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Jüdische Rundschau · 1913-07-25 · Heft 30 (25.7.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 308 ׳ JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30 wir unsere Athleten licraiisgcfordert. Hier!!ilt es, zum erstenmal die jüdische Meistersehalt in den ein. zelnen Konkurrenzen zu erringen. Im Diskus- und Speerwurf, im Kugelstoßen, Hoch־, Weit- und Stab- Hochsprung, im Lauf über, verschiedene Strecken wird Mann gegen Mann kämpfen. Neben den Eiiizclkonkurrenzcu wird ein Vcremsfünfkämpf ausgetragen, 11m «len vom Zionistischen Engeren Acticms-Comitc gestifteten Ehrenpreis. Jeder Verein stellt mindestens vier Mann, die sieh in bestimmten Kampfarten messen. Der Name des siegreichen Vereins wird auf der Trophäe vermerkt, .1sie ist als Wanderpreis gedacht, der dreimal nacheinander oder fünfmal überhaupt von demselben Verein gewonnen werden mnlS, um in dessen endgültigen Besitz überzugelten. Ais dritte Gruppe ist ein Dreikauipf nach turnerischen Grund- Sätzen (Kugelstolfen, Stabhochsprung, 100-m-l-auf) ausgeschrieben worden. Mit großer Spannung aber erwartet die jüdische Sportwelt den Ausfall der Stafette 11 lä 11 fc. Es ist eine Vcrcinsstafcttc über viermal KM) in und eine Kreis- Stafette über zehnmal KM) m festgesetzt worden, Die letztere wird voraussichtlich nur den Deutschen Kreis und den Kreis Westbsterveicli am Start sehen. Ein Fußball-Match der Hakoalt-Wien gegen eine noch zu bestimmende Mannschaft gleicher Klasse wird das Sportmcetiiig und die Feste schließen. Die Jüdische Turnerschalt stellt sich hiennit wiederum an die S e i t c d e s Kongress e s. Ein hoher Geist, ein fröhlicher Eifer, sichern unserem Werk ein gut Gelingen. Möge die erste jüdische Olympiade unserem Volkstum eine neue glückliche Epoche eröffnen! Die hebräische Universität in Jerusalem In der ״Welt“ beginnt Dr. Franz Oppenheim mit dem Bericht über seine zweite Palästinareise, von der er unlängst zurückgckchrt ist. Desonders anerkennende Worte findet er für den Bau des Technikums, der seiner Vollendung entgegengeht, und schließt an diese Betrachtungen hemerkenswerte Ausführungen über das Projekt der jüdischen Hochschule: ״Mein erster Besuch galt selbstverständlich dem Technikum und der künftigen jüdischen Siedlung .וווו Karmel. Unser IXrktor Scliemarja Lcviii höchstselbst gab meinen Führer ab. Wir stolperten im Sonnenbrande über den Bauplatz, aut dem die Bausteine umher liegen, wir krochen in alle Keller und kletterten in alle schon zugänglichen Gemächer hinein. Das jüdische Sprichwort sagt: ״Man darf keinem Narren ein halbgebautes Haus zeigen“: aber ich will es doch wagen, schon jetzt meiner Befriedigung über das, was hier geleistet worden ist, uneingeschränkten Ausdruck zu geben. In der Tat ein stolzes Werk, ein schönes Zeichen dafür, was die jüdische Bevvegung, die heute noch so schwach und klein ist, wird leisten können, weint sie einmal groll und erstärkt sein wird. Was mich besonders erlreut lut, ist, daß hier ein aufs Grolle gerichteter Bürgersinn alle kleinliche Sparsamkeit vermieden hat Dieser Palast der Wissenschaft und Technik, in edlem ,Viaterial aufgebant, in de» edlen Linien des arabischen Stils aufstrebend, wird ein Wahrzeichen des vorderen Orients werden; und lief (entlieh werden viele Generationell strebender, junger Männer hier die Ausbilduug gewinnen, die ilmeu ein ehrenhaftes Leben ermöglicht. Auch hier wächst ein Großes aus einer grollen Not, dicsesmal der Er/iclumgsnot der jütlisehen Jugend, Wenn sich die höheren Bildmigs.installen der Heimat ihnen verschließen, wenn, wie das leider der Fall ist, auch die Hochschulen Europas ihnen die Tore immer mehr versperren, dann bleibt nichts anderes