Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 230 Nr. 32 ' Verhalten der Schuldigen in mehr oder weniger krüftigen Ausdrücken J-uft machen. ״F ür aus lü nd is eh c Kinder können wir keine Unterstützung gewähre n״ sagt die Armenkommission der größten und reichsten deutschen Judengemeinde, die sich nicht geniert, ihre Steuerbetrüge auch' bei eben solchen Ausländern einzii- (reiben und überläßt die Fürsorge der Kommune und einer christlichen Vereinigung, deren anerkennenswerte elmrilative Bemühung vcndändlicherweise letzlon Endes in den Dienst ihres Missionsideals gestellt werden muß. Soweit ist es also mit jener allgemein anerknnnten Gemeinbürgschaft gekommen, von der selbst un• scrc grimmigsten Gegner mit einem Rest von Respekt zu reden pflegten! Während die kleinste Landge• incindc ihren Stolz darein setzt, an einem jeden durchwamlcrnden Volksgenossen nach jüdischem Oe• bot (lastrecht zu üben, hat die Berliner Gemeindebürokratic angesichts hungernder jüdischer Kinder schroffe Worte der Abweisung, weil - der Groß• vatcr nicht so vorsichtig war, die Stätten russischer Barbarei zu verlassen und sich in Deutschland na• ttiralisicren zu lassen. Wir wissen nicht ob der Beamte, der das Prinzip der Armenkommission in so lakonischer Weise hekannt gegeben hat, damit im Sinne seiner Vorge• setzten gehandelt hat, wohl aber wissen wir, dali Solche Grundsätze der Gesinnung entsprechen, welche die in den Genicimlestuben herrschende Richtung im Judentum beherrscht. Es ist das der kleine per• sönlichc Hali jener Leute, denen durch die östliche Einwanderung die Erfüllung ihres Lcbcnswunschcs, der restlosen Assimilicrung an die Umgebung, immer wieder gestört wird. Wir wissen sehr wohl, daß wir noch weiterer Heldenstückchcn von diesen Herren gewärtig sein müssen. Schon plant man, wie uns zu verbillig berichtet wird, im Ocmcindckrankcnhaus eine Beschränkung in der Aufnahme ausländischer Kranker, die Schulen und andere Institutionen dürften folgen. Die Herren machen ganze Arbeit. Wahrscheinlich wähnen sie sich unangreifbar in der Position, in die sie das Ansehen ihres Geldes bemfen hat. Aber cs kann anders kommen. Die Gleichgültigkeit der Mehrzahl der Gemcindcmitglieder verbürgt den Herren heute noch ihre Macht. Wenn sic cs aber zu bunt treiben, kann auch dem Gcmcindcwählcr die Geduld reißen. ״ Wer sich heute bemüht, in weiten Kreisen das Interesse für die Angelegenheiten der Gemeinden zu wecken, und Aufklärung zu verbreiten über das volksfeindliche Gebahren unserer Notabein, der leistet die Gegenwartsarbeit, die die Stunde erfordert und die ihm das Judentum danken wird. Ausweis Schekel: für 1912: Zabrze 4,—. Berlin 6,—, Beuthen 63,-. Laurahütte 7,~, Schoppinitz 7,—. Kattowitz 4,— M. Für 1913: Gießen 3,—, Königsberg i. P. 6,—, Solingen 3,—. Hameln 2h,—, Augsburg 1,— Danzig 8.—. Ratibor 1,—, Loslau 9,—. Halle 8,—, Cassel 35,—, Heidelberg 9,—, Zionistische Jugendgruppc Leipzig 17,—, Rybnik 1,—, Miloslaw 21,—. Mann• heim ,2,—, Elberfeld 3, Ikrnburg 4,—. Bromberg 3,—.!,lauen 3,—, Zabrze 9 — Briesen 2,—, Plcss 29,— Kattowitz 5,—, Lauraliütic 22,— Schoppinitz ל,—. Crom• a. B. 1,- -, ülciwiiz 25,— Duisburg 109,—. Mülhausen i. E. 60,—, Köln 20,—. üoilub 2,—. Bonn IC»,—, Nürnberg 2,—. Gotha 1,—, Marx• loh 1, , Berlin 54,—, Hmlklub, Berlin 6.