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Jüdische Rundschau · 1913-07-18 · Heft 29 (18.7.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 29 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Seite 297 i<: des ״cn .1״' S. September, ferner täglich außer Samstag der Besuch der Ausstellung•, Zum akademischen Festakt erhalten Ak'udemiker unentgeltlich Karten durch Vermittlung ihrer Korporationen. /um Lichtbildervortrag für Vertrauensleute werden die garten vom Jüdischen Nationalfonds verteilt Ihr Kommers wird von der Jüdischen Tur'. nerschaft veranstaltet, Bestellungen auf Karten für sämtliche Vcranstaltnngcn, für die ein Eintrittsgeld zu entrichten, können bereits jetzt an das!! ur ca u XI. Zionist en-Kon grosses, Wien 11, Karmeliterplatz 1, gerichtet werden. Die Rcservierimg der Plätze erfolgt sofort nach Eintreffen des entsprechenden Geldbetrages, die Ausgabe der Karten nach Fertigstellung. Für die Meetüigs werden nur ummmerierte Karten ausgegeben. Infolge der starken Nachfrage nach Eintrittskarten zu den Verhandlungen erhalten von jetzt an Be- Stellungen für sämtliche Verhandlungen den Vorzug vor Bestellungen für einzelne Sitzungen, auch wenn diese vor den Bestellungen für sämtliche Verhandlungen entlaufen. Bestellungen für einzelne Sitzungen können daher von jetzt ab nur noch für den Fall berücksichtigt werden, daß die zur Verfügung stellenden Plätze nicht für Besucher des ganzen Kongrosses vergeben werden. Es muß also bei Bc- .Stellungen für einzelne Sitzungen damit gerechnet werden, daß unter Umständen die Bestellung nicht ausgeführt werden kann und die Rücksendung des bei der Bestellung cingcsandtcn Geldbetrages erfolgen muß. Die Versendung der Eintrittskarten kann aus tcchiiischen Gründen erst in etwa acht Tagen erfolgen. Immer wieder der Zentralverein Im Juniheft 1913 seiner Zeitschrift ״Im deutschen Reich“ versucht der Zentralvcreiu der Germanen monistischen Glaubens wiederum zu leugnen, daß er mit seiner berüchtigten Resolution nichts weiter ais eine Denunziation eines Teiles der deutschen Juden als Hochverräter beabsichtigt habe. Er hat dort doch nämlich behauptet, daß die Nation,•djiulen nicht deutschnational seien. Was bedeutet deutschnational, und warum muß icli mich dagegen wehren, wie gegen Bedrohung durch einen Mörder, nicht als deutschnational angesehen zu werden? Ich will im voraus bemerken, daß zur Definition des Begriffes deutschnational mir eins Urteil sämtlicher jüdischer Justizräte Deutschlands, auch wenn sie das Prädikat Geheimrat haben, nicht maßgebend ist, Das hängt zum Teil damit zusammen, daß die Großväter dieser Justizrätc ja nicht auch Jtistizräte waren, daß daher bei den heutigen Justizräten der politische Sinn durch Vererbung noch nicht so hoch gezüchtet sein kann, wie es zur Entscheidung einer solch schwierigen Frage unbedingt nötig ist. Ich verlasse mich also nur auf das Urteil hoher Rcgienrngs* Beamter Deutschlands, deren Beruf dmcli Generationen die Politik ist. Da höre ich mm: dem kleinen ״Jüdel“ — von dem das Volkslied sagt — zu aufrechten, selbstsicheren Menschen ist ausgezeichnet durchgeführt und in einer kultivierten, biegsamen Sprache vorgetragen. Allein die Art, wie mit dieser Geschichte die Missionsgedanken verbunden und wie sie motiviert werden, ist höchst bedenklich. In