übrig als die Selbsthilfe. Das ist die ,heilige Not“, die zur größten Kraftentfaltung anspornt find die stärksten Leistungen erzeugt. Ich habe früher dem Gedanken einer jüdischen Universität in Palästina mit großer Skepsis gegenüber gestanden. Ich habe nicht geglaubt, daß es möglich sein würde, die ungeheuren Mittel mifzubringen, die Errichtung und Erhaltung eines solchen gewaltigen Instituts er- (ordern, das ja ein Musterinstitut sein müßte, um überhaupt zu bestehen. Nach dem, was ich jetzt in Haifa gesehen habe, ist meine Skepsis viel geringer geworden. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, «las predigen die Quadern des herrlichen, weißen Palastes des Polytechnikums; und, möchte ich hinzulügen: wo eine Not ist, da ist auch ein Wille. Und hier ist eine große Not, vielleicht die größte, die das jüdische Volk treffen kann. Denn diesem Volke der Denker und Gelehrten den Zugang zu den Quellen der Wissenschaft zu verweigern, das bedeutet, cs im Marke seiner Exsistcnz. zu treffen, nnd dagegen wird es sich zu wehren verstehen. Außerdem: welche Perspektive! Eine Univcrsi- 111, die alle Träume der heutigen Hochschulreform er nicht nur verwirklichen könnte, sondern geradezu ver* wirklichen müßteI Alle unsere heutigen Universitäten sind Staatsallstalten: sie provitieren davon, weil ihnen diese Verbindung die reichsten Mittel zu führt, aber sie leiden auch darunter, denn Staatsaufsicht und Staatszweck legen sich mit schwerer Hand auf die Wissenschaft, die nur dann ihre höchsten Ziele er- Teichen kann, wenn sic völlig frei ist. Was aber *oute eine jüdische Universität im Heiligen Lande anders sein als völlig frei? Wo wäre tdie Kraft, ihr Dahnen zu weisen, ihr ״Riclituiigslinien“ aufziizwingen? Sie iniilite eine freie Hochschule im reinsten Sinne des Wortes; sein und ihre Lchrvcrfnssung dementsprechend auf hauen, ähnlich den freien Univcrsitaten des Mittelalters und der beginnend«! Neuzeit, die auch nichts anderes waren als unabhängige Rcpubliken freier Gelehrter, deren jeder nur seinen! Gewissen und niebts anderem verantwortlich war,״ über die Angola-Expedition Vor einigen Tagen erschien in London in Bncliform der Liericlit der Expedition, weiche im Auffrage der Ito-Orguuisntion und unter dein Schlitze «!er portugiesischen Regierung in Angola Studien unternommen hatte, um festzustellen, ob vom wissenschädlichen Standpunkte aus Angola als Kolonisationsgebiet für Juden zu empfehlen sei. In dem Bcrichte sprechen die einzelnen Mitglieder der Exj>cdition ihre Ansichten aus. Während nun der Führer der Expedition, Cicologieprofessor an der Glasgow■«• Universität, Dr. J, W. Gregory, der auch seinerzeit die llo-Expedition in der Cyreiiaika leitete, sich dahin ausspricht, dal) Angola ein gesundes und fruclilbares Land sei, wie es gesegneter nicht gewünscht werden könne, sind Sir Harry Jolmstone und II. \V. Newinson, ganz entgegengesetzter Meinung. Johnstone behauptet, dafl in dem ganzen nördlichen Teil von Angola, eine friedliche Kolonisation ohne Kämpfe mit den Eingeborenen ganz undenkbar sei, überdies sei das Land nicht gesund, und die Juden würden dort stark unter «lein Malariafiebcr zu leiden haben. Audi Mr, Newinson ist nicht der Meinung, daß Juden dort Kolonien zu gründen imstande sein würden. Vielleicht würde ein Volk, «las große ngriknlturelle Erfahrungen besitzt, mit großem Aufwand an Mühe und Opfern etwas erreichen, aber für Juden, die in dieser llinsiclit nur geringe Erfahrungen besitzen, haben mit Rücksicht auf die schlechten Vorbcdingungen in Angola nicht die geringste Aussicht auf Erfolg. Der Zentralrat tler Ito spricht seine Ansicht in einem Vorwort «laliin aus, «laß trotzdem tler Bcrieht zu weiteren Erforschungen des Landes anregt, diese Schritte nicht eher unternommen werden, als bis die portugiesische Regierung die Garantien dafür bietet, daß die von Professor Gregory In seinem Berichte als unerläßlich hezcidiueteu Vorkehrungen tatsächlich gv troffen werden. Jedenfalls gehe aber aus diesem Berichte hervor, wie richtig die Situ.