—, Verein West-Berlin 1,— M, Landesorganisationsbeiträge: 1. Ortsgruppen: Hameln 21,—, Loslau 8,— Halle 15,—, Duisburg 72, , Mülhausen i. E. ISO,— Köln 80,— Gollub 1,~, Bonn 28,—, Nürnberg 1,— Gotha 3,—. Marxloh 3,—, Halberstadt 10—, Herzl klub, Berlin 3,~, Berliner Zionistische Verciniguni 15,—. Berlin 5,— M. 2. Einzelpersonen: Felix Schwarz, Augs bürg, 1. Rate 3,-, Dr. Mai, Zerkow 2. Rate, 3,- J. Bartfeld, Charlottcnburg, 5,—, Referendar Edga Weil!. Mölsheim i. E5,50 ״, Daniel Treu, Essen 10,—. N. N., Nürnberg, (verspätet ausgewiesen 7,- Mark. (2. Rate). 3. Verschiedene Spenden: Soüngen 3,4 Mark. Eingang vom 31. Juli bis 6. August 1913 Schekel für 1912: 91,-, für 1913: 535,— M. Landesorganisationsbeiträge: 481,90 N Gesamteingang: Schekel: 7753,75 M., daz beim Zionistischen Zentralburcau direkt eiugcgangen 357,— M.. insgesamt 8110,75 M.; Landesorga nisationsbciträge: 11 336,87 M. Berichtigung. In der Addition der Schekel in Nr. 31 ist ei Rechenfehler enthalten. Es sind 1037,50 cingegangei Die Addition ändert sich dementsprechend. Adresse für Geldsendungen: Zionistisch Vereinigung für Deutschland, Berlin Wl Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonti A. H. Heymann & Co., Berlin W5&, Hinter d! Katholischen Kirche 1. JUEDISCHE RUNDSCHAU_ Palästina-öcscll3d1aitsrclsc aiilüsslich des XI, Zionistenkongresses in Wien. Um den Teilnehmern des KL Zionistcnkongrosses in Wien Gelegenheit zu geben, eine Reise nach Palästina zu unternehmen, wird un Anschluß au demselben mit dem Eildampfcr des Ocstcrr. Lloyd eine grolle Gesellschaftsreise veranstaltet. Da inan auf eine große'Teilneinner/nhi rechnen kpnn, werden die Fahrpreise außerordentlich crmillligt sein. Das Programm sicht eine Reise durch ganz Pa• lästiiia vor und es ist deshalb den Teilnehmern Oc- Icgcnlicit gegeben, fast alle jüdischen Kolonien und Städte von jüdisch-historischer Bedeutung aus eigener Anschauung keimen zu lernen. Die Landung erfolgt in' Beirut, von hier gehen Wagcnfoiiren über die alte Stadt Zidon nach der herrlich gelegenen Kolonie Metullah, wo über Samstag Ruhe gehalten wird. Von Mdullah geht cs weiter über Mischnt.1־r-1 lajnrden und Jcssod-I lamaalah nach Roschpina lind Tiberias, von wo aus über die TiheriasKeegegetul der Weg nach Haifa fortgesetzt wird. Von Haifa geht die Route über Sichrem•Jakob durch schöne Ornugriigürtcn nach Peth.u'h Tikwa. Nachdem die judäiscliun Kolonien Risclum 1c Zion und Recliowoth besucht werden, führt der Weg über das hochinteressante jtidäische Hochland zur alten Davidsstadt Jerusalem, Hier ist ein Aufenthalt von vier Tagen vorgesehen, während deren alle historischen Denkmäler und schciis würdige jüdische Institute besichtigt werden. Von Jerusalem geht der Weg über den Herzlwald nach Jaffa, wo der nach Triest ahgeheude Dampfer bestiegen wird. Reisekosten pro Person. Wien-Triest und retour Schnellzug L Kl. 130 Frcs., II. Kl. 90 Frcs., III. Kl. 30 Frcs.; Personenzug I. Kl. 100 Frcs., II. Kl. 70 Frcs., III. Kl. 22 Frcs. Triest-Palästina und retour (bei mindestens 20 Teil* nehmen!) I. Kl. 600 Frcs., U. Kl. 420 Frcs., UI. Kl. 322 Frcs. Kosten des 19 tägigen Aufenthaltes in Palästina für Teilnehmer 1. und II. KI. 400 Frcs., III. Kl. 320 Frcs. Für rituelle Verpflegung an Bord wird Sorge getragen. Das Rciseprogramtn für Palästina wird vom Reiseburcau Entar.uel Sachs in Jaffa unternommen und durchgeführt. Teilnehmer müssen sich spätestens bis zum 20. August d. J. beim Palnstina-Informaiionsbureau in Wien. II, Karniclitcrplatz. 