Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 256 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 25 in <kn genannten Kurorten Versammlungen zu voranstalten. ■ Während der Sommermonate liegt die ״J ü ־ d isc 11 c Rundscha u“ in den öftcntliclicn Lesesälctt einer grollen Anzahl von deutschen Kur- und Badeorten aus. Wir bitten unsere Freunde, ihr Watt überall zu forden und uns aufzugcbcu, wo etwa ein weiteres Bedürfnis für die Verbreitung unseres Blattes vorlicgt. ln einer aufblühenden Stadt Westpreußens von annähernd 12 000 Einwohnern fehlt eine Buch- und Kunsthandlung, obwohl auch Voll-Gymnasium und Höhere Töchterschule, beide mit insgesamt fast 400 Kindern und etwa 1000 Vorschulkinder, vorhanden sind. Große Garnison, keine angemessene Lcihbibliothek am Platze. Ein tüchtiger, fleißiger jüdischer Buchhändler könnte sich eine gute Existenz schaffen. Auskunft erteilt unser Bureau. flUS^DCN G€M£IMD€N Berlin. Der Neue Jüdische Gemeindcverein versendet ein Flugblatt, in dein darauf liingcwiesen wird, daß im Herbst d. J. die Neu w a 111 v o n 1b Repräsentanten stattfindet und daß nur wahlberechtigt ist, wer die Steuern der letzten 3 Jahre entrichtet hat. An jeden Berliner Juden ergeht daher die Mahnung, ev. rückständige Steuern bis spätestens September d. J. nachzuzahlen, falls er nicht sein Wahlrecht verlieren will. Es ist aber ferner notwendig, daß ein jeder, der sich zu den an anderer Stelle dieser Nummer abgedruckten Forderungen des Vereins bekennt, seine Reihen durch den eigenen Beitritt und eifrige Propaganda in seinem Freundeskreise stärkt, damit er den ihm /iikommcndcii Ein- (lull auf die Berliner Jüdische Geiueimleverwaltnng gewinnt mul die in seinem Programm nicilcrgcicgtcn Ziele erreicht. Berlin. Die Sammlungen für die Missionsgescllschäften zu dem Regicrungsjubiliium unseres Kaisers haben den Freunden und Mitgliedern des Hilfsvereins der Deutschen Juden Veranlassung gegeben, den Hilfsvcrcin zur Sammlung eines verwandten Fonds für sein Schulwerk im Orient aut'zufordcrn. Der Hilfsverein ist dieser Anregung nachgekommen und hat bereits eine Reihe ansehnlicher Spenden erhalten, die für einen Kaiser-Wilhelm-Jubiläunisfonds des HiHsvcreins, der zum Ausbau des Schuhverks im Orient verwendet werden soll, bestimmt sind. Weitere Spenden werden bis zum 1. Juli erbeten, da an diesem Tage die Sammlungen abgeschlossen werden, Berlin. Austritte aus dem Judentum. Bauunternclimer Leopold Glaser, Charlotteulnirg, Steifensandstrallc 4. — Fabrikbesitzer Ludwig Sternberg, für seine minderjährigen Kinder Marion und Franz Rudolf Sternberg, Charlottenburg, Hardcnbergstr. I I. — Kandidat des höheren Lehramts Georg Jacoby, Wilmersdort, Helmstcdterstr. B). — Kaufmann Otto Scgall, Lippchncrstr. 1. —- Stabsarzt a. I). l)r. Otto Adler, Lützowstr. 48. - Dr. phil. Salomo Friedläuder, Schmargendorf, Auguste viktoriaslr. 4. Rentner Bernhard Friedland, Berlin-Karlshorst, Prinz Eitel Friedrichstr. 12. — Kaufmann Julius Carsch, Wilmersdorf, Düsseldorfer Str. 29. - Verehelichte Balmarbeitcr Emma Pfennig, geh. Hirschbcrg, Stephanstritte 5S. - Reisender Kurt Fürst, Charlottciiburg, Mommsenstr. 21. Rechtsanwalt Dr. jtir. Benno Levct/ow, Groß-Lichtcrfcldc, Kornmesserstr. 19. - Fräulein Marie Kaufmann. Potsdamer Str, 108. Frankfurt a. M. Die Errichtung einer jüdischen theologischen Fakultät in Frankfurt a. M., die Professor Martin Rade, der Marburger Theologe, vorgeschlagen hat, findet auch in Karl Lamprecht einen Befürworter. Er hat, über die Gründung der Frankfurter Universität befragt, au erster Stelle die Errichtung einer theologisch.cn Fakultät, und zwar mit drei Sektionen, einer katholischen, einer protcstantischen und einer israeltischeu vorgesclilagcii und empfohlen, einen Teil der sozialen Fürsorge für die Stadt bevölkerung auf