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Jüdische Rundschau · 1913-06-13 · Heft 24 (13.6.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVIII (1913)
Issue
Heft 24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 2*1 stell mit den Tendenzen einverstanden erklärt, in denen die jetzige Leitung gearbeitet bat. so wird es möglich sein, diese Tendenzen nocli stärker zu betonen und die weitere Arbeit auf sie .uifzubaucn. Es war in früheren Jahren nicht üblich, daß das A. C. die Debatte über die Kongrcllfragcn cröffnetc. hn Gegenteil. Die Kongrclidclegiertcn waren über die tatsächlichen Verhältnisse vielfach vollkommen unorientiert und über ihre gegenseitigen Wünsche nicht informiert. Daher wurden die Delegierten niciit immer mit Rücksicht auf bestimmte Anschauungen gewählt, muh wußten die Delegierten sämtlich, was sie eigentlio! von dem Kotigreh wollten. Wenn wir diesmal die Diskussion eröffnen, so wollen wir damit erzi ieit, dal! die.Kongrcßwahlcn unter bestimmten Gesi.hispunkten erfolgen sollen. Wir'wollen einen zuwlässigen Mafistab dafür erhalten, was die Orgaiir.,!non fordert. Deshalb stelle ich auch nicht an, die Frage des m nen E. A. C. zu behandeln. Ich halte die Frage muh nicht für so wichtig, wie sie auf dem letzten Kongreß war. Es würde eine Gemigiiiung für uns suii. wenn auf dem Kongreß die Personenfrage in d. 11 Hintergrund treten könnte und die Aufmerksamkt 1t des Kongresses sich immer mehr den sachlichen Fragen /!!wendete. Unsere Organisation muß sich immer mehr neutralisieren. Ihre Arbeit kann nicht abhängig bleiben von einzelnen Personen. Die jetzige Leitung ist an sich bereit, die Geschäfte der Organis.ition wieder zu übernehmen, wenn sie ihr der Kongrell anvertraut, unter der Voraussetzung, daß der Kongreß sich auch die Richtung ihrer Arbeit zu eigen macht. Denn wir können nur in jener Riehtimg arbeiten, die wir für richtig halten. Für den Kongreß handelt es sich darum, ein riehtiges Urteil über einen großen Komplex von Tat- Sachen, die ihm vorliegen, zu erhalten und nicht Versprechungen für die Zukunft entgegenzunehmen, für die die sachliche Basis nicht gegeben ist. Daraus ergibt sich die Tatsache, daß wir nichts anderes zur Diskussion stellen, als unser altes, unser jetziges Programm! Nur in einem Punkt wollen und müssen wir eine Aendcrung der bestehenden Organisationsvcrhältnissc fordern. Sie wissen, daß hinter den Kuiissen des letzten Kongresses ein Kompromiß geschlossen worden ist. Man hat dem I. A. C, wohl die Leitung anvertraut, aber nicht die Machtmittel der Partei. Deshalb ist ein Aufsichtsrat des J. C, T. gewählt worden, in dem das L. A. C. sich in der Minorität befindet. Es ist ja kein Geheimnis, daß die Arbeitsweise, vor allem auch die politische Arbeit de» I:. A. C. vom Großen Actions-Coinite mehrmals gebilligt worden ist. Wir können uns wirklich darauf berufen, daß wir nicht nur in Wien eine Majorität unserer Bewegung vertreten. Um so unverständlicher wäre es, wenn man das Prinzip aufrecht erhalten wollte, uns nicht den vollen Einfluß auf jene Institute einzuräumen, die nach dem Willen Theodor Herzls die Instrumente der zionistischen Organisation als der Organisation des jüdischen Volkes sein sollten. Wir verlangen deshalb schon aus moralischen Gründen, daß das O. A. C. den unbeschränkten Einfluß im Aufsichtsrat der Bank erhalte. Das System, das träges Blut, daß wir uns nicht erheben, nicht lieber auf dein Schlachtfeld als auf der Tortur sterben wollen . . . Gab es je eine Revolution, welche gerechter wäre als die, wenn die Juden in jener Stadt aufständen, sic von allen Ecken anzündeten, den Fulvcrturm in die Luft sprengten und sich selbst mit ihren Peinigern töteten? Feiges Volk, du verdienst kein besseres Los! . . Und zwei Monat später nach der Lektüre ״Nathans des Weisen“: ״Was ich dabei fühlte, als ich von solchem Meister so meisterhaft mein Volk verteidigen sah, läßt sich denken. Und ob ich es gleich hundert und aberhundert Mal gelesen.