1, anmclden, wo ausführ־ liehe Prospekte zu erhalten sind. Verwaltungsreformen in Palästina In der ״Jerusalemer Warte“ berichtet ein angesehenes Mitglied der Jaffaer׳ deutschen Kolonie, Herr Fabrikant G, Wagner, über die Ergebnisse der jüngsten Inspektionsreise des Gouverneurs von Jcrusalem, Madschid Hey, durch seinen Verwaltungsbezirk. Herr Wagner hatte den Gouverneur auf seinen Fahrten in der Umgebung von Jaffa begleitet und schreibt darüber u. a.: ״Ucbcrall, wo Madschid Bey hinkam, besuchte er zuerst die Schulen, auf deren ordentlichen Betrieb er anscheinend, als ehemaliger Lehrer, großen Wert legt. Ein weiteres Sorgenkind sind ihm die Land- Straßen, die sich meist im argen Zustande bcfinden, ln Jaffa galt einer seiner ersten Besuche ilcm internationalen Sportverein, für dessen Bestie• hungen er sich lebhaft interessiert. Die Fragen, die ihn in Jaffa hauptsächlich beschäftigten, sind folgende: 1. Zehnten der Orange 11 gärten in der Umgebung Jaffas. Die Betriebsunkosten sind bei diesen Gärten ohnedies sehr große und sie können mit den zehntfreien Garten des Stadtbezirks Jaffa kaum noch konkurrieren, Eine Versammlung unter dem Vorsitz des Gouverneurs beschloß, die Zenrtal• regierung zu bitten; entweder wie in Saida den Zehn• ten auf die Hälfte zu ermäßigen, oder noch besser, einen festen Satz von 53 Goldpiastern pro Dunam an Stelle des Zehnten zu erheben. 2. Auf Antrag des jaffaer Zolldirektors trat der Gouverneur bei der Zen'.ralregierung für die Errichtung eines neuen Zollamtsgebäudes ein, da das vorhandene in keiner Weise den Bedürfnissen genügt. 3. Auch für den Hafen i n J a f f a interessiert sich Madschid Bey und betrachtet ihn als Lebensfrage für die Provinz. 4. Der lange schon im Bezirk gehegte Wunsch, daß das Mutassariilik Jerusalem zum Wilajet und Jaffa zum Mutassariflik erhoben werden möchte, wird vom Gouverneur ebenfalls unterstützt. 5. Der Bezirk Jaffa mit seinen ca. 120 000 Einwolmern hat bloß einen Gerichtshof für Straf-, Handels- und Zivilprozesse. Die Folge ist, daß er die große Arbeit nicht bewältigen kann und Bagatellsachen siel! Jahre hinzichen. Audi hier wurde versprochen auf Abhilfe hinzuarbeiten. ' Der Gouverneur besuchte auch einige jüdische Ackcrbaukolonicn sowie die deutsche Kolonie Wilheim a. Auf die Klagen der Kolonisten über den schlechten Zustand der Fahrstraßen erklärte der Gouverneur, daß eine Abhilfe darin von jetzt in viel leichter sein werde als bisher, da alle Straßen, mit Ausnahme der grollen Reiclisstraßen, in Billiget der Provinz aufgenoinmtn werden können das dann nur noch als Ganzes der Sanktion durch groflherrliclics Irade bedürfe. Er betrachte den Straßenbau als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Im laufenden Jahre allerdings, dem ersten des Bestehen! de* Cieneralratcs der Provinz, und der erweiterten Befugnisse der Provin/beliordcn können nur nieh: vorbereitende Schritte getan werden. Im nächst««! Jahre aber «oll mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden.“ Herr Wagner schildert dann den Besuch dt! Oouvcrncurs in der jüdischen Kolonie Petliach-1!kwah und fahrt dann fort: ״Die Besucher verabschiedeten sich von den liebenswürdigen und gastlichen Kolonisten und entfernten sich in nordöstlicher Richtung, um «ine vor kurzem am Audsehaflusse von jüdische! Seite eingerichtete Bewässerungsanlage zu besicl». tigen, Ihr Zweck ist, die in erreichbarer Nähe gelegcnen Orangcngarten im Sommer mit Flußwywcz zu versorgen und die Aufstellung von Motor und Pumpe in jedem einzelnen Garten zu ersparen. Bi( hübsche und praktische Anlage macht den Ingenieuren die die