Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1913-07-11 · Heft 28 (11.7.1913) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651815-2651844--09045-2666342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JUL Dl SC HE RUNDSCHAU . Seite 287 RUNDSCHAU DSR PR6SS2 In der ״N c ue 11 Freie 11 P »,• s sc“ nimmt der bekannte Nationalökonoiu Hofrat l)r. Eugen von Philip povich, Mitglied des I Iem׳nh;n1ses, Stcl• luii)׳ /II den jüngste« Krawallen un der Wiener Huiversitat und bedauert, daß der Senat es bei der Stellungnahme «egen die deiitsehnalionalen Ruhestiirer an Energie habe niangdn lassen. Vor allem!misse die Korrektur der Kundmachung vom Id. Mai als Zeichen der Schwache gedeutet werden, das geeignet sei, die Disziplin und Ordnung der Universität m untergraben. m ln der ״Frankfurter Z e i t u 11 behandelt Carl Freiherr von R i c h 111 o f e n das Thema ״S i 11 d d i e j n d e 11 eine k r i e g e r i s c 11 c R;1 s s e“ und glaubt diese Frage auf Grund eines reichen liistorischen lind zeitgeschichtlichen Materials vorbehaltlos bejahen zu müssen. Ausgehend von »lern Anträge der Dumadelcgicrtcn Samyslowskv und K r 11 - penski, der die Juden von der Militärpflicht ausschlichen und sie dafür mit einer Welustcuer belegen wollte, weist er auf die bekannte Tatsache hin, dalt der Zar seinen jüdischen Untertanen einen viel grillieren Prn/entsatz. /um Heeresdienste entnehme als dem Reste der unter seiner Herrschaft stehenden Bevölkenun:. Schon dies allein spreche doch gewiß nicht gegen die Kriegstatiglichkcit der Juden. Eine neuere Statistik führt die Tatsache zutage, dal) in Europa überhaupt eine weit größere An/, a h I v o 11 jüdischen Soldaten vorhanden ist, als v o n solchen christlichen Ci I a u b c n s. I >ie (HAD 000 Juden Europas liefern den europäischen Heeren 350 000 Mann. v. Richthofen, der als früherer Diplomat und Offizier gewiß ein ruhiges und klares Urteil hat, lälit dann eine lange Reihe europäischer und außereuropäischer Länder Revue passieren und findet überall Beispiele für die kriegerische Art der jüdischen Rasse und schlicht: ״Alles bisjier besagte gibt nur eine schwache, aber allgemeine Idee von dem Anteil, den die Juden jetzt in der Welt als Kämpfer und Krieger nehmen; aber wäre es unsere Aufgabe, ihre Laufbahn von den Tagen ihres Gesetzgebers Moses au zu schildern, so wurde sich die Tatsache ergeben, dali sie niemals und in keinem Zeitalter sich unwürdig gezeigt haben ihres großen Kriegers lind Helden, des Königs David.“ * Der ״Israelit‘1 beschäftigt sieh mit dem VI. Geffleindeverbandstag des ״I). I. G. B." Für die ahlehnende Haltung der Großgcmciudcu gegenüber der jüdischen Volksschule findet er die folgende Erklärung; ״Was ist denn der wahre Grund dafür, daß Berlin, Frankfurt a. M. u. a. Großgcineindeii, sich gegen die Errichtung jüdischer Volksschulen sträuben V Die Herren genieren sich eben gegenüber ihren politischen Freunden im kommunalen Freisinn, für die jüdische Volksschule e i n 1. u t r e t c n. Um hier ihre politische Reputation zu retten, geben sie ohne Schwankeu und ohne Zögern all jene Entwicklnngsdmiiccn preis, die die jüdische Volksschule für ure Erhaltung des Judentums bieten könnte.