der erblindeten, aber äußerst regsamen und sensiblen Süßcle, der alten Gattin des Führers und Thoraschrcibcrs Sinai TulpenbUit, wächst die durch das heilige Land gesteigerte Messiasschnsucht zürn Glauben an die höhere Bestimmung ihres jungen l’flegesolincs, des aus einem Pogrom von ihr geretteten Findlings Samuel. Wohl erweist sich Samucl nicht als der erflehte ,,Sohn aus Davids Stumm“, aber in ihm selbst erzeugen der Drang nach Ver* imicrlichung des Palästinagefühls und nach geistiger Verjüngung des Judentums und mcssianischc Schwärmerci eine Spannung der Seele, die im Judenchristentum ihre Lösung findet. Samuel wird zum Verkündiger dieses altneuen Glaubens und für Süßelc zum Seelenbefreier. Die von der Blinden begeistert ausgesprochene Zuversicht, daß diesem Judenchristentum, das schon eine Gemeinde im benachbarten Haifa hatte, die junge Generation der Kolonie ob früher oder später zufallen werde, schließt das temperamcntvoll geschriebene Buch. ׳ Doch trotz alles psychologischen Bemühens vcrmag uns die Verfasserin von der Möglichkeit, geschweige denn der Notwendigkeit der aus den von ihr gegebenen seelischen und völkischen Prämissen sich ergebenden religiösen Entwicklung nicht zu überzeugen. Es muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß ein am jüdischen Volk, an der ״Jüdischkcit“ treu Staatssekretär Delbrück. 2. Lesung des Arbeiterkammergcs.etz.e1i 7. Dez, 1912. Bericht der ״Danziger Nst. Nachrichten“: Deutsch ist ein staatsbürgerlicher Begriff. Ei umfaßt alle Personen, die das deutsche I!1 d i g c n a t haben und b c reell tigt sind, die deutschen staatsbürgerlichen Rechte a u s z u ü b e n. Wenn wir von einem Deutsche 11 sprechen, so sind alle Deutsche gemeint, ohne Rücksicht auf ihre Abstammung. Was ist national? Kriegs minister v. Hcerfngen. Reichstagssit/ung 18. April 1913. Bericht der ״Danzigcr Nst. Nachrichten“; Der Herr Vorredner hat mich gefragt, was ich unter national verstehe: Ich verstehe darunter d na je der zeitige Eintreten für Kaiser und Reich. Also deutschnational ist jeder Bürger des detitscheu Staates, der treu zu Kaiser und Reich stellt. So, jetzt weiß ich, was deutschnational ist und erkläre darauf 11 in jeden, der mir erklärt, daß Ich als Zionist nicht deutschnational sein kann für einen Hundsfott. Es wird vielleicht in diesem Zusammenhange die Herren vom Zentralvcreiu bei ihren engen Personalbeziehungcn zur freisinnigen Partei intcrcssicren, daß nach Aussage eines hohen Regierungs■ beamten, des Oberregierungsrats Dr. Behrendt in Danzig — er hat cs in öffentlicher Versammlung als Landtagskandidat erklärt —, der Freisinn wegen seiner Verbrüderung mit der Sozialdemokratie national nicht als zuverlässig gilt. Doch das nur so nebenbei, Nun werden die Zcntralverclnler sagen: Herr Dr. Brünn 11,1t doch erklärt, daß ein Zionist nicht deutschnational sein könne! Herr Dr. Brünn hat in der Nummer 24 der ״Jüdisehen Rundschau“ erklärt, daß das glatter Schwindel sei. Da manche Leute unter Nation die Stammes- Zugehörigkeit verstellen, nach der einfachen lieber- Setzung des Wortes natio, müßten wir uns als zur jüdischen Nation gehörig bezeichnen. Oder will der Zcntralvcrcinsvorstand etwa bestreiten, daß unsere Vorfahren Abraham und Sarali und nicht Herrmann und Thusnelda waren, und dal! unsere Großväter Mcnachcm