־!• tion in der vom ito-Kongreß in Wien im Juni 1912 gefaßten Resolution beurteilt wurde, als sie sich gegen eine Einzel-Emigralion und Kolonisation in Angola ausspradi und die Anschauung vertrat, daß nur eine geschlossene Emigration und Kolonisation, gedeckt durch eine große gut fundierte, reiche Organisation, empfohlen werden könne. 29. September: Mit Wagen nach Lfenscliamcn, abend! nach Chulilali. 30. September: Mit der Eisenbahn nach Jerusalem 1., 2. 11. 3. Oktober: Aufenthalt in Jerusalem, wo Besichiigung aller sehenswerten Institutionen und historischen Statten. 4. Oktober: Abends: Abfahrt nach Jaffa. 5. Oktober: Nachmittags G Uhr: Abfahrt nach Alexandrien. 9. Oktober: Abfahrt von Alexandrien, 12. Oktober: Ankunft in Triest. Preise. Wien - Triest 11. retour (Schnellzug): I. Kl. 130 Fr! II. Kl. 90 Frs. Wien Triest 11. retour (Pcrsoncnziig): 1. Kl. 100 Frs II. Kl. 7(» Frs. י’ Triest PalästiiiA u. retour bei 20 Teilnehmern: I. Kl 000 Frs., II. Kl, •120 Frs. Kosten des IQtägige״ Aufenthaltes in Palästina: I. Kl. 425 Frs., II. Kl. 423 Frs. Angaben für die weiteren Klassen folgen.) Freigepäck auf dem Schiff: 1. Kl. WO Kilo, II. Kl. 00 Kilo, III. 11. IV. Kl. 30 Kilo. Die Passagiere, die auf rituelle Verpflegung reifekticren, müssen diesen Wunsch bei der Anmeldung zur Teilnahme an der Fahrt äußern. Die Rückfahrt kann auch aufgelöst erfolgen. Für das Arrangement des Aufenthaltes in Palüsfiiia hat je<lcr Teilnehmer an das Reiscbureau Sach! in Jaffa einen einmaligen Pauschalbetrag von )0 Frs. zu bezahlen. Die Anmeldungen zur Gesellschaftsreise werden vom Paiästjiia-Inforniatioiisbureau Wien II., Karmeliterplatz 1, bis /um 31. Juli 1913 entgegengenommen, und bis zu diesem Zeitpunkte ist mindestens die Hälfte des Betrages für die Fahrt Triest- Palästina und retour zu erlegen. Sämtliche Angaben über Verhältnisse des Landes Sehenswürdigkeiten, Touren, Reiseausrüstungen sind dem im Verlage des Bureau erschienenem ״Kl, Reiseführer durch Palästina“ (Preis 1 M.) zu entnehmen. anläßlich des XI. Zionistenkongresscs^1) Um den Teilnehmern des XL Zionistenkongresses in Wien Gelegenheit zu gehen, eine Reise nach Pa• lästina zu unternehmen, wird im Anschluß an denselben mit dem Eildampfer des Ocsterr. Lloyd eine große (icsellsebaftsreisc veranstaltet. Da man auf eine große Teilnehmerz.ahl rechnen kann, werden die Fahrpreise außerordentlich ermäßigt sein.' Das Programm. 11. September: Abfahrt von Wien nach Triest, 12. September: Ahf-ihrt von Triest mit dem Eildampfer des Ocsterr. Lloyd. 15. September: Ankunft in Alexandrien und Umschiffimg auf den Syriendampfer. (Hier wird die Gesellschaft hei mindestens 20 Teilnehmern vom Reisebüro,111 Sachs erwartet, welche die Weiterreise arrangiert.) 17. September: Ankunft in Beirut und Umschiffurig. 18. September: Wagenuusflug nach Sidon. 19. September: Wageuausflug über Mctullah nach Rosch-Pin.ih, 20. Sepiember: Au fentli.'ilt in Rosch-Pinah (cv. Fußausflug nach Saficd). 21. September: Ausflug mit Reittieren nach Tapchan, von hier mit Dampfboot über den Kinereth-Sec ' nach Tibcrias. 22. September: Mit Wagen nach den beißen Quellen, zum Grabe des Rabbi Meir bal bancss und zur Farm Kineret!!. Nachmittags nach Daganial», abends zurück nach Tibcrias. 23. September: Mit Wagen nach Poriah, mittags mit der Eisenbahn nach Haifa, 24. September; Ausflug auf den Karmel, nach der Eliasgrottc. Nachmittags zum Technikum usw 25. September: Mit der Eisenbahn nach Mcrchawja Abends zurück nach Haifa. 