“ — Da» ist der junge Lassalle: ein begeisterter, impulsiv und instinktiv nationalfühlender Jude, der jeden Schlag, der einen ״Dantasccner mosaischen Glaubens“ trifft, als Schändung am eigenen Leibe empfindet und der sich in glühenden ehrgeizigen Plänen für seines Volkes Zukunft ergeht. Lassalle der Mann hat andere Ideale: seine Tätigkeit galt dem vierten Stand und nicht der Judcnlieit. Ja, man erzählt sogar, daß er sich einmal absprechend über die ״Juden und die Journalisten — leider sei er beides11 ausgesprochen habe. Was will das heißen? Lassalle der Mann ist der Feuergeist geblieben, der er als Knabe war. Aber mußte, selbst wenn sein jüdischer Idealismus noch lange der gleiche geblieben wäre, er nicht langsam erlöschen in der stickigen Atmosphäre des deutschen Judentums der damaligen Zeit, in die kein frischer Zugwind hineingelassen wurde und in der der Ruf eines Moses Heß ungehört verhallte? Das deutsche Judentum jener Zeit, dem ein Heine und ein Börne den Rücken gekehrt hatten, war nicht derart beschaffen, daß es einem so schrankenlosen Idcalisraus und Ahnenstolz neue Nahrung hätte geben können. Und so kam denn die natürliche Reaktion, heute herrscht, birgt die Gefahr in sich, daß die Machtmittel der Organisation — dieser Organisation entfremdet werden. Die Bank ist nicht gegründet worden, um Wechselgeschäfle zu machen, nicht einmal, um in Palästina jüdisches Gewerbe zu unterstützen, soliden! um der Organisation die erfarderliehen Machtmittel zur Verfügung zu stellen. Deshalb muß das O. A. C. die Herrschaft über die Bank wiedererhaltcn. Der Jüdische Nationalfonds Ist das Vermögen des jüdischen Volkes, dessen Verkörperung unsere Organisation ist und deren Repräsentanz das O. A. C. ist. Dieses muß im Rahmen der Statuten die Vcrfiigung über den Nationalfonds haben. Allerdings, sind die Arbeiten des Nationalfonds und der Bank zum großen Teil technischer Natur. Es kommt aber darauf an, in welcher Tendenz diese Arbeit geleistet wird. Diese Tendenz, muß die Tendenz des (i. A. C. sein, die Tendenz der Organisation. Wenn das G. A. C. nicht in der Lage ist, seine Tendenz zum Durchbruch zu bringen, so besteht die Gefahr, daß sich Nebenreglcrur.gcn bilden, die unsere Arbeit hindern. Deshalb verlangen wir, daß das G. A. C. wieder die Herrschaft über die Bank und den Nationaifonds erhält. Das wird die Schlagkraft des. A. C. bedeutend erhöhen und eine ganze Anzahl von ■Hindernissen aufheben. Daß solche Hindernisse jetzt bestanden haben, beweist die Geschichte des Bezatel. Uns war es klar, daß die Organisation dafür eintreten müsse, dem ßezalel das nötige Betriebskapital zu seiner Erhaltung zu beschaffen, wenn nicht die ganze Stellung unserer Organisation in Palästina erschüttert werden sollte. Die Beseitigung der Hindernisse hat uns eine unendliche Kraftvergeudung gekostet. Wir sind übrigens mit dieser Forderung in sehr guter Gesellschaft — in der Gesellschaft Theodor Herzls, der in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit immer ähnliche Kämpfe führen mußte wie wir. Gerade diesem A. C. wird es übel genommen, wenn es sich immer wieder auf Hcrzl beruft und trotzdem wird