“ In Straßburg hat ein junger russischer Jude, eand. med. De I g o pol s k i, Selbstmord verübt. Er war ein Opfer der russisch-deutschen Hochschulpolitik. Die ״Neue Badische L a 11 d e s /. c i t u n g“ schreibt gelegentlich dieses Falles; ״Es ist ein Punkt erreicht, an dem die Geduld der europäischen Kulturwelt den russischen Machtt habern gegenüber zu reißen droht. Es kann nicht \ so weiter gelten, daß die Juden in Rußland, ent- | gegen dem schon vom römischen Recht formulierten Ormidsatz, daß jedermann strafrechtlich für mibeschollen gilt, so lange nicht das Gegenteil erwiesen ist, a priori gleich verurteilten Verbrechern behandelt "erden, die die Strafe der Beschränkung bürgerlieber Rechte trifft.“ Leider lehrt die Erfahrung, daß die ,,europäische Kulturweit“ sich in den Fällen, wo cs sich 11m russische Juden handelt, auf einen sehr kleinen und »enig einflußreichen Kreis zu beschranken pflegt. Unter der Spitzmarke ״Das Zentrum und die J ud e n" sclireiot die in Regensburg erscheinende‘ «tf c u t s c 11 c Israelitische Zeitung“; , ״Es ist allgemein bekannt, daß das Zentrum dafür *1״tritt, daß den Juden keine Hindernisse in der Ausübung ihrer Religion in den Weg gelegt werden; Eintreten Mallinckrodts, Windthorsts, Dr. Lieber« ״״d anderen in diesem Sinne ist der alteren Generahon wohl bekannt. Auch der Abgeordnete Gröber ist Wiederholt für die Freiheit der Religionsübung hin- *׳entlieh des Schachtcns cingetreten. Aber nicht nur '« religiöser Hinsicht hat das Zentrum seine Gcrech- Weit bekundet. Es ist auch, wie die Fortschritt- ״*nc Volkspartei, für die Durchführung der Gleich- ״*rechtigung der Juden in der Armee eingetreten. jr'e Zurückweisung der antisemitischen Angriffe des Abgeordneten Werner durch den Zcntruitisahgcordne-!" Erzberger hat die Stellungnahme des Zentrums hl* betont. Auch beim S*natsangehörlgkeitsgesetz “ wiederum der Zcntrumsabgcordnctc Grober den Antrag gestellt, daß Synagogeiigemeimleii in bezug auf die Anstellung von Ausländem den Kirehengemeinileii gleichgestellt werden. Her Antrag wurde angenommen,“ Es könnte nichts schaden, wenn manche ,,liberale“ Juden sich gelegentlich hei ihrem öffentlichen Auftreten dieser Tatsachen erinnerten. ,.-JA''nt IM f\ :11H 11UJ-! Palästinafahrten der jüdischen Jugend Durch die Erfolge der letzten Palästim!fahrt der jüdischen Turner und Studenten veranlaßt, hat sieh aus Vertretern der Jüdischen Turnerschaft des Btindes Jüdischer Corp״ratio11cn und des Kartells Zionistiseher Verbindungen in Berlin ein ständiges Komitee zur Veranstaltung von Ilnlästin:1fal1rte1t jüdisclter Turner mul Studenten gebildet. Dasselbe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erfahrung der letzten Palästinafahrt nutzbar zu machen und die nötigen Vorbereitungen für eine jährliche. Wiederholuiig zu treffen. Zunächst ist von den oben genannten Organisationen eine Palästinafalirt für das Frühjahr HJM i!1 Aussicht genommen. Das Komitee ist mit den Vorbereitungen derselben bereits bescliäftigt und stellt allen Interessenten mit jeder Auskunft gern zur Verfügung. Alle Zuschriften sind an das Bureau, Berlin W. 15, Bleibtmistr, 25, zu richten. Prof. M ü!11 e n s veröffentlichte jüngst Zahlen über die Verbreitung verschiedener Krankheiten in Jerusalem, die deshalb peinliches Aufsehen erregten, weil man sie auch auf die J uden Jerusalems bezog. Dies vcranlaßte die Jüdisch-Medizinische Vereinigung von Jerusalem zur Veröffentlichung folgender Erklärung; ״Unsere Vereinigung, in der cs Mitglieder gibt, die in der medizinische« Praxis in Jerusalem ergraut sind, hält es für ihre Pflicht, mitzuteilen, daß die Behauptungen bezüglich der Ausbreitung der Geschlechtslcrcmklicitcu unter den Juden Jerusalems vollständig aus der Luft gegriffen sind. Während mchre rer Dezennien sind liier nur ganz vereinzelte Fälle unter Juden, die aus dem Allslande zugereist waren, vorgckoniinen.