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Jüdische Rundschau · 1913-06-20 · Heft 25 (20.6.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 253 behauptet, die Konferenz habe beschlossen, den Zionismus zu bekämpfen. Wo sieht dies? In dem Protokoll jedenfalls nicht, auf das er sich ständig beruft, denn dort heißt es: ״Bei der vorliegenden Frage handelt cs sich nicht um die Berechtigung des Zionismus, sondern mn die Agitation für zionistische bzw. nationaljüdische Ideen unter unreifen Schülern.״ Doch steht das im Protokoll, Herr Dr. Hol-!ander!, ja es kommt sogar durch die Ablchming des Zusatzantrages Roscnthal (siehe unten) in ganz eindeutiger Weise zum Ausdruck. Das durften Sie nicht verschweigen, denn Sie mußten damit rechnen, daß das Protokoll einer breiteren Oeffcntlichkeit zugänglich gemacht werda: würde! ״Zur Geheimnistuerei lag auch gar keine Veranlassung vor״ nein, gar keine, außer der Tatsache, daß die Herren vom Vorstand noch nach der Konferenz mit Herren unseres gesdiäftsführcndcn Ausschusses über den ״Frieden״ verhandelten und daß die Vertreter des ״Z. V.״ auf Befragen angaben, sie wüßten von dieser Konferenz nichts! Im übrigen dürfte das nachfolgende Protokoll die Kampcfsnrt der Herren in das rechte Licht rücken: Protokoll der Versammlung der jüdischen Oberlehrer Berlins Im Bureau des Zcntralvercins am 14. November 1012. Anwesend waren die Herren Prof. Dr. Blaschkc, Oberlehrer Dr. Carlebach, Oberlehrer Dr. Hermann Cuhn, Prof. Dr. Hugo Cohn, Prof. Dr. Richard Cohn, Prof. Dr. Engländer, Prof, Dr. Fiegel, Prof. Fried-!ander, Oberlehrer Oeballe, Prof. 1>r. Herlich, Ober-!ihrer Dr. Heyinann, Rabbiner Dr, Hildesheimer, Rechtsanwalt Dr. Holländer, Justizrat Dr. Horvvitz, Prof. Dr. Jaffe, Oberlehrer Dr. Levinstcin, Prof. Dr. Lewins I, Prof. Dr. Oppenheim, Oberlehrer Dr. Rosenthal, Prof. Dr. Schaefer, Oberlehrer Dr. Schaver, Prof. Dr. Josef Schlesinger, Prof. Dr. O. Schicsmger, Prof. Dr. Schneider, Oberlehrer Tradclius, Prof. Dr. Türk. Sanitätsrat Dr. Wicsenthal. Entschuldigt die Herren: Prof. Samter, Prof. Neumann, Prof. Dr. Elias, Oberlehrer Dr. Rosenkranz, Oberlehrer Dr, Weißmann, Oberlehrer Dr. Eugen Wobbe. Prof. Schneider eröffnet die Sitzung um ü Uhr. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet die Beratung über die Maßnahmen, die gegen die Agitation nationaljüdisch er V e reine unter den jüdischen Schülern der höheren Lehranstalten zu ergreifen wären. Oberlehrer Oeballe, welcher über das Thema referierte, führte folgendes aus: Bei der vorliegenden Frage handele es sich nicht um die Berechtigung des Zionismus, sondern um die Agitation für zionistische, bzw. nationaljüdische Ideen unter unreifen Schülern. Wieweit diese Agitation bereits gediehen sei, ergebe sich aus den zur Verlesung gelangten Aufrufen von Jung-Juda, aus denen sic» nicht nur auf regelmäßige Versamin- Jungen jüdischer Schüler Berlins unter zionistischer Leitung schließen ließe, sondern auch hervorgehe, daß die geplante Vortragsreihe eine systematische Propaganda für die Werbung zionistischer Anhänger nisse des Himmels verraten haben und dafür mit ewiger Verdammnis büßen müßen, sind aufgehängt in den schaurigen Schachten der Berge des Morgen- Landes, zu denen die Zauberer wallfahrten. Aber der Herr erwählte sich einen Herrscher über seine heiligen Scharen: Hcnoch, den Sohn Jarcds, der nach dem Berichte der Genesis lebend in den Himmel entführt wurde. Er hatte ein gottgeweihtes Leben, voll Weisheit und Frömmigkeit geführt; und als er auf feurigem Wagen gegen Himmel gefahren war, wurde er hier zum Matatron verklärt, dem Obersten der Engel, der von dem Höchsten mit übergroßer Liebe geliebt und in alle Geheimnisse