Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 J U E D1 S C H E RUNDSCHAU Seite 255 Hebräische Kurse Aulicr dem In Berlin bestehenden hebräischen Kursus für Anfänger, beabsichtigen wir, einen Kursus für etwas Vorgeschrittene cinzurichtcn, falls sich genüfjend Teilnehmer melden werden. Wir bitten daher diejenigen, die an einem der Kurse teilnehmen wollen um gcfl. umgehende Mitteilung. ' Das Deutsche Landeskoinitce der ״Organisation für hebr. Sprache und Kultur“. Berlin-Charlottenburg, Kanlstr, g־j. es AUS ALL6R WfU ״ Deutschland ln einer kürzlich stattgefundeiicn Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Deutschen Juden wurde beschlossen, den diesjährigen Verbandstag in Hamburg abzuhaltcn. Die Tagesordnung dieser Tagung, zu der eine grolle Anzahl von ausw.htigen Delegierten und Ehrengästen erwartet wird, ist sehr reichhaltig und interessant. Erster Referent ist Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt (Königshüttc), der über ,,Die soziale Fürsorge in der jüdischen Religimi•‘ spricht. Audi ist ein Vortrag nationalöko- 11 .)iniscltcr Natur vorgesehen, dessen Thema und Refeicnt noch nicht bestimmt ist. Zur Hauptvcrsammluiig soll als Festgabe des Verbandes eine Broschüre unter dem Titel ״Soziale Ethik des Judentums“ erscheinen, die eine ,Reihe von Beiträgen von Prof. Herniaiin Cohen, Dr. Bernield sowie der Rabbiner Dr. Bloch (Posen) und Dr. Bäck (Berlin) enthalten wird. In Hamburg hat sich bereits unter Mitwirkung des Gcmcindevorstandes ein Lokalkomitee zum würdigen Empfang der Gäste gebildet. Außer eine Reihe von Festlichkeiten ist auch ein großes Festbankett im ״Hamburger Hof“ vorgesehen. In den Gemeindesvnagogcn sowie im Israelitischen Tempel wird ein I estgottesdienst stattfinden. Oesterreich ln einer Versammlung der akademischen Antidi ell-Liga, in welcher das Thema ,,I )uellscliutz oder Llireiiiiotwehr?" zur Diskussion stand, hatte (wie von uns seinerzeit berichtet) der Waidltofencr Student, Jurist Riedl, dem Referenten, Dr. Emil v. Hofhi a n n s t h a 1, die Worte zugerufen: ״Wir dulden nicht, daß ein Jude über Ehre spricht, denn die Juden sind bar aller Ehre!“ Diese Acußcrung, die in der Versammlung große Empörung hervorrief, bildete den Gegenstand einer Klage. Der Angeklagte, der den inkrimierten Zuruf zugeben mußte, verteidigte sich folgendermaßen: Er habe ״die Absicht gehabt, etwas anderes zu sagen“, und den Satz aus dem Waidhofener Programm nur ״angesichts der Umstände“ zitiert, weil er ihn ״gerade in Erinnerung hatte“, Er erkläre hiermit, die Beleidigung sei gegen den Redner, Herrn Dr. v. Hofmannsthal, ״nicht persönlicli gerichtet gewesen“ (Heiterkeit im Auditoriuin, die der Richter zwar rügt, aber verständlich findet) und nehme keinen Anstand, seine Worte, ״falls sie etwa Herr Dr. v. Hofmannsthal rnißverstanden hätte“, bedingungslos zurückzuzichcn. Da der Kläger begreiflicherweise diesen Vorschlag nicht akzeptierte, griff der Herr akademische Bürger zur letzten Ausflucht. Er halte Dr. v. Hofmanusthal gar nicht beleidigen können, und dieser sei zur Klage gar nicht aktiv legitimiert, da er — getauft sei. Man denke: Der Waidhofener, welcher die Getauften ebenso für ehrlos erklärt, wie die Ungetauftcn, bringt dieses Argument vor! Aber aucli dieses Mittel versagte. Herr Dr. v. Hofmannsthal sprang nämlich erregt auf und betonte, dal) er in direkter Linie von Juden abstamme und nach wie vor dem Judcntumc angehöre: (Getauft ist ein anderer Zweig der Familie, dem der Wiener Dichter gleichen Namens angehört.) Der jüdische Student und Bürger wird über das wenig ehrenhafte und mutige Verhalten des Waidliofcncrs vor Gericht mehr Genugtuung empfinden als über das Urteil des Richters, das auf zwei Monate Arrest lautete. Russland Wie zu erwarten war, hat die Kicwcr Gerichtskammer in ihrer Sitzung vom 6. Juni die Anklageschritt gegen Bcilis genehmigt und den Beschluß gefaßt, diesen wegen Beteiligung an der Ermordung Justschinskys vor das Geschworenengericht zu stellen. Sowohl der Vorsitzende Kamenzow als auch der Berichterstatter R y s 11 o w haben ihre a b w e i - eilende Ansicht zu Protokoll gegeben und in ausführlich motivierten Eingaben, die den offiziellen Materialien beigefügt wurden, den Standpunkt vertreten, daß Bcilis, gegen den nicht einmal irgendwelche indirekte Indizien vorliegen, sofort freigelassen werden sollte. Die anderen Mitglieder des Gerichtshofes widersetzten sich jedoch diesem Antrag, weil es ״unbequem“ gewesen wäre, den ganzen Prozeß jetzt zu liquidieren und somit einzugestehen, daß man den Angeklagten zwei Jahre lang unschuldig im Gefängnis hat schmachten lassen. Sic fanden es deshalb bequemer, daß das Gesell wor e n c 11 ger i e I! t ihn fieispreche. Um also nicht zugeben zu müssen, daß man einen unschuldigen Menschen zwei Jahre lang im Gefängnis schmachten ließ, hält man es für richtig, den armen, notorisch unschuldigen Mann noch ein paar Monate gefangen zu halten i Denn die Gerichtsverhandlung soll ja erst im Herbst stattfinden, trotzdem die ״Nowoje Wrcmja“ sich vor kurzem heuchlerisch darüber empörte, daß die jüdischen Ränkeschmiede ein absichtliches Vcrschleppungsspiel trieben, um inzwischen die öffentliche Meinung und das Gericht in ihrem Sinne bearbeiten zu können. — Die Stützen der staatscrhaltenden Parteien ruhen inzwischen nicht. Am 11. Juni hielten in Petersburg in den Redaktionsräumeii der ״Seinsclitscliina“, wie auch in der Wohnung des antisemitischen Dumaabgeordneten Samislowsky, Vertreter der rechtsstellenden Organisationen, der Nationalisten und des rechten Oktobristenfüigcls unter Beteiligung von Beamten des Justizministeriums Beratungen über die Beiiis-Affärc ab. Der berüchtigte Sciimakow referierte über die genehmigte Anklageschrift und die Versammlung faßte den Beschluß, dahin zu wirken, daß die Verhandlung gegen Beilis ohne Hinzu- Ziehung von Geschworenen stattfinde, daß strengstens verboten werde, an den Gutachten der Sachverständigen Kritik z.u üben und Fragen zu bcliandcln, die mit dem Prozeß in Zusammenhänge stehen, Ferner sollen die Berichte über die Gerichts- Verhandlung vom Vorsitzenden geprüft werden und erst nach dessen Genehmigung veröffentlicht werden dürfen, — Auf der nächsten Versammlung der genannten Gruppe soll ein hochstehender Kiewer Justizbeamtcr als Referent au!treten. Aus Kiew wird ferner berichtet: Als Verteidiger des Angeklagten Bcilis werden außer dem bckannten jüdischen Advokaten Orusenberg die Petersburger christlichen Advokaten K a rab tschcwski und Zarudni fungieren, Die Mutter des ermordeten Knaben Justschinsky hat den Dumaabgeordneten Samislowsky und die berüchtigten Judenfresser Schinakow aus Moskau und Bu- 1 a t z c I aus Petersburg als ihre Rechtsbeistände in der bevorstehenden Gerichtsverhandlung nominiert. PALAeSTINA-RlIfl DSCHfiU Eröffnung einer Filiale der A. P. C. In Tlberiaa Eine neue FilialcderAnglo-Palestinc Company wurde am Mittwoch, den 21. Mai in Tiberias eröffnet. Sie unterstellt vorläufig Herrn Gordon , dem Direktor der Safeder Filiale, und hat ihre Tätigkeit schon aufgenoitiincn, indem sic mit einem bedeutenden Teil der hiesigen jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Geschäftsverbindung getreten ist. Vermutlich wird hier bald auf ihre Anregung auch eine jüdische Lciligenossenschaft eingerichtet werden. Insbesondere dürfte die neue Filiale für die vielen aufstrebenden jüdischen Kolonien von Bedeutung werden, die sich wie ein Kranz um den südlichen Teil des Tibcriassccs lagern. Den Kolonisten dieser Gegend wird nun der immerhin etwas umständliche und daher auch nicht billige Verkehr mit Haifa erspart bleiben und die Bank wird sich, da sie nunmehr eine Niederlassung in der Nähe der Kolonisten hat, noch eingehender mit deren Bedürfnissen befassen können. Herrn Gordon, der kein zünftiger Bankmann ist, bietet die neue Filiale ein neues, aussichtsreiches Tätigkeitsfeld. Er hat von jenem Tage an, wo er als erster und auf eigenes Risiko in Jaffa ein Informationsburcau begründete, bewiesen, daß er volles Verständnis für die Aufgaben eines Förderers unserer Kolonisation hat, und cs ist daher zu hoffen, daß er cs verstehen wird, mit den national gesinnten Elementen seiner neuen Umgebung angenehme Be- Ziehungen zu pflegen. * Die Syndizierung der jüdischen Orangenpflanzer — ein Plan, über den bereits einigemal berichtet wurde — ist nunmehr einen guten Schritt vveitergekommen. Im Laute mehrerer Sitz.ungen, die am 26. und 27. Mal in Jaffa unter dem Vorsitz des Herrn S. Hooficn stattfaiiden und denen etwa 40 Delegierte aus allen jüdischen Kolonien beiwohnten, wurden nämlich die Statuten für die in allen Kolonien zu bildenden Ortsgruppen sowie für den Verband selbst durchbcratcii und endgültig festgesetzt. Zugleich übernahmen die anwesenden Delegierten die Verpflichtung, die definitive Gründung der Ortsgruppen, die überall schon vorbereitet sind, im Laufe der nächsten zwei Wochen durchzuführen. Vor Schluß der Versammlung wurde ein provisorischca Komitee gewählt, das an Stelle der Anglo- Palcstine Company die Leitung der Oeachäfte übernimmt. fr/׳'"'✓*'•‘«'* (»•(*'er■ Aufruf! Die zionistische Vereinigung für Deutschland hat beschlossen, ein Archiv für Gemeindearbeit einzuricliten. Dieses Archiv soll alles sammeln, waa auf üemeindearbeit und Oeincindepoiitik Bezug hat, insbesondere Statuten und Jahresberichte der einzclnen Gemeinden und Gemeindeinstitutionen Deutschlands, Wahlflugblätter, Aufrufe und dergl. Mit dein Archiv ist eine Auskunft- und Beratung»• stelle für Gcmcindcarbcit verbunden. Diese Auskunftsstelle soll unseren Gcsinnungsgenoscn bei ihrer Gcmcindcarbcit beratend zur Seite stehen, auch in allen Fragen der Organisation und Verwaltung der Gemeinden und Gemeindeinstitutionen, — Auskunft und Ratschläge erteilen. Mit der Leitung des Gcmcindearchivs ist Herr Rechtsanwalt Dr. Tannenwald - Hamburg beauftragt worden, die Auskunftsstelle haben Herr Recht»• anwalt Dr. Victor-Wandsbek und Herr Dr. Tannenwald übernommen. Wir bitten die Gesinnungsgenossen in Deutschlnnd, alle Materialien, welche für das Archiv in Betracht kommen, insbesondere aber Ocmeinde- Statuten, an Herrn Dr. Tannenwald, Hamburg36, Kaiscr-Wilhlemstr. HO, zu senden. Sämtliche Sachen bleiben Eigentum der Einsender. Alle Zuschriften, auch für die Auskunftssteile, sind an Herrn Dr. Tannenwald zu richten. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Herr und Frau Rechtsanwalt Dr. Klee hauen dem Zentralfonds des Actions-Comitös 1000 M. zu einer Louis und Bertha Simonstiftung überwiesen, deren Zinsen für kranke jüdische Kinder unserer Schulen in Palästina Verwendung finden sollen. * Auf der Jahresversammlung der Engl. Zion. Focderation waren 46 Delegierte anwesend. Vom Engeren Adions-Comite waren Prof. Warburg, Dr.!1 antke und Dr. Jacobsohn nach England gekommen, denn cs galt, endlich einmal bessere zionistische Zustände in England zu schaffen. Der Hauptgrund für die bisherigen Mißerfolge ist in dem Bestehen einer zweiten zionistischen Focderation zu suchen, dem ״Orden of Ancicnt Maccabaeans“. Diese Organisation ist eine Gesellschaft auf Gegenseitigkeit für Krankheit und Tod, auf nationaler Grundlage. Ihre Führer — Bentwitsch und Dr. Waitztnann — sind Gegner der Leiter der Engl. Zion. Focderation — Cowcn, Keßler usw, —, die ihnen zu sehr das politische Moment betonen. Kenner der Verhältnisse sind aber der Ansicht, daß persönliche Momente zu stark mitsprechen. Die geplante Einigung kam nicht zustände. Das einzige erfreuliche Resultat ist, daß in der Leitung der Focderation nunmehr nur Männer einer Richtung sitzen und so die Möglichkeit zum Arbeiten gegeben ist. Die Wiener Zionisten haben sich am 9. Juni d. J. in einer Vcrtraucnsmännerversammlung mit den Fragen befaßt, die den XI. Zionistenkongreß beschattigen werden und ihrer Ansicht durch die foR gende, einstimmig gefaßte Resolution Ausdruck gegeben: ״Die am Q. Jurti 1. J. tagende Vertrauensmänner- Versammlung der Wiener Zionisten spricht dem Engeren Aetions-Comitc* ihr vollstes Vertrauen aus und billigt die von ihm angewandten Arbeitsmethoden in jeder Hinsicht. Sic erwartet, daß die Leitung vom Kongresse verlangen wird, daß ihr die Majorität in den Verwaltungen unserer Finanzinstitute cingcräumt werde, und daß sic unbedingt bei dieser Forderung beharren wird. Die Vcrtraucnsmännerversammlung fordert ferner, daß das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds nach Berlin, dem Sitze der Leitung, verlegt werde. In der Durchführung dieser Forderungen erblicken die Wiener Zionisten die Gewähr für eine gedeihliche Fortentwicklung der zionistischen Arbeit.“ Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir bitten hierdurch unsere rednerisch befähigten Gesinnungsgenossen, die ihre Sommerferien in Norderncy verbringen, sich auf der Hin- oder Rückfahrt unserer zionistischen Ortsgruppe Emden für einen Vortrag zur Verfügung zu stellen. Vermitthing übernimmt unser Bureau. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen, die nach Harzburg, Thale.Suderodc und Schierke im Harz reisen, dies dem Vorsitzenden des Gruppenverbände» für Mitteldeutschland, Herrn Isaak Feuerring, Halbcrstadt, Roonstraßc 14, mitzuteiien. Der | Gruppenverband beabsichtigt auch In diesem Jahre