dem Wege der Entwicklung charitativcr Einrichtungen den drei Sektionen der Fakultät zu unterstellen. Diese Hoffnung Lamprechts auf Schaffung eines neuen modernen Hochschultvpus ist ja nun wohl genommen. Aber auch vom Boden des allen Universitätsbetriebes aus bcgründet Rade jetzt in den ״Süddeutschen Monatsheften" seine Forderung aufs beste, wie ja auch D. Bornemann, der Senior der lutherischen Geistliehen in Frankfurt a. M,, eine freie religiouswisseiischaftliche Fakultät, falls eine evangelisch-theologische nicht zu erhalten sei, mit einer gleichen Anzahl von Vertretern evangelischer, katholischer und jüdischer Religionswissenschaft befürwortet. Heute nimmt die Wissenschaft des Judentums, die in privaten Hochschulen abseits von der Oeffcntlichkcit gepflegt wird eine Winkelstellung ein, auch wenn einmal eine philosonhische Fakultät einen Lehrstuhl für Talmud erhält, also für Wissen nur von einer Vergangenheit. Rade betont, daß sich die deutsche Wissenschaft, der deutsche Staat des anerkannten, innerhalb unscrer Gesamtkultur über die Ziffer mit seinem Einflu!) weit hinausreichenden Faktors bemächtigen müsse, den das Judentum bedeutet. Und man könne ihm erkennend und bildend nur beikommen von seiten «einer Religion als seines reinsten Eigenbesitzes. Das müßten beide Teile wünschen, Juden und Christen. Natürlich, schreibt Rade, muß eine Fakultät genügen, und zwar im Anschluß an eine christliche. Die fünf Lehrstühle für Altes Testament, Talmud, Geschichte des Judentums, systematische und praktische Iheologie, wären gar 'nicht einfach zu besetzen. Die jüdisYlic Religion aber träte vor das Lieht der vollen Oei'k'utliclikeit, Der Staat würde damit eine Kulturtat tun. Der Marburger Theologe schließt folgendermallen: Irgendwo zündet der Funke eines richtig gedachten Gedankens. Hony soit qui mal y pcnsc. Fs gibt in Staat und Kirche kluge Leute, die für die kleineren Gemeinschaften nur ein Achselzucken oder ein Fächeln haben. Aber aus der Sorge für das Geteilte und Kleine setzt sich schließlich die gemeine Wohlfahrt zusammen. Und das fudeiitum soll man weder verachten noch durch leidenschaftliches Für und Wider sein Sclbstbcwußtscin ins Ungesunde steigern, sondern mau soll seine Bedürfnisse erforschen und im Rahmen des vaterländischen Gcmeinueseus auf deren rechte Befriedigung bedacht sein. V/eRCINS-RUNDSCHAU Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet am Mittwoch, den 23. Juni 1913, abends 9 Uhr, in den Armin- H allen, Kommandantenstr. 5859־ (Untcrgrundhnhnhof Spittelmarkt), eine Mitgliederversammlung. Tagcsordruing: 1. ״Die Lage in Palästina und u 11 - sere Aufgabe 11.“ Referent Herr Dr. Theodor Zlocisti. 2. Diskussion, Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Eintrittspreis 20 Pf. Berlin. Die Bezirksgruppen des Neuen Jüdisehen Gcincindcvcrcins veranstalten am Montag, den 30. Juni d. J., ihr Sominerfest im Berliner Prater, Kastiiiiieu-Allce 5 -0. I>,־im vollständige Programm des Prater» wird zur Vorführung gelangen. Der Eintritt ist wie initiier bei den Veranstaltungen des Vereins sehr niedrig gehalten und beträgt 50 und 40 Pf. Eine größere Anzahl von Mitgliedern hat sich in den Dienst des Vorverkaufs gestellt. U. a. der Schriftfülirer A, Graupe, Allcusteiner Str. 7, und der Rendant des Vereins, Grün fcld, Lippchncr Straße 13. Berlin. Der Jüdische Frauenbund für Turnen und Sport veranstaltet am Montag, den 23. Juni, abends 7 Uhr, in der ״Abtei", Treptow, einen ״Gcs eiligen Abend". Näheres im Inseratenteil. Berlin. Am Sonnabend, den 21. Juni 1913, 9 Uhr abends, findet im Restaurant Nisselbaurn, Oranienburger Str. 26, ein Vortrag des Herrn Leon Chasanovvitch (Kasriel) statt über das Thema ״Der XI. Zionistenkongreß — und die Gegner des gegenwärtigen Kurses". — Freie Diskussion. — Freunde und Gäste sind