26. September: Mit Wagen nach Sichron-Jakob. abds nach PctUacli-Tikxvah, 27. September: Aufenthalt in Pctnch-Tikwah 2S. September: Mit Wagen nach Rischon Ic Zion. Xess-Zionah und Rcchowoth. *) Siehe auch den Aufsatz von Dr. Abele* in der Beilage dieser Nummer. Die hebräische Palästinakarte Die hebräische Palästinakartc, die der Jüdische Verlag in Berlin soeben hcraiisgibt, ist das mühselige Ergebnis langjähriger Arbeit. Die Anregung dazu gab die hebräische Verlags- und Bikiungsgescllscliaft Koheleth in Jaffa, deren Vorsitzender Elijahu Sapir war. Die technische und finanzielle Fürsorge lag in den Händen der ehemaligen Paläsiinakomniission und später des Palästinarcssorts des zionistischen Aktions• komitecs. Nach Auflösung dieses Amtes wurde die Fertigstellung der Karte dem ״Jüdischen Verlag“ übertragen. Auf Grund der bekannten Kicpcitschcn Karte, die im Verlag von Dietrich Reimer, Berlin, erschienen ist, hat Sapir den hebräischen Text verfaßt. Sapir war ein vorzüglicher Kenner des Landes. Er besaß auch die notwendige philologische Schufung; er kannte das ganze jüdische Schritttuni und war mit der arabischen Sprache durchaus vertraut. Leider hat der Tod «len trefflichen Mann vorzeitig hinweggerafft, so daß sein Material in unfertigem Zustande zurück blieb. Da sieli kein Nachfolger fand, der das Geographische wie das Philologische in gleichem Maße beherrschte, mußten sich die noch not wendigen Korrekturen auf das Philologische bcschränken. Herr Dr. Valiuda, Dozent an der Lehranstatt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, hat das Material durchgeschen uml die Methoden fiir die Transskription der arabischen Namen und für die Orthographie derjenigen hebräischen, die nicht im alten jüdischen Schrifttum Vorkommen, festgesetzt. Die von ihm befolgten Grundsätze finden sich in den Erläuterungen auf der Karte. Das Geographische ist keiner Korrektur mehr unterzogen «vorden uml beruht völlig auf dem Sapirscheii Manuskript. Die wissenschaftliche Begründung für seine An-ch.n1• utigen hat Sapir in seinem bekannten Buch ״Haare־/“ gegeben, das als Register zur Wandkarte gelten kann. Die hebräisch« Wandkarte Palästinas ist ein erster Versuch. Möge er das Wohlwollen finden, das der aufgewandten Mühe entspricht, und die Nachsicht, die die großen Schwierigkeiten des Unternehmens erheischen. Die hebräische Palästinakartc hat ebenso v. ic die Neue Kiepertsclie Wandkarte, auf der sie beruht, «las Format 137 X 192 cm und den Maßstab von 1:2(X> DDO. Sic reicht von 20« 45׳ bis 31 0 10׳ nörcllieber Breite mul von 34° 20׳ bis 37« 55' östlich von Greenwich. Außer dem Hauptteile sind noch (01• fjendc Nebenkarten vorhanden: Gebiete «ler zwölf Stämme und Jerusalem zur Zeit des zweiten Tempels. Die Namen sind in grollen deutlichen Typen gedruckt. Die Siedlungen sind je nach ihrer Bedeutung mit besonderen Zeichen versehen. Die Karte kostet (ohne Versandspesen); Nicht aufgezogen in vier Teilen 10 M., auf Leinwand, in Mappe, 1(1 fach gefalzt. 16 M., auf Leinwand, mit Stäben zum Befestigen an Kartenständern mit Wachstuch und Transportriemen 18 M. Schulen und Cltedarim erhalten Rabatt uml bei entsprechenden Aufträgen auch Porto• Freiheit. Eine sehr nützliche Ergänzung zur hebräischen Palästinakartc bildet das oben als das zugehörige Register bezeichnete Werk Haarcz von Elijahu Sapir (hebräisch), ein Verzeichnis sämtlicher Orte des. Heiligen Landes mit ihren alten und neuen (liebräisehen und arabischen) Namen nebst Angaben über Lage und Bedeutung der Orte, sowie der verschiedenen Lesarten im alten Schrifttum; 1972 Ortsbezeichnungen. — Preis 4 M.

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