Mendel und nicht Kunibert und Jürgen hießen. Sollte einer der Herren vom Zentralvcreiu die beiden Bedeutungen des Wortes Nation auch jetzt noch nicht auseinander halten können, so müßte Ich ihn direkt für geistig impotent erklären, Vielleicht erleichtert dieser Vergleich den Herren das Verständnis der Sache. Nun haben die Zentralvcreinler aber gleich eine ganze Masse Einwendungen: Ersten» muß man nicht immer die Wahrheit sagen. Zweitens geben wir den Antisemiten recht, wenn wir uns als besondere Nationnlität stabilieren, und drittens werden wir als bcsondere Nationalität von der deutschen Regierung als ,Fremdkörper behandelt werden. Die ״Staats- Imrgcr-Zeitung“ hat cs gesagt In der Nummer 121 vom 27. Mai 1913. Dazu ist zu bemerken: ״Wenn wir darauf hören werden, was die Antisemiten sagen, werden wir entweder Schurken oder Narren werden!“ Das hat Herr Geheimrat Fuchs, der Vorsitzende des Zentral- Vereins, in seinem Referat auf der letzten Haupt- Versammlung gesagt (zitiert Seite 300, Juniheft, ,,Im deutschen Reich). Ich empfehle, dieses Wort im Bureau des Zentralvereins neben die Mesuse zu nageln, es jedem Zcntralvcrcinsredncr als Motto über seinen Vortrag oder Artikel zu setzen. Es ist allerdings zu befürchten, daß man ihm damit seine ganzen Argumente gegen den Zionismus und zugleich die Grundlagen seines Judentums wegnimmt. Ferner: Wir sollen in brüderlicher Liebe zusammen 11 alten, die Konfessionen und die Stämme. Wir sollen einem jeden Stamm se'ine Eigenheit und Eigenart lassen. Es sollen die Stämme und Berufsgenossenschaften die Hände ineinander schlagen zu gem einsamer Arbeit, 711 r Erfüllung der staatlichen Notwendigkeiten. Der Kaiser heim Ständecsseti in der Marienbürg, 29. August 1910 (zitiert nach der Jubiläums- Nummer der ״Dz. N. N,10 ,״. Juni 1913): Also die Frcmdkörpertheorie des Zcntralvcreins stimmt nicht. Und, Hand aufs Herz, wenn sie richtig wäre, was würde an den bestehenden Verhältnissen in Deutschland dadurch geändert werden? Bisher wurden wir unserer Konfession wegen als Fremdkürper betrachtet und dementsprechend behandelt, jetzt würde es unserer Nationalität wegen geschehen! Und doch ein großer Unterschied besteht und ein gewichtiges Interesse wird durch das Betonen der jüdischen Nationalität geschädigt. Es ist das der Juden, die sich taufen lassen wollen. Früher änderten sic ihre Konfession, und alle Schranken fielen, jetzt wird man ihnen sagen: ״Ihr seid nicht deutschen Stammes, wir können euch auch getauft nicht aufnihmen.“ Nebbich! Aber ist es wirklich die Aufgabe <1 es Zcntralvcreins, die Interessen der getauften Juden wahrzunchmen? Nun noch einige Bemerkungen zu einer Angelegenheit, die mit dem Kapitel ״Zcntralverein“ eng zusammenhängt: Die letzte Hauptversammlung des ״neutralen“ Jugcndvereinsverbandcs in Frankfurt, ich setze mich dabei allerdings der Gefahr aus, als Faniilicnvatcr von dem Verbandsvorsitzenden als grüner Mensch bezeichnet zu werden. Ich will dies Schwere im Interesse des Judentums tragen. Ich habe gefunden, daß wirklich die Ablehnung des zionistischen Antrages, den Zentralerem hinauszuwerfen, auf manche Zionisten einen deprimierenden Eindruck gemacht hat. 13 000 jüdisch« Jüngiinge haben sich gegen uns erklärt! Nun, die Sache ist nur halb so schlimm 1 Ich kann mir ein Urteil erlauben, da ich 2 