Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jued 1 sc 11 e ftUMWWHAU I■' Hl. U9 —■ ^0mmmm~*"m~mmmmmmmmmmmmmmm*mmmmm~m"—"»mm1mmmmmmmmmm—______ ausgeführt wurde״, so ergibt sieh, daß d.ese Bau- , täligkcil auch den hiesigen Kolonisten direkten i ■׳ Nutzen brachte, abgesehen natürlich von dem Um * jtandc, daß durch die Seßhaftmadui.ig der jüdischen j Arbeiter in der Kolonie die Anlagen derselben eine erhebliche Wertsteigerung erfahren. ״ Audi in der anschließenden Siedlung Cheizihal» wurden einige Arbeiterwohnungen errichtet. Itekanntiid. war Chederah von großen Sumpf״, umgeben, die das Schwarzwasserfieber verbreiteten ■| und viele Opfer forderten. Da* meisten dieser Sumpfe 1 wurden durch die Hochherzigkeit des Barons Fdunnui I Rot 11 schild \dn Paris trocken gelegt und ״״t EukalyptusbiiUrnen bepflanzt. Es sind' aber noch 1 einige kleine Sümpfe zurückgeblieben, die zwar da I die Windrichtung nicht nach der Kolonie geht wenig I gesundheitsschädlich sind, deren Austrocknung aber j dennoch wünschenswert wäre. Es hat sieh nun ein!Institut gefunden, welches 210 Dun am trocken legen wollte, falls der dadurch gewonnene Boden dem Institut überlassen würde. Die Kolonie nahm aber diesen Vorschlag nicht an, beschloß vielmehr, dal״״ zu wirken, daß der Sumpf trocken gelegt wird, ohne :1 dal! der Boden der Kolonie verloren gellt. Ein an- I derer wichtiger Beschluß wurde bezüglich der sehr I ausgedehnten Viehzucht gefaßt, nämlich die Anstellung ן eines eigenen Tierarztes. .יי! ו letzter Zeit haben die Landarbeiter eine aus* gedehnte zionistische Tätigkeit entfaltet. ן Der Jüdische Nationalfonds, der so viel für Chederah 1 leistet, hat auch hier seine treuen und Iiingcbungsvollen Freunde. Einstweilen sind in der Kolonie 15 . Nationalfondsbüchsen untergebracht, ein zweiter Transport soll demnächst folgen. Ferner wurden 150 Schekel entrichtet, darunter 30 von den Jemeniten. Der jetzige Gesundheitszustand der Jemeniten ist sehr erfreulich und in keiner Weise dem vom vorigen Sommer, wo so viele Krankheits-; falle vorkanten, vergleichbar. Es ist hier viel liebes- 1 arbeit geleistet worden! — Infolge der allgemeinen günstigen Lage der Kolonie finden die Jemeniten auch 1 täglich Arbeit, ln dieser Beziehung sind die hiesigen > Jemeniten viel besser daran, als ihre Landsleute in Pethach-Tikwah, die oft genug keine Arbeit finden. Beschäftigen doch die dortigen Plantagen der l.C. A. und selbst manches hervorragenden Palästinafreundes nur ganz ausnahmsweise jüdische Arbeiter. Ihre hiesige Siedlung haben die Jemeniten ״N a c 111 i e 1“ genannt. Sie sind jetzt an den Jüdischen Nationalfonds mit der Bitte herangetreten, ihnen noch eine Synagoge und ein rituelles Bad zu erbauen, wofür sie dann Miete zahlen wollen. Interessant ist, daß sie einen aschkenasischen Landarbeiter zu ihrem Vertrauensmann erwählt haben. I | Am 4. Siwan (9. Juni) verließen die ersten Absol- 1 venten, 19 Jünglinge und 5 Mädchen, das Hebräische Gymnasium in Jaffa. Der Tag wurde von Lehrern, Schülern und Freunden der Anstalt in besonders festlicher Weise begangen. TURnen s-Sport Zweite jüdische Ruderregatta Bei herrlichem Wetter versammelten sich am vergangenen Sonntag die Zuschauer der zweiten judtselten Ruderregatta an dem Dampfer, der sie nach dein Krossinsee fahren sollte. Da der grollte Teil der Erschienenen sich erst am letzten Tage wohl ' infolge des guten Wetters — zum Besuch der Regatta entschloß, war die Regattakommission, die nocli am Freitag keine hundert Billetts abgesetzt hatte, aut einen derartigen Andrang nicht vorbereitet. Alle Mitfahrenden waren froh, überhaupt noch mitgekommen zu sein und fanden sich bald mit dem großen^ Gedränge auf dem Dampfer ab. In dreistündiger Fahrt zogen die bekannten