einmal der Geschichtschreiber des Zionismus »!gestehen, daß gerade wir mit unserer Arbeit auf die bestimmenden Grundsätze der Herzischen Periode »irückgegriffen haben. Wenn wir in der Jahreskonfercnz den Antrag gestellt haben, den Kongreß in Wien abzuhalten, so geschah das nicht, um der Opposition das Auftreten möglichst schwer zu machen. Wir wußten, daß die Majorität unsere Arheitstenden/en billigt. Wir wollen nach Wien gehen, weil wir der Ucberzeugung leben, daß wir in die Stadt geben dürfen, in der der politische Zionismus entstanden int, Wir haben so oft darüber debattiert, worin der große Schwung bestand, der die Organisation in den ersten Jahren erfüllte. Die Erfolge waren klein, die Zahl der Schekel nicht groß, die Zahl der Vereine gering, die Zahl der Enttäuschungen groß. Die kulturelle Tätigkeit war ganz im Anfang. In Palästina war so gut wie nichts geschehen, und doch war ein gewaltiger Schwung da, der nicht nur auf der Persönlichkeit Herzls beruhte, sondern darauf, wie Herzl die Bewegung auffaßte: Der Zionismus muß die Frage des jüdischen Volkes von großen und in — übrigens wieder typisch jüdischer Selbst- Verspottung mag das Wort von den Juden und Journalisten gefallen *ein. Heine, Börne, Lassalle I Die drei im Grunde so urjüdischcn Naturen, die ihr ruheloser Geist und die Not der Zeit nicht in der Mitte der Ihren ließ. Zwar ist Lassalle bis an sein Lebensende Jude geblichen, aber sein Denken und Fühlen galt doch in der Glanzperiode seines Lebens nicht mehr seinem Volke, das ihn ,den stolzen Feuergeist in jener Periode würdeloser Assimilation ja abstoßen mußte, je mehr er ' mit ihm in Berührung kam, Heine, Börne, Lassalle I Daß Euer Leben in jene Zeit ödester Stagnation im Judentume fallen mußte, daß ihr den Flügelschlag einer neuen Zeit nicht mehr hören durftet! Ein Mcnschenaltcr später, und ihr wäret vielleicht die Ersten gewesen, die freudigen Herzens m den Fahnen des jungen Juden* tuitis geeilt wären I — Der alte Treppenwitz der Weltgeschichte — ein Anachronismus, der uns teuer zu stehen gekommen ist. Bicher und Zeitschriften Juden als Erfinder und Entdecker*). Was das Buch will, läßt schon sein Titel ahnen: Der vielgehörten Behauptung entgegentreten, daß den Juden die genialen Menschen und der Wagemut fehle. Ein einleitender, von Dr. Nathan Birnbaum geschriebener Aufsatz, der sich durch eine gedankenvolle und ruhige Darstellung auszeichnct, spricht sich über diese Aufgäbe deutlicher aus. Eine Sammlung von über 200 •) Veröffentlichung der Henriette-Becker- Stiftung. Welt Verlag, Berlin-Wllmersdort. Mit 8 Porträt-Tafeln. Preis 3 M. Gesichtspunkten aus auffassen und ein System schaffen, aus dem heraus die Z.ukunft neu gestaltet werden kann. Er muß seine Forderungen klar und eindeutig stellen und sie ohne jedes Kompromiß ver• treten, d, h. eine radikale Nationalpolitik treiben. Nun, weil wir glauben, daß die Tendenzen Herzte in der Organisation lebendig geworden sind, gehen wir nach Wien, in dfc Stadt, in der Hcrzl gewirkt und den politischen Zionismus organisiert hat. ItO Die jüdische Öffentlichkeit beschäftigt sich in letzter Zeit mehr als seit langem mit der ״Ito“, Zangwills ״territorialer Organisation". Die Ursache ist, daß man die Auflösung der Ito als bevorstehend betrachtet, nachdem ihr die Pariser .