Jahre lang 1, Vorsitzender eines der größten jüdischen Jugcndvcrcine, des Danziger, war und die Verhältnisse einigermaßen übersehe. Also von den 13 000 Mitgliedern — Herr Dr. Apfel sagt 15 000, es hieß bisher 13 000, bleiben wir bei dieser Zahl, schon sie erscheint mir reichlich hoch -- sind die Hälfte sogenannte passive Mitglieder —• passive Jünglinge, also sagen wir cs grade heraus: ältere Herren, die in einem Jugendverein so hineinpassen, wie etwa Micftnicks in einem Verein schöner Frauen als passive Mitglieder ausschen würden. Es sind dieselben braven Leute, die wir auch in den festhaltendes, das ״Gesetz erfüllendes“, jcsusgläubigcs Judenchristentum, wie die Verfasserin es aus den Israel zugesicherten besonderen Verheißungen postuliert und herleitct, die Idee des Christentums und damit sich selbst wieder vernichtet. Dann aber muß ganz, besonders gegen die gewaltsame Art protestiert werden, mit der die chassidische ״Kcwana“ in Christliehe Glaubcnsinnigkeit umgemünzt wird, so daß dann die Verfasserin den Glauben an Jcschua, den schon gekommenen und wiederkommenden König der Herzen, mit Ucberspringung vieler Ocdankcnkettcn und durch Unsbcugtmg bestimmter ekstatischer Vor- Stellungen fast wie eine Selbstverständlichkeit bringen kann. Wenn sie gerade an 'diesen Stellen von Buber beeinflußt erscheint, ■wie sich da* in dem Anklang der dunkelglänzcndcn Sprache und in vielfach erkenntlichen, oft wörtlichen Entlehnungen äußerst (ich verweise hierbei besonders auf die Legende ״Jcrusalem“), so tragen gerade diese den Anleihcnstcmpel der leichtfertigsten Behandlung eines tiefen Problems an der Stirn. Was Luise Algcnstacdt gibt, ist auch keine Bekehrung zum Christentum, sondern ein Sprung ins Christentum hinein. Mehr wird auch nie gelingen. Nach diesen Abstrichen bleibt das׳ Buch doch immerhin noch sehr zu empfehlen; es gibt jedenfalls viel zu denken und vermittelt den innigsten Kontakt mit all denen, die mit Pflug und Spaten ringen ״ums Land der Väter“. ־ J. J. Familie Mehlmann. Roman eines Konvertiten. Von Friedrich Streißler. Hermann Costcnoble, Jena 1913. - 2,75 u. 3,75 M. Ein Buch, das ein nicht• sehr anspruchsvolles Lesepublikum recht gut zu unterhalten vermag. Der Inhalt ist recht dürftig, und stellenweise sehr unwahrscheinlich, eigentlich gut nur die Milieuachilderung. Ein junger Mann läßt sich taufen, um vorwärts zu kommen, und kehrt zum Judentum zurück, weil sein Uebertritt nichts genützt hat. Ein müßiges Buch für müßige Stunden. Reichsländers Klage Zur Gründung des Landesverbandes Elsaß-Lothringen des Zentral verein• deutscher Staatsbürger usw. Nun ratet und helftI — Was mache ich da? — Es bringt mich schier aus der Balance Ruf ich nun: Deutschland, Deutschland, hurrahl Oder doch lieber: Vive la France! Mein Großvater war zwar aus Sondomir Doch die Eltern waren Franzosen Und mein Bruder Kriegsschüler in Saint Cyr Doch die Schwester wohnt —• nebbich — in Posen.• I ch könnt mit besonderm Stolz Deutscher sein Hab gedient und bezahl meine Steuer. Jetzt wünsche ich den Zentralverein — Mit Respekt zu vermelden — zum Geier, Der setzt mich jetzt zwischen zwei Stühle hin, Daß mir die Knochen krachen Na, komm ich den Herren mal nach BerlinI Die haben — verdammt — nichts zu lachen. Cha j m.

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