Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 277 •aufw. ״ach Komfort und Stockwerklage. Sie betragen im einzelnen (ohne Frühstück und Mahlzeiten inklusive Licht und Service): *) in Hotels und Pensionen 1 *•** ״><t 2 Bett״! I Ranges . bjin feinbürgerlichen Hotels und mwdenpensionen . c) in guten bürgerl. Hotels und Fremdenpensionen . d) jn Ocschäftshotels und einfachen Pensionen . . e) in einfachen Gasthöfen . f) in Logierhäusern (Schlaf• säle). von ca. K. 7,- *.5 ,׳ -,3 . . K. 15,- -,7 ״ -,5 . land einen außerordentlichen Ruf verschafft haben, sind bereits vom genannten■ Verein in mehreren Städten mit großem Erfolg gespielt worden. Einzel* Uciten werden wir hierüber nächstens bringen. 2,00 1.00 4,60 3,50 1 . ״,— pro Bett. Da die Logisbeschaffung aus den früher erwähnten Gründen erhebliche Schwierigkeiten bereiten dürfte, wird rechtzeitige Anmeldung hierfür beim Kongreßburcau dringend empfohlen. Ganze Gruppen von Kongrcßbcsuchcrn, die gemeinsames Quartier wünscheu, werden ebenfalls um entsprechende Mittcilungen ersucht. Der Einlaß zu jeder Sitzung und jeder Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für jede einzelne Veranstaltung besonders ausgegeben werden. Die Einlaßkarten für die Verhandlungen kosten für jede Sitzung Kr. 1.— (M. 0.85, Frs. 1,05, Rbl. 0,40, Doll. 0,20, 10 d.). Es finden cl f Sitzungen des Kongresses statt. Da schon jetzt eine große Zahl von Bestellungen auf Einlaßkarten vorliegcn und eine äußerst starke Beteiligung zu erwarten ist, empfiehlt es sich, die Kartenim Vorverkauf zu bestellen. Pie Gebühren für Kurten im Vorverkauf betragen: Er1)״i׳m1jZH»itz.uug Jede weitere Sitztunr läaitliche Plätze Sitz Logensitz Kr. 3,— Kr. 1,50 Kr. 3.— M. 2,♦SO M. 1.30 M. 2,♦io Fr. 3,20 Fr. 1,30 Fr 3.20 Rbl. 1.21 Rbl O.fiü Rbl. 120 Doll. 0,30 Doll. 0,30 1)011. 0,60 Sh, 2,« Sb 1.3 Sh. 2 Sämtliche VerhamllniiKim Sitz Liigeufutz. Kr 18.— Kr. 33,— M 15,(KJ M. 28,(10 Fr. )9,20 Fr. 35,20 Kbl. 7,20 Kbl. 13,20 Doli. 3,(10 Doll. H,(iO Sh. 15.« £ 1,7,0 Bestellungen für Einlaßkarten zu 4en Verhandlungen sind unter gleichzeitiger Einsendung des Betrages an das Kongrebbureau zu richten. Bcstcllungen, welche ohne Einsendung der entsprechenden Geldbeträge erfolgen, müssen unberücksichtigt bleiben und können nicht beantwortet werden. Am 7. und 8. September wird die Jüdische Turnerschaft auf dem Sportplatz Hohe Warte ein JüdischesTurn-undSportfest veranstalten. Damit wird sich zuin dritten Male den Delegierten eines Zionistenkongresscs Gelegenheit bieten, den Fortschritt in der Arbeit der nationaljüdischcn Turner zu beobachten. Nach dem ersten Kongreß-Schauturnen vor den Delegierten des VI. Kongresses (Basel 1903) wurde die Jüdische Turnerscliaft begründet, so daß*diese Organisation diesmal in Wien die Feier ihres zehnjährigen Bestehens festlich bcgehen wird. Die vier Jahre seit dem Hamburger Kongreß mit seinem Schauturnen haben der Turner- Schaft in erster Linie die Aufnahme und den Ausbau des sportlichen Betriebes in ihren Vereinen gebracht und dieser Fortschritt wird in dem Programm der Wiener Veranstaltung besonders zum Ausdruck kommen. Neben den vielseitigen Eichungen des deutschen Turnens werden u. a. alle Zweige der