״!ca“, ihre ältere und sehr viel größere Schwester, da■ letzte wcgzunchmen drohte: die Leitung der amerlkanischcn Emigration via G a 1 v c 81 o n. Nach den neuesten Nachrichten ist die Tode»- nachricht verfrüht, und bei entsprechender Entwicklung würden wir uns aufrichtig freuen, wenn die vorzeitig Totgesagte sich des üblichen um so längeren Lebens erfreuen dürfte. Das Tatsächliche an den Meldungen war, daß der Ito die von den englischen Rothschilds gestellten Mittel ausgingen. Es ist nie gut, wenn eine Organisation, statt ein eigenes Leben zu führen, in Wirklichkcit nur die Ausführungsstelle der Aufträge Ein- /einer ist. Der Fehler ist aber eben jetzt «in wenig dadurch gemildert, daß eine kleine Gruppe potenter Freunde des Galvcston-Planes vereinigt werden konnte, die nunmehr — zunächst für einige weitere Jahre — die Beschaffung der Kosten auf sich nehmen wollen. Die Herren Jacob 11־. Schiff und Leon Brodsky sind hinreichende Garantie für die Durchführung der Beschlüsse der kleinen Konferenz, die vor kurzem den kleinen Rest der Ito- Getreuen in London vereinigt hat, und die Fortsetzung der Galveston-Affäre durch die Ito ist wieder für eine Zeit gesichert. Aber mehr sagt das auch nicht, als daß ein minimaler Teil der großen jüdischen Auswanderung nach Nordamerika weiter durch die ito (statt durch die ica) via Galvcston geleitet und statt in die fast nationale Konzentration New Yorks in die westlichste Zerstreuung gebracht werden soll. Die ganze Galveston-Angclcgenheit könnte uns ziemlich gleichgültig sein, wenn nicht die jüdische üdfentlichkcit sich düpieren ließe, aus dieser wenig wirksamen Teilcrsdieiiiung einer den dauernden jüdigehen Interessen schädlichen Emigrationsbewegung einen wichtigen Beitrag zur definitiven Lösung der Judenfrage »1 machen. Zangwill selbst hat noch in der Wiener Ito- Konferenz von der Galvcston-Sache ungefähr gesagt: ״Ito ist das freilich nicht und kann cs nie werden." Aber er ist von der Schuld nicht freizusprechen, daß er die Irreführung des Publikums zuläßt und damit nährt, daß nämlich die Ito dazu da sei, nicht ein neue« Land zu finden, dessen Besiedelung durch Beispielen, die von Ernst Hcppncr besorgt ist, erfüllt sie. Wir erhalten in den beiden Abschnitten dieser Sammlung deren erster die Biographien von besonders hervorragenden jüdischen Erfindern, Entdeckern und Organisatoren, und deren zweiter kurze biographische Daten zahlreicher anderer in alphabetischer Reihenfolge bringt — sehr intcrcssante Aufschlüsse, namentlich über den jüdischen Ursprung einiger der wichtigsten modernen Verkehrserfinduiigeu. Die Heiiricttc-Bccker-Stiflung verdient allen Dank für ihre Veröffentlichung, die geeignet ist, ein unentbehrliches 1 faudbuch für alle zu werden, die sich praktisch und theoretisch mit den ein* scliiägigcn Engen beschäftigen. — Die Ausstattung des Buche» Ist vorzüglich. Die Generalanzeigerpresse alt Herd der Korruption. Von Walter Hammer, Verlag: Dr. Hugo Vollrath, Leipzig 1912. 0,80 M. Wir wollen nicht verfehlen, auf diese tapfere kleine Schrift hinzuweisen. Mit scharfer Kritik geißelt der Verfasser den unheilvollen Einfluß der ״parteilosen“ ״neutralen“ Inseratenpreise, die die vornchinsten Aufgaben der Presse dem Interesse de» Profits durch die Inserenten opfert. Trefflich zeigt er die unermeßlichen Schäden, die durch diese Press« entstehen, in der er mit Recht einen ״Herd der Korruption“ sicht. Wir glauben besonderen Grund zu haben, diese Schrift zu empfehlen. Denn in bezug auf unsere Bewegung ist der Umfang der ״Generalanzeigerpresse“ noch erheblich größer als sonst. Wir haben es ja bei der Sombartangelegenheit erlebt, wie gern seiträt sonst sehr angesehene Blätter der Methode des Totschweigen! sich bedienen, sobald es sich um den Zionismus handelt. C Z. K,

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