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Jüdische Rundschau · 1913-07-18 · Heft 29 (18.7.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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I Seite 298 JUEDtSCHE RUNDSCHAU Nr. 29 Literaturvereinen, Zentralvercinen usw. linden. Von den übrigen 6000 sind Zionisten; auf 4000 schätze ich die kompakte Masse der süddeutschen Orthodoxie, die wohl nur auf einen verschärften Bannstrahl des ״Israelit“ wartet — «inen einfachen hat sie schon bekommen —, um in die Agudath Jisroel ■ Jugendgruppen abzuschwenken. Die paar Männerchen, die übrig bleiben, sind die neutrale Jugendbewegung im Sinne des Herrn Dr. Apfel. Um so komischer wirkt cs, wenn Herr Dr. Apfel in seiner, großen Rede — in extenso abgcdruckt in der Juninummer ״Im deutschen Reich“ — wörtlich sagt: ״Der Zionismus müßte dem Vorstande des Jugendvereinsbundes auf Knien dafür danken, daß er die neutrale Jugend, die nicht zionistisch ist, verhindert hat, auf den Zionismus loszustürzen.“ Da hat der Zionismus in Deutschland doch schon gegen etwas stärkere Gegner seinen Mann gestanden. Herr Dr. Apfel nahm auch den Mund sehr voll von den Verdiensten des Jugendvereinsverbandes, daß er anfange, die größte hebräische Sprachorganisation zu bilden, daß er eine der größten Turnorganisationej» Deutschlands habe, daß er für die Belebung des religiösen Oefühls Bedeutsames geleistet habe. Ich muß sagen, daß mir das bisher alles unbekannt war, und eigentlich hätte ich es wissen müssen, auch in der offiziellen Verbandszcitschrift, den ״Mitteilungcn“, steht wohl, daß der Vorstand des Vcrbandes den lind den Beschluß faßt, daß er aber von den Vcrbandsvcrcincn auch ausgeführt wird, habe ich nicht gefunden, abgesehen davon, daß irgendwo auf Betreiben eines Zionisten ein hebräischer Sprachkursus eingerichtet wird, der nur von Zionisten besucht wird. Turnabteilungen finden ich zwei, Aachen und Kattowitz, von denen Kattowitz jetzt ausgescliicden ist. Der beste Gradmesser für die Stärke einer Bewegung ist die Opfcrwilligkcit ihrer Anhänger. Auf der letzten Hauptversammlung des Jugcndvereinverbandes brachte der Vorstand den Antrag ein, daß ein jeder Vcrbandsvcrcin seinen aktiven Mitgliedern den Bezug der ״Mitteilungen des Verbandes“ obligatorisch machen solle: Kostenpunkt pro Kopf und Jahr eine Mark! Da stand der Delegierte des Jugend- Vereins Montcfiore-Frankfurt auf und erklärte wie folgt: ״Meine Herren, ich vertrete einen Verein von 1500 Mitgliedern, das ist ein Zehntel des ganzen Verbandes! Geht der Antrag des Vorstandes durch, so muß entweder der Jugcndvcrcin Montcfiorc zu Frankfurt a, M. aus dem Verbände austreten oder er wird bankrott!“ Der Antrag des Vorstandes ging daraufhin nicht durch, D. Landau. Was uns not*tut! Uns wird geschrieben: Das ״Frankf. Isr. Familienblatt“ brachte dieser Tage zwei Notizen aus Palästina, welche die ernsteste Beachtung aller Juden, welcher Richtung sic auch angehören mögen, verdienen. In der einen Korrespondenz aus Pctliach-Tikvah wird Beschwerde darüber geführt, daß an dem von der ״Fr. Vereinigung für das orthodoxe Judentum“ gegenwärtig erbauten neuen Schulgebäude größtenteils Araber beschäftigt werden, während im Lande viele jüdiche Bauarbeiter beschäftigungslos sind. ln einer zweiten Notiz wird berichtet, daß die Jerusalemer Rabbiner einen Bann in der Form eines Protestes gegen die Makkabäervereine Palästinas geschleudert haben. Die betr. Korrespondenz bemerkt hierzu: ״daß die Art des Verkehrs der Rabbiner mit der hcranwaclisciiden Jugend nicht dazu angetan ist, auf unsere Jugend zu wirken. Der scharfe Protest hat natürlich von Serie der Vereine einen noch schärfe• ren, der eine völlige Auflehnung der Jugend gegen die Rabbiner darstellt, herausgefordert. Da versteht es schon der Jaffacr (ortliod.) Rabbiner Kuck besser, mit der Jugend umzugehen. Auf seinen ausdrückliehen Befehl müssen die Bachurim seiner Jeschiwa die Turnübungen des dortigen Makkabäervereins mitmachen.