht denkenden Menschen erfahren. Wenn es der jüdischen Jugendbewegung je ernst mit ihren Bestrebungen war, wenn sie wirklich davon durchdrungen war, körperlich tüchtige, geistig regsame Juden zu erzielten, dann durfte sie nicht damit beginnen, das erste Prinzip ihres Gedankenganges i« seiner Konsequenz, zu verletzen. Dann mußte sie sich, soweit cs die körperliche Hebung betraf, sagen, «laß die Voraussetzungen, die ein Entstehen der Jugeiulvereine überhaupt wr.inlabten, hinsichtlich der körperlichen Hebung bereits erfüllt waren. Dann durften die Jugend vereine, die Prediger der Neutralität, nicht damit beginnen, daß sie gegen die nationaijüdisdtcn Turnvereine auftraten. Es wende keiner ein, «lies w äre nicht gesehehi n. Wenn an Orten, wo jüdische Turnvereine bestand! n von Jugendvereinen Turnabteilungen gegründet warden, so ist das dasselbe, als wenn sie dagegen atc .etreten wären. Den jüdischen Turnvereinen war sei •־;! lange vor den Jugeudvereinen jeder Jude will!»■ etmen, dem art seiner körperlichen Ausbildung et’׳ ״•> lag, und die edle Geselligkeit, wie geistige Rcgs.uakeit fehlte auch hier nicht, Herr Treu wird w״d wissen, daß sieh hierzu eine mehrw ie 48 fache Ge* legenheit bot. Ich schreibe hier nicht für die jüdischen Turn* vereine und auch nicht gegen die jüdischen Jugendvereine. Eine rein objektive Betrachtung ist es, die mich zu den Schlüssen führt, die ich gezogen. Und wenn einer sagen wird, es sei Nebensache, wie man einer Sache dient, Hauptsache, daß man ihr dient, so sei ihm gesagt, daß dies die Logik der Bequemlichkeit ist. Wenn eine Bewegung auf der Grundlage einer historischen Erkenntnis entsteht, dann soll man sic, schon um ihrer selbst willen, auch in aller ihrer Konsequenz durchführen, denn nur so wird sie einen positiven Sinn und Erfolg haben. Und Regeneration, sei sie in das Gewand laxer Jugendvercins-Theorien oder in andere Formen und Normen gekleidet, ist positiv. Ich erinnere hierbei daran, daß Neutralität gleichbedeutend ist mit Passivität. Wenn aber nun, wie Herr Treu meint, in solchen jüdischen Fragen im Prinzip keine Reibungsfläclicn bestehen, ’dann lag auch für die jüdischen Jugendvereine kein Grund vor, sich in eine 48״ fache Oelegenheit“ auszubreiten. Dann hätte ihrer ״sozialen Arbeit“ ein Zusammen- Schluß mit jüdisch-positiven Vereinigungen und ein Zusammenarbeiten mit ihnen weit eher entsprochen, als eine tendenziöse Trennung, auch wenn sielt solche in das Verlegenhcitsgewand der Neutralität kleidet. Essen. A. Simoni.