“ Die Erklärung ist von Dr. A. Maste, als Vorsitzendem und Dr. Schi m o n i als Sekretär unterzeichnet. Alle Gesinnungsgenossen, besonders diejenigen, welche sich für palästinensische Dinge interessieren, werden cs freudig begrüßen, daß Herr Dr. Tsclile- 11 o f f sich entschlossen hat, die Eindrücke von seiner zweiten Palästinareise, die er voriges Jahr unternominell hat, dem weiteren Partcinublikum mit/.uteilen. Seine Schrift 5״ Jahre Palästinaarb c i t“, von; fleren russischem Original in kurzer Zeit gegen 2000 Exemplare verkauft worden sind, erscheint in deutscher Uebersetzung beim J ü d i * sehen Verlag. Die Arbeit enthält eine ausführliehe Würdigung der aktuellsten Dinge unserer Palästiunpolitik: Arbeiterfrage, Jcmeniteneinwandcrung, P. L. D. C. Nationalfonils, Schulpolitik und ncdli.ch eine ausführliche Auseinandersetzung mit Achad Ha.1111; dessen Ansichten über unsere Aufgaben und Arbeiten iit Palästina durch die deutsche Ausgabe seiner Schriften auch in Westeuropa dem weiteren Kreise der Zionisten bekannt geworden sind. — T s e 111 e 11 o f f s Arbeit wird (1—7 Bogen stark werden. Der Preis ist auf 1,— M. festgesetzt. <2. Aufl. 1 <J13, Jüdischer Verlag, Preis Mark 4,- gcb.) #♦ 2• ft[J5 Deutschland Vor einiger Zeit hatte sich die Berliner Medizinische Gesellschaft mit der Erfindung eines Tuber* kulosescrunis zu befassen, die der jüdische Arzt Dr. F r i e d in .1111 «׳ gemacht haben will. Die Ausführungen des Erfinders begegneten bei der Mehrheit der Ver- Sammlung strikter Ablehnung tind Fried mann ging nach Amerika, wo er von seiten der Regierung und privater Institutionen höchste Anerkennung fand, wenngleich deutsche Zeitungen immer noch von Fehl- Schlägen seiner |<ur, unwürdiger Reklame usw. zu berichten wußten. Vor allem die wenig wählerische antisemitische!,resse griff die Sache auf und füllte ihre Spalten mit unflätigen Beschimpfungen des jüdisclieu Erfinders. Nun ergreift im ״Berliner Tageblatt“ der bekannte Berliner Chirurg Prof. Dr. Schleich die Partei Fried 111,111 n 5 und!nacht Mitteilung von einer großen Reihe üiicrraseheuder Heilerfolge, die er und eine Reihe weiterer inediziiiiseher Autoritäten mit dem Mittel erzielt haben. 1 ׳'ri cd man 11 wäre nicht der Erste, dessen epoeliemachende Erfindung von den Zeitgenossen verlästert und von späteren Generationen gesegnet worden ist. Die Wege, die er gegangen sei, bedeuteten die gerade Fortsetzung der Arbeiten Prof. Rudolf Kochs, dessen Versuche, ein Antitubcrkiilüi zu finden, seinerzeit gescheitert seien. Nach alledem stellt also im lall Fried mann Meinung gegen Meinung und der Laie wird weitere umvidcricgiiclic Beweise abwarten müssen, ehe er sieh ein Urteil bildet. Deutsch-!and aber würde cs nicht zum Ruhme gereichen, wenn ein Mann, dem es gelungen ist, die Volksgeißel der Tuberkulose wirksam zu bekämpfen, den deutschen Staub von den Füßen schütteln mußte, um zur Ancrkcnmmg zu gelangen, mit deshalb, weil er Jude war. Der ״Hammer“ (1. Juli) bringt im Rahmen einer Polemik gegen die ״Krcuzzeitung“ einen nachträglielien Jubiläumsartikel, der mit folgenden Sätzen schließt: ״Wir haben eine große Vergangenheit fahren lassen, um nach einem glitzernden Nichts zu greifen. Und der es uns vorhielt, war ein deutscher Kaiser, dessen Bild noch den späteren Generationen unzertrennbar verbunden erscheinen wird mit den Bildern Ha II ins und Rathen aus, den Totengräbern deutscher Kraft und deutscher Ehre. Das ist unsere Bilanz der 25 Jahre.