“ Wenn auch die beiden in den Korrespondenzen berührten Fälle nichts miteinander gemeinsam haben, so werfen sie doch immerhin auf die Verhältnisse innerhalb de־׳ orthodoxen Leitung in Palästina ein äußerst bcdaw.liches Schlaglicht. Während die ver- *chiedcncn jüdischen Organisationen in Palästina allmählich in Harmonie und Eintracht zum Besten der Judcnhcit in diesem Lande arbeiten, sind es gerade die Elemente in der Judcnhcit, welche ja dem ״Heimatlande“ die größte Sorgfalt zuwenden sollten, nämlich die Orthodoxen, welche der Entwicklung die größten Schwierigkeiten cntgcgenstcllen. Die Leiter der deutschen Orthodoxie, welche zurlelt ja eine große Tätigkeit zur Sammlung ihrer Oe- »Innungsgenossen entwickeln, sollten die ״Agudah“ resp. die Idee dieser Agudah in erster Reihe im heiligen Lande propagieren. Für heute wollen wir uns weiterer Bemerkungen enthalten; im Interesse der Orthodoxie müßten die Tonangebenden Wandel schaffen und daß dies geschieht, hoffen wir. Nachschrift der Redaktion: Zur Frage der arabischen Arbeiter schreibt der ״Israelit“ in seiner Ausgabe vom 3. Juli: ״Diese Behauptung steht iin schärfsten Widerspruch zu einer Meldung der zionistischen ״Welt in Nr. 11 dieses Jalirgaugcg, worin rühmcml hervorgehoben wird, daß bei diesem Bau, dessen Kosten sich’ auf 40—50 000 Frcs. belaufen, viele jüdische Arbeiter Beschäftigung finden. . Auch ist uns bekannt, daß die Leitung der Mädchenschule im Einklang mit dem Direktor Herrn Dr, Auerbach den Bauunternehmern von vornherein verpflichtet hat, ausschließlich jüdische Arbeiter zu beschäftigen, soweit solche zu normalem Lohn erlangbar sind. , ... Freilich kann von dein Unternehmer nicht verlangt werden, daß er etwaigen exorbitanten Lohnforderungen der jüdischen Arbeiter-Organisation, aus Furcht vor den beliebten öffentlichen Anklagen Rechnung trägt und dadurch das Werk selbst ge- Wir selbst verkennen die Schwierigkeit der hier angeschnittenen Frage gewiß nicht, jedoch ist das Problem an sich so dringend, daß in jedem Fall eine genaue Nachprüfung bzw. Rechtfertigung am Platze ist. Die Angaben der ״Weit“ datieren bis zum März dieses Jahres zurück und cs wäre doch immerhin denkbar, daß seitdem eine radikale Acndcrung in der Praxis der Bauleitung cingetrcteii wäre. Von der Chalukah Der Jahresbericht der ״Pckidim und Amarkalim“ der israelitischen Gemeinden des Heiligen Landes zu Amsterdam mit der Abschlußrechnung für die deutschholländische Chalukah (Kolel Hod) für das Jahr 5672 ist erschienen. Die steigende Entwicklung der Einnahmen, die im Vorjahre zu konstatieren war, hat nicht angchaltcn. Sic betragen diesmal M. 145 856 gegen M. 160 600 im Jahre 5671. Die Bctricbsunkostcn weisen gegen das Vorjahr eine Ersparnis auf. Sic betragen M. 22311 gegen M. 24106 im Vorjahre. Das Verhältnis von 15 ״/« zu den Einnahmen ist damit etwa bcibehaltcn. Die Unterstützungsgelder zeigen einen Rückgang von M. 20 867 auf M. 19 503. Das Verhältnis dieser Ausgaben zu denen für