Ausflugsorte, Treptow, ürünati, Schmöckwitz und Zeuthen an ihnen vorbei. Im Restaurant ״Ziegenhals“, das an der Regattastrecke gelegen ist, wurde ein Teil des Publikums abgesetzt, damit der Dampfer die Nachzügler, die mit der Balm in großer Zahl nach Zeuthen gefahren waren, an Bord nehmen konnte. Der Dampfer fuhr dann zum Ziel der Regattastrecke und ging dort vor Anker. Vom jüdischen Turnverein Bar Kochba hatten verschiedene Abteilungen eine Wanderfahrt nach dem Krossinsce gemacht, ebenso der Jüdische Wanderb und ״Blau-Weiß" unter Führung von Dr. Weißenberg, und so waren beide Ufer des ״Großen Zuges“ diciit besetzt. Ein Teil der Zuschauer trieb sich auch in ,,Schmalzgondeln“ auf dein Wasser hemm. Inzwischen hatten die Ruderer die letzten Vorbercitungen zu dem bevorstehenden Kampf getroffen. Sie waren bereits vormittags mit der Eisenbahn hinausgefahren und hatten um 12 Uhr die letzte Mahlzeit vordem Rennen eingenommen. Die Boote wurden von einem Motorrenner hinausgeschleppt. Dieses Motorboot diente während des Rennens als Begleitboot, daß den Schiedsrichter, den Regattaleiter und als Ehrengast Herrn Hermann Struck trug. Als erste starteten die zweiten Senioren-Vierer der Ruderabteilung der Vereine Jüdischer S t u d e 111 c n und des Jüdischen Ruderklubs ״I v r i a“. Bald nach dem Start verlor im V. J.St.’er- Boot ein Mann den Rollaitz, wodurch sieh gleich ein Abstand von über zwei Langen bildete. Die V. J. St er machten sich sofort tatkräftig an die Verfolgung, und es gelang ihnen auch, allmählich auf/uholeii, zumal das Ivriaboot schlecht gesteuert wurde. Indessen reichten alle Anstrengungen nicht aus und die Ivria ging mit ■u Langen Vorsprung durchs Ziel. Die Mannschaft verdankt ihren Sieg dem guten Zusammcmirbcitcii lind der hühselien Wasserarbeit, während die V. J. St. er, die wohl an Kraft überlegen waren, durch den Unfall mit dem Rollsitz unruhig geworden, sich nicht recht zusainmenfaiuleit und so ihre Kräfte zersplitterten. Der Lohn des Siegers war der W a 11 <i e r p r e i s d e r ״Z i o!1 i s t i s c 11 c n V e r ־ einigung für Deutschland“, den voriges Jahr der V. J. St. gewonnen hatte. Danach kamen die Junioren an die Reihe, die auf festen Sitzen über 1500 in fuhren, Für dieses Retinen hatte, außer den genannten Vereinen, die Kaderabteilung des J.T. V. Bar Kochba- Hainbürg gemeldet. Dieser junge Verein hat trotz der großen Schwierigkeiten, mit denen jede Ncugrüiiduug zu kämpfen hat, recht gut gearbeitet und eifrig für die Regatta trainiert; ihr Vierer ״Bar Kochba“ wurde• mit der Balm hergeschafft. Schon bald nach dem Start zogen sieh die Boote auseinander, die Ivria gewann allmählich Terrain, während die beiden anderen auf der ersten Hälfte der Rennstrecke hart miteinander kämpften. Während die Ivria unangcfochten die Spitze behielt, fielen die Hamburger allmählich zurück, so daß die linotc mit je 4 Längen Abstand durchs Ziel gingen. Per Ivria, die besonders kräftige Schlagleute hatte, konnte der Sieg nicht allzu schwer werden, zumal im V. J. St.’cr-Boot noch in der letzten Woche der Schlagmann wegen einer Verletzung an der Hand hatte aussetzen müssen. Die Unterlegenheit der Hamburger, die an Kraft den anderen sicherlich nicht nachstandcn, erklärt sich zum Teil aus der größeren Schwere ihres Bootes, zum Ted aber auch aus der schlechten Wasserarbeit. Die Ivria hat so den Herausforderungspreis behauptet, der im Falle eines 3. Sieges ihr endgültig zufällt. Mit großer Spannung wurde das dritte Rennen erwartet, das die ersten Seniorenvierer des V. J.St, und der Ivria zusammcnführtc. Nach gleichem Start entspann sich ein heftiger Kampf. Bord an Bord wurden die ersten tausend Meter zurückgelegt. Zwar gewann zunächst die Ivria einige Meter, doch dann schob sich langsam das V. J. St .'er- Boot vor und erreichte schließlich mit t Längen Vorsprung das Ziel, hart bedrängt von der Ivria, die noch kurz vor dem Ziel ihre Kräfte zu einem letzten, wenn auch vergeblichen Vorstoß zusamnicngcrafft hatte. Die schwerere und kräftigere Muiiusenaft siegte hier über die leichtere und nicht ganz, so ausdauernde. Der V. J.St. gewann so den silbernen Pokal des de ntsehen Kreises der jüdischen Turner- Schaft, die fünf siegreichen Ruderer erhielten als Einzelpreise das bekannte Bildnis Theodor Herzis vuti Hermann Struck. Aehnlieli wurden die Sieger der anderen Kennen mit Radierungen von H. Struck und Josef Israels belohnt, während das zweite Boot des Junioren-Rcnnens die Radierung ״Jerusalem“ von Hermann Struck erhielt, daß dieser dankenswerterweise als Ehrenpreis gestiftet hatte. Die Zuschauer waren von dem Gesehenen recht befriedigt, zumal die meisten ein persönliches Interesse mit diesem oder jenem Boot verband. Dadurch gewann die immerhin noch in bescheidenen Grenzen abgclialtenc Regatta einen über ihren rein sportlichen Wert liiuausgeiiende Bedeutung, Da diese Regatta ein über alle Erwartung liiiiausgebcndes Interesse am jüdischen Rudersport bewiesen hat, wird sie in Zukunft zugleich mit der weiteren Entwicklung der jüdische» Rudervereine großzügiger organisiert werden. Nach Beendigung der Regatta brachte der Dampfer Zuschauer und Ruderer nach dem Restaurant ״Kyffhäuscr“ in Nicdcrschöiicwcidc, wo ein Saal reser• viert war,, der freilich für die noch gewachsene Teil• nehmerscliar kaum ausreichte. Hier verteilte der Vorsitzende det; Jüdischen Turiierschatt, Herr R.-A. G r e i f c 11 11 a g e n , die Preise an die Sieger und wies in kernigen Worten auf die Bedeutung des Sportes für die jüdische Renaissanccbcwcgung hin. Gemeinsames Abendessen und Tanz hielt die Besucher noch lange zusammen. Sondersitzung der Turn• und Sportfreunde beim Wiener Kongreß Die ,,W e 11“ gibt bekannt: Die Jüdische Turnerschaft hat bereits mehrfach i ersucht, sich mit der Vertretung ähnlicher Bcslrebungen in anderen Landern in Verbindung zu setzen, ohne daß ihr dies faisner anderswo als in Oesterreich und im Orient gelungen wäre. Es ist aber dringend notwendig, daß auf dein so wichtigen Gebiete der nationalen Jugenderziehung in allen Ländern nach gewissen einheitlichen Grundsätzen gearbeitet wird,! namentlich kann die Turncrscltaft ohne die Unterj Stützung der Gesinnungsgenossen aus den englisch I sprechenden Ländern nicht erwarten, daß sie die un- I bedingt erforderliche Vertretung der j ü - discltcn Nationalität bei den inte r* nationalen Wettkämpfen, insbesondere eine entsprechende Abänderung der Bestimmungen bei den olvmpisclien Spielen erreicht. Zur Wahrung unseres nationalen Prestiges ist es absolut notwendig, daß die jüdischen Turner und Sportfreunde aus alten I Ländern, bzw. deren Organisationen, in dauernde! Verbindung mit der Jüdischen Turnerschaft kommen. Der bevorstehende XI. Zioiiistcnkongrcß in Wien kann die Schaffung einer solchen Verbindung ermög* liehen, wenn die Delegierten und die anderen Teil• neliiner des Kongresses, die sich für die Fragen der Jugendpflege insbesondere durch Turnen und Sport —• interessieren, zu einer Sondersitzung zu• sammentreten. Das Kongrcflbureau wird in Wien bekanntgeben, wann und wo eine solche Sitzung atattlmdeii wird, und wir bitten alle daran inter* essierien Teilnehmer ries Kongresses, sich in Wien aus den Bekanntmachungen des Kongreßbureaus über Zeit und Ort dieser Sitzung zu orientieren und an der Besprechung teilzunelimeu. 