cingeweiht wird, bis er schließlich zum Verwalter der himmlischen Reiche wird, der an Gottes Seite als sein Alterego steht, von dem geschrieben stellt: ״Mein Name ist in ihm“ (Exodus 23,21). Als ihm der Herr die Krone um die Stirn band, da wurde er zu einer Fcuersäulc und Sturm und Wetter brausten um ihn her und ihm voran und ihm hintcnnach war ein Schmettern und ein Gedröhn. Als der Mensch aber Sünde tat, da glitt die ganze Schöpfung herunter und mit ihr die Herrlichkeit Gottes: alles Sein wurde gemein und erlitt großen Schaden; ein Fluch ruhte seither auf allem, was unten ist. Dieser Schuld, der alle Kreatur verfallen ist, ledig zu werden, ist der Sinn des Menschenlebens. Wir hören aus diesem Buch von Mächten und Wesen, Winden und Wassern, Lichtern und Tieren phantastischer Art, die unseres Volkes Kindersinn erdacht. Vom Vogel Milhain und dem Wildochsen, von dem großen Rad und von Leviathan, dem König der Fische, an dessen Flossen die Welt aufgehängt sei. Die Lehrer hätten daher die Pflicht, gegen die sich daraus ergebenden Mißstände einzuschreitcn. Als Millstand bezeichnet der Vortragende zunächst, daß der ethische Unterricht durch eine derartige Agitation wertlos würde, denn die Schüler empfingen durch sie andere Interessen, wie die der deutschen Schule cs verlangen, so daß sic heucheln oder offen bekennen müßten, daß sid die Ideale der deutschen Schule nicht besaßen. Redner erwähnte dann* mehrere Beispiele, aus denen hervorging, wie sehr bereits die Agitation des Zionismus auch urttcr den Schülern der initiieren Klassen gewirkt hätte. Ein zweiter Mißstaud ergebe sielt aus dieser Agi* tation für die Stellung der jüdischen Lehrer, die natürlich, ebenso wie ihre christlichen Kollegen, die Pflicht hätten, patriotische Schüler zu erzienen und denen der Vorwurf nachher gemacht werden würde, daß sie ilire Pflicht nicht erfüllt hätten. Bei dem jüdischen und deutschen Chauvinismus, der sich dann auf beiden Seiten gcgenübcrstäiule. bedeute das eine erhebliche Gefahr für sämtliche jüdischen Oberlehrer. Zur Beseitigung dieser Mißstände müßte die zionistische Agitation unterbunden werden. Redner wandte sieli gegen jede Anrufung der Autorität der Direktoren, sondern erhoffte Besserung einzig und allein durch die Hebung des Einflusses des jüdischen Religionsunterrichts, in dem die Jugend auf die schädlichen Wirkungen dieser Agitation!»!!gewiesen werden müßte. Danach müßte in den Anstalten, wo es augenblicklich möglich wäre, sofort der jüdische Lehrer eingrclfeii und auf die Schäden aufmerksam machen, au den andern Austaiten aber, wo der Religionsunterricht diese Möglichkcit noch nicht zuließe, müßten stell die jüdischen Oberlehrer durch Hospitieren oder cv. durch Uebcrtialnnc des jüdischen Religionsunterrichts für eine Besserung der Verhältnisse cinsetzen, um nachher im nngcdcutctcn Sinne zu wirken. Es gelte aber, keine Zeit zu verlieren, da Jung-Juda offenbar eine große Organisation mit Bezirksgruppen, Wanderrednern lind allen möglichen agitatorischen Mitteln darstellt. Prof, Dr. Blaschkc behandelte als zweiter Redner denselben Gegenstand und wies noch auf weitere Mißstände, die die zionistische Agitation mit sich führe, hin. In den Versammlungen käme der Sekundaner nur mit Heißspornen zusammen, die agitatorisch arbeiteten und den jungen unreifen Men* sehen vollkommen beeinflußten. Außerdem würde eine Entfremdung zwischen den jüdischen und christlichen Schülern cintrctcn. Der Zionismus, der mit den Anschaumigen der ״Staatsbürgerzeitung״ arbeite, sei ccignet, die Idee der konfessionellen c h u 1 c zu fördern: unter den Schülern würde auf der einen Seite Antisemitismus, auf der anderen Seite Zionismus als