organisierte Hilfe und produktive Arbeit ist demnach gleichfalls etwa das gleiche geblieben. Für die weitere Arbeit werden die folgenden Grundsätze aufgestellt, denen man gerne zustimmen wird: ״Sollen wir in! Sinne der Spender in größerem Maßstabe produktiv wirken können, so dürfen wir nicht, von der Hand in den Mund lebend, unsere gesamten Eingänge verausgaben, sondern es ist dringend nötig, ein kleines Anlagekapital anzusammeln, das uns ia den Stand setzt, die Einrichtungskosten für neue Institutionen, industrielle Betriebe, Schulen, Apotheken, die Gewährung geschäftlicher und Bau-Kredite zu bestreiten, sowie sofortiges kriif• tiges Eingreifen im Falle der Not gestattet.“ Die Ideologie des Polenboykotts Aus Warschau wird uns vom 10. Juli geschrieben: Die offiziellen Polenvertretcr suchen jetzt den Jiuleuboykoti unter der unschuldigsten Firma zu Icgalisieren, indem sie eine Gesellschaft zum Schutz des polnischen Handels und Gewerbes gründen. In dieser Gesellschaft sollen alle Boykottuntcrnehmungcn ihr Zentralorgan finden. Die Polen haben sich nach und nach für ihren brutalen Kampf gegen die Juden eine spezielle Ideologie kuusU'uiert, eine Ideologie, die einzig und allein auf dem Priu/.ip der Macht beruht. Das Polentum muß das Judentum bekämpfen, weil dieses schwach ist und leicht besiegt werden kann, Wenn ~ sagte einer der nationaldemokratischen Polenführer zu einem Journalisten — eine kaltblütige und genaue Rechnung mich von der Unverwirklichbarkeit unserer Pläne überzeugen könnte, wenn ein mathematischer Kalkül unseren Kampf gegen die Juden nicht rechtfertigen sollte, dann würden wir vielleicht nicht gegen sie sein, sondern mit ihnen ziisainmen/ugehen uns bemühen. Die Niederlage der Juden sei aber absolut sicher. Man könne schon für die nächste Zukunft den Juden in Polen ein jüdisches Sedan Voraussagen. Also lautet die Parole des Journalisten Penkowski, eine Parole, die großen Anklang findet. Deshalb verstünden die Polen die Aufregung der Juden nicht. Zwei Völker dürfen an der Weichsel nicht wohnen. So werde denn die , polnische Eiche“ die ״jüdische Birke" leicht umwerfen und vernichten. Die Juden in Polen seien ein dem Untergänge geweihtes Volk. So werde für zwei Millionen Mensehen Raum geschaffen. Jene Baucrumasscn, die über den Ozean wanderfen, müßten den Platz der Juden cinnehmen. Wozu suchten die Polen Amerika, wenn sic Amerika zu Hause hätten? Es ist klar, daß aus dieser Ideologie auch Gewalt* taten mit unabwendbarer Konsequenz resultieren. Die polnischen Agitatoren brauchen gar nicht Pogrome zu predigen, damit diese de facto ausbrecheri sollen. Genügt dazu nicht die Parole, daß Polen die Juden herausstoßen muß? Die Rede ist vom Boykott, von judenreinen Genossenschaften und dergleichen mehr, aber die Begründung lautet derart, daß der Bauer nicht viel Federlesens macht und zur Tat übergeht. So beginnt er zu morden und zu brandschatzen. Er muß ja morden, nachdem der heilige Krieg gegen die Juden von seinen Führern proklamiert ist. Dieser Ideologie gegenüber ist mit Menschlichkeits- und Sittlklikdtsideen nicht aufzukominen. Allein mit welchem Rechte bekämpfen die Polen die russische Regierung? Ist diese nicht noch viel mächtiger? Warum dort plötzlich allgemeine Redensarten vom Recht? Nach einer Seite verrechnen sich übrigens die Polen. Ihr Kampf gegen die Juden bedeutet zugleich den Ruin Russisch-Polens und ihr eventueller’Sieg würde sie selbst zugrunde richten. Programm der Mädchenfarm in Kinereth