“ Es mag wohl nicht viele Deutsche geben, die ausgerechnet die beiden Leute, denen die deutsche Elektri/itätsindustrie und die deutsche Schiffahrt mit in; erster Linie ihre Größe verdanken, zu den ״Totengräbern deutscher Ehre und deutscher Kraft“ zählen. Oesterreich Bei den am Dienstag, den 24. Juni, in Bielitz abgehaltencn Wahlen in den KultusausschuS hat wieder die Opposition einen großen Sieg zu verzeichnen. Die Liste, auf welcher sich 8 Oppositiouelle befanden, drang mit einer Majorität von 50 Stirnmen bei 200 abgegebenen durch. Die Opposition, mußte 5 neue Kandidaten nominieren und es wurden auch tatsächlich die aufgestellten 5 Zionisten gewählt. — Ebenso siegreicli waren die Oppositionellen bei der Wahl der 6 Ersatzleute, die mit einer noch größeren Majorität gewählt erscheinen. Bukowina Das Waidhofner Prinzäp hat auch in der Czernotvitzer Universitätshörerschaft zu einem Konflikt geführt, der sich in Krawallen und blutigen Schlägereien entladen hat. Den Anstoß dazu gaben in die Bukowina licimgekchrtc Hörer der Wiener Hochschulen. Zwischen einem von diesen, einem Mitglied der Wiener ״Germania“ und einem jüdischnationalcn Flörer der Czernowitzer Universität kam es abends zu einem Rckontrc, in dessen Verlauf der Jüdischnatioaale den Wiener Germanen forderte, der seinerseits als Anhänger des Waidhofner Prinzips die Satisfaktion verweigerte, worauf beide zu Tätlichkeiten schritten. Von einer viclhiindcrtköpfigen Menge, worunter sich aber nur wenig Studenten befanden, begleitet, wurden die beiden zur Polizei gebracht. Die jüdischnationalcn Couleurs wandten sich am selben Abend an die beiden deutschen Burschenschäften ״Arminia“ und ,,Teutonia“ mit der Anfrage, welche Stellung sie zu dem Contrahagcfall einneltmen. Diese antworteten, daß sie zwar grundsätzlich nicht Anhänger des Waidhofner Prinzips seien, aber den Wiener Germanen persönlich zu schützen entschlossen wären, worauf die Jüdischnationalen den zwei deutschen Burschenschaften Fehde auf dein Sonntag stattfindenden Bummel ansagten. Am Sonntag fanden sich die jüdischnationalcn Verbindungen am Eingang der Herrengassc, wo der Sonntag! üm 13. Juli; Zweite Jüdische Ruderregatta auf dem Crossinsee. 4<x>; Zweites Senlnren-Rennen über 2000 m.. Wänder* preis der B. Z. V , voriges Jahr von der Ruder- Abteilung der V. J St. gewonnen 4׳»»; Junloren-Rennen auf festen Sitzen über 1500 m. Wanderpreis filr Junioren, voriges Jahr vom Hiidar-Klub ״Ivrin“ gewonnen; Khrenprols von Dr. Hermann Strunk gestiftet. 5«; Erstes Senloren-Rennoit über 2000 m. Waadorpreis des Deutschen Kreis®» der Jüdischen Turnerschuft, neu gestiftet,. ** 50י: Auffahrt. Umneblet haben die ftudsr-Abteilung das V. I. St, Und 11er Jüdisch» fUder-Kmb' ״Ivrla" filr alle Rönnen, die Rudsr-Abteüung des J T. V, Bar Koahba-Hamburg für das Junloron-Honuou. Abfahrt für Zuschauer: W» präzise von der Hchillingabritcke (Schien Bhf ) im Dampfer ״Freya“. Da laut Polizei •Verordnung die Dampfer Sonntage zur angssetzten Zdt abfahren müssen, vedleren zu epit Kam nende da« Recht auf Beförderung. Nachzügler fahren 210 vom Öilrlitzer Bahnhof mit der Vorortbahn nach Zeuthen und werden dort um P° im Restaurant ״Hankol« Ablage“ an Bord genommen, Biliets sind im Vorverkauf zum Preise von S M, (auch filr Nachzügler) gegen Voreinsendung de» Botrage» (auch In Briefmarken) bei cand jur. Ludwig Divlisoim, Oharlottenburg 4, Roseheritr. 6 sowie Im Bureau der Jddliohen furaereohaft, Charlottonburg, Blf'ihtrmistr. ‘25 m haben. Am Oampfer kost•■ dl• Bllteta 2,50 M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.