Leichtathletik, Fußball und Fechten zur Vorführung gelangen. In den Kreisen und Vereinen des Verbandes wird mit Eifer für das Fest gerüstet, so daß sich die Veranstaitung zu einer eindrucksvollen Kundgebung der turn- und sportfreudigen jüdischen Jugend gestalten dürfte. « י i Hebräische Vorstellungen während der Kongreßtage. Die Besucher des XI, Zio- »istenkongresses werden unter den anderen öffentliehen Veranstaltungen Gelegenheit haben, die hebräische Sprache auf der Theaterszene lebend zu «ehen. Der Verein der hebräischen Theaterfreunde in Lodz wird seine Truppe nach Wien senden, um während der Kongreßtage 2 hebräische Thcatcrvor- *tellungen aufzuführen. An der Spitze dieser Truppe wird der bekannte jüdische Artist Herr Julius Adler *tehen. Zur Aufführung sollen gelangen das klassische «ück von Gutzkow ״UricI Acosta“ und ״Das neue Onetta“ von Herzl. Diese beiden Stücke, die Herrn Adler und seiner Frau, die die Hauptrollen haben, unter den Freunden der hebräischen Sprache in Ru߬ «» * r>״* juüis&ie Bäuerin Eine offizielle Trägerin dieses Standes gibt es nicht und hat es wohl bei uns im westlichen Europa kaum jemals gegeben. Nein, eine jüdische Bäuerin des ״Wortes" war nicht bekannt, aber eine solche der ״Tat“ war noch vor wenig Jahrzehnten, und zwar gar nicht so selten vorhanden. Schreiberin dieses, die selbst aus einem jüdischen Bauernhause stammt, in welchem die Frau und Mutier einen gar nicht unbedeutenden landwirtschaftlichen Betrieb unter persönlicher Mitarbeit mit großer Umsicht rationell leitete hat noch viele solcher gekannt. Auf jedem Dorfe, in dem Juden wohnten, gab es welche, und den (iartenbmi verstand und betrieb die jüdische Dorfbewohnerin fast ausnahmslos. Daß davon die heutige junge Generation nichts mehr weiß, ist eine betrübende Erscheinung, Die unselige Landflucht, die so manches Gute und Schöne auch innerhalb der jüdischen Bevölkerung vernichtet, hat uns auch diesem höchsten und würdigsten Beruf entfremdet und so mußte auch die jüdische Bäuerin, die, ohne Bauer — denn der Mann ging meistens einer anderen Bc* Schädigung nach — und ohne sogenanntes ״Bauergut“ tatsächlich eine solche war — verschwinden. Wird nun dieses bedauerliche Faktum eine ew!ge Eignung unseres Volkes bleiben, oder mußte, einem geheimnisvollen Naturgesetze zufolge, unsere Bäuerin hier nur untergeben, um drüben, über dem Mittelmecrc, zu neuem Leben zu erwachen? Wird sic dort in unserer alten Heimat sich wiederfinden und eine Helferin und Stütze der jung hcraufblühcnden Kolonien sein? Wird sie den Willen und die Ausdauer haben, zur Lebensfrage der letzteren den Teil beizutragen, der für das Gedeihen einer Bauernsicdlung unerläßlich — und der nur von ihr kommen kann? - - Und wird inan es letzten Endes verstellen, dieses Pflichtbewußtsein in ihr zu wecken und zu erhalten? Wahrlich, man sollte meinen, daß es hier keine Problemc mehr gibt, denn dje Berichte, die man so liest und hört, sind so zuversichtlich, so lichtvoll, daß man jeden, aucli den leisesten Zweifel, als eine Versündigung an der Sache selbst zurückdrängt und sieb gerne — ach so gerne — der seligen Hoffnung des vollständigen Gelingens hingibt. — Und trotzdem, wie gesagt, ohne Bäuerin kein