Die Farm in Kinereth verfolgt das Ziel, jüdischen Mädchen eine gute landwirtschaftliche Ausbildung zu geben. Zu diesem Zwecke werden die Mädchen in rlnushaltung, Gartenbau, Geflügelzucht und Milchwirt• sehaft unterrichtet. Der Unterricht ist zugleich praktischer und theoretischer Art. Der grüßte Wert wird auf die praktische Ausbildung gelegt. Die Mädchen werden täglich 7 bis 9 Stunden mit praktischer Arbeit beschäftigt. Für die praktische Ausbildung besitzt die Farm einen Schmuckgarten vor dem Hause, eine Baumschule und «in Feld von 70 Dunain, das mit verschiedenem Gemüse bebaut und teilweise mit Obstbäumen bepflanzt ist. Auch ein Wirtschaftshof für Vieh und Geflügel ist vorhaiulcn. Der theoretische Unterricht wird im Anschluß an die praktischen Arbeiten und zum besseren Verständnis derselben dreimal wöchentlich erteilt. Im ersten Jahre werden Botanik, elementare Chemie, die notwendigen Begriffe aus der Physik, Koch- und Konservierungsichre vorgetragen. Im zweiten Jahre: elementare Bodenkunde, Düngcrlchre, Pflanzenkranklteiten, ausführliche Lehre verschiedener Kulturen, Geflügclzucht, Viehzucht und Verarbeitung der Milchprodnktc. Alle Fächer werden in hebräischer Sprache vorgetragen. Außerdem wird dreimal wöchentlich hebräisdier Unterricht erteilt. Dem theoretischen Unterrieht wird auf diese Weise nur eine Stunde täglich gewidmet, hn Winter findet sie abends, im Sommer in der Mittagspause statt. Aufnahmebedingungen. a) Der Kursus ist zweijährig. b) Neue Schülerinnen werden nur am Anfang des landwirtschaftlichen Arbeitsjahres, d. i. Anfang September, aufgcitommen. c) Alter von 17 Jahren an. d) Die Mädchen bekommen freie Station und freien Unterricht. Außerdem im ersten Jahr 5 Frcs., im zweiten 10 Frcs. monatlich. e) Da das Budget nur klein ist und nur eine bestimmte Anzahl von Mädchen freie Aufnahme finden kann, ist beschlossen worden, einige Platze für solche Mädchen zu schaffen, die ihren Unterricht bezahlen wollen. Der Preis für die Pension beträgt in solchen Fällen 50 Frcs. monatlich. Gezahlt wird Vierteljahrlieh, pränumerando. f) Diejenigen Mädchen, die zum September dieses Jahres aufgenommen werden wollen, haben sich bis zum 30. Juli bei Fr. Dr. S. Thon, Jaffa, oder bei Fr. Dr. Ghana M a i s e 1, Kinereth bei Tiherias, zu melden. g) Das Schulreglement wird der! Interessenten auf Wunsch bekannt gegeben werden. PALAeSTINA-RUMDSCHAV Aus der Kolonie Chederah Die Ernte in Chederah war in diesem Jahre ungewöhnlich günstig, Gerste, Weizen, Kartoffeln, verschiedene QcmüscpUanzungcn — alles’ brachte einen Ertrag, wie wir ihn seit Jahren nicht kannten. Zum materiellen Aufschwung der Kolonie trug auch die rege Bautätigkeit bei, die in diesem Jahre hier herrschte. Von seiten des Jüdischen Na* tionalfonds wurden hier für die Jemeniten zwanzig Häuschen aus Zementsteinen, außerdem drei solide Holzbaracken, enthaltend 24 Zimmer, nebst einem Zubau von 7 Zimmern zum Ledigenheim für aschkenasischc Landarbeiter gebaut. Der Berliner Verein ״Esra“ baute hier zehn Wohnhäuser, ebenfalls aus Zementsteinen, und ein Krankenhaus aus gewöhnlichen Steinen, Es sind also für die hicsigen jemenitischen und aschkenasischcn Landarbeiter in diesem Jahre insgesamt über 60 Wohnhäuser er• baut worden. Da die gesamten Bauarbeiten, mit alleiniger Ausnahme des Krankenhauses, durch jüdische Arbeiter, die bekanntlich einen großen Teil ihres Verdienstes wieder in der Kblonie ausgeben,

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