Aufstellung leiteten, alle Ehre. Hübsch ist da* Mascliincngcbäudc, das aus Eisenbeton mit ganz dünnen, aber doch äußerst haltbaren Wänden hergestellt ist und mit seinen großen Fenstern und dem zierlichen Zimicmlacli fast den Eindruck einer kleinen Villa macht. Der Leiter des Unternehmens, Herr Bezalel J a f f e , machte in liebenswürdigster Weise den Wirt und gab alle gewünschten Aufklarungett,“ Eine Rundfahrt durch das jüdische Stadtviertel T e I - A w i w beschloß die interessante und alle Teilnehmer befriedigende Fahrt. PALAe5TINA-RUr1DSCHAV Eine Jerusalemer Zeitung bringt die Nachricht, daß die französische Regierung die Absicht habe, in Jerusalem eine Akademie für Medizin zu gründen. Dieser Tage fand in Jerusalem zum erstenmal eine Versammlung sämtlicher dortigen Aerztc statt Der Direktor des Instituts zur Bekämpfung der Malaria, Prof. Miihlens berichtete über die mit dem J e r u s a I c m c r ü c s u n d h c i t s a m t (heg! ündet von dem amerikanisch-jüdischen Philanthropen Nathan Straus) sowie mit der Gcscllscha'.t jiidisclier Aerztc und Naturwissenschaftler getroffene Vereinbarung bezüglich einer Arbeitsteilung in Jerusalem. Hierauf sprach Dr. Arje Be ha in, der Leiter der serologischen und Wutschutzabteitung. in hebräischer Sprache über die Aufgaben dieser Abteilung. Für die nichtjüdisclien Aerztc, die des Hebräischen unkundig sind, übersetzte Dr. Sega II Beliams Referat ins Französische. TURneri 5-Sport ln Marktbreit bei Wür/Jiurg wurden sämtliche jüdische Angehörigen der dortigen Wandcr-Vogol- Ortsgruppe, weil diese eigene Töpfe und litn.lle Speisen bei ihren Exkursionen initfiihrten, aus der Mitglieilscliaft gestrichen. Diese Ausschließung ging 1*111 der Leitung aus. Das Vorkommnis steht nicht vereinzelt da. Erst kiir/lich wußte das ״Berliner Tagtblatt“ von einem Fall aus Zittau zu berichten, in dein einer Jüdin unter ausdrücklichem Hinweis auf ihm Zugehörigkeit zum Judentum die Aufnahme in d«11 Verein verweigert wurde. Da aber die jüdische Ft- Ziehung auf das vorzügliche Mittel der Jugend- Wanderungen nicht verzichte» kann, wird cs notwendg sein, dem fortschreitenden Bestreben, die bestehenden Vereine von jüdischen Mitgliedern zu säubern, vorbeugend durch Gründung jüdischer Wandervogelgruppen zu begegnen. Den bereits bestehenden Voreinen dieser Art, die seit längerer Zeit gute Arbeit leisten, ist weiteres Wachstum und allseitige Unter- Stützung um so mehr zu wünschen. Am 3. August veranstaltete der Kölner Jüdische Turnverein ein großes öffentliches Sch a ut urnen vor zahlreichem Publikum. Die Frei- und Geräteübungen, an denen die Damen-, Herren- und Jugendabteilungen teilnahmcn, zeichneten sich durch mustergültige Exaktheit aus; vor allem die Leistungen der Musterriege am Barren lösten beim Publikum lebhafte Beifallskundgebungen aus. Den zweiten Teil des Programms bildeten sportliche Wett* kämpfe. Die besten Leistungen erzielten (außer Konkurrenz) im Freihochsprung ohne Brett: Lief und H. Meyer (1,50 m), iin Schlußwcitsprung aus dem Stand: H. Meyer (2,70 in) und A. Schmuck• 1 c r (2t(K> m), im 80Ö m-Lauf: 11 e f (2 Min. 18,2 Sek.). Den ticticnkranz errangen im Freihochsprung ohne Brett: 11 a 11 c n s t e i n (Hcrrcn-Abteilung 1,45 m) und Ritter (Jugend-Abteilung 1,30 m), im Schlußweit• Sprung aus dem Stand: Hallenstein (H.-Abtlg. 2,56 nt) und Düring (J.-Abtlg, 2,47 m), im 800 m- Lauf:.». Gidion (H.-Abtlg. 2 Min. 27 Sek.) und Düring (J.-Abtlg. 2 Min. 22 Sek). Außerdem wur-