willkommen. Berlin. Die Sportabtcilung des jüdischen Turn- Vereins Bar Kochba, die sich in den drei Jahren ihres Bestehens einen geachteten Platz in der Reihe der Sportvereine Groß-Berlins errungen hat, hat die zahlreichen Akademiker, die sic zu ihren Mitgliedern zählt, zu einer besonderen Akademischen Abteilung zusammengcschlossen. Durch diese Gründung soll den Studenten die Möglichkeit geboten werden, auch im Laufe des Nachmittags dem Training obzuliegen und insbesondere in den Reihen ihrer jüdischen Kommilitonen für den sportlichen Gedanken zu werben. Die Akademische Abteilung treibt unter Vermciduiig jeden akademischen Zwanges111 ־ den Sommcrscniestern: Die Zweige der Leichtathletik (Laufen, Sprung- und Wurfübungen und Schwimmen), in den Wintersemestern: Hockey, Fußball, Boxen, Turnen, Fechten und Ringen. Anfragen und Anmeldungen wolle man richten an cand. mcd. Arthur L o e w e n - stein, CharloUcnburg, Kantstr. 38. Gleichzeitig richtet der Verein eine Jugend-Sportabteilung ein für Schüler und Lehrlinge im Alter von 11—IS Jahren. Diese Abteilung wird Hockey, Fußball und Leichtathletik betreiben. Die technische Leitung dieser Abteilung wird in den bewährten Hämle« des Herrn Apothekers Landsberger ruhen. Chemnitz. Am 8. Juni er. fand der Verbandstag der sächsischen Orts- und Schckclzahlcrgruppcn liier statt, der sehr gut besucht war sowohl von Uelcgierten, als auch von Gästen aus Chemnitz und Mittweida. Außer den Delegierten aus Chemnitz, Dresden, Leipzig und Plauen waren neu vertreten der ״Verein Jüdischer Techniker" (Mittweida) und der ״Verein Zionistischer Akademiker" (Leipzig). Nach der Er- Öffnung der Tagung begrüßte der Vorsitzende die Delegierten dir einzelnen Gruppen und den Vertreter des Zentralkomitees der Z. V. f. D., Herrn Parteisekretär Kurt Rosenbaum, und dann schritt man zu den Berichten aus den einzelnen Orten. Aus diesen ist hervorzuheben, daß die Ortsgruppen Leipzig und Dresden in erfreulicher Konsolidierung begriffen sind, daß sie seit der letzten Tagung die Poscner Be- ,Schlüsse, die Erhöhung der Beiträge und Pflicht• abonuciucnt auf die ״Rundschau" für alle Mitglieder durchgeführt haben, ln Plauen wird wahrscheili^h bald die Umwandlung der dortigen Schckclzahlergruppe in eine Ortsgruppe vor sich gehen können. Von Viditigkeit für unsere Bewegung sind auch der vor einiger Zeit gegründete ״Verein der zionistischen Akademiker“ in Leipzig und der ״Verein Jüdischer Teehniker" in Mittweida, der, wenn er auch nicht .ausgesprochen zionistisch ist, doch nach mehreren Jahren schwierige« Arbeiten« sich jetzt mehr und mehr zun! Mittelpunkt aller bewußten Juden unter den Studierenden in Mittweida hcraushildct. Man besprach ferner noch die Möglichkeiten, die Jugend zionistisch zu beeinflusse« und faßte Beschlüsse, wie die Arbeit in Sachsen cinheit* lieber zu gestalten wäre, besonders auch im Hinblick auf das neueste Vorgehen unserer Gegner. Die De. batten waren lebhaft und interessant, und die Vertreter aller Gruppen und der Parteisekretär nähme« zum Teil zu wiederholten Malen das Wort Abends sprach Herr Kurt Rosen bäum in gut besuchter Versammlung über: ״Der Kampf im deutsehen Judentum gegen den Zionismus“. Redner ging von der Broschüre des antizionistischen Komitees und der Resolution des Zcntralvereins aus und deckte die wahren. Gründe der Gegner zu ihrem Vorgehen gegen den Zionismus auf. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion. Wiesbaden. Zionisten treffen sich jeden Mittwoch abend um 9 Uhr im Cafe Berliner Hof. Braunschweig. Am 7. Juni fand in Braunschweig eine vom Kartell zionistischer Studenten aus Rußland angeregte Versammlung der jüdischen Studierenden statt, die sich mit der Idee der Schaffung einer jüdischen Universität in Palästina beschäftigte. Nach dem Referate des Herrn cand. ing. Borrowoi, des Vertrauensmannes des genannten Kartells, entspann sich eine längere Diskussion, in der von zionistischer Seite Herr cand. arch, L c w i n s k i (Jordaiiiae) und Herr cand. agr. Bcspros wanny sprachen, desgleichen der Nicht/ionist F c i 111» r 1! חח, der leb• Iwift für die Idee einlr/d, während I lerr I. c » c 111 n » k i nie nblelmtc, weil eine solche Einrichtung nur der jüdischen Bourgeoisie, nicht dem Proletariate zugute käme, I lerr S 1 c in i 11 gleichfalls hei vorhob, cs müßten erst wichtigere Fragen, wie die Schaffung zahlreicher Chcdcriin in Rußland, gelöst werden. Nach 31״!stündiger Diskussion wurde folgende, der verschiedenen Meinungen wegen, ziemlich allgemeine Resolution gefaßt: ״Die Versammlung der jüdischen Studierenden in Braunschweig begrüßt die Idee der Errichtung einer jüdischen Universität als eine absolute Notwcndi״keit." Hayingcn (Lothr.). Auf Einladung des Kultus- Vorstandes hielt Sonntag, 8. Juni, Herr cand. mcd. Abraham Low im großen Saale des Hotel Terminus einen Vortrag über: ״Die modernen Versuc hc zur Lösung der J u d c 11 f r a g c". Trotz der ungünstigen Zeit und trotz der Hitze des Tages waren die Gcmcindcmitglieder verhältnismäßig zahlreich erschienen. Der Referent machte in ll/tstündiger Rede die Zuhörer mit den grundlegenden Gcdanken des modernen Judentums bekannt und wußte in ebenso eindringlicher wie überzeugender Weise darzulcgcii, daß nur auf nationalem Bock» die Lösung der Judenfrage möglich sei. Die für die hiesigen Juden neuartigen Gedankengange des Zionismus erweckten bei den Anwesenden ein derartiges reges Interesse, daß der Vorstand schon jetzt sich voranlaßt sah, Herrn Locw für den Herbst zu weiteren Vorträgen cinzuladen. Nürnberg. Am Sonntag, den 25. Mai (Lagbemuncr), fand im Rosenau-Park ein liistorisch-jüuischcs Kostümfest, veranstaltet vom Verein ״Hasamir". statt. Das Wetter, welches ,,leider“ recht warm unu schön war, war jedenfalls daran schuld, daß die Bevölkerung lieber hinaus aus der Stadt zog und deshalb das Fest nicht nach Wunsch besucht wurde. Die Darbietungen waren aber gut und erfreuten sich des ungeteilten Beifalls. Herr Korn, der geistige Vater dieses Festes, zeigte uns schon zu Purim in einer sehr großen und wunderschönen Feier, was er in Veranstaltungen von Festen zu leisten imstande ist, An keiner Stelle wurde noch Erwähnung getan, welche Anforderungen an Geduld und Arbeit nötig waren, bis ein Erntefest in Pctacti Tikwah, wie cs hier vorgeführt, zustande kommen konnte. Hier zeigten uns Kolonisten, wie sie voll Lust und Freude, voller Begeisterung in ihrer Tätigkeit ein frohes Fest feierten. Zirka 80 Personen Erwachsene und Kinder zogen, ausgerüstet mit Sensen, Sicheln, Harken und blauweißen Fähnchen durch den Saal, um dann auf der Bühne zu einem Bilde Aufstellung zu nehmen, wie man es sich großartiger und wirkungsvoller kaum vorstdien kann. Kinderreigen, anmutige Tanze und elegisch-fröhliche und schwermütig-lustige Gesänge zeigten, wie herrlich man auch in Palästina Feste zu (eiern versteht. Deklamitionen und Vorträge bcwiesen, daß der Veranstalter verstand, nur gutes Material zu seiner glänzenden Feier ous/uvväfilcn. Die Zuschauer waren von den! Gebotenen manchmal ganz ergriffen und viele bekamen durch die Darbietungen einen vollständig anderen Begriff, als wie sic ihn bisher von unserem Zukunftslamle hatten. Herr Korn gehört zu den Menschen, die im Zionismus und Nationaljudentum ihre Lebensaufgabe sehen. Die Gründung einer jüdischen Lesehalle und Bibliothek ist sein größter Wunsch. Vielleicht gelingt cs ihm, diesen Wunsch zu verwirklichen, dieses wäre im Interesse der guten Sache ein Verdienst,' denn der Erlös aus oben beschriebenen Festen sollten diesem Zwecke dienen. Wir wollen hoffen, daß der Wunsch sich bald in die Tat umsetzt.