gedeihliches Bauernwesen und ohne eigene persönliche Arbeit von Bauer und Bäuerin kein Fortschritt, keine Zukunft. -- Und so viel Erhebendes man auch von drüben hört, die helfende Bauernfrau, das auf dem Felde und im Garten arbeitende Bauernmädchen, wird totgeschwiegen oder, was noch schlimmer ist — ist nicht vorhanden. Wäre nun das letztere Tatsache, so wäre eine möglichst rasche Abhilfe dringend erforderlich. Die Mädchenfarm Kineret? Ja, gewiß ist dies eine dankenswerte Einrichtung, ob sie aber auch eine vielversprechende ist — ist eine andere Frage — bleibt abzuwarten. Und warten können wir nicht mehr lange und einen Verlaß auf die in frühester Jugend heiratslustigen Kineret-Zöglinge gibt es auch nicht — besonders nicht, weil drüben noch der Trauschein mit dem Arbeitsdispens der Frau identisch zu sein scheint. Darum möchte ich die Gründung einer jüdisch-landwirtschaftlichen Frauenschule hier in Deutschland Vorschlägen. Eine solche wie erst vor ca. eincinhalb Jahren für die deutschen Kolonien im alten Schweieibade Weilbach bei Frankfurt gegründet wurde, ich glaube, daß unsere westeuropäischen Mädchen, die doch immerhin den Lebensernst mehr und tiefer begriffen haben und bereits wissen, daß es ohne ausdauernde Arbeit keine sichere Zukunft gibt — daß diese, hier herangebildet, und mit Lust und Willen sich zur Ausreise verpflichten würden — denn doch als gutes und vorbildliches Element drüben wirken könnten. Wohl sehe ich die Schwierigkeit, die die Realisierung einer solchen Forderung in sich trägt, ein — wohl weiß ich, daß noch manches andere Kapital und Arbeit verlangende palästincnsischc Problem seiner Lösung wartet, aber ich lege gerade diesem eine solche Wichtigkeit bei, daß die Erwägung nicht aufzusehicben sei und meines Erachtens nicht von der Hand zu weisen wäre. — Auch weiß ich ferner, daß sich hier in Deutschland fähige und opferwillige jüdische Frauen finden, die sich gerne in den Dienst einer solchen Sache stellen würden. — Eines aber weiß ich gewiß — nämlich, daß drüben der jüdische Bauer, besonders aber das ״Bauerngut" mit Sehnsucht wartet auf die jüdische Bäuerin. Elise Outmann. Gin jüdisches Kunstarchiv Die Quellen zur wissenschaftlichen Bearbeitung jüdischer Kunstdenkmälcr und die Biographien jüdischer Künstler fließen nur spärlich. Das zahlreich vorhandene Material ist weit zerstreut, oft noch an unbekannten (Orten bewahrt, und kommt nur durch Zufall an das Tageslicht. Viele Gemeinden besitzen wertvolle Kunstgegenständc, auch viele Familien bewahren unter den Erbstücken Gegenstände, deren kunst- und kulturgeschichtlicher Wert ihnen nicht ,,zur Oenüge bekannt ist. An verschiedenen Orten bestehen bereits öffentliche Sammlungen von Kultusgeraten, Münzen, Handschriften und interessanten Drucken. Was aber das Erfordernis einer wissenschaftlichen Bearbeitung aller dieser Dinge ist, die archivalischc Kenntnis, d. 11. die sachgemäße Notierung und Vergleichung, fehlt noch vollkommen. Was von den jüdischen Kiinstaltertüimzn zu sagen und zu beklagen ist, gilt auch von der Kenntnis der jüdischen Künstler unserer Zeit. Der häufig gemachte Einspruch, daß die Juden als Künstler nur mäßig begabt und nichts Ursprüngliches zu leisten imstände seien, ist durch das tatsächliche Material bcreits als irrtümlich nachgewiesen. Herr Karl Sch w a r z, Mitarbeiter der illustrierten Monatsschrift ״Ost 11. West“ hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, die jüdischen Kunstdenkmäler und die Werke der jüdischen Künstler zu studieren und hat auf Grund des von ihm bereit• seit Jahren gesammelten Materials ein jüdisches Kunstarchiv gegründet, dessen Zweck es ist, alle einschligigen Dokumente und Nachrichten (auch photographisclics Material) an einer Zentralstelle zu sammeln und zu erschließen. Das Jüdische Kunstarchiv steht in Verbindung mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu Berlin N. 24, Oranienburger Str. 28. Durch diese Verbindung mit einem öffentlich anerkannten Institut ist die ordnungsgemäße Verwaltung und die Sicher- Stellung des Materials für alle Zeiten gewährleistet Das Archiv enthält auch eine Lichtbilderzcntrale, die für Vorträge über jüdische Kunst und jüdische Künstler geeignetes Material beschaffen will. Das Jüdische Kunstarchiv wendet sich in einem Aufruf an alle Kreise, in erster Linie an unsere jüdischen Künstler, mit der Bitte um Ueberlassung recht zahlreichen Materials. Da das gemeinnützige Unternehmen, das eine Lücke in den bestehenden jüdischen Institutionen ausfüllt, nur durch das Entgegenkommen der Künstler und Kunstfreunde seine idealen Ziele erreichen kann, so seien auch die Leser dieses Blattes darauf hingewiesen. Nähere Auskunft über das jüdische Kunstarchiv, sowie die Statuten, sind durch das Gesamtarchiv der deutschen Juden zu erhalten. Herr Kunstmaler Hermann Strudk setzt sich mit den folgenden Zeilen für die Neugründung ein: ln diesen Tagen gelangte ein Aufruf des ״Jüdischen Kunst-Archivs“ zur Versendung. Ich möchte mir erlauben, diese neue Gründung allen Interessenten auf das angelegentlichste zu empfehlen. Es ist eia streng wissenschaftliches Unternehmen, das ohne jeden materiellen Nebenzweck nur dem einen Ziel dient, alles erreichbare Material über jüdische Kunstdenkmäler und die Werke jüdischer Künstler zu sammeln und zu bearbeiten. Eine große Anzahl jüdischer Künstler hat bereit• ihr Interesse für das Kunstarchiv betätigt, und ich bin fest überzeugt, daß auch jeder Kunstsammlcr und die an Judentum und Kunst interessierten Behörden es mit Mitteilungen und Einsenden von Material fördern werden. Der Begründer und Leiter dieses Kunstarchivs, Herr Kunsthistoriker Karl Schwarz, ist seit Jahren als eifriger und zuverlässiger Forscher auf diesem schwierigen Gebiete rühmlichst bekannt. Dadurch, daß dieses neu gegründete Kunstarchiv in enger Verbindung mit dem ״Gesamtarchiv der deutsehen Juden“ steht, ist die gewissenhafte Aufbe- Währung und die streng wissenschaftliche Bearbeitung des Materials gewährleistet. Nur auf diesem Wege kann und wird es gelingen, das unsinnige, aber oft noch geglaubte Vorurteil zu zerstören, daß das Juden- 'tum kunstfeindlich und auf dem Gebiete der Kunst nicht schöpferisch sei. Gern gebe ich mich der angenehmen Hoffnung hin, daß diese meine wenigen Worte dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Interessenten auf dieses verdienstvollc und uneigennützige Unternehmen zu lenken. am 15. Juli