5- AUS.ALLER WELT ־־ Deutsdiland Das ״Hamburger Frenulcnblatt“ bespricht eine Veröffentlichung der ״Vierteijahrsliefte zur Statistik des Deutschen Reiches" über ״Beruf und Religion“, der die amtliche Berufszählung von 1907 zugrunde liegt. Heber das Kapitel, das den Juden gewidmet ist, schreibt das ״Hamburger Fremdcnblatt"; Es gibt eine Bckenntnisgruppe, deren Wirtschaftsweise und Berufsverteilung nicht regional bestimmt ist: die Juden. Die Statistik von 191)7 zählt eine jüdische üesamtbevölkerung von nur 507 C00 Köpfen, also 0,9 v. H. des Ganzen. Man wird nicht erstaunt sein, von den erwerbstätigen Juden nur einen ver* schwindenden Teil in der Landwirtschaft, dagegen mehr als drei Fünftel (62,6 ״;״) bei Handel unu Verkehr zu finden. Bemerkenswert ist jedoch, daß seit 1895 dieser Prozentsatz nicht unerheblich gesunken ist, während er bei der Industrie genau im gleichen Maße stieg. Die Berufseiuseitigkeit der Juden ver* mindert sich also. Von der Gesamtzahl der in Mandel und Verkehr beschäftigten Personen sind Juden 4,2 «0 (gegen 5,7״״ im Jahre 1895). In Heer und Flotte dienen etwa 2000 Israeliten, darunter 16 Offiziere. Die Beteiligung der Juden an den ״freien Berufen“ ist größer als hei der übrigen Bevölkerung. Immerhin handelt cs sich alles in allem um nicht mehr als 13 000 bis 11000 Menschen, die als jüdische Beamte, Richter. Anwälte, Lehrer, Geistliche, Aerzte, Schriftsteller und Künstler der 500 000 bis 600 000 Personen umfassenden Berufsschicht angehören. Jü- Bischer Konfession sind 4,3 v. H. der Richter und Staatsanwälte, 0 v, H. der Aerzte und!1,7 v.,H. der Rechtsanwälte, ln der Gruppe der Journalisten, Schriftsteller und Privatgelehrten sind 8 v. H. Juden; mit, absolut genommen, 700 Personen doch eigentlich eine kleine Schar. Die Bemühungen des Herrn Waisenhausdirektors Pcritz in Königsberg, unter der Aegide de« ״Deutsch-Israelitischen Gtinciiidehundcs“ eine Ersntzkasse für die jüdischen Kultusbeamten, die sie von den Leistungen für die staatliche Angestellten* Versicherung befreit, zustande zu bringen, sind nun* mehr definitiv gescheitert, lieber die Ursachen verlautet, daß hauptsächlich die Teilnahmslosigkeit der meisten deutschen Grollgemcindcn zu diesem negativen Ergebnis geführt habe. Auf diese Weise war die Gesamtzahl der Versicherten zu gering, um ohne den Rückhalt eines exorbitant hohen Reservefonds den notwendigen Ausgleich der Risiken und die dadurch bedingte Sicherheit der Kasse zu gewährleisten. — Es sind nunmehr Bestrebungen im Gange, um die für die Kasse zur Verfügung gestellten Mittel aut anderem Wege der Alters- und Relikten Versorgung der Kultusbcaintcu dienstbar zu machen, Bemühungen, denen man nur den besten Erfolg wünschen kann. /Rumänien ln der mobilisierten Armee befinden sich über 30 000 Juden. Heute erschien eine Deputation der ״Union" der rumänischen Juden bei dem Kriegsminister und ersuchte um Zulassung der Juden als Freiwillige. England Durch die Wahl Mr. Samuels zum Abgeordneten von Wandsworth beträgt die Zahl der jüdischen Abgeordneten im englischen Unterhause nunmehr 17. Es dürfte das außer dem ungarischen Parlamente, in welchem 20 jüdische Abgeordnete sitzen, die größte Zahl jüdischer Deputierter in einem Parlamente sein. Amerika Auf Veranlassung des Anicrican-Rumanian Emaneipation Committee, über dessen Gründung bereits berichtet wurde und an dessen Spitze der Sprecher des Repräsentantenhauses, Air. Charnp Clark , steht, richtete dieser Tage der Abgeordnete von Pcnnsyivanien, J. Harnpton Moore, im Repräscntantenhause zu Washington eine Anträge an die Regierung wegen der Lage der rumänischen Juden. Mr. Clark fragte den Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten, ob die Interessen der Vereinigten Staaten cs nicht als wünschenswert erscheinen ließen, daß die Regierung in Verfolg früherer Vorstellungen in Bukarest nunmehr weitere Schritte unternehme, um die rumänische Regierung an die in Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen gej