unntisblcibharc Folge entstehen. Ein weiterer Schaden bestände in der Entfremdung des Hauses. An den Abenden, die durch den darauffolgenden freien Schultag am besten für eine Ein- Wirkung der Eltern auf ihre Kinder im Hause geeignet wären, werde der Schüler durch den Besuch der Versammlungen gewaltsam aus dem Hause gerissen. Die Eltern wären zu indifferent und verhinderten den Vcrsammlungsbcsuch nicht. Aus allen diesen Mißständen ergebe sich, daß auch demjenigen, der dem Zionismus freundlich gegenüberstehe, oder Anhänger des Zionismus sei, aus erziehlichen Gründen die Teilnahme von Schülern an zionistischen Vcrsammlungea und ihre Beschäftigung mit zionistischen Schrifteil verhüten müßte. Als einziges Mittel gegen die Schäden schlage der Redner auch den jüdischen Religionsunterricht vor und warne vor der Anrufung der Direktoren. Nach diesen Referaten entspann sich eine lebhafte Debatte über die Mittel, die man gegen die Schäden ist. Und der Grundstein dieser Welt ist der Tempel zu Jerusalem; vor allen andern Ländern ist das heilige Land erschaffen worden, das der Herr selber tränkt, die ganze übrige Welt tränkt er durch einen Boten. Und für sein Volk Israel sorgte der Herr schon bei der Schöpfung: er vereinbart mit den Wassern, daß sie den Durchzug der aus Aegypten Ziehenden gestalten müssen; und in der Dämmerung des sechsten Tages, knapp vor Vollendung der Schöpfung, macht der Herr noch schnell alle die Dinge von singulärer Beschaffenheit, die später in der jüdischen Geschichte eine Rolle spielen sollten: die Sprache der Eselin Bileams, das Manna, den Mosesstab, das Maul der Erde, welches Korach und seine Rotte verschlingen sollte. Auch sinnreiche Parabeln und Gleichnisse voll hoher sittlicher Lebensauffassung hat Bin Gorion aufgenommen, die das Buch wertvoll ergänzen. Diese Sammlung von Sagen der Juden gibt uns ein Bild der bewegten Mannigfaltigkeit des jüdischen Denkens, zeigt uns die fortwährende fruchtbare Produkt(- vität des jüdischen Geistes. Diese Kenntnis hat für die Juden, die das Judentum aus dem lethargischen Zustand der Gegenwart befreit wissen wollen, einen Wert ohne Gleichen. Denn aus der Sage unseres Volkes, die wir auf einer höheren Stufe des Bewußtseins wieder zu unserem geistigen Eigentum machen, holen wir uns einen starken Strom jener Kraft, die wir in uns zu erneutem Leben bringen wollen. Das Werk ist ein Oeschcnk an die Deutsche Literatur, die hier eine entsprechende Darstellung I der jüdischen Sagenwelt zu der griechischen oder der zionistischen Agitation, deren Vorhandensein all* gemein bestätigt wurde, ergreifen müßte. Teilweise wurde die Ansicht vertreten, ohne Verzug die Direktoren zu benachrichtigen, andere wieder verlangten die Warnung der Eltern bzw. Verteilun״ von Flugblättern unil Broschüren, während die Mehrzahl von diesen Schritten Abstand nehmen zu müssen glaubte , und iin Einklang mit den beiden Referenten die Ein- Wirkung durch den jüdischen Religionsunterricht vorläufig als wirksamstes Mittel bczciclinctcn. Die Direktorenfrage müßte je nach der Stellung des Direktors zu seinen Lehrern und zuin Judentum behandelt werden; darüber ließe sich kein bindender Grundsatz aufstcllcn. Ain Schluß der Debatte entschied sich die Ver-' Sammlung gegen 5 Stimmen für folgende Resolution Blasdike: ״Die heute auf Einladung des Vorstandes des Zemralvercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glau- Ihiis versammelten jüdischen Oberlehrer Berlins erklären es für Aufgabe und Pflicht aller jüdischen Lehrkräfte, durch Belehrung und Erziehung die jüdischcn Schüler vom Besuch nationaljüdischcr Vereine und Vorträge fernzuhalten.“ Ein Zusatz Roscnthal, in die Resolution einzufügen ״. . . gleichviel, welche Stellung der einzelne dem Zionismus gegenüber cinnimmt", um zu kennzeichnen, daß die Resolution der Lehrer sich nicht gegen den Zionismus als solchen richte, wurde abgelehnt, Abgelelmt wurde gleichfalls eine Resolution 11 o r w i t z, nach der es die versammelten Oberlehrer für ihre Aufgabe und Pflicht erklären sollten, antisemitischen Hergängen und allen Ver- Sammlungen, die nationaljüuischc Propaganda unter den Schülern treiben, lebhaftes Interesse zuzuwenden und alle von ihnen gemachten Erfahrungen dem Zentralerem mitzutcilen. Ferner wurde abgelehnt ein Vorschlag des Prof. Blaschkc, die jüdischen Lehrkräfte sollten die jüdischen Schüler nicht nur von dein Besuch national-jüdischer Vereine und Versammhingen, sondern auch von der Lektüre zionistischer Schriften abhaltcn. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Hamburger Lehr er frage, Prof. Schneider referierte über die Acußcrungcn des Hamburger Schulrats Brütt, sowie über die vom Verein dagegen veranlaßte Protesterklärung, über die eingclaufcncn Zustimmungskundgebungen und über die Bedenken, die gegen eine Protesterklärung erhoben wurden und bat die Versammlung, sich über gegen Brütt zu unternehmende Maßregeln zu äußern. Nachdem Dr. Holländer erklärt hatte, daß die Acußerung weniger die persönliche Meinung Brütts darstclle, als den Standpunkt des Senats kennzeichne und aus der Mitte der Versammlung zahlreiche Zweifel erhoben worden waren, ob die Äußerung überhaupt in der bekannten Form von Brütt gefallen sei, da er in ähnlichen Fällen sich nicht derart scharf ausgedrückt hätte, wurde allgemein die Ansicht vertreten, daß eine Protestresolution im vorliegenden Falle keinen Zweck hätte. Mit überwältigender Majorität wurde der Be- Schluß gefaßt, in der Hamburger Lehrerfrage überhaupt nichts weiter zu veranlassen. Die Versammlung beschloß schließlich, an sämtliehe Teilnehmer der Versammlung und an die zu derselben Eingeladenen ein kurzes Referat über die Versammlung und die gefaßten Beschlüsse zu erstatten. Schluß 12 Uhr. gez.: Kley ff. Manches aus den Darlegungen Holländers ließe sich noch widerlegen, manche schiefe Dar- Stellung richtig stellen, aber wir dächten, das nordischen erhält. Die Verdeutschung der Texte ist rhythmisch getreu gelungen. Aber für den deutschsprechenden Juden, der sein Wissen vom Judentum bis jetzt aus deutschgeschricbenen Quellen schöpfen muß, ist das Buch ein nationales Schatzkästlcin. Es sollte in keinem jüdischen Hause fehlen. Und unser Dank gebührt nicht nur dem Verfasser selbst, sondern auch dem Verlag und allen Freunden der Sache, die das Entstehen des Werkes ermöglicht und gefördert haben. Prag. Robert Weltsch. Im ״Brunner Tagesboten". Kleiner Anzeiger, war vor einiger Zeit folgendes Inserat eingeschaltet: ״Möbl., reines, separ. Gassenzimmer an soliden Htfrm zu vermieten. Israelit ausgeschlossen. Wintcrhollcrplatz Nr. 13, 1. Stock, Tür 3.“ Zwei Tage hierauf erschien in der Administration des genannten Blattes ein Jude, der ein gleichlautendes Inserat bis auf die Worte ״Israeliten ausgeschlossen“, ״Christen ausgeschlossen", cinschalten wollte. Der Administrationsbeamte übernahm das Inserat und erlaubte sich die Frage: ״Sind wir denn Hottentotten?״ Hierauf bemerkte der das Inserat aufgebende Herr in höflieber Weise: ״Nachdem Sie Inserate mit dem Texte: Israeliten ausgeschlossen, werden Sie wohl auch dieses Inserat aufnehmen. Das Inserat wurde bezahlt, und siche da, es erschien anstatt des aufgegebenen Inserats ein Inserat: ״Möbl. Zimmer für Israeliten zu ver• geben." Das betreffende Blatt gehört